Hallo Sternenfreunde,

heute kann ich von einer ganz besonderen Nacht berichten!
Gestern war der ganze Tag klirrend kalt, mittägliche Höchsttemperaturen
von knapp über -10°C trotz Sonnenschein. Eine Horizontsicht, die
einfach traumhaft war. Bei Sonnenuntergang hab ich mit Bärbel noch
einen Spaziergang gemacht, die Sonne ging kreisrund, gestochen scharf
und ohne jeglichen Halo hinter den Hügeln unter. Also beschlossen wir,
heute rauszufahren auf die ASAM III St. Ottilia in 395m ü.N.N.,
auf einer streulichtfreien Anhöhe mit Wald nach Süden und fast 0°
Horizont. Erst aber stellte ich den 5,1"-Newton schon mal im Garten
auf, um mich warm zu sehen: Objekte des Monats. Was wir sonst noch so alles
beobachtet haben, steht erstmal wieder in der folgenden Übersicht:

Teleskop:
Dörr Atlas 2000, 130mm-Newton auf äquatorialer Skyview-Montierung mit Polsucher auf Alustativ; Hauptspiegelbrennweite 900mm, macht ein Öffnungsverhältnis von 1:6,9
Okulare:
32mm Plössl von Celestron
26mm-Superplössl von MEADE, Serie 4000 (35-fache Vergrößerung)
14,5mm Erfle
12,5mm Ortho von Vixen
7mm Ortho von Celestron (128-fache vergrößerung)
6,3mm-Kellner von Bresser (143-fache vergrößerung)
5mm Eudiascopic von Baader (180-fache Vergrößerung)
Sonstiges:
2x-Barlowlinse, Celestron ultima, 3-linsiger Achromat mit Luftspalt
Baader Skyglow Filter
Astronomik UHC-Filter
Zeitpunkt:         
03. Januar 2002, 18:30-22:00
Visuelle Grenzgröße:
ca. 6mag5
Durchsicht:
gut
Seeing:
gut
Doppelsterne:
Lambda Orionis
Galaxien:
NGC2403
Kugelsternhaufen:
M79
Offene Sternhaufen:
M38, M41, NGC2362
Planetarische Nebel:
NGC1360
Gasnebel:
-
Sonstiges:
Saturn, Mond

Zum Einstand gabs gleich NGC2403, eine Galaxie im Sternbild Camelopardalis.
Da einer unserer Nachbarn heute seine Balkonlampe anhaben mußte (wahrscheinlich,
um mich zu ärgern, oder wollte er einfach sagen: schauts alle her, ich bin
daheim! ??), war es etwas schwer, im Gegenlicht den Leitstern Omikron
Ursae majoris anzupeilen. Von diesem liegt die Galaxie 7° weg, da ist
fleißiges Starhoppen angesagt. Also das 32er Celestron Superplössl rein
(1,8° wahres Gesichtsfeld). Der erste Versuch schlug fehl. Und das bei Zwölf
Grad Minus. Also: zurück zu Omikron. Karkoschka rausgeholt. Und Stern für Stern
abgekurvt und siehe da: nach ein paar Minuten tatsächlich das Ziel: NGC 2403!
Mein Erfle, das ich mittlerweile zu 14-15mm Brennweite ermittelt hab, zeigt
bei gut 60-fach die Galaxie am besten. Die Transmission dieses Okulars ist
immer wieder ein atemberaubendes AHA-Erlebnis! Man sieht einen etwa im Verhältnis
2:3 in Ost-West-Richtung elongierten Lichtschimmer, aus dem zwei hellere
Sternchen leuchten. An der Position dieser Sternchen scheint auch die Galaxie
etwas heller zu sein, so, als hätte sie zwei Zentren. Hier scheint sich echt
schon die Spiralstruktur anzudeuten. Allerdings ist die Flächenhelligkeit von
NGC2403 nur durchschnittlich.
Nun gabs einen Abstecher zum Ringplaneten Saturn. Gestern hab ich den Samtrest,
der beim Auskleiden des Zehnzöllers übriggeblieben ist, in den 5-Zoll-Newton
eingeklebt, das hat ganz genau für den kleineren Tubus ausgereicht.
Auf jeden Fall ist zu sagen, daß die Farbabstufungen auf der Saturnkugel mit
ihren diversen olivgrünen Tönungen nun viel besser rüberkommen. Die Cassini-
teilung war bei 128x und noch besser bei 180x zu sehen. Und auch der Schatten
des Rings auf dem Planeten und der Planetenschatten auf dem Ring warn ganz gut
zu sehn, trotz der weiten Ringöffnung.
Wenn wir schon bei hohen Vergrößerungen sind: Jetzt kam Lambda Orionis an die
Reihe, der bei 180x für den Fünfzöller eine leichte Übung war. Nordöstlich eines
hellblauen Sterns steht - mit deutlichem Zwischenraum abgesetzt - ein zweiter,
ebenfalls blauer, gut eine Größenklasse schwächerer Begleitstern. (3m6;5m5;4,3")
M38 ist für mich einer der schönsten Sternhaufen der Wintermilchstraße. Auf 0,4°
Durchmesser sieht man sich kreuzende Ketten mittelheller, weisser Sterne, und
dazwischen sehr viel schwächere unzählige Hintergrundsterne. M38 birgt irgendwo
die Eigenschaften von M36 (nur helle Sterne) und M37 (nur schwache "Hintergrundsterne")
in sich. Im 14,5er Erfle ist er grad schön halb bildfeldfüllend, da kann man
richtiggehend in M38 abtauchen.

