Hallo Sternenfreunde,
Letzte Nacht gabs ja schon aus der einen oder anderen Ecke Deutschlands
vereinzelte Beobachtungsberichte. Bei uns zogen auch heute den ganzen Tag
Wolken durch, wenngleich es zwischen selbigen auffallend klar war. Sollte
da tatsächlich heut noch was gehn? Um 19:00 der entschluß: Nein. Nach dem
Abendessen um 20:00Uhr hab ich nochmal rausgeschaut: und tatsächlich:
Ein Wolkenloch, größer als das derzeitige Maximum von 1 Quadratmeter!
Also hab ich den 5"-Newton gleich mal zum Auskühlen rausgestellt und siehe
da, gegen Neun Uhr riß es vollends auf und war total klar. Auch wenn die
Grenzgröße bis etwa 30° über den Horizont unbrauchbar war, wurde es doch
im Lauf der Zeit immer besser, so daß ich am Ende des Abends mit einer
Grenzhelligkeit von etwa 5m5 aufwarten kann! 118 Tauri war grad so mit bloßem
Auge zu sehen!
Hier aber erstmal die technischen Daten:
Teleskop:
Dörr Atlas 2000, 130mm-Newton auf äquatorialer Skyview-Montierung mit Polsucher auf Alustativ; Hauptspiegelbrennweite 900mm, macht ein Öffnungsverhältnis von 1:6,9
Okulare:
26mm-Plössl von MEADE, Serie 4000 (35-fache Vergrößerung)
12,5mm Ortho von Vixen
7mm Ortho von Celestron (128-fache vergrößerung)
6,3mm-Kellner von Bresser (143-fache vergrößerung)
5mm Eudiascopic von Baader (180-fache Vergrößerung)
Sonstiges:
2x-Barlowlinse, Celestron ultima, 3-linsiger Achromat mit Luftspalt
Baader Skyglow Filter
Astronomik UHC-Filter
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Zeitpunkt:
07. Dezember 2001, 21:00-00:15
Visuelle Grenzgröße:
ca. 4mag5, später 5mag5
Durchsicht:
gut bis sehr gut
Seeing:
sehr schlecht
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Doppelsterne:
118 Tauri
Galaxien:
-
Kugelsternhaufen:
-
Offene Sternhaufen:
NGC1647, M36, Stock 8, M37, M38, NGC1907, M35, NGC2158,
NGC 2281
Planetarische Nebel:
M1
Gasnebel:
NGC 1931, M42, M43
Sonstiges:
Jupiter, Saturn
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Begonnen hab ich zum Warmsehen erstmal mit dem Supernovaüberrest M1 im Stier. Bei
35x ist er schon gut als grauer, ovaler Fleck sichtbar. Bei 72x im neuen 12,5er Ortho wird
M1 zwar lichtschwächer, aber auch deutlich größer. Hier sieht man gut, daß die Durchsicht
zusehends besser wurde. Nach etwa 10 Minuten war bei 72x am Nordende von M1, der
insgesamt länglich ist, eine hakenförmige Verdickung zu sehen! Mit UHC wirkt er bestenfalls
leicht grieselig, aber auch deutlich dunkler. Heute bringt mir der UHC an M1 fast nichts.
Nun kamen gleich mal Harry's Objekte des Monats dran. Begonnen hab ich mit NGC1647, einem
offenem Sternhaufen im Stier. NGC1647 liegt ungefähr 3,5° nordöstlich von Aldebaran. Bei 35x
zeigen sich auf ungefähr 45' Durchmesser verteilt etwa 60 mittelhelle Sterne, einige sind paarweise
angeordnet. Bei 72x kann man schön die einzelnen Sterne in NGC 1647 studieren: die beiden
hellen, südlichsten Sterne sind orange (der südlichere) und gelblich. Bei den anderen Haufenmitgliedern
ist keine Farbe auszumachen. Ich würde sie als grau bezeichnen.
Ein Blick auf den Benachbarten Saturn, und auch auf Jupiter (noch schlimmer) offenbart ein grauenhaftes
seeing: der Wetterumschwung, das sich aufbauende Hochdruckgebiet und der Temperaturrückgang, all
das zeigt sich gnadenlos in der Atmosphäre. An höhere Vergrößerungen ist kaum zu denken. Alle
Planetendetails verschwimmen regelrecht. Auch bei deep sky wandert der Fokus permanent, immer
wieder muß man hin- und herfokussieren.
118 Tauri, wie gesagt, bereits mit bloßem Auge zu erkennen, präsentiert sich im 6,3er Kellner bei 143x mit
deutlichem Zwischenraum, ohne zu weit getrennt zu wirken. Neben der blauen Hauptkomponente sitzt
südwestlich (~225° Positionswinkel) ein um rund 1 Größenklasse schwächerer, blaugrau wirkender Begleiter.
Hier die Papierform von 118 Tauri: (5m9;6m7;4,7")
Nun kam gleich NGC1931 an die Reihe, ein Gasnebel in Auriga, ein Sternbild, das heute noch genauer
untersucht werden sollte. NGC1931 liegt etwa 1° westlich von M36 und ist somit nicht unbedingt schwer zu
finden. Östlich eines helleren orangegelben Sterns erstreckt sich über ein halbes Grad eine auffallend
gerade Kette aus rund einem halben Dutzend schwächeren, graublauen Sternchen - ähnlich wie beim
Kleiderbügel. "Unterhalb", also nördlich der Mitte dieser Sternenkette, sitzt ein Stern, der helligkeitsmäßig
zwischen den schwachen Kettensternen und dem ersten, westlichsten orangen Kettenstern ist. Vor allem
bei 72x sieht man, daß dieser Stern von einem zarten Nebel umgeben ist. Bei indirektem Sehen wird dieser
nebelschimmer deutlich auffälliger. Mit UHC wird alles dunkler, nur der nebel bleibt, wenn auch leicht abge-
schwächt, sichtbar.
