Hallo Sternenfreunde,
"Have a look - have a pint!"
...so möchte ich den heutigen Beobachtungsbericht überschreiben. Warum?
Die deep south madness machte uns recht umtriebig und so erkundete ich
am Sonntag Nachmittag mit Bärbel einige Stellen, die sich auf der topographischen
Karte als vielversprechend erwiesen. Gefunden ham wir dann einen Platz
unmittelbar neben einem Dorf namens Luckenpaint (look and pint?) auf einer
Höhe von 420m - also 90m über der Donauniederung. Das Navigationssystem ortet
uns auf 48°53'35" nördlicher Breite - schon wieder 0,1° gewonnen ;-)
Diesmal waren die Puppissternhaufen die Objekte der Begierde. Der Nullgradhorizont
ist hier jedenfalls gegeben. Nun also im Telegrammstil die Beobachtungsdaten.
Teleskop:
Dörr Atlas 2000, 130mm-Newton auf äquatorialer Skyview-Montierung mit Polsucher auf Alustativ; Hauptspiegelbrennweite 900mm, macht ein Öffnungsverhältnis von 1:6,9
Okulare:
32mm Plössl von Celestron
26mm-Superplössl von MEADE, Serie 4000 (35-fache Vergrößerung)
14,5mm Erfle
17mm Antares Superplössl ("APO"-Series)
12,5mm Ortho von Vixen
7mm Ortho von Celestron (128-fache vergrößerung)
6,3mm-Kellner von Bresser (143-fache vergrößerung)
5mm Eudiascopic von Baader (180-fache Vergrößerung)
Sonstiges:
2x-Barlowlinse, Celestron ultima, 3-linsiger Achromat mit Luftspalt
Baader Skyglow Filter
Astronomik UHC-Filter
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Zeitpunkt:
03. Februar 2002, 20:30-22:45
Visuelle Grenzgröße:
ca. 6,5mag
Durchsicht:
gut, am Horizont nur mäßig
Seeing:
gut bis mäßig (in Horizontnähe)
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Doppelsterne:
-
Galaxien:
-
Kugelsternhaufen:
NGC1851
Offene Sternhaufen:
NGC2360, M93, M47, NGC2423, NGC2520, NGC2451, NGC2477,
NGC2546
Planetarische Nebel:
-
Gasnebel:
-
Sonstiges:
-
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Leider waren die horizontnahen Sichtbedingungen heute nicht mehr so ideal wie gestern.
Leichter Nebel lag überall über den Feldern - es war nicht so ganz ideal. Gestern konnte
man die Hauptsterne des Sternbilds Columba naked eye viel besser sehen. Im Zenith waren
aber auch heute wieder gut 6m angesagt! Als Standort hat sich die neue Spechtelstation
SMS - south madness Spechtelstation - also schon mal bewährt.
Der Versuch, den Kugelsternhaufen NGC1851 (Dec = -40,3°) zu finden, scheitert nicht
am Horizont, sondern an der undurchdringbaren "Waschküche". Nur hie und da ist ein
Sternchen im Grau des Okulargesichtsfelds zu lokalisieren.
Gestern hatte ich NGC2360 vergessen, den ich vor ein paar Tagen bei 4m-Himmel
mehr schlecht als recht sehen konnte. Da mußte heute mehr drin sein!
Und in der Tat findet sich schon bei 36x eine dicht gedrängte
Ansammlung von Sternen an der betreffenden Stelle. Bei 60x sind etwa 25 einzelne Sterne vor
grauer Hintergrundnebulosität zu sehen, 72x ist fast schon zu viel, da geht die Vergrößerung
etwas auf Kosten des Kontrasts, der mir persönlich an offenen Haufen am wichtigsten ist.
Auch M93 wollte ich nach der gestrigen Premiere nochmals sehen. Bei 60x/72x sind viele
einzelne Sterne zu sehen, die in vier aufeinander senkrecht stehenden, gegeneinander
verschobenen Sternenketten angeordnet sind. Insgesamt etwa 30 Einzelsterne. Allerdings war
gestern die Durchsicht tatsächlich etwas besser.
Nun konnte ich es absolut nicht mehr erwarten. Die Puppissternhaufen kulminieren zwar erst
in eineinhalb Stunden, trotzdem: Pi / Ny Puppis müßten doch schon? Unterhalb des linken
"Fußsterns" von Canis major per Sucher langsam nach unten geschwenkt - da, ein roter funkelnder
Stern! Das Okular zeigt insgesamt 4 in Form eines symmetrischen Y angeordnete Sterne -
darunter der auffallend rote Pi Puppis. So ist die Sternansammlung auch in meiner mit Cartes du ciel
erstellten Aufsuchkarte zu sehen! Wieviel geht noch? Ein Bildfeld, noch ein Bildfeld,
dann die Baumwipfel. Also noch 3° unter Pi Puppis - über -40° Dec!