M79, das vierte Objekt des Monats, ist von meinem Garten aus aufgrund seiner niedrigen
Deklination nicht beobachtbar. Also wurde jetzt für die Außenexpedition gerüstet.
Der Tubus auf die Rückbank, die Montierung in den Kofferraum, die Rotlichtlampe an den
Zigarettenanzünder, Karkoschka, Beobachtungsbuch, Skizzenblock und Okularkoffer
in den hinteren Fußraum, die diversen Schreibutensilien in die Mittelkonsole.
Mit Skisocken, Rolli, langer Unterhose und Skioverall nebst Schal, Mütze und dicken
Handschuhen machen sich die beiden Astronauten Bärbel und Markus auf den Weg.
Der Bordcomputer im Auto meldet -12°C Außentemperatur. Nach 15-minütiger Fahrt
ist der Feldweg erreicht, der uns den letzten Kilometer zur Spechtelstation
St. Ottilia bringt. Die Außentemperatur steht hier bei -13,5°C. Das Navigationssystem
zeigt die geographische Breite mit 48°54'47" an. Schön dunkel ist es hier. Dank
Polsucher ist die Skyview-Montierung in nullkomanix ausgenordet. Tubus drauf -
spechtelbereit. Ein Blick in die Runde. Der KOMPLETTE bei uns sichtbare Teil des
Sternbild Eridanus inklusive Ny2, Ny3 und Ny4 ist problemlos gen Süden zu sehen.
Gut 4m Grenzhelligkeit also direkt am Horizont! Im Zenithnähe in Auriga wurde
die Milchstraße bereits grieselig und körnig. 6m bis 6m5 hatte hier der Himmel
unter Garantie - trotz weiß verschneiter  Winterlandschaft.
Die Sterne Tau3 bis Tau6 Eridani sind eine auffallende Marke zu unserem ersten Ziel,
dem planetarischen Nebel NGC1360 im Fornax. (-25,87° Dec) NGC1360 ist bei 28x mit UHC
bereits als schwaches Nebelchen zu sehen. Noch besser natürlich bei 34x mit UHC.
Jetzt wollte ich mit 60x das hochtransmissive Erfle reinsetzen. Plopp! Zielsicher
ist das Erfle im Schnee gelandet. Natürlich mit der Steckhülse nach unten, so daß
das Okular von einem schönen Schneepfropfen verschlossen ist. Dem ist bei -14°C
nichts entgegenzusetzen: dieses Okular hatte für den Rest der Nacht verspielt.
Mitten in dem länglichen Nebelschimmer ist - vor allem bei indirektem Betrachten -
der Zentralstern zu sehen. Von der Form her erinnert NGC1360 eher schon an eine
Galaxie, denn einen planetarischen Nebel. Natürlich hab ich das Objekt auch skizziert.
Hier das frostige Resultat:

    NGC1360 am 3.1.2002, 130mm-Newton, f=900mm bei 36x

Nun kam noch ein Jäger mit seinem Jeep vorbei: "Wos, dead's Steandlschaung? Ja, des
is ganz schee koid heid da heraussd. Naa, durchs Teleskop moog e etz need duach-
schaung, i seech de Stean in meim Feanglasl aa recht guad. Pfiad eich God nachad!"

