Hallo Sternenfreunde!
Nachdem der Postbote gestern - noch bevor ich zur Arbeit bin - das Paket mit dem
Teleskoptubus gebracht hat, hab ich gleich mal überprüft, ob alles heil angekommen
ist. Bingo: Alles bestens, kein Problem. Also erstmal zufrieden ins Büro gedüst.
Na, so ab nachmittag um drei hielt mich nimmer viel im Labor und so hab ich dann
so gegen kurz vor Vier die Segel gestrichen und bin wieder heimgedüst, wo schon
der neue Tubus sehnsüchtig auf mich wartete.
Nun gings also ans mechanische:
Als Montierung benutze ich die Vixen-Cosmostar-baugleiche Montierung des Optimus.
Allerdings nicht auf dem Alustativ, sondern auf dem Holzstativ meines bisherigen
4,5-Zöllers. Dazu mußte ich die Stativbeine an der Innenseite oben mit der Feile
ein klein wenig zuschleifen - 5 Minuten Arbeit mit prima Erfolg:
Auf dem Holzstativ steht die Montierung extrem viel vibrationsfreier wie auf
dem Alustativ, dessen Alubeine bei Anregung des Tubus zu Torsionsschwingungen neigen!
Mich wundert, warum Dörr, Bresser und wie sie heißen, die billigeren Teleskope
auf EQ-2 mit diesem schwarzen Holzstativ liefern und bei den teureren Rohren das
teurere und schwingungsanfälligere Alustativ druntersetzen. Mir ist das ein Rätsel.
Nun sitzt also der 130/900er-Newtontubus sehr wackelfrei auf der Optimus-Montierung.
Nur ein größeres gegengewicht muß ich mir noch organisiern, das für den 70mm-Refraktor
ist etwas unterdimensioniert - aber es geht trotzdem und wär natürlich im Flugzeuggepäck
eine Gewichtseinsparung!
Sehr gut gefallen tut mir auch der fokussierbare 6x30-Sucher. Mit Schnellwechselprismen-
halterung und - jetzt kommts - von den drei Justierschrauben ist eine ein federndes Element,
so daß der Sucher mit den beiden andren Schräubchen ganz gefühlvoll innerhalb weniger
Sekunden ausrichten läßt. Ein sehr gut gemachtes Detail, genauso wie die beiden Rohrschellen mit
metrischen Gewindebohrungen für Piggypackmontage.
Zur mechanischen Stabilität: die Cosmostarmontierung trägt den 130/900er Newton visuell wirklich
erstaunlich gut. Das Holzstativ verbessert die Stabilität enorm. Die Kombination
Holzstativ / Cosmostar-Montierung / 130mm-Newton ist DEUTLICH stabiler und schwingungsärmer
als die Original LIDL-Kombination Alustativ/Cosmostar-Montierung/70mm-Refraktor.
Auch bei 180x läßt sich das ganze feinfühlig und vibrationsfrei nachführen. Klopft man bei
180x kräftig gegen den Tubus, sind die Schwingungen innerhalb 2-3 Sekunden abgeklungen.
Fokussieren ist auch bei 180x kein Problem. Die LIDL-Monti ist schon ein erstaunlich
brauchbares Teilun echt jede Mark wert. Und ein 70er Refraktor war ja auch noch dabei...
