Hallo Sternenfreunde,
nach wochenlangem schlechtem Wetter war eigentlich klar, daß die erste gute Beobachtungsnacht
nur bei Vollmond sein kann. Und wie die Atmosphäre klar und dunstfrei war: Als der Mond über dem
Horizont hervorkam, war er sofort gestochen scharf und nicht von Dunst umschleiert ganz brillant zu
erkennen. Ein Himmel also, wie es ihn im Jahr vielleicht zweimal gibt.
Jetzt aber erst einmal die Beobachtungsdaten im Telegrammstil:
Teleskop:
Dörr Atlas 2000, 130mm-Newton auf äquatorialer Montierung und Holzstativ; Hauptspiegelbrennweite 900mm, macht ein Öffnungsverhältnis von 1:6,9
Okulare:
26mm-Plössl von MEADE, Serie 4000 (35-fache Vergrößerung) 7mm Ortho von Celestron (128-fache vergrößerung)
6,3mm-Kellner von Bresser (143-fache vergrößerung)
5mm Eudiascopic von Baader (180-fache Vergrößerung)
Sonstiges:
2x-Barlowlinse, Celestron ultima, 3-linsiger Achromat mit Luftspalt
Baader Skyglow Filter
Astronomik UHC-Filter
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Zeitpunkt:
02. Oktober 2001, 20:30-01:30
Visuelle Grenzgröße:
ca. 3mag5 bis 4mag0, wegen Vollmond
Durchsicht:
extrem gut
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Doppelsterne:
Eta Cassiopeiae, Epsilon Persei, Gamma Andromedae, Sigma
Cassiopeiae, Iota Trianguli, 59 Andromedae, Omega Aurigae, Theta Aurigae, Iota Cassiopeiae
Galaxien:
-
Kugelsternhaufen:
-
Offene Sternhaufen:
NGC 7789
Planetarische Nebel:
-
Gasnebel:
M42
Sonstiges:
Saturn, Jupiter
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Zur Einstimmung gabs erst einmal einen etwas leichteren Doppelstern, sozusagen
zum warm werden, sollte der Espresso nicht ganz gewirkt haben: Eta Cassiopeiae.
(3m5;7m4;12,8") Bei 70x sieht man ihn schon gut getrennt, NNW steht eine deutlich
schwächere, rötlichere Komponente.
Epsilon Persei (2m9;7m9;9") ist mit einer Separation von 9" nicht gerade die Herausforderung,
jedoch ist die fast nur 8m helle Nebenkomponente bei Vollmond nicht so leicht zu
sehen! Ganz schwach ist ein nach Nordosten hin abgesetztes Sternpünktchen auszumachen,
da natürlich durch die 3m5 strahlende Hauptkomponente das Auge runteradaptiert und
gleichzeitig der Himmelshintergrund recht mondhell ist, zumindest heute recht knackig, wobei
der Abstand der beiden Sterne natürlich recht groß ist.
Im Gegensatz hierzu ist Gamma Andromedae, Alamak (2m2;4m9;9,6") schon bei 35x gut trennbar,
die Nebenkomponente ist halt einfach hell genug. Bei 128x im 7er Ortho zeigt sich der geniale
Farbkontrast zwischen goldgelb und blassem violettblau bei bequemen Abstand. Für mich ist Alamak
einer der schönsten Doppelsterne am ganzen Himmel.
Sigma Cassiopeiae (5m0;7m2;3,2") zeigt bei 128x andeutungsweise im NNW einen recht schwachen,
nahen Begleiter. Bei 180x kommt er dann noch besser raus, wobei der visuelle Größenunterschied eher
höher zu sein scheint. Dies liegt aber wahrscheinlich wieder am Vollmond, der die schwächere Stern-
komponente gegnüber dem Hauptstern doch stark wegkippen läßt. Zur Bestätigung dieser Theorie
fahre ich den unmittelbar benachbarten offenen Sternhaufen NGC 7789 an, der nur bei indirektem Sehen
als Andeutung eines großen offenen Sternhaufens zu erkennen ist.
Iota Trianguli ist bei 35x schon als doppelt erahnbar, bei 128x folgt deutlich abgesetzt dem Hauptstern
eine schwächere bläuliche Komponente nach. (5m2;6m7;3,9") Bei 180x ist er ganz weit getrennt und
es ist wunderschön deutlich dank des durch die Vergrößerung gedämpften Himmelshintergrundes
ein orange-blauer Farbkontrast zu beobachten.
59 Andromedae ist bei 35x schon kein Problem. (6m1;6m8;16,7") Bei 128x zeigt sich schon ein riesig
großer Abstand, zwei blaue Sterne, der nordwestliche etwa ein halbes Mag schwächer. Schaut aus wie
zwei Geisteraugen, so zumindest Bärbels Kommentar. Man merkt, Helloween ist nicht mehr weit, die
Kürbisse stehn auf der terasse auch schon zum Aushöhlen bereit...
