Hallo Sternenfreunde,
gestern, am Sonntag wars den ganzen Tag über sonnig und klar, allerdings
kamen die Temperaturen von morgendlichen -6°C nur auf knapp über den
Gefrierpunkt hoch, um dann abends wieder bei -6°C für klaren, aber
kalten Winterhimmel zu sorgen. Heute war die erste Spechtelung auf
der Außenstation ASAM II. (ASAM = Astro Station am Marterl) Eine solche
Örtlichkeit hat den enormen Vorteil, mit einer Sitzbank verbunden zu
sein, auf der man sehr gut diverse Dinge (Karkoschka, Night Sky Observer's
Guide, Okularkoffer etc.) unterbringen kann. Etwas außerhalb der
Neutraublinger Lichtglocke, die vor allem durch das südlich gelegene
BMW-Werk erzeugt wird, ist wunderbar das Band der Milchstraße um
einiges deutlicher als bei mir im Garten zu sehen. H und Chi, M31, M38
gehen hier wirklich als naked eye Objekte durch. Allerdings wollte
ich ASAM II heute nur für einige horizontnahe Objekte nutzen, die ich
aufgrund einer Häuserzeile südlich meines Gartens bisher nie beobachten
konnte, bei -20° Deklination ist bei mir im Garten absolut Schluß -
hausdachbedingt.
Welche Objekte ich anvisiert habe, steht in der folgenden Übersicht:
Teleskop:
Dörr Atlas 2000, 130mm-Newton auf äquatorialer Skyview-Montierung mit Polsucher auf Alustativ; Hauptspiegelbrennweite 900mm, macht ein Öffnungsverhältnis von 1:6,9
Okulare:
26mm-Plössl von MEADE, Serie 4000 (35-fache Vergrößerung)
12,5mm Ortho von Vixen
7mm Ortho von Celestron (128-fache vergrößerung)
6,3mm-Kellner von Bresser (143-fache vergrößerung)
5mm Eudiascopic von Baader (180-fache Vergrößerung)
Sonstiges:
2x-Barlowlinse, Celestron ultima, 3-linsiger Achromat mit Luftspalt
Baader Skyglow Filter
Astronomik UHC-Filter
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Zeitpunkt:
09. Dezember 2001, 19:00-20:15
Visuelle Grenzgröße:
ca. 4mag5 am Horizont, im Zenith besser 6m0
Durchsicht:
gut
Seeing:
gut
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Doppelsterne:
-
Galaxien:
NGC253, NGC247
Kugelsternhaufen:
NGC288
Offene Sternhaufen:
-
Planetarische Nebel:
NGC246
Gasnebel:
-
Sonstiges:
Kirchturm von Obertraubling
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Am Nachmittag war ich mit Bärbel einiges weiter auf einem Christkindlmarkt
auf einer Burg mit dem klangvollen Namen Hexenagger, die malerisch auf einem
Hügel gelegen ist, von dem aus man sehr sehr schön sehen konnte, wie klar
und dunstfrei es heute war. Das Hereinbrechen der Dämmerung hier oben zu
verfolgen, war einfach grandios. Auch die gut halbstündige Rückfahrt mit dem
Auto zeigte uns, daß Horizontdunst heute kein Thema ist. Allerdings änderte
sich das mit dem Erreichen von Regensburg und dem Donautal schlagartig.
Allerdings liegt ASAM II schon wieder einige Kilometer südlich der Donau
und so war die grenzhelligkeit 10° über dem horizont immerhin bei 4mag5,
wogegen im Zenith lockere 6mag drin waren. Auriga wirkte mit bloßem Auge wie
mit Puderzucker bestäubt!
Eigentlich ist 4m5 ja eher schlecht, aber in der Horizontnähe immerhin besser
als nix! Erstes Objekt sollte NGC253 werden, die Sculptorgalxie, die ich
bisher nur einmal gesehen habe. Per 6x30-Sucher, der bei diesem Teleskop von
der Bildhelligkeit, Schärfe und dem Einblick wirklich sehr gut ist, habe ich
sofort die richtigen Sternkonstellationen gefunden und die Stelle angepeilt, wo
die Galaxie sein müßte. Im Sucher war sie allerdings nicht zu sehen. Dafür
aber ad hoc und ohne Sucherei bei 34x im 26mm Superplössl mit 1,5° wahrem GF.
Wow, die ist ganz schön groß! Eine 3:1 elongierte, NW-SE-elongierte Spindel
zeigt sich da. Auch hier bringt der Skyglowfilter einiges! Sie liegt innerhalb
eines auffalend spitzwinkligen Sternendreiecks. Dieses Dreieck wird bei 72x
nahezu formatfüllend abgebildet und entsprechend groß zeigt sich die Sculptorgalaxie
als beeindruckende Aufhellung, die quer in diesem Sterndreieck drinliegt.
