Hallo Sternfreunde,
Letztes Wochenende kehrte ja mal wieder für ein paar Tage der Sommer zurück.
Leider war auch der Mond immer kräftig mit von der Partie, so daß mein Vorhaben,
mal wieder zur ASAM III St. Ottilia rauszufahren, keine Verwirklichung fand.
Nichtsdestotrotz haben Bärbel und ich aber am letzten Juliwochenende einige
schöne Beobachtungsabende einfach gemütlich daheim im Garten verbracht, bei
durchwegs angenehmen und lauen Temperaturen, stets untermalt vom rastlosen
Zirpen der Grillen. Spechteln am Gartenteich also. Und das war zu sehen:
Teleskop:
Dörr Atlas 2000, 130mm-Newton auf äquatorialer Skyview-Montierung mit Polsucher auf Alustativ; Hauptspiegelbrennweite 900mm, macht ein Öffnungsverhältnis von 1:6,9
Okulare:
32mm Plössl von Celestron
26mm-Superplössl von MEADE, Serie 4000 (35-fache Vergrößerung)
14,5mm Erfle
12,5mm Ortho von Vixen
7mm Ortho von Celestron (128-fache vergrößerung)
6,3mm-Kellner von Bresser (143-fache vergrößerung)
5mm Eudiascopic von Baader (180-fache Vergrößerung)
Sonstiges:
2x-Barlowlinse, Celestron ultima, 3-linsiger Achromat mit Luftspalt
Baader Skyglow Filter
Astronomik UHC-Filter
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Zeitpunkt:
Samstag, 27. Juli 2002, 22:45-00:30
Sonntag, 28. Juli 2002, 22:45-00:30
Dienstag, 30. Juli 2002, 22:45-00:00
Visuelle Grenzgröße:
ca. 5,5mag am Samstag
ca. 5,2mag am Sonntag
ca. 4,3mag am Dienstag (sehr, sehr dunstig)
Durchsicht:
gut (Sa), befriedigend (So), mäßig (Di)
Seeing:
durchwegs gut
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Doppelsterne:
Beta Cygni, Epsilon Lyrae, Psi Cygni, Delta Cygni, Lambda Ophiucchi
Galaxien:
-
Kugelsternhaufen:
M56, M15, M71, h&c , IC4665, NGC6633, IC4756, M11, NGC6940
Offene Sternhaufen:
Steph1, M39, NGC7082, IC1369
Planetarische Nebel:
M57, Campbell's Hydrogen Star
Gasnebel:
-
Sonstiges:
B142, B143, Feuerkugel
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Begonnen hatte es am Samstag nach Einbrechen der Dunkelheit mit dem allseits
bekannten und beliebten Vierfachsternsystem Epsilon Lyrae. Interessant ist ja
zumeist - zumindest bei Öffnungen jenseits der 3 Zoll - nicht, ob, sondern ab welcher
Vergrößerung das System zu knacken ist. Bei meinem 5,1"-Newton Nachtelflein ist
dieser Punkt reproduzierbar ab 72x gegeben, wo - zumindest blickweise - vier
Komponenten erkennbar werden, wobei das nördliche Paar das tendenziell
schwierigere ist. Bei 128x ist dann der Zwischenraum schon deutlich bei beiden
hellblauen Sternpaaren zu sehen. Auch Psi Cygni stellt uns nicht vor Probleme. Ebenfalls
bei 128x ist dieses ungleiche Sternenpärchen zu trennen: eine geschätzt 3mag
schwächere graublaue Komponente steht südlich des hellblauen Hauptsterns.
(5m0;7m4;3,0") Bei 180x bestätigt sich dies eindrucksvoll: wirklich zwei einzelne Sterne
und genügend schwarzer Himmel dazwischen. Mehr oder weniger gescheitert bin ich
an Delta Cygni: dessen Hauptkomponente ist derart blendend hell, daß ich den fast
4mag schwächeren Begleiter nicht wahrnehmen kann. Bestenfalls erahne ich, daß das bei
indirektem Sehen im Südwesten etwas sein könnte. Zu wenig für eine gesicherte Beobachtung.