Und nun zum visuellen Eindruck, davor aber erst die Beobachtungsdaten im Telegrammstil:
Teleskop:
Dörr Atlas 2000, 130mm-Newton auf äquatorialer Montierung und Holzstativ; Hauptspiegelbrennweite 900mm, macht ein Öffnungsverhältnis von 1:6,9
Okulare:
26mm-Plössl von MEADE, Serie 4000 (35-fache Vergrößerung) 7mm Ortho von Celestron (128-fache vergrößerung)
6,3mm-Kellner von Bresser (143-fache vergrößerung)
5mm Eudiascopic von Baader (180-fache Vergrößerung)
Sonstiges:
2x-Barlowlinse, Celestron ultima, 3-linsiger Achromat mit Luftspalt
Baader Skyglow Filter
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Zeitpunkt:
29. August 2001, 22:00-23:30
Visuelle Grenzgröße:
ca. 5mag
Durchsicht:
gut
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Doppelsterne:
Epsilon Lyrae
Galaxien:
M31, M32, M110
Kugelsternhaufen:
M15
Offene Sternhaufen:
h und chi; M52
Planetarische Nebel:
M57, M27
Gasnebel:
Sonstiges:
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Das erste Objekt war M57, der Ringnebel in der Leier. Erstens, weil er das Lieblingsobjekt von
Bärbel ist und zweitens, weil ich ihn erst neulich im 114er Newton beobachtet hab, bei ähnlichen
atmosphärischen Bedingungen. Schon bei 35x steht M57 deutlicher im Okular wie im 114er, die
Ringform kommt bei der niedrigen Vergrößerung gegenüber dem 114er einfach schon viel auffälliger
raus, 70x bringt nochmals eine Steigerung. Und bei 180x ist M57 immer noch perfekt zu sehn, sogar,
daß der Südteil des ovalen Rings heller ist wie sein Nordteil. Das östlich stehende 12m-Sternchen
hab ich aber nicht sehn können. Im Gegensatz hierzu war im 114er bei 180x M57 schon viel zu
kontrastarm oder duster, um noch was vernünftiges sehen zu können.
Dann war gleich mal Epsilon Lyrae dran, ist ja nicht weit weg. Bei 128x im 7er Ortho bereits mit
Zwischenraum zu trennen, bei 163x locker und bei 180x wirklich mit mehr als überdeutlichem
Zwischenraum, eine lockere Übung also, was zeigt, daß der Neue definitiv schon mal keine Gurke ist.
Überhaupt sind die Sternabbildungen extrem punktscharf, ich werd demnächst mal die Beugungsscheibchen
am Stern überprüfen, befürchte allerdings nach diesem first light in keinster Weise irgendwas Schlechtes.
M27 ist bei 35x deutlich tailliert und bei 70x besonders schön zu beobachten.
Auch M15 kommt sehr hell rüber und ist bei 180x schon stark granulär, trotz Mondaufhellung werden bei
indirektem Sehen in den Randbereichen einiges an Einzelsternen sichtbar!
M52 zeigt den hellsten Stern sowie 20-30 weitere Einzelsterne, also rund ein Drittel dessen, was der
254mm-Newton an Einzelsternen bringt.
H und Chi bringt er gestochen scharf rüber, fast schon unwirklich! Zum Abschluß gabs dann noch M31/M32
bei 35x, der Halo von M31 geht quer durchs ganze Bildfeld, M32 ist nicht zu übersehen. Und sogar
M110 konnte man als schwachen, grauen Fleck deutlich sehen - und zwar sogar bei direktem Anblick!
Nach diesem first light komme ich zu folgendem Fazit:
1. Die Optik des "neuen" 130/900er Newtons scheint überdurchschnittlich gut zu sein
2. Der 130er liefert gegenüber dem 114er deutlich mehr Detail und Kontrast und das bei
einem gleich großen Tubus! Das hat mich am meisten beeindruckt, da mein 114er auch
nicht grade schlecht war und z.B. Ganymed VOR der Jupiterscheibe zeigte! Bin schon
mal gespannt auf die Planeten im 130er.
3. Der Sucher hat ne prima Justiermöglichkeit und man sieht sehr gut damit - das Bild
scheint noch kontrastreicher und heller als das des 6x30-Suchers des Optimus
4. Ebenfalls stark verblüfft hat mich die Stabilität der LIDL-Montierung auf dem Holzstativ!
Wie gesagt, visuell hat sie mit dem 130er Newton keinerlei Anzeichen von Schwäche gezeigt.
Viele Grüße und weiterhin viele Sternklare Nächte Euch allen,
Markus
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