Hallo Sternenfreunde,
Am Samstag wurde es zunehmends klarer und klarer. Also beschlossen
wir, abends auf die ASAM III St. Ottilia rauszufahren. Diese liegt an einer
einsamen Kiefer auf einer leichten, waldumkränzten Anhöhe - 395m ü.d.M,
das sind immerhin schon wieder 60 bis 70m über dem üblichen Donaudunst
und doch net so weit zu fahrn wie in den Vorwald nach Scharr, wos immerhin
540m ü.d.M. hoch wäre. Laut Navigationssystem liegt die ASAM III auf einer
geographischen Breite von 48°54'47" . Somit war klar, wohin die Reise
gehen sollte: Canis major und dies südlichen Teile des Wintersternhimmels!
Wie weit wird man wohl nach "Süden" sehen können?
Da nach dem Abendessen Bärbel dann doch schwächelte, ist kurzerhand
mein Nachbar Thomas mit seinem Optimus mit gefahren.
Und hier die Randbedingungen:
Teleskop:
Dörr Atlas 2000, 130mm-Newton auf äquatorialer Skyview-Montierung mit Polsucher auf Alustativ; Hauptspiegelbrennweite 900mm, macht ein Öffnungsverhältnis von 1:6,9
Okulare:
32mm Plössl von Celestron
26mm-Superplössl von MEADE, Serie 4000 (35-fache Vergrößerung)
14,5mm Erfle
17mm Antares Superplössl ("APO"-Series)
12,5mm Ortho von Vixen
7mm Ortho von Celestron (128-fache vergrößerung)
6,3mm-Kellner von Bresser (143-fache vergrößerung)
5mm Eudiascopic von Baader (180-fache Vergrößerung)
Sonstiges:
2x-Barlowlinse, Celestron ultima, 3-linsiger Achromat mit Luftspalt
Baader Skyglow Filter
Astronomik UHC-Filter
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Zeitpunkt:
02. Februar 2002, 20:30-23:15
Visuelle Grenzgröße:
ca. 6,5mag
Durchsicht:
sehr gut
Seeing:
gut bis mäßig (in Horizontnähe)
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Doppelsterne:
Epsilon Canis majoris, 145 Canis majoris
Galaxien:
NGC3115
Kugelsternhaufen:
M79
Offene Sternhaufen:
NGC2324, NGC2301, Do25, NGC2362, M93, M41, h&chi, M35
Planetarische Nebel:
-
Gasnebel:
M42, M43
Sonstiges:
-
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Auf der Astrostation ASAM III (Astrostation am Marterl III - St. Ottilia) angekommen,
zeigte der Bordcomputer im Auto gemütliche +7,5°C an. Schnell waren beide
Teleskope aufgebaut, was bei meinem 5"-Newton dank Polsucher ratz fatz geht.
Die Röhren lagen schon während des Abendessens im Kofferraum, so daß sie
schon ausgekühlt waren. Es konnte also losgehen!
Erstmal war Thomas baff: "So viele Sterne, da braucht's ja gar kein Teleskop mehr :-)"
In der Tat, ein Sternhimmel zum Abheben: M35, M36, M38 naked eye sichtbar,
Präsepe blendete mit den Plejaden um die Wette, h und chi auffallend. 6,5m dürften
es schon gewesen sein. Ohne geschlossene Schneedecke wie beim letzten Mal ists
halt nochmal ein ganzes Eck dunkler.
Zur Einstimmung ging Thomas auf M35 los - wobei er sich mein 32er Celestron Plössl
Handgranatenokular in den Optimus steckte - und gleich nochmal baff war. 2,4° wahres
Gesichtsfeld - da war Thomas erstmal ne halbe Stunde beschäftigt mit rich-field-Reisen
durch die Gemini-Milchstraße! Ich denke, er wird demnächst mal investieren - in ein 32er
Okular! An M35 konnte man sehr schön sehen: Thomas hat einen absoluten Sonntags-
optimus erwischt. Der braucht sich an Bildschärfe und Kontrast hinter einem guten
Vixen 90M (hallo Lothar) net zu verstecken - außer natürlich von der Bildhelligkeit, klar.
Aber Schärfe, Kontrast und Farbreinheit sind bei Thomas' kleinem 70mm-f/10-Refraktor
überirdisch gut. Es zeigten sich Unmengen aufgelöster weißlichblauer Einzelsterne in
einem wahnsinnig sternreichen Milchstraßengebiet - einfach genial!
Auch h und chi sind für Thomas immer wieder ein highlight - stahlen deren Sterne doch noch
neonblauer vom pechschwarzen Himmel! Wie die beiden doch unterschiedlichen Sternhaufen
einander einträchtige Begleiter und Weggefährten durch die stillen Weiten des
Weltalls sind, ist einfach erhebend!
Ich selber hab meine Spechtelsession zum Einsehen mit M79, dem Kugelsternhaufen im
Lepus begonnen. Bei 60x im Erfle ist er in den Randbereichen schon leicht granulär. Bei 128x
sieht man ein - zumindest für mich - immer wieder auffallend helles, dreieckiges Zentrum, um
das sich ein sprenkeliger Sternenhof tummelt. Ein äußerst interessanter Kugelsternhaufen.