Noch etwas weiter westlich liegt Stock 8, mein erster Beitrag zum Stock-Projekt. Stock 8 ist bei 72x ein
Gebilde aus 2 V-förmig aufeinander zulaufenden, ca. 0,3° langen Sternenketten. Die hellsten Sterne sind
orange. Allerdings ist die Ortung in dieser sternreichen Gegend ziemlich schwierig, und zwar weniger,
die Position als solche zu bestimmen als zu entscheiden, was gehört zu Stock 8 und was nicht.
M36, direkt benachbart zu den beiden vorigen Objekten, ist bei 34x ein stark konzentrierter, wunderbarer
Sternhaufen, welcher bei 72x fast schon formatfüllend wird. Quer durch den Sternhaufen verläuft eine
auffallende, w-förmige Sternenkette. M36 besteht aus wenigen aber auffallend hellen, weißen Sternen. Es
sind etwa 50 Einzelsterne auszumachen.
Einen vollkommen gegensätzlichen Charakter hat nun M37, etwas weiter ab vom Aurigazentrum gelegen.
Bärbel hat ihn bei 34x zutreffenderweise spontan als "Schneesturm" bezeichnet. Ich finde das trifft's sehr, sehr
gut. Wie hingezuckerte Schneeflocken wirbeln Unmengen feinster, weißer Sternpünktchen durchs Okular.
Geht man auf 72x rauf, sieht man weit mehr als 100 einzelne, eisblaue Sternchen auf etwa ein halbes Grad
Durchmesser verteilt. Dahinter sieht man klumpig verteilt immer noch unaufgelösten Sternennebel. Von dem
Anblick könnte einem schwindelig werden, so schön ist der! Vom Charakter her hat er starke Ähnlichkeit
mit M11.
Ebenfalls interessant ist M38, birgt er doch irgendwie die Eigenschaften sowohl von M36 als auch von M37
in sich. Einige helle Sternenketten - wie bei M36 - sind umgeben von zahllosen nicht auflösbaren Hintergrund-
sternen - wie bei M37. Besonder schön finde ich aber an M38 seine Eintracht mit der Nachbarschaft: Etwa
0,5° südlich von M38 fällt ein grauer Fleck auf. Bei 72x entpuppt dieser sich als ein kleiner, rundlicher offener
Sternhaufen aus etwa einem Dutzend kleiner gelblichoranger Sternchen: NGC1907.
Ein Ähnliches, ganz ganz tolles Sternhaufenpaar bildet M35 zusammen mit meinem Thriller des Monats,
NGC2158:
M35 steht bei 34x blendend hell im Okular, eine wilde Ansammlung locker hingestreuter schneeweisser Sterne.
Im Zentrum von M35 fallen zwei Sternketten sofort auf, V-förmig aufeinander zulaufend, die eine deutlich gebogen.
Und rund 1/2° südwestlich dieser Sternenpracht steht ein schwächerer,runder, sehr sehr kompakter Sternhaufen,
der aber gut und deutlich zu sehen ist. Diest ist NGC2158. Ein ähnlich überwältigender Anblick wie das paar
M38/NGC1907. Diese Paare jeweils in einem Bildfeld geben einen tollen Kontrast: Wie unterschiedlich können
doch offene Sternhaufen sein! Bei 72x wirkt NGC2158 leicht granulär - im Gegensatz zu NGC1907 kann ich
NGC2158 mit dem 5-Zöller nicht auflösen. Noch ein Bonmot am Rande: direkt nördlich von NGC2158 liegt ein
Asterismus, der Aussieht wie ein Strichmännchen, das auf den Fußball "NGC2158" draufhaut. Betrachtet man
die Szenerie andersrum, könnte NGC2158 auch der Kopf des Männchens sein. :-)
Zurück zu Auriga, besser gesagt in das recht sternarme Gebiete an der Grenze zwischen Fuhrmann und den
Zwillingen. Dort liegt südlich eines Dreiecks aus 3 Sternen der selten besuchte offene Sternhaufen NGC2281.
Bereits im 6x30er Sucher ist er als grauer Fleck zu sehen. Er besteht aus rund 20 recht hellen, weißen Sternen
in einer auffallend graphischen Anordnung. Bei 72x zeigt sich die sehr interessante Sternformation fast bild-
feldfüllend. Ich werde dieses Objekt bei nächster Gelegenheit mal zeichnen.
Zum Abschluß habe ich dann noch einem im UHC-Filter quietschgrünen(!) M42/M43 gefrönt, die bei 34x und
bei 72x einen Strukturreichtum zeigten, der allein zu beschreiben mehrerer Seiten bedürfte. Wie sehen M42/M43
mit UHC dann erst im 10-Zöller aus??? Ziemlich schnell hat mich allerdings der kalte, plötzlich heftig böige
Wind aus meinen Orionnebelträumen gerissen, so daß ich schnell das Teleskop ins Wohnzimmer reingestellt
hab.
Lang hats gedauert, bis ich wieder beobachten konnte - dafür war diese Nacht um so schöner! Einfach traumhaft,
so in unsre Galaxis abzutauchen. Und um eine Erkenntnis bin ich mal wieder reicher. es gibt kaum vielgestaltigere
Objekte als die offenen Sternhaufen.
Viele Grüße und weiterhin viele sternklare Nächte Euch allen,
Markus
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