Hallo Sternenfreunde,
Endlich mal wieder ein halbwegs klarer Herbsthimmel, auch wenn die Durchsicht wegen
einer doch recht hohen Luftfeuchte nicht optimal war. Trotz alledem konnten Bärbel
und ich einen wunderbaren Abend mit dem Teleskop Nachtelflein verbringen.
Gestärkt durch ein gutes Abendessen, geeicht durch einen Eichator und aufgeweckt
vermittels eines Espresso gings also gegen 20 Uhr frisch ans Werk.
Diesmal wollen wir beide unsre Beobachtungen unabhängig darlegen,
um mal zu verdeutlichen, was zwei Beobachter am selben Abend im selben Fernrohr
sehen.
Die Standardtextfarbe orange spiegelt meine Kommentare wieder, mit hellgelb und
Kursivschrift sind Bärbels Beobachtungsnotitzen eingearbeitet.
Hier aber erstmal die technischen Daten:
Teleskop:
Dörr Atlas 2000, 130mm-Newton auf äquatorialer Montierung und Holzstativ; Hauptspiegelbrennweite 900mm, macht ein Öffnungsverhältnis von 1:6,9
Okulare:
26mm-Plössl von MEADE, Serie 4000 (35-fache Vergrößerung) 7mm Ortho von Celestron (128-fache vergrößerung)
6,3mm-Kellner von Bresser (143-fache vergrößerung)
5mm Eudiascopic von Baader (180-fache Vergrößerung)
Sonstiges:
2x-Barlowlinse, Celestron ultima, 3-linsiger Achromat mit Luftspalt
Baader Skyglow Filter
Astronomik UHC-Filter
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Zeitpunkt:
10. Oktober 2001, 20:00-01:30
Visuelle Grenzgröße:
ca. 5mag0
Durchsicht:
befriedigend bis gut
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Doppelsterne:
Iota Cassiopeiae, Zeta Aquarii
Galaxien:
NGC 7479, NGC 1023
Kugelsternhaufen:
M72
Offene Sternhaufen:
h und chi; NGC 957; NGC 7243; M34; NGC 1528;
Planetarische Nebel:
NGC 7009 (Saturnnebel); M76 (kleiner Hantelnebel)
Gasnebel:
NGC 1491
Sonstiges:
Saturn mit Nikon Coolpix
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Diesmal gabs zum Einstieg h und Chi im Perseus, wobei diese eigentlich nur
als Ausgangspunkt der Suche von NGC 957 dienen sollten. Der Doppelsternhaufen
ist wie immer wunderbar anzusehen, vor allem, da jetzt der Himmel ohne Mond doch
deutlich brauchbarer ist. Der westliche der beiden ist der dichtere und kompaktere
der beiden Haufen. NGC 957 hingegen ist ein recht schwacher offener Sternhaufen,
der insbesondere höhere Vergrößerungen braucht, um ihn mit maximal möglichen
Kontrast in seine Haufenmitglieder zu vereinzeln. Bei 143x kann man ca. 20 locker
zusammengewürfelte Sterne erkennen, nicht unbedingt sehenswert.
Der Doppelstern Iota Cassiopeiae kann bei 286x mit Abstand getrennt werden, die
ebenfalls blaue B-Komponente erscheint ca. 2mag schwächer und steht im Südwesten.
Die dunkelgraue Kompnente C ist mit weitem Abstand dem Hauptstern A im Osten
nachfolgend. (4m6;6m9;2,9")
Doppelstern in Cassiopeia; eigentlich Dreifachstern: ein kleines Pünktchen deutlich
abgegrenzt, zweite Teilung sehr schwer erkennbar, ungefähr 90° Winkel zum "Pünkt-
chen" versetzt. Diese (im Okular) linke Komponente ist deutlich schwächer.
Hier eine zeichnerische Darstellung:
Iota Cassiopeiae im 130mm-Newton bei 286x am 10.10.2001
Beobachter: Bärbel Langlotz
Nun folgt das erste Objekt des Monats, der offene Sternhaufen NGC 7243 im Sternbild
Eidechse, in dem ich bisher kaum was beobachtet hab. Also galt es erstmal, selbiges
ausfindig zu machen. Hals verrenkt, ziemlich im Zenith, mit bloßem Auge grade noch
erkennbar, eine Zickzacklinie aus Sternen. Das könnte es sein. Mit dem Sucher drauf-
gehalten: Voila, das Zickzackmuster aus 5 Sternen paßt genau ins Gesichtsfeld des
6x30-Suchers! Und NGC 7243 entpuppt sich als ein wahres Prachtexemplar eines offenen
Sternhaufens. Bei 35x ein phantastischer Anblick, hier wirkt er aufgrund zweier klumpiger
Sternverdichtungen fast wie ein Doppelhaufen, wie eine verkleinerte Ausgabe von
h und chi.
Bei 70x zeigen sich zwei klumpige Sternverdichtungen aus je rund 20 blauen Sternen.
Offener Sternhaufen im Sternbild Eidechse: Sehr an h & Chi im Perseus erinnernd.
Man kann so richtig in die Milchstraße abtauchen, wenn man mit der Nachführung
kurbelt.
Zeta Aquarii, ebenfalls aus den Objekten des Monats: Bei 142x sieht man zwei gleich
helle Sterne in engem Nord-Süd-Abstand. Bei 180x dann schon komfortabel getrennt,
die südliche Komponente erscheint knapp 0,5mag schwächer. (4m3;4m5;2,1")
Doppelstern Zeta Aquarius sehr schwer zu trennen. Nicht besonders faszinierendes
Objekt für mich.
Wenn man schon mal im Aquarius ist, kann man auch noch M72 besuchen. Nach einigem
gekurbel und im Skyglow rumgestochere dann doch ein "Erfolg": Bei 35x ist NW eines
Sternchens ein unaufgelöster runder Nebelfleck zu sehen. Bei 128x im 7er Ortho etwas
besser dank höherem Kontrast. Aber an Auflösen ist definitiv nicht zu denken. Der Baader
Skyglow-Filter bringt bestenfalls Nuancen.
Nun, in der Gegend bietet sich auch der planetarische nebel NGC 7009, der Saturnnebel,
an. Also den UHC ins 26er Superplössl reingeschraubt und auf gehts. Alle Sterne gut
runtergedimmt, bis auf einen, der unvermindert hell weiterbeamt. Das muß er sein! Also
gleich mal die Vergößerung mittels des Baader 5mm Eudiascopic auf 180x gepusht - mit
UHC! Und - Wahnsinn! Der Nebel zeichnet sich kreideweiß vor absolut schwarzem Himmels-
hintergrund und einigen dunkeltürkis eingefärbten Sternchen ab. Und, Wahnsinn, ungefähr
20° gegen die Driftrichtung Ost-West verkippt, sind zwei Ausbuchtungen wie kleine abstehende
Stifte zu sehen! Im direkten Vergleich dazu ist ohne UHC der Himmelshintergrund deutlich
aufgehellter und damit NGC7009 - trotz gleicher Vergrößerung- kleiner, weil eben die schwächeren
Randgebiete unsichtbar bleiben. Ohne UHC ist auch von den Henkeln nix zu sehen.
"Hast Du auch auf ein Okular niedrigerer Vergrößerung gewechselt?" -
"Nein, ich hab nur den UHC raus."
Mit UHC kann man die Ausbuchtungen ("Saturnringe") erahnen. Ansonsten wirkt der Saturnnebel
im Aquarius wie ein unscharfes Wattebällchen.
NGC 7479, der Thriller des Monats, ist trotz wiederholtem Anlauf und richtig identifizierter Stelle nicht
zu sehen.
M34 hingegen entpuppt sich als wahrhaft traumhaftes Objekt. Das wußte ich ja noch von den Beobachtungen
auf Bornholm mit dem Optimus, jedoch 5,1" bringen schon noch einiges mehr an Detail. Ein reicher offener
Sternhaufen liegt hier vor einem, sein Durchmesser beläuft sich auf etwa 0,75°. Es sind bei 35x mehr wie 50,
jedoch auch weniger wie 100 Einzelsterne zu sehen. Bei 70x fällt mir eine auffallende, ganz leicht S-förmig
gebogene Sternenkette aus rund 8 Sternen auf, die vom südlichsten hellen Stern an der Westseite entlang
bis auf höhe des Zentrums verläuft.
M34, offener Sternhaufen: selbst gesucht und gefunden über Beta Perseus, dann 3 Bildfelder nach rechts
und 1 nach oben. Dann beamen einen sehr klar und deutlich aufgelöste Einzelsterne an. Für mich wenig
"Tiefenschichtung" erkennbar, ziemlich auf einer Ebene scheinen die Sterne zu liegen. Bei stärkerer
Vergößerung kann man schwächere Sternenketten erkennen.
An dieser Stelle sei bemerkt, daß Bärbel sich schon mal ausgeklinkt und Richtung warmes Bett getrollt hat.
Nun, es war ja grad Mitternacht. Vielleicht hat sie ja Angst vor Geistern? Oder vor Nachtelflein? Wer weiß?
Die Galaxie NGC 1023 etwas südlich von M34 zeigt der 5,1-Zöller bei 35x schon locker. Bei 70x ist das ganze
noch kontrastreicher. Ein ovaler kern ist von einem helligkeitsmäßig deutlich abgesetzten Halo umgeben,
der in etwa Ost-West-elongiert ist. Bei 143x kann man sehr schön die ovale Form der Galaxie studieren.
NGC 1528 ist ein beeindruckender offener Sternhaufen, er wirkt bei 35x sehr reich an Sternen und
dabei doch recht kompakt, da er bei 70x fast bildfeldfüllend ist, schätze ich ihn auf rund ein halbes
Grad Durchmesser. Es sind rund 50 einzelsterne zu sehen.
Unweit dieses prächtigen offenen Sternhaufens liegt ein Objekt, das ich bisher immer geflissentlich
ausgelassen habe: der Emissionsnebel NGC 1491. NGC ist bei 35x ohne UHC nur dann indirekt zu
erahnen, wenn m an ihn vorher mit UHC lokalisiert hat. Mit UHC ist er nämlich als daumenabdruck-
förmiger Nebel direkt neben einem Sternchen zu sehen, welches bei indirektem Sehen ab und an durch
den Nebel blitzt. Das Sternchen wird ja durch den UHC stark weggedämpft.
Nun war zwar Saturn schon in guter Beobachtungsposition, aber ein Objekt wollte ich mir und dem
UHC noch gönnen: Den kleinen Hantelnebel M76.
Auch an diesem im übrigen leicht zu findenden Objekt bringt der UHC einen deutlich merkbaren
Kontrastschub! Ohne nur eine graue Nebulosität, erscheint bei Anwendung des UHC ein erdnußförmig
gekrümmter Nebel mit zentraler Einbuchtung. Vor allem bei 70x kommt die Struktur des Objekts
gut rüber. Als Bestätigung meiner Beobachtung konnte ich im Night Sky Observer's Guide lesen:
a small, peanut-shaped nebulosity.
Jetzt wollte ich aber die Digitalkamera aus der Arbeit mal am Planeten testen. Die Aufnahmen entstanden
mit verschiedenen Okularen mit dem Objektiv der Kamera direkt vorm Okular und verschiedenen
Zoomeinstellungen der Kamera. Scharfgestellt hab ich vorher immer am Okular. Die Belichtungszeit
war überwiegend 1/15 sec.
Saturn am 130er newton durch ein 7er Celestron Ortho
Nikon Coolpix, 1/15 sec.
 Saturn am 130er newton durch ein 7er Celestron Ortho
Nikon Coolpix, 1/8 sec, 1,6x digitalzoom und leider etwas verwischt
Saturn am 130er newton durch ein 5er Baader Eudiascopic
Nikon Coolpix, 1/15 sec.
 Saturn am 130er newton durch ein 5er Baader Eudiascopic
Nikon Coolpix, 1/15 sec.
 Saturn am 130er newton durch ein 7er Celestron Ortho
Nikon Coolpix, 1/15 sec, Komposit aus 3 Aufnahmen
Die Hauptschwierigkeit liegt hier wirklich darin, den Planeten durchs Okular zu erwischen und
gleichzeitig einen scharfen Autofocus zu erwischen. Die Nikon Coolpix macht einfach zu viel
automatisch. Aber immerhin: Man sieht, daß es Satrun ist.
Viele Grüße und weiterhin viele Sternklare Nächte Euch allen,
Markus
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