Nun sollte mit Albireo, der natürlich leicht und wunderbar anzuschauen ist, selbst bei niedrigster
Vergrößerung getrennt, ein astrophotographisches Erfolgserlebnis her! So sieht die Nikon
Coolpix aus der Arbeit den orange-blauen Albireo:
Albireo mit der Nikon Coolpix am 130mm/f=900mm Newton
Daraufhin war es nun dunkel genug, um deep-sky-mäßig medias in res zu gehen! Erstes Objekt war
Steph 1, zwischen Delta1 und Delta2 Lyrae gelegen. Bei 36x erkennt man eine Sternenkette zwischen
dem blauen Stern Delta1 und dem rotorangenen Delta2 Lyrae. Bei 62x werden zwei sich kreuzende
Sternenketten sichtbar, wobei der südliche Teil der nord-süd verlaufenden Sternenkette 4 genau in einer
Linie stehende Sterne enthält. Insgesamt in etwa ein Dutzend Sterne sind an dieser lockeren Assoziation
beteiligt. M56 zeigt sich heute bei62x als recht großer, leicht körniger und locker hingestreuter Kugelsternhaufen
mit einigem Außenbereich. Bei 124x erkennt man, daß er nicht ganz rund, sondern eher dreieckig ist.
Er wirkt recht transparent und durchsichtig. Klein, aber fein, der M56! Etwa 0,5° NNE von M56 entdeckt Bärbel
eine Ansammlung von 15 etwa Pentagrammförmig angeordneten 7mag-Sternchen, die irgendwie auffällt, die
Figur ist etwa 20' groß. Eine Katalognummer konnten wir nicht rausfinden. Weder Cartes du Ciel noch der
Night Sky Observer's Guide lokalisieren hier ein Objekt. M57 ist mit 5,1" Öffnung unter 5m5-Himmel bei 124x
schon ein sehr deutlich - fast schon plakativ wirkender - Nebelring mit ovaler Abplattung. Mit UHC-Filter
schwebt er so richtig losgelöst und geisterhaft im Raum. Bärbel's Lieblingsobjekt, folglich darf es nicht beim
Spechteln nicht fehlen. Nachdem wir uns einen Espresso gekocht hatten - als abendliche Stärkung - und diesen
im Liegestuhl am Gartenteich bei Schwimmkerzen genossen hatten, ging es zu einigen unbekannteren Sternhaufen
im östlichen Cygnusbereich. Ein guter, markanter Ausgangspunkt ist hier natürlich M39, der zwar hell, aber mit
1,5° Durchmesser und zwei Handvoll Sternen für mich - auch für Bärbel - eines der unattraktiveren Messierobjekte
ist. Ein Tip: Von M39 aus 0,5° nach Westen und 1,5° nach Süden schwenken! Da steht der etwa 1° große und
sehr sternenreiche Cluster NGC7082! Auf etwa 1° verteilen sich einige helle und zudem unzählbar viele
kleine schwache Sterne, die wie die Flocken eines Schneegestöbers wirken. Brrr! Und das im Hochsommer...
Der Umriß des Haufens ist ein gleichseitiges Dreieck. Ich find diesen viel, viel attraktiver und strukturreicher als
M39. Bei IC1369 zeigen sich ebenfalls viele, viele Sterne, einige bilden einen auffallenden, innen vollkommen
sternenleeren Kreis. Ob es allerdings wirklich IC1369 kann ich nimmer verifizieren, da mittlerweile Gevatter
Mond alles niederflasht. Tja, wenn er da ist, dann geht das schnell und dann is er wirklich da! Aber, allem eine
gute Seite abgewinnend, hab ich ihm noch eine halbe Stunde Zeit gegeben, sich aus der Horizontnähe zu
erheben und ihn dann mit der Digitalkamera abgelichtet - mit 1/30 Sekunde Belichtungszeit.
Der Mond am 27.07.2002 um 00:45. Nikon Coolpix, 1/30Sekunde am Meade Serie 4000 26mm Superplössl. Newton D=130mm/f=900mm
Man erkennt hier nicht nur am Terminator was, sondern auch die Strahlenkrater Kopernikus, Tycho und Kepler. Auch der blendend weiße
Krater Aristarchus ist schön zu sehen. Die Maria tranquillitatis, serenitatis und imbrium sind schön zu sehen sowie die montes appeninnus.
Die Krater Hercules und Atlas treten rechts unten besonders plastisch hervor. Im Terminatorbereich sind immerhin Strukturen bis unter 20km
Größe zu sehen! Mein bisher bestes Mondfoto.
Am Sonntag wollte ich nach einem kurzen Blick auf M57 und M56 mal Dunkelnebel beobachten Barnard 142 und 143 wären leicht auffindbar
und kontrastreich. Aber bei nur 5m2-Himmel sind die Dunkelgebiete nur erahnbar. Nicht so der Brüller. Aber ich werd bei dunklerem Himmel
wieder auf Dunkelnebeljagd gehen. Bärbel meinte spöttisch: "Jetzt beobachtest Du schon was, wo gar nix is!" Naja, sind halt verrückt die
Hobbyastronomen... Der planetarische Nebel PK64+5.2, um den roten Campbell's Hydrogen Star, war ebenfalls eine Story für sich.