Das Nächste Ziel war M79, das noch ausstehende Objekt des Monats. (-24,53° Dec)
Dieser Kugelsternhaufen ist von Beta Leporis aus schnell gefunden. Genau zwischen
zwei Sternen sitzt der auffallend helle Kugelsternhaufen, der, ist die Kälte schuld?,
mich stark an einen Schneeball erinnert. Ein auffallend weiß leuchtendes Zentrum zeigt
M79 bei 28x und auch bei 36x. Eine Steigerung auf 72x mit dem 12,5er Vixen Ortho zeigt
bereits leicht körnige Randbereiche. Bei 128x im 7er Celestron Ortho ist M79
immer noch sehr hell und das äußere Drittel des Kugelsternhaufens zeigt sich zusehends
aufgelöster, bei indirektem Sehen meint man, daß einen hin und wieder ein Einzelsternchen
anfunkelt. M79 kann sich unsrer Meinung nach im Reigen der Kugelsternhaufen zu den
schöneren Exemplaren zählen.
Nun gings zu NGC2244, der bereits im 6x30-Sucher etwas östlich des Sterns Epsilon
Monocerotis als heller Lichtknoten auffällt. Ziel war eigentlich, den Rosettennebel
NGC2237 zu sehen. Mit dem 32er Superplössl und UHC bei gut 1,8° Gesichtsfeld sollte bei
dem Himmel doch was gehn. Und, was wars? Nix wars! Bestenfalls südwestlich angrenzend
an den Sternhaufen könnte man meinen, daß der Himmel etwas nebelig aufgehellt ist.
Ich glaub, der Rosettennebel wird mich noch ne Weile ärgern. Reichen da gut 4mm Austritts-
pupille, 6mag5-Himmel und UHC allerweil noch nicht?
Grummelnd zogen wir ab Richtung Süden ins Sternbild Canis major. Wenn schon der
Rosettennebel nicht geht, sollte man wenigstens bei offenen Sternhaufen mehr Glück
haben. Als erster Vertreter ham wir uns M41 angetan. (-20,73° Dec) Was soll ich sagen?
Ein absolutes Schaustück! Da gruppieren sich ein, zwei Dutzend hellere Sterne und im
Hintergrund wimmeln noch viele, viele, kleinere Hintergrundsterne. Bei 72x wird der
Haufen bildfüllend abgebildet und ist wunderbar aufgelöst zu studieren. Ein absolutes
Highlight.
"Was leuchtet da so orange im Wald?" Auf diese Frage hin wurde ich von Bärbel aus meinen
Okularträumen in die Realität zurück geholt.
Ein kurzer Fußmarsch auf die Anhöhe, wo man an dem Wäldchen vorbeisieht brachte
die Klärung:
Wow! Absolut scharf schob sich der Mond über die 50km entfernten Anhöhen des
bayrischen Waldes. Ein gigantisches Schauspiel, hier draußen, bei absoluter Dunkelheit!
Nach diesem willkommenen Zwischenspurt, der die Zehen wieder etwas auf Temperatur brachte,
nahmen wir uns dann wieder des Teleskops an.
Kleiner, aber fast noch schöner wie M41, ist Bärbels Lieblingsobjekt des Abends, der offene
Sternhaufen NGC 2362 (-24,92° Dec). Der war um 21:45 grade frisch aufgegangen und
stand nur weniger als 5 Grade über dem Horizont. Trotzdem war er mit dem etwas nördlich
stehenden Stern 29 Canis majoris schön zu sehen. Bereits bei 28x merkt man, daß sich
um einen orangefarbenen Stern etwas im Hintergrund tummelt. Steigert man die Vergrößerung
auf 36x, erkennt man um den Stern etwas nebelig-unscharfes. Bei 72x wird schon erkennbar,
daß es einige gelbliche Einzelsternchen sind, die sich da um den recht hellen Hauptstern
scharen. Bei 128x wunderbar auflösbar und auch 29 CMa ist noch im Bild zu sehen. Ein
wunderbares Objekt. Bärbel hats so gut gefallen, daß sie trotz mittlerweile fast 15 Grad
Minus noch eine Zeichnung gemacht hat:

    NGC2362 am 3.1.2002, 130mm-Newton, f=900mm bei 128x

Dann ham wir aber schnell abgebaut (die fast 2 Stunden hier draußen sind wie im Fluge vergangen)
und sind nach Haus gefahren, wo wir unse kalten Glieder in der heißen Badewanne wieder aufgetaut
haben.

Viele Grüße und weiterhin viele sternklare Nächte Euch allen,

Markus