Hallo Sternfreunde,
Am Donnerstag wurde es gegen Abend zusehends klarer und klarer, so daß
ich, nachdem ich nachmittags nach der Arbeit noch etwas mit meinem neu
gebastelten Sonnenfilter unser Muttergestirn beobachtet hatte, den 5,1"-Newton
Nachtelflein draußen ließ und mich auf eine Reise begab, die mich durch
den Schwan und den Delphin zu weniger bekannten und nicht im Karkoschka
gelisteten Sternhaufen führte. Dabei gab es einige höchst interessante Schätze
zu sehen! Hier wieder eine Zusammenfassung der Ereignisse:
Teleskop:
Dörr Atlas 2000, 130mm-Newton auf äquatorialer Skyview-Montierung mit Polsucher auf Alustativ; Hauptspiegelbrennweite 900mm, macht ein Öffnungsverhältnis von 1:6,9
Okulare:
32mm Plössl von Celestron
26mm-Superplössl von MEADE, Serie 4000 (35-fache Vergrößerung)
14,5mm Erfle
12,5mm Ortho von Vixen
7mm Ortho von Celestron (128-fache vergrößerung)
6,3mm-Kellner von Bresser (143-fache vergrößerung)
5mm Eudiascopic von Baader (180-fache Vergrößerung)
Sonstiges:
2x-Barlowlinse, Celestron ultima, 3-linsiger Achromat mit Luftspalt
Baader Skyglow Filter
Astronomik UHC-Filter
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Zeitpunkt:
Donnerstag, 11. Juli, 22:45-01:00
Visuelle Grenzgröße:
ca. 5,2mag
Durchsicht:
gut bis sehr gut
Seeing:
-
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Doppelsterne:
-
Galaxien:
-
Kugelsternhaufen:
NGC6934, NGC7006
Offene Sternhaufen:
NGC6811, NGC6819, NGC6866, NGC6871, NGC6883,
M29, IC4996
Planetarische Nebel:
-
Gasnebel:
-
Sonstiges:
-
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Begonnen habe ich die Reise mit NGC6811. Bei 36x ist ein etwa 0,5° großer
Flecken voller feiner, weißer Sterne zu sehen. Bei 62x im Erfle zähle ich bei
dem jetzt fast formatfüllenden Objekt etwa zwei Dutzend Einzelsterne vor immer
noch etwas neblig unaufgelöstem Hintergrund. Der Umriß des Objekts ist in
etwa rautenförmig.
Ein noch viel schöneres Objekt ist dann NGC6819, ein wahres Prachtexemplar
von offenem Sternhaufen! Er ist sehr kompakt und dicht gedrängt, dabei recht
auffallend, ohne übermäßig hell zu sein. Westlich zweier heller Sterne ist er bei
36x nicht zu übersehen. Bei 62x und indirektem Sehen glitzern einem unzählige
Sternchen entgegen, bei direkter Blickweise wirkt NGC6819 wie ein nach Norden
offenes U, markiert durch die hellsten Haufenmitglieder, die auch gleichzeitig
die Außenkontur des Nebels beschreiben. Bei 128x zähle ich an die 20 Einzelsterne,
wenn man die beiden hellen Sterne in unmittelbarer Nachbarschaft aus dem Bild-
feld nimmt, denn die blenden schon ganz schön und beeinträchtigen die Detailerkennbarkeit.
Herr und Frau Igel vergnügen sich mal wieder schnaubend im Gebüsch. Es ist schon
witzig, was sich so im Garten nachts alles rumtreibt. Letzten Sommer stand nachts um
zwölf plötzlich ein Hund neben mir am Teleskop und zwar einer Marke Kalb! Etwa einen
Kopf größer wie ein Schäferhund. Gott sei Dank ein lammfrommer Kerl. Aber einen
gewaltigen Schrecken hat er mir schon eingejagt. Katzen und Igel sind da doch harmloser.
Allerdings klingt auch das Igelgeschnaube teils recht unheimlich...