Dank genauer CdC-Aufsuchkarte konnte ich nach ner halben Stunde in dem Sternengewirr wenigstens den Hydrogen Star identifizieren.
Doch egal welche Vergrößerung, ob mit UHC, ohne UHC, mit oder ohne Skyglowfilter, der planetarische Nebel war nicht zu finden. Mit
gut 5 Zoll vielleicht doch etwas hoch gegriffen? Wenn mal wieder richtig transparenter Himmel ist, werd ich mal den zehnzölligen
Lord Rosse drauf ansetzen! Zum Frust abbauen gönnte ich mir dann noch h und chi - wie immer unbeschreiblich schön. Dieser Doppel-
sternhaufen mit seinen blau gleißenden Sonnen ist wie immer ein Traum, ein Traum, den ich im Herbst unbedingt fotografieren will!
Montag gabs dann Gewitterwetter ohne spechteln, aber am Dienstag machte es dann abends auf, so daß ich nach der Arbeit erstmal ein
Stündchen die Sonne beobachtete. Die Bilder finden sich in der Galerie. Danach hab ich mit Bärbel gegrillt und danach - richtig! Gespechtelt :-)
Auf eine Anregung aus Achim's letzten Beobachtungsbericht begann ich mit dem Doppelstern Lambda Ophiucchi. Dieser Stern zeigt bei
180x deutlich zwei blaue Komponenten mit Zwischenraum, deren etwa 1mag schwächere südsüdöstlich steht. (4m2;5m2;1,5")
Der Kugelsternhaufen M71 ist bei 36x ein schwacher, grauer runder Fleck, er wirkt bei 62x sehr transparent und locker, teilweise schon
auflösbar. Leider ist bei 128x kaum mehr was erkennbar. Der Himmel ist heut schon arg dunstig. Also eher was für Objekte wie
IC4665. Im 1,5° messenden gesichtsfeld sieht man hier 15 mittelhelle blaue Sterne und noch etwa 10 schwächere dazwischengestreut.
Der Anblick von NGC6633 aber ist noch schöner, hier sind es wohl über 50 Sterne. In dieser Ecke sind wirklich lohnende Sternhaufen,
die ich bei nächster gelegenheit ebenfalls photographisch erfassen will. Zuvor hab ich aber von NGC6633 eine Skizze angefertigt:
NGC6633, 5,1"-Newton, f=900mm bei 28x
Um 22:35 schreit Bärbel plötzlich: "Da, da drüben!!!" Wusch - saust eine extrem helle Feuerkugel von der gegend um Xi Cygni
innerhalb geschätzt dreier Sekunden in die Gegend um Phi Persei, wo sie ziemlich genau nördlich hinter einem Hausdach verschwand.
Sie zeigte einen ausgeprägt bläulichgrünen Halo und zog einen orangeroten Schweif hinter sich her. Eine beeindruckende
Erscheinung. Auch so gabs in dieser Nacht einige Sternschnuppen zu sehen.
Als nächstes kam M11 an die Reihe, der bei 28x echt wie ein Komet mit Kopf und breit gefächertem Schweif wirkt!
Bei 128x ist M11 schon gut aufgelöst, einige hellere Sterne gruppieren sich vor wolkigem Sternenhintergrund. Für eine Zeichnung
ist mir das heute bei dem dunstgeschwängerten Himmel aber zu schemenhaft.
Als letztes Objekt gabs dann noch einen offenen Haufen in Vulpecula zur Grenze Cygnus: NGC6940. Leider wird auch er etwas
das opfer der schlechten Durchsicht. Bei besserem Himmel gäbe es hier bestimmt ein phantastisches Objekt zu bestaunen:
Nördlich eines Sterntrapezes ballen sich wolkig viele schwache Einzelsterne. Die hellsten Sterne bilden eine genau
Ost-West gerichtete, knapp 1° lange, leicht gewundene Sternenkette. Der zentrale Bereich des haufens erscheint demhingegend
recht sternenarm. Den muß ich bei besserem himmel nochmals besuchen!
So, geschafft! Nach diesen drei Spechtelabenden ist das gewittrige Wetter eher zu verkraften, schließlich braucht man
auch mal wieder ne Mütze Schlaf. in dem Sinne:
Viele Grüße und weiterhin viele sternklare Nächte Euch allen,
Markus