Hallo Sternfreunde,
Bis zum späten Abend waren überall Schleierwolken zu sehen, doch mit dem Sonnenuntergang
verzogen sich diese pünktlich. Da der Abend darüberhinaus total lau war, beschloß ich,
spontan etwas rauszufahren, um ein paar Objekte niedriger Deklination zu erhaschen, die
ich bisher noch nie beobachtet hatte. Schließlich will die Messierliste schön langsam
komplett werden. Nach fünfminütiger Autofahrt erreichte ich meinen diesmaligen Spechtelplatz,
da mir die Fahrt zur ASAM III St. Ottilia zu weit gewesen wäre. (Gut 10 Minuten)
Schließlich wollte ich gar nicht lange draußen bleiben, des Schlafdefizits der letzten
sternklaren Nächte wegen. Folgendes habe ich beobachtet:
Teleskop:
Dörr Atlas 2000, 130mm-Newton auf äquatorialer Skyview-Montierung mit Polsucher auf Alustativ; Hauptspiegelbrennweite 900mm, macht ein Öffnungsverhältnis von 1:6,9
Okulare:
32mm Plössl von Celestron
26mm-Superplössl von MEADE, Serie 4000 (35-fache Vergrößerung)
14,5mm Erfle
12,5mm Ortho von Vixen
7mm Ortho von Celestron (128-fache vergrößerung)
6,3mm-Kellner von Bresser (143-fache vergrößerung)
5mm Eudiascopic von Baader (180-fache Vergrößerung)
Sonstiges:
2x-Barlowlinse, Celestron ultima, 3-linsiger Achromat mit Luftspalt
Baader Skyglow Filter
Astronomik UHC-Filter
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Zeitpunkt:
Donnerstag, 16. Mai, 22:45-00:00
Visuelle Grenzgröße:
ca. 5,0mag
Durchsicht:
befriedigend
Seeing:
gut
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Doppelsterne:
-
Galaxien:
M104, M83
Kugelsternhaufen:
M107, M9, NGC6356
Offene Sternhaufen:
-
Planetarische Nebel:
-
Gasnebel:
-
Sonstiges:
-
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An meinem Beobachtungsplatz inmitten der Felder, neben einem Bach, dessen leises Dahinplätschern
jetzt, um elf Uhr Nachts, so ziemlich das einzige Geräusch war, war die Skyview dank
Polsucher mit einem Handgriff ausgenordet und mit einem zweiten Handgriff saß auch schon
der fünfzöllige Newton drauf. Die Grenzgröße dürfte im Zenith so bei 5mag gelegen haben, im
Zielgebiet, zwanzig Grad über dem Südhorizont leider nur bei 3mag bis 4mag. Den Stern
Theta Centauri kann man mit einigen Grad Abstand über dem Horizont aber mit bloßem Auge noch
ausmachen. Wieder ein Stück südlichen Sternhimmel ergattert!
An Spica justierte ich erstmal mein Sucherfernrohr. Ach ja, da fiel mir ein, M104 steht ja ungefähr
10° westlich von Spica! Also ran ans Okular und 7 Bildfelder nach rechts gekurbelt. Bingo!
da ist sie ja! Diese Galaxie ist einfach immer wieder schön! Bei 72x ist sehr schön die
langgestreckte Form zu sehen, die Mitte der Galaxie ist deutlich heller. Das Staubband bleibt
bei den nicht so optimalen Bedingungen heute unsichtbar. Allerdings wirkt M104 bei 128x noch
etwas besser strukturiert, mit indirektem Sehen werden die feinen Längsausläufer des Halos
erkennbar. Nun sollte es aber endlich zu M83 gehen, die man vom Hörensagen ja als wahres
Prachtexemplar kennt. Pi Hydrae ist mit 3m3 schön mit bloßem Auge zu sehen. Etwas rechts drunter
findet man im Sucher ein auffälliges Sternendreieck. Etwas rechts über diesem Dreieck ist die
Galaxie M83 dann schnell zu finden. Der 6x30er Sucher des Dörr Atlas 2000 ist ein wahrlich
hervorragender Sucher, keine Reflexe, kein Streulicht, absolut scharf fokussierbar, fast so
gut wie der achromatische 6x30er von meinem Starfinder. Bei 36x erkennt man einen blassen, leicht
unregelmäßigen Lichtschimmer. Deutlich mehr an Detail - soweit es der Horizontdunst zuläßt -
offenbart die Galaxie in meinem 14,5er Erfle, dessen Fähigkeit, schwache Objekte aus der Suppe zu
fischen, einfach fabelhaft ist. Man erkennt ein helles, stellar wirkendes Zentrum mit einem recht
großen, wenig flächenhellen und damit blaßen Halo, dessen südöstliche Seite von 3 in einer Linie
stehenden Sternchen tangential berührt und abgeplattet wirkt. Bei höherer Vergrößerung (72x) bleibt
nurmehr der stellare Kern übrig, auch der Skyglowfilter bringt hier nur eine Verschlechterung.
Auch über ein Plus an Austrittspupille im 32er Celestron Plössl mit und ohne Skyglow auch nur
schlechter, da fehlt einfach Kontrast zum im Okular leider nur hellgrauen Himmelshintergrund.
Nochmals ein Versuch mit dem Erfle - gegenüber allen andern meiner Okulare an diesem Objekt mal wieder
eine Offenbarung!
Wenn man schon mal die Möglichkeit hat, tiefere Objekte zu nutzen, dann soll man dies auch tun.
Gemäß diesem Motto hab ich mich um einige Kugelsternhaufen bemüht. Zunächst mal M107, der innerhalb
von Sekunden gefunden ward. Bei 36x ein schwacher, blasser, aber relativ großer Kugelhaufen. Aber,
er bleibt auch bei 62x und 92x recht blaß, er wirkt recht weit entfernt im All zu schweben.
An ein Auflösen ist nicht zu denken. Die Nordostseite des Kugelhaufens wirkt etwas abgeflacht.
Im Gegensatz hierzu wirkt M9 - meine zweite heutige Messierpremiere nach M83 - deutlich kompakter,
knackiger und heller, obwohl noch etwas horizontnäher. Vergrößerung bringt hier eindeutig mehr
an Kontrast, bei 128x eindeutig körnig und als Kugelsternhaufen erkennbar. M107 hätte im direkten
Vergleich auch als face-on-Galaxie durchgehen können. Die dritte Premiere des Abends spendiert mir
der Karkoschka mit dem unweit nordöstlich gelegenen Kugelsternhaufen NGC6356. Dieser bildet die
Spitze einer U-förmigen Sternenkette, ist etwas kleiner und ähnlich hell wie M9. Bei 62x im Erfle
wirkt er schon leicht grieselig.
Die Mondsichel mit dem aschgrauen Licht neigt sich immer mehr dem Westhorizont zu, Venus beginnt
schon rötlich zu flackern, geht also jeden Moment unter. Ein paar Augenblicke genieße ich
noch die nächtliche Ruhe auf den Feldern, den lauwarmen Wind, die Sterne, das Plätschern des
Bächleins. Mitternächtliche Idylle, einladend zum Verweilen. Trotz alledem: ich bin müde, packe
den Okularkoffer, leg den Tubus auf die Rücksitzbank, die Montierung in den Kofferraum und fahr
gemütlich die 5 Minuten nach Hause, wo ich alles über Nacht erstmal im Auto lasse und schaue,
möglichst schnell ins Bett zu kommen.
Viele Grüße und weiterhin viele sternklare Nächte Euch allen,
Markus
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