Allerdings ist man ja kein Hasenfuß und so gings frisch, fromm, fröhlich frei auf zur nächsten
Übung:
NGC6866 ist recht hell und zeigt schon bei 36x zentral eine leicht geschwungene, nord-süd
gerichtete Sternenkette. Das erfle zeigt mit 62-facher Vergrößerung und längerem Betrachten
immerhin an die 30 Einzelsterne: die zentrale Sternenkette verläuft im nördlichen Bereich des
Haufens sogar doppelt nebeneinander (nei, ich habe kein Bier getrunken), nach osten und
westen hin erstreckt der nebel zwei Sternenschwingen. Und niemand da, dem man so schöne
Haufen zeigen kann :-( Bärbel hat nämlich heute schlafdefizitbedingt geschwächelt und ist
schon um zehn in die Federn gekrochen.
NGC6871 ist ein 0,5° messender, auch mit nur 130mm Öffnung wahrlich gleißender, blendend
heller offener Sternhaufen. Quasi eine vergrößerte Version des vorigen, NGC6866, mit einer
ebenfalls nor-süd verlaufenden, geschwungenen Sternenkette. Eine ganze Zeit lang genieße ich
einfach diesen wunderschönen Anblick. NGC6883, ungefähr eineinhab Grad weiter östlich,
zeigt ein nach Osten weisendes Sternen-V. Er ist aber in der sternreichen Gegend, in der er steht,
nicht so besonders hervorstechend, wobei diese Ecke für sich schon einen Genuß erster Güte
bietet. Wer möchte, kann sich auf dem folgenden digital sky survey - Bild überzeugen:
NGC6883, (C) digital sky survey
NGC6883 ist der Sternknoten genau in Bildmitte.
M29 mit seiner bekannten geometrischen Figur hab ich heute nur als Wegweiser
zu meinem nächsten Objekt mißbraucht: IC4996 ist zwar recht hell, aber in der sternreichen
Umgebung nicht besonders auffallend: ein bogenförmiger Sternenknoten mit einem drangehängten
weiten und hellen Trapez aus rotorangen Sternen.
Nun wollte ich zu guter letzt noch zwei Kugelsternhaufen im Delphin sehen. Als erstes
gleichmal der hellere von beiden, NGC6934. Er steht einige Grad südlich von Epsilon Delphini
im südlichen Bereich des kleinen Sternbilds und ist unmittelbar östlich eines mittelhellen Sterns
nicht zu übersehen, schon bei 36x ist einem klar, einen typischen Kugelsternhaufen vor sich
zu haben. 62x zeigt dann schon schön den Helligkeitsabfall zum Rand hin. bei 163x wird er
schon grieselig, der Südostrand des Sternhaufens ist leicht abgeflacht.
NGC6934, (C) digital sky survey
Als letztes Objekt war dann der zweite Kugelsternhaufen im Delphin an der Reihe, der deutlich
lichtschwächere NGC7006. Kein Wunder, denn mit einer Entfernung von 185000 Lichtjahren ist
er für einen Kugelsternhaufen schon recht weit entfernt. 62x zeigt aber trotz alledem eine leichte
Helligkeitsmodulation und einen nicht ganz runden Umriß.
NGC7006, (C) digital sky survey
Mir fällt beim Nachschlagen auf, daß
der Kugelsternhaufen NGC5053 in Coma berenices, unweit von M53 mit 9m9 über eine halbe
Größenklasse heller sein soll wie NGC7006 mit 10m5. Trotzdem ist NGC7006 viel viel deutlicher
zu sehen. Dies mag wohl daran liegen, daß mit 2,8' Durchmesser NGC7006 seine Helligkeit auf eine
14x kleinere Fläche verteilt wir NGC5053 mit 10,5' Durchmesser. Die Flächenhelligkeit bringts also
mal wieder.
Mittlerweile ist es 1 Uhr in der Nacht und so lasse ich diese wundervolle Reise zu den Sternen zu Ende gehen.
Viele Grüße und weiterhin viele sternklare Nächte Euch allen,
Markus
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