First Light  meines neuen 6"-f/8-Refraktors mit 95% Strehl

Hallo Sternenfreunde!

endlich kann ich vom First Light meiner neuesten astrooptischen Errungenschaft berichten.
Abgeholt habe ich den Refraktor ja schon am Dienstag, dem 25. März 2003 in Speckshof,
einem kleinen Nest in der Oberpfalz kurz hinter Amberg, da wo sich Hase und Fuchs gute
nacht sagen... Hier  residiert Astrooptik Meier, neuerdings auch AOM-Telescopes genannt.

Nun, die Schachtel mit dem nicht gerade kurzen Format von Einmeterfünfzig paßte grad halt
so ins Auto, daß auch Karsten, ein astronomiebegeisterter Arbeitskollege von mir, auch
noch auf dem Beifahrersitz ungehindert Platz finden konnte. Karsten liebäugelt mit einem 14"
oder 16" AOM Dobson.
Nun ja, zu Hause angekommen wartete Bärbel schon ganz neugierig auf das Röhrchen und auch
mein Nachbar Thomas, der schon bescheid wußte, ließ nicht lange auf sich warten.
Folgende schönen Dinge gab der Karton preis:

Erstmal den Tubus selbst, 8kg schwer, Einmeterfünfunddreißig lang, ziemlich dick, in glänzendem
Schwarz lackiert mit diskretem roten Celestron-Schriftzug. Typenschild: CR 150-HD.
Als nächstes kamen die Interferogramme zum Vorschein: perfekte sphärische Korrektur,
kein Astigmatismus und ein Strehlwert von 95% ohne Abblenden also bei wirklichen 150mm voller
freier Öffnung.  Die exorbitante  Qualität der Optik rechtfertigt auch den späteren Einsatz eines Chromacor.

Beeindruckend war auch das Format des mitgelieferten 9x50-Suchers, ein ganz schöner Brummer,
ebenfalls im paßenden schwarzen Outfit - daher hab ich ihm gleich mal den Namen Black Eye
verpaßt.

Als Unterbau wartet schon meine EQ-6, die getragen wird von einem TS Stativ, massives
Buchenholz in der Deluxeversion mit Doppelklemmung und 80kg Tragkraft sowie verlängerten Beinen.
Da wackelt wenigstens nix, das ganze steht bombenstabil und sieht mächtig beeindruckend aus,
für eine bequeme Einblickposition ist die Schwalbenschwanzaufnahme der Montierung immerhin
auf Einmetersiebzig Höhe, dabei ist das Stativ zu etwa 1/3 ausgefahren.
Das ermöglicht Beobachten im Sitzen bei 90° bis 40° Altitude und im Stehen darunter bis zum Horizont.

Nun wurde zur Teleskoptaufe erstmal eine Flasche Prosecco geöffnet und der neue Refraktor
auf den Namen Segafredo getauft - schließlich ist sowohl der Refraktor als auch die EQ-6 in
schwarz-rot gehalten.

Und nun zum visuellen Eindruck, davor aber erst die Beobachtungsdaten im Telegrammstil:

Teleskop:
Celestron CR 150-HD, achromatischer Refraktor nach Fraunhofer,
D=150mm, f=1200mm; selektierte Optik mit 95% Strehl.
TS-Buchenholzstativ mit Doppelklemmung, EQ-6-Montierung
Okulare:
26mm-Plössl von MEADE, Serie 4000 (46-fache Vergrößerung)    
14,5mm-Erfle Okular (83-fache Vergrößerung)
7mm Ortho von Celestron (171-fache vergrößerung)
6,3mm-Kellner von Bresser (190-fache vergrößerung)
5mm Eudiascopic von Baader (240-fache Vergrößerung)
Sonstiges:
2x-Barlowlinse, Celestron ultima, 3-linsiger Achromat mit Luftspalt
Baader Skyglow Filter
Astronomik UHC-Filter
Zeitpunkt:         
31. März 2003, 21:00-24:00
Visuelle Grenzgröße:
ca. 5,2mag
Durchsicht:
gut bis sehr gut
Doppelsterne:
Iota Leonis
Galaxien:
M65, M66, NGC3628, M51, NGC5195, M101, M94, NGC4494,
NGC4565, NGC4725, M64, M104
Kugelsternhaufen:
M3
Offene Sternhaufen:
M48
Planetarische Nebel:
-
Gasnebel:

Sonstiges:
Jupiter, Saturn

1. Die Leistung des Refraktors am Planeten

An den Tagen nach der Teleskoptaufe war es zwar immer weitestgehend
sternklar, aber die Durchsicht ließ die Grenzgröße bei knapp über vier
Magnituden verhungern, keine guten Bedingungen also, den Refraktor an
deep-sky-Objekten zu testen.
Dafür gab es genügend Gelegenheit, sich um die Planeten zu kümmern.
Um es vorwegzunehmen, innerhalb der Riege meiner mittleren Teleskope
bringt hier der Refraktor einen deutlichen Performancehub, wenngleich er
an Detailreichtum nicht an den großen Zehnzollnewton rankommt. Grade
der Unterschied zu seinem Vorgänger, dem 130/900er Newton mit seinem
für f/6,9 schon als kritisch zu betrachtenden sphärischen Spiegel, ist der
Unterschied krass. Beim Kugelspiegel mit f/6,9 hat man in jeder Stellung des
Okularauszuges das Gefühl, noch etwas besser fokussieren zu müssen, was
aber leider nicht geht. Um es kurz zu machen: ob Ganymed vor der Jupiterscheibe
als braunes Mondscheibchen, ob ein Europaschattendurchgang, ob Wirbel
in den Wolkenbändern oder der große rote Fleck: all dies ist problemlos
und gestochen scharf beobachtbar, 240-fache Vergrößerung locken den
Sechszöller noch nicht aus der Reserve, auch bei 342x ist, wenn es das seeing
erlaubt, ein absolut scharfes Bild drin. Gestern erinnerte Saturn bei 240x
eher an ein ins Okular eingeklebtes Foto, mit der Cassiniteilung überdeutlich
umlaufend, dem rötlichbraunen Äquatorialgürtel und der vanillegelben
Polkalotte, die ins dunklere changiert. Die Ringschatten und Planetenschatten
auf dem Ring sind auch kein Thema.
Der Farbfehler, eine der negativsten Eigenschaften hoch geöffneter Fraunhofer-
objektive, ist an Jupiter zu sehen, nimmt aber weder ein störendes noch ein
bildbeeinträchtigendes Ausmaß an, im schlimmsten Fall leidet etwas der Kontrast
in den Wolkenbandstrukturen. An Saturn ist vom Farbfehler kaum etwas zu sehen.


2. Bringt's der Refraktor bei deep sky?

Gestern wurde es dann richtig klar, nach einem regnerischen Vortag war die Luft
anscheinend reingewaschen, ein Blick auf die Terasse zeigte plötzlich wieder
Unmengen an Sternen, ich taxiere die Grenzgröße so auf 5m2. So konnte das
gute Stück zeigen, ob es auch bei der deep-sky-Beobachtung was taugt.
Da es mir bei dieser Beobachtungsnacht in erster Linie um die Leistungsfähigkeit
der Optik ging, habe ich auf Objektskizzen verzichtet.
Bärbel auf jeden Fall ist schon mal skeptisch, ob so ein Refraktor an deep sky
nicht in erster Linie Schwächen hat: lang, unhandlich, schwer zu manövrieren,
wenig Öffnung und lange Brennweite. Also wurde mit den Leogalaxien M65 und M66
der Anfang gemacht. Schon bei 46x zeigen sich schön die beiden parallel gerichteten
nebeligen Ovale mit ihren helleren Zentren. Bei 83x immer noch deutlich zu sehen,
kommt auch die Trennung von Kern und Halobereichen gut raus. Die östliche der
beiden Galaxien ist die hellere, die westliche die längere und schmalere. Bei 44x
fällt Bärbel nördlich der beiden noch ein flächiger Lichtschimmer auf: ach ja, richtig,
da is ja noch NGC3628! Oben und unten von einem Stern bewacht, sieht man ein 1:3
gestrecktes, längliches Nebeloval homogener und niedriger Flächenhelligkeit. Sie
erscheint deutlich größer als M65 oder M66. Das war auf jeden Fall ein guter Einstand.
Wenn man schon mal in der Gegend ist, könnte man auch gleich den Doppelstern
Iota Leonis austesten. (4m1;6m7;1,7") Relativ eng und mit über 2mag5 Helligkeits-
unterschied auf jeden Fall ein erster Härtetest. Doch auch diesen meistert der Refraktor
bei 172x und noch besser bei 240x trotz eines flirrenden Sterns: es scheint Kaltluft
einzuströmen, was sich durch starke Szintillation bemerkbar macht. Innerhalb
dreier Stunden fällt die Temperatur von +10°C auf -1°C. Wie dem auch sei, genau östlich
des Hauptsterns blitzt blickweise ein deutlich schwