Hallo Sternenfreunde,
Es war ja für Freitag schon sternklar angesagt, und, der Himmel war auch ganz ok.
Bis ich dann das Fernrohr draußen hatte und das erste Objekt anvisierte, zogen
plötzlich dicke, weiße Wolken durch. Prophylaktisch hab ich das Nachtelflein
erstmal draußen gelassen, aber bis 22:30: nur Wolken, Wolken, ab und an ein
Stern. 22:31: Teleskop rein. 22:35 ein Blick nach draußen: absolut traumhaft sternklar.
Also: Teleskop wieder raus. Erstes Objekt eingestellt, war da was? Anderes
Okular geholt, Blick nach Oben: Weiße Wolken! Grmpfff! That's live.
Wenigstens ging dann am Samstag was!
Hier aber erstmal die technischen Daten:
Teleskop:
Dörr Atlas 2000, 130mm-Newton auf äquatorialer Skyview-Montierung mit Polsucher auf Alustativ; Hauptspiegelbrennweite 900mm, macht ein Öffnungsverhältnis von 1:6,9
Okulare:
26mm-Plössl von MEADE, Serie 4000 (35-fache Vergrößerung) 7mm Ortho von Celestron (128-fache vergrößerung)
6,3mm-Kellner von Bresser (143-fache vergrößerung)
5mm Eudiascopic von Baader (180-fache Vergrößerung)
Sonstiges:
2x-Barlowlinse, Celestron ultima, 3-linsiger Achromat mit Luftspalt
Baader Skyglow Filter
Astronomik UHC-Filter
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Zeitpunkt:
10. November 2001, 20:00-23:45
Visuelle Grenzgröße:
ca. 5mag0
Durchsicht:
befriedigend bis gut
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Doppelsterne:
-
Galaxien:
M74, NGC891, NGC6949, M31, M32, M110
Kugelsternhaufen:
-
Offene Sternhaufen:
NGC 6939, NGC 752, NGC1647
Planetarische Nebel:
M76
Gasnebel:
M42, M43, M78
Sonstiges:
Jupiter, Saturn
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Aus Harry's Objekten des Monats fehlten noch NGC6939 und M74, zwei,
wie sich herausstellen sollte, auch für gut 5 Zoll nicht ganz einfache Objekte.
Zunächst mal NGC6939 im Cepheus. Puh, der steht aber ganz schön
hoch droben jenseits des Zenith! Einige Verrenkungen von Nachtelflein und
mir führten dann doch zum Ziel. Bei 34x ein ganz feiner Nebelschimmer
an der Spitze eines auffallenden Sternenkonus. Bei 69x ist vergrößerungsmäßig
für dieses Objekt recht niedriger Flächenhelligkeit das Ende der Fahnenstange
erreicht. Bei dieser vergrößerung lassen sich grade ebn noch ein paar kleine,
weiße Einzelsterne ausmachen. Bei 34x wirkt die Aufhellung bei indirektem
Sehen leicht puderzuckrig. Als nächstes sollte M74 in Pisces beobachtet werden.
Nach einigem Rumgerühre im gar nicht mal so aufgehellten Himmel ist ein dunkelgrauer,
knapp 1/4° großer strukturloser galaxienschimmer zu erkennen. Auch dieses Objekt ist,
noch mehr als der vorher genannte offene Sternhaufen NGC6939, an der Grenze des
visuell wahrnehmbaren. Auch bei der Galaxie NGC891 im Sternbild Andromeda war
so gut wie nichts zu holen. Bisher war das eher enttäuschend, denn die grenzgröße war
mit 5m0 bis gut 5m5 für meinen Garten schon im eher besseren Bereich.
Jetzt mußte ein Erfolgserlebnis her und da fiel mir spontan NGC752, ein offener
Sternhaufen in Andromeda ein. Und der ists wirklich Wert, besucht zu werden! Bei 34x
präsentiert sich ein wunderbarer offener Sternhaufen mit rund 1° Durchmesser, der
aus auffallend orangegelben Sternen besteht. Wäre es nicht mit -5°C recht frisch
gewesen, den hätte ich gezeichnet. Aber mit klammen Fingern? Das mußte nun wirklich
nicht sein! Nachdem sich auch Bärbel von der Fantasie BWV 572 loslösen konnte
(Die Nachbarn und das Klavier werden's ihr danken) und gebührlich NGC752 bewundert
hatte, wollte sie auf das Galaxientripel um M31 nicht verzichten. Mit einem gekonnten
Dreh am Tubus hatte sie auch gleich das Ziel erreicht. M31 war wunderbar zu sehen.
Gerade die Vordergrundsterne, die in dem recht weit ausladenden Halo aufblitzen,
wirken einfach galaktisch schön. Auch einige dunklere Bereiche im Halo waren
auszumachen. Die runde Galaxie M32 südlich davon fällt natürlich sofort auf, und etwas
abseits weiter nördlich ist auch die großflächigere, deutlich schwächere, aber ebenfalls
runde Galaxie M110 zu sehen. Bei 34x liegen alle drei Welteninseln in einem Gesichtsfeld.
Weiter gehts, Richtung Zenith. M76, der kleine Hantelnebel. Bei 34x ein kleines, aber
auffallendes, längliches Nebelfleckchen. Der UHC-Filter bringt den Kontrast deutlich besser
raus. Bei 69x und UHC ist sehr schön auch die Einbuchtung zu sehen, der Nebel scheint
aus zwei Teilen zu bestehen. Hier konnte ich mich dann doch nicht zurückhalten. M76
mußte zeichnerisch festgehalten werden! Und das kam bei fünf Grad unter Null raus:
M76 am 10.11.2001 am 130mm-Newton, f=900mm bei 69x mit UHC
M1, der Krebsnebel im Stier, ein teilweise recht heikles Objekt, an dem ich schon einige Kämpfe
verlustreich hinnehmen mußte, zeigte sich im 130er in erstaunlich guter Form! Bei 34x fällt sofort
die graue Aufhellung auf. Der nebel ist ja recht leicht zu finden: Nördlich von Zeta tauri stehen zwei
ebenfalls recht helle Sterne, die mit Zeta ein etwa gleichseitiges Dreieck bilden. Knapp westlich
dieser zwei Sterne ist M1 zu finden. Er wirkt von der Form her auf mich immer etwas "kartoffelig".
Auch hier bringt - entgegen der Aussage in Stoyan's Deep-Sky-Reiseführer - der UHC einiges
an Kontrast! Mit UHC wirkt er leicht grieselig, er erscheint leicht NW-SE-elongiert. Bei 69x wird M1
schon fast zu flau, am ehesten ist er hier mit UHC noch sicher zu halten. Bei 34x aber ist M1 ein
tolles Objekt, das ich bei weitem nicht so schön in Erinnerung hatte. Ich werde ihn demnächst mit
Lord Rosse, dem äquatorialen Zehnzöller, besuchen.
Auch im Sternbild Stier gibt es, ähnlich wie in Andromeda NGC752, einen großen offenen Sternhaufen,
der echt wenig beachtung findet. NGC1647 ist mit ungefähr einem halben Grad Durchmesser etwas
kompakter, gedrängter als sein Pendant in der Andromeda. Die Sterne sind nicht ganz so orange,
sondern eher gelblich und teilweise auffallend paarweise angeordnet. Im Südlichsten Randbereich
der gruppe stehen zwei recht helle Sterne, auffallend orange, in einer N-S-Achse. Diese sind in der
Gruppe die hellsten Sterne und sind wegen ihres satten Orangetons recht auffällig.
Orion war mittlerweile auch schon gut weit über den Osthorizont aufgestiegen. So kam für diesen
Winter die M42/M43-Premiere - und zwar erstmals mit UHC! Das schlägt dem Faß den Boden aus!
M42/M43 wirken mit UHC im 5-Zöller beeindruckender wie ohne UHC im 10-Zöller! Bei 69x zeigt
sich ein blaugrüner, formatfüllender Gasnebel, dessen Strukturreichtum nicht mehr in Worte zu fassen
ist. Da werde ich demnächst den Bleistift schwingen müssen. Allerdings war ich jetzt, nach 23 Uhr bei
-6°C doch schon etwas angefroren.
Auch M78 ist recht deutlich zu sehen, bei 34x am besten. Von zwei Sternchen geht ein Nebel aus,
der nach Osten hin orientiert scheint. Er wird zwar mit UHC schwächer, aber nicht in dem Maße, wie
der Himmelshintergrund dunkler wird. Allerdings kommen mit UHC die beiden Sternchen nimmer
so gut durch.
Bevor es ins Bett ging, mußte ich natürlich noch kurz bei den beiden Gasriesen vorbeischaun.
Saturn konnte bis auf 320x vergrößert werden, dabei zeigte sich die Cassiniteilung, die Schatten der
Ringe und einige olivgrüne Querstreifen. Auch der Schatten auf der Polkappe macht den Anblick
recht plastisch. Der Ring schaut mittlerweile über den Pol der Planetenscheibe oben drüber.
Auch Jupiter zeigte bei 180x eine Menge an Details: das zweigeteilte SEB, das NEB mit einigen
Ausbuchtungen, und direkt nördlich des NEB ein weiteres, parallel dazu verlaufendes Nachbarband.
Südlich des SEB und nördlich des NEB sind jeweils noch zwei Bänder zu sehen.
Endlich wieder beobachtet! Schön wars! Durchgefroren räumte ich mein Zeug rein und kroch zu
Bärbel ins bereits vorgewärmte Bett.
Viele Grüße und weiterhin viele sternklare Nächte Euch allen,
Markus
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