Der hellere Kern ist an den "Spitzen" flankiert von einem recht langen Halo,
insgesamt würde ich die Galaxie auf 45' Länge und 15' Dicke schätzen. Blick-
weise könnte durch das Zentrum längs ein dunklerer Bereich zu sehen sein.
Allerdings ist da für solche Details einfach der Himmelshintergrund eine Nuance
zu grau. Alleine deswegen hätte sich der Ausflug schon gelohnt.
NGC253 am 9.12.2001, 130mm Newton f=900mm bei 72x
Aber natürlich wollte ich noch mehr. Etwas südlich von NGC253, auf rund -26° Deklination, gibt es
den Kugelsternhaufen NGC288, den ich mit 34x auch sofort lokalisieren konnte.
72x brachte nix, da kippte NGC288 einfach weg - war verschwunden. Zu dunkel.
Also zurück zu 34x: Etwa 10' Durchmesser würde ich ihm geben, keine besondere
Helligkeitszunahme zum Zentrum hin, an den Rändern leicht zipfelig ausgefranst
und sehr locker gestreut. Es blitzen sogar verschämt einige Einzelsterne durch,
der Rest des Haufens wirkt eindeutig grieselig.
Es drängt sich mir ein Vergleich mit M71 förmlich auf.
Nördlich von NGC253 gibt es dann noch NGC247, eine weitere Galaxie im Grenzgebiet
Sculptor/Cetus. Sie liegt knapp nördlich eines auffallenden Sternendreiecks. Ihre
Sollposition ist schnell gefunden. Nur um die Galaxie zu sehen, bedarf es eines
äußerst angestrengten Blicks, indirekter Sichtweise und teilweise der Hin- und
Herbewegung des Teleskops. Der Skyglowfilter hilft, ein klitzekleines Bißchen
mehr rauszukitzeln: Im Zentrum der strukturlosen Galaxienaufhellung (Aufhellung
ist fast schon übertrieben) steht ein hellerer Vordergrundstern. Mehr ist beim
besten Willen nicht auszumachen.
Ein Objekt, das mich schon lange interessiert und heute erfolgreich "erlegt" wurde,
ist NGC246, ein planetarischer nebel im Cetus, mein Thriller des Monats. Vorweg:
ein geniales Objekt. Da muß ich echt mal den Zehnzöller auf die ASAM II wuchten!
Er fällt bei 34x sofort auf als einige Sternchen mit etwas grau drumrum. Mit
UHC bleibt der nebel sichtbar, der Hintergrund wird deutlich dunkler, jetzt sieht
man wirklich was: Ein flächiger planetarischer Nebel, rund, mit helleren und
dunkleren Bereichen, er erinnert mich irgendwie an einen Salzkräcker. (Ich hatte
zu dem Zeitpunkt noch nicht abendgegessen, vieleicht daher die etwas despektierliche
Assoziation) Innerhalb des vom Habitus auch an den Eulennebel erinnernden Objekts
sind einige Einzelsterne zu sehen. Bei 91x wird der nebel schon zu schwach, man
kann nur noch die Lage der einzelnen Sternchen in NGC246 studieren. Ein nachträg-
licher Blick in den NSOG zeigt: ja genau so hat's ausgesehen!
Das letzte Objekt war ein Versuch rein terrestrischer Natur, um mal zu sehen, was
so ein astronomisches Fernrohr drauf hat: 3km Luftlinie nördlich von ASAM II sieht
man den Kirchturm der barocken obertraublinger Kirche. Also mit dem 5er Baader
Eudiascopic bei 180x draufgehalten - halb formatfüllend die Kirchturmuhr. Die
römischen Ziffern klar lesbar, die geschwungene Form der goldenen Zeiger eindeutig
zu sehen. Ach ja: es ist acht Minuten nach acht. Und das im Schummerlicht der
städtischen Lichtaufhellung. Schon beeindruckend. Um halb neun gibts Abendessen,
also schnell abgebaut, nochmal kurz an den Salzkräcker gedacht und ab zu Bärbel,
die schon mit einem dampfenden Teller Nudeln auf mich wartete.
Es war zwar abartig kalt da draußen, aber die eineinviertel Stunden haben sich echt
gelohnt, zwei Objekte (NGC253, NGC288), die ich bisher nur einmal, und die zwei anderen,
die ich bisher noch nie gesehen hatte. Und ein hochinteressanter NGC 246 - den werd ich
bestimmt öfters besuchen!
Viele Grüße und weiterhin viele sternklare Nächte Euch allen,
Markus
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