Nun gings zum Sternbild Fuhrmann, das auch schon über die nördlichen Nachbarhäuser hochklettert.
Omega Aurigae (5m9;8m0;4,9") offenbart bei 128x im 7mm Ortho genau nördlich des Hauptsterns
einen schwächeren, graublauen Begleiter.
Bei Theta Aurigae zeigt sich NW ein schwacher Begleiter, der aber sowohl bei 128x als auch bei 180x
recht schwer sichtbar ist. (2m7;7m1;3,6")
Als letztes Doppelsternhighlight gings dann zu Iota Cassiopeiae. (4m6;6m9;2,9")
Dieser ist erstaunlich schwierig zu knacken. Erst die Kombination 6,3mm KE + Baader Skyglowfilter,
um die Hauptkomponente etwas abzudämpfen, zeigt ganz knapp südwestlich orientiert einen
doch recht hellen Begleiter. E nachfolgend fiel mir noch ein schwaches Sternchen in knapp 10"
Abstand auf. Ein Blick in den nSOG zeigt, daß Iota Cassiopeiae tatsächlich ein Dreifachsystem ist,
der dritte Stern ist 7,2" von der Komponente A entfernt und lediglich 8m4 hell. Iota Cassiopeiae
muß in einer dunklen Nacht bestimmt nochmal dran glauben, auch mit dem Zehnzöller, insgesamt
ist es doch ein recht schwieriges Sternsystem, wobei AC einfacher zu sein scheint wie AB.
Nach dieser ausgiebigen Doppelsternjagd steht nun auch der Ringplanet Saturn in guter Beobachtungs-
position so 25° über dem Osthorizont. Eine Premiere in diesem Herbst, nachdem Saturn jetzt mehrere
Monate nicht beobachtet werden konnte. Und zu dieser Premiere überzeugte der Himmel mit einem
fast schon traumhaften seeing.
Saturn zeigt dementsprechend viele Details. Langsam beginne ich mich vergrößerungsmäßig hoch zu
arbeiten. Bei 128x im 7er Ortho kommen die Farbabstufungen der Planetenkugel sehr sehr gut zum tragen:
in Äquatornähe elfenbeinfarben, südlich davon ein breites, olivgrünes Band. Dieses erstreckte sich im letzten
Jahr noch bis zum Pol. Heuer jedoch schließt sich dem dunklen Band in Richtung Südpol nochmals eine
hellere, beige Zone an. Dann folgt wieder eine olivgrüne Zone, die sich bis zum Pol erstreckt und dort aber
nochmals deutlich dunkler nuanciert. Sowohl der Schatten des Planetenkörpers auf dem Ring, wie auch der
Ringschatten auf dem Äquator Saturns sind ebenso einfach zu beobachten wie die Cassiniteilung.
Also steigern wir die Vergrößerung auf 180x. Das 5mm Baader Eudiascopic erweist sich hier wieder mal
als ein hoch vergrößerndes Planetenokular mit bequemen Einblick und herrlicher Farbwidergabe. Die
Art und Weise, wie hier zarteste Farbschattierungen rüberkommen, ist fast schon unheimlich. Und die
sehr milde Herbstluft scheint regelrecht zu stehen. Da es recht warm ist, haben sich bestimmt viele Heizungen
nachts deaktiviert, was der Luftruhe sicherlich ebenfalls förderlich ist. Bei 180x kann man sehen, daß der
Nordpol nicht mehr unter dem Ring rausschaut, andererseits der Ring aber auch noch nicht über dem Südpol
vorkommt. Man sieht bei 180x auch, wie der Schatten des Saturnkörpers auf dem Ringsystem "links hinten"
in einem Bogen verläuft und zum Planetenkörper hin immer schwärzer wird. Außerhalb der Cassiniteilung
erscheint der Ring transparenter, weniger hell.
Jupiter, der im Gegensatz hierzu noch sehr viel tiefer steht, kommt grade über die Kamine der Nachbarhäuser
hoch. Trotzdem sind ad hoc 4 dunklere Wolkenbänder mit Verdickungen zu sehen, auch wenn der Gasriese
noch stark von lokalem seeing gebeutelt wird.
Man sieht, auch an Vollmondnächten kann man durchaus interessante und kurzweilige Beobachtungsnächte
haben. Bei der Saturnbeobachtung hab ich regelrecht die Zeit vergessen. Da waren plötzlich zwei Stunden
vorbei.
Viele Grüße und weiterhin viele Sternklare Nächte Euch allen,
Markus
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