Zur Orientierung mit bloßem Auge: Das Sternbild Columba - die Taube - zog locker zu sehen
seine, oder ihre Bahn über den Baumwipfeln hinweg! Mit dem Fernrohr konnte man sogar
zwischen den Baumwipfeln noch Sterne scharf und klar sehen.
Epsilon canis majoris flackerte ein paar grad über dem Horizont so stark, daß ich den einige
Größenklassen schwächeren Begleitstern nicht zu sehen bekam. (1m5;7m5;7,5")
145 canis majoris hingegen war schon bei 36x zu trennen: die südliche Komponente orangerot,
die nördlichere blaßblau und etwa 1mag schwächer. Bei 128x ist 145 Cma für einen Doppelstern
schon fast zu weit separiert. (4m8;6m0;27") Mir wär er fast weiter erschienen als die 27", eher
72".
Eine Premiere für mich war M93, ein offener Sternhaufen in den nördlichen Gefilden des Sternbilds
Puppis. Es ist ein absolutes prachtexemplar eines offenen Sternhaufens: viele helle Sterne in Ketten
angeordnet vor deutlicher Hintergrundnebulosität. Auch hier drängt sich ein vergleich mit M11 auf,
nur daß M93 nicht so geschlossen, sondern etwas "zerfetzter", untergliederter wirkt. Bei 72x zähle
ich rund 50 Einzelsterne. Auch hier deutlich der nebulose Hintergrund. Sehr, sehr schön!
Wie wiet kann man nun hier nach Süden sehen? NGC2451, NGC2477 und NGC2546 wären die
Objekte der Begierde und mit -38° Deklination bei uns schon machbar. Allerdings muß ich auf eine
kleine Anhöhe gehen, damit überhaupt der Stern Ny Puppis durch die Tannenwipfel blinzelt. Für
die genannten Sternhaufen fehlen hier 2 bis 3 Grad. Aber von der Durchsicht her wärs gegangen!
Mit dem Teleskop kann man herrlich zwischen den einige hundert Meter entfernten Baumwipfeln
klar und deutlich Sterne leuchten sehen - und zwar nicht wenige! Also ist wieder Beobachtungsplatzsuche
angesagt - für den ultimativen Südblick. Wobei dieser Platz für die meisten Objekte schon 1. Wahl ist!
Der offene Sternhaufen NGC2362 mit seinem funkelnden Stern in der Mitte, macht immer wieder
besonders viel Eindruck! Bei 72x kann ich vor nebligem Hintergrund etwa zwei Dutzend Einzelsternchen
erhaschen. In canis major darf natürlich M41 nicht fehlen! Auf rund ein halbes Grad sind hier einige
Dutzend heller, blauer Sterne ausgestreut, die allesamt fröhlich durcheinanderblinzeln. Gepaart mit
der Ruhe hier draußen auf den Feldern, wo nur hin und wieder ein Hase vorbeispringt, ein herrliches
Erlebnis! Auch NGC2324 im Monoceros ist bei den bedingungen hier draußen ein einfacher Fang!
Bei 60x zeigt sich neben einem Sternenstrichmännchen eine deutliche verdichtung des Milchstraßen-
hintergrunds, der mit einigen helleren Einzelsternen gewürzt ist. NGC2301 ist dann eigentlich nur
Durchgangsstation zu meinem Thriller des Monats Dolidze 25, jedoch verweile ich auch bei diesem
Sternenknoten einige Zeit, wechsle von mittlerer zu niedrigster Vergrößerung und lasse einfach die
enorme Sternenvielfalt dieser Milchstraßenecke auf mich einwirken. Dolidze 25 fällt bei dem dunklen
Himmel noch deutlicher auf, denn die beiden "Hörner" der Wünschelruten werden von grauer
Hintergrundnebulosität erhellt und wirken so fast übernatürlich unheimlich. Hier erweist sich 60x als
die optimale Vergrößerung.
NGC3115, die Spindelgalaxie, fällt schon bei 36x als graues nebelfleckchen auf. Bei 50x und bei 60x
erkennt man ein recht helles, ovales Zentrum und darüber hinaus an den Spitzen einenn feinen, dünnen
strichförmigen Ausläufer. Dafür, daß sie noch nicht besonders hoch steht, ist Erstaunliches an Details
zu sehen. Die Galaxie liegt in etwa in NW-SE-Richtung gestreckt.
Eigentlich wärs das gewesen, jedoch ein Blick auf M42/M43 mußte noch sein. Auffallend grünlich
(wie ein Glühwürmchen) breitet M42 seine majestätischen Schwingen aus, das glitzerblaue Trapez
blinkt einem entgegen, der UHC-Filter ist bei der Objekthelligkeit und dem dunklen Himmel gleich
im Okularkoffer geblieben.
Summa summarum eine geniale Winternacht mit wunderbaren deep-sky-Objekten!
Und jetzt, da der bericht fertig ist, gibts auf der Terasse ein sonniges Mittagessen!
Viele Grüße und weiterhin viele sternklare Nächte Euch allen,
Markus
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