Inzwischen vertreiben Bärbel und ich uns die Zeit mit dem Sternhaufenpaar M47 und NGC2423.
Die beiden bilden einen wunderbaren Kontrast: M47 weist eher kraftvoll, hell bläulich
leuchtende Sterne auf, NGC2423 hingegen, bei 36x gut im selben Bildfeld, besteht aus sehr
vielen, eng hingezuckerten, aber deutlich schwächeren Sternen. Bei 60x im Erfle kann man
jeden der Sternhaufen getrennt studieren. Ich finde M47 beeindruckender, Bärbel hat der
zarte Schimmer und das fragile Aussehen von NGC2423 besser gefallen. Insgesamt zählen wir
in M47 rund 50 teils recht leuchtkräftige Sterne, NGC2423 zeigt nur die Hälfte und eben auch
deutlich schwächere Sterne, dafür aber sehr viel feinen Hintergrundsternenstaub.
Wenig spektakulär war NGC2520, etwa 10-20 auf 0,5° locker hingestreute Sterne, die in dieser
reichen Milchstraßengegend kaum, und wenn, dann nur deswegen auffallen, weil hier die
Hintergrundnebulosität ein wenig höher ist.
So - noch ein Tässchen heißen Tee aus der Thermoskanne und dann: ab in den Süden!
Pi/Ny Puppis wieder ad hoc angefahren. Dann bildfeldweise (1,5°) weitergekurbelt.
In Dec knapp 1° nach Süden , in RA etwa 7,5° nach Osten. Guter Respektabstand zu den
Tannenwipfeln - nichts irdisches zeigt sich im Okular - außer der diesigen Nebelsuppe.
Aber da: Heureka! NGC2451 existiert tatsächlich! Insgesamt sehe ich bei 36x knapp ein
Dutzend heller, bunter Sterne, die mich da lustig anfunkeln. Deren hellster ist auffallend
rot! Dieser extreme Eindruck der roten Sterne wird hier bestimmt durch atmosphärische
Streuung und Extinktion des Blauen gesteigert! Insgesamt würde ich NGC2451 auf ein dreiviertel
Grad Durchmesser schätzen. Bei wirklich guter Horizontsicht - so wie sie am Samstag gewesen wäre -
werde ich sicher nochmals hierher kommen. Trotz alledem hab ich das, was von NGC2451 zu sehen war,
skizziert, sooo oft kommt man in der Ecke schließlich auch wieder nicht vorbei. :-)
NGC2451 am 3.2.2002, 5,1"-Newton, f=900mm bei 36x
Etwas weiter südöstlich steht dann NGC2477. Leider im Grau des Himmelshintergrunds bei 36x
nur mit indirektem Sehen erkennbar - aber eindeutig und reproduzierbar. Direkt 0,5° nördlich
eines - diesmal bläulichweißen - Sternchens. Ein ovaler Nebelfleck, dessen längere Achse in
Nord-Süd-Richtung zu verlaufen scheint. Den Stern kann ich nachträglich in CdC auf meiner
Aufsuchkarte als HR3084 identifizieren. Er steht knapp 1° über den Wipfeln, allerdings noch
etwas VOR seinem Kulminationspunkt. Kurble ich in RA weiter nach Westen, entferne ich mich
bis auf etwa 2° von den Baumspitzen.
Der dritte der Puppissternhaufen, NGC2546, war leider nicht zu holen - in der Ecke sind einige "hellere"
sprich: deutlich sichtbare Sterne. Allerdings hab ich da dann etwas die Orinetierung verloren.
Außerdem wars doch etwas feuchtkalt und mit +2° auch 5° kälter wie gestern. Deswegen haben
wir dann abgebaut. Und dann?
We had the look. Und nun: We had the pint! Über einen kleinen Umweg übers Leprechaun, ein irish
Pub in Regensburg, wo es für mich noch ein Pint Beamish Irish Stout und für Bärbel zum Aufwärmen
eine total unirische heiße Schokolade gab, gings dann nach Hause ins warme Bett.
Wie hieß es nochmals so schön? "Have a look - have a pint!"
Viele Grüße und weiterhin viele sternklare Nächte Euch allen,
Markus
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