Hallo Sternenfreunde,
eigentlich wollte ich ja vor Weihnachten nicht mehr spechteln. Aber die letzte Nacht
war so schön klar, da mußte einfach der 5,1"-Newton Nachtelflein in den 20cm
tiefen Schnee gestellt werden. Überhaupt: der verschneite garten, der Mond,
die Sterne. Klirrender Frost bei -15°C. Bärbel hatte ein paar Kerzen außen
aufs Fensterbrett gestellt, die eine ideale Karkoschka-Lesebeleuchtung im Freien
abgaben. Irgendwie hatte diese Winternacht die Aura des Besonderen. Entsprechend
wollte ich ein paar neue Objekte kennenlernen.
Teleskop:
Dörr Atlas 2000, 130mm-Newton auf äquatorialer Skyview-Montierung mit Polsucher auf Alustativ; Hauptspiegelbrennweite 900mm, macht ein Öffnungsverhältnis von 1:6,9
Okulare:
26mm-Plössl von MEADE, Serie 4000 (35-fache Vergrößerung)
17mm Super-Plössl von Antares
12,5mm Ortho von Vixen
7mm Ortho von Celestron (128-fache vergrößerung)
6,3mm-Kellner von Bresser (143-fache vergrößerung)
5mm Eudiascopic von Baader (180-fache Vergrößerung)
Sonstiges:
2x-Barlowlinse, Celestron ultima, 3-linsiger Achromat mit Luftspalt
Baader Skyglow Filter
Astronomik UHC-Filter
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Zeitpunkt:
23. Dezember 2001, 19:00-22:15
Visuelle Grenzgröße:
ca. 4mag5 wegen Halbmond
Durchsicht:
gut
Seeing:
ausreichend
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Doppelsterne:
-
Galaxien:
57 Pegasi
Kugelsternhaufen:
M15
Offene Sternhaufen:
NGC2169
Planetarische Nebel:
NGC1535
Gasnebel:
-
Sonstiges:
Mond
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Gestartet hab ich aber erstmal mit einem alten Bekannten, M15, quasi als
Remineszenz an den Sommer. Bei 35x zeigt sich ein auffallend heller, wattiger
Kugelsternhaufen, der bei 53x schön als recht kompakter Vertreter seiner
Art auszumachen ist. 72x offenbart in den Außenbereichen schon deutlich den
granulären Charakter eines Kugelsternhaufens. Trotz Halbmond ist der Kontrast
heute erstaunlich gut, der Mond hat keinerlei Hof und steht wie ausgestantzt vor
einem pechschwarzen Himmelshintergrund, der einen eigenartigen Kontrapunkt
zu den verschneiten Häusern und Gärten bildet. Es ist komplett ruhig, nichts ist
zu hören. Überirdische Stille im Garten. Nur das leichte Flackern der drei Kerzen
ist als Widerschein durch das kahle Geäst des Knöterichs auszumachen, der
unser hauseck umrankt.
57 Pegasi wird im NSOG so euphorisch beschrieben, daß Bärbel den unbedingt
mal sehen wollte. Nun, als südwestlichster Bestandteil einer kleinen trapezförmigen
Vierergruppe an Sternen südlich des Pegasusquadrats ist er einfach zu finden, was
bei den Temperaturen von Vorteil ist. Als erstes fällt die stark bewegte Atmosphäre
und die knallorange Farbe des Hauptsterns auf. Die Mondnähe verschluckt die deutlich
schwächere, aber weit entfernte zweite Komponente. Erst bei 128x, einem Kompromiss
aus seeingbegrenzter Vergrößerung und Kontrast, zeigt sich SSW hin und wieder ein
verschämt blaugrau schimmerndes Sternpünktchen. (5m1;9m7;32,6"). Der gesichtete
Positionswinkel stimmt mit dem NSOG überein.
Eine kurze Stippvisite auf dem Mond zeigt heute trotz etwas Luftszintillation gestochen
scharfe, kontrastreiche Details. Das 17er Antares Superplössl zeigt hier echt, was es draufhat.
Richtig plastisch wirkt das alles! Besonders auffallend: rupes recta, die sich wie ein
schnurgerader Balken neben dem äußerst plastisch wirkenden Krater Birt durch das
mare nubium oder besser dessen Randgebiete zieht. Die reima birt ist auch bei
256-facher Vergrößerung nicht zu sehen.
Zwischenzeitlich gabs dann Abendessen, was dem Mond Gelegenheit gab, diskret hinter dem
Giebel des Nachbarhauses abzutauchen. Wohl gesättigt gings dann wieder in die winterliche
Stille hinaus in das Sternbild Eridanus. Hier wollte ich mal den planetarischen Nebel NGC1535
sehen. Bereits bei 35x fällt er als eigentümlich andersgraues non-stellares Scheibchen auf.
Irgendwie scheint das Grau einen Farbstich zu haben - ins Taubenblaugraue. Das 17mm zeigt
ihn mit UHC als deutliches Scheibchen, im 12,5er Ortho mit UHC präsentiert sich einem ein
immer noch recht heller, runder, auffälliger Nebel. Noch höher wollte ich nicht mehr gehen, da
zu viele Okularwechsel bei 15 Grad unter Null bisweilen schmerzhaft sein können.
Also hab ich drinnen noch - ebenfalls bei Kerzenschein - mit Bärbel im NSOG geblättert.
NGC2169 im Orion ist uns da aufgefallen. Ein offener Sternhaufen, dessen Mitglieder in der Form
der Zahl "37" angeordnet sind. Das Objekt ist knapp 1° südwestlich von Xi Orionis unschwer zu
finden und dürfte auch in kleinen Fernrohren der 2-3"-Klasse einen Abstecher wert sein! Bei 35x
zeigen sich zwei recht gradlinige Sternenwinkel aus einigen Eisblauen hellen Sternchen. Um die
37 komplett lesen zu können, muß man höher vergrößern! Im 12,5er Ortho kann man die Anordnung
der Haufenmitglieder, allesamt blaue Sterne, ähnlich den Plejaden, auch mit derart stechender
Intensität, wunderbar auf sich wirken lassen. Auf jeden Fall ist dieses Objekt wieder mal ein
Geheimtip, den man gesehen haben muß - allein schon wegen der Farbbrillanz seiner Sterne!
Nun wurds uns dann doch zu frostig, es ging auf -17°C zu, außerdem zogen jetzt Dunstschleier auf.
Durchgefroren und glücklich kam Nachtelflein in sein Kellerquartier. Nach den Feiertagen gibts dann
gewiss wieder Gelegenheit, den Winterhimmel zu erforschen.
Viele Grüße und weiterhin viele sternklare Nächte Euch allen,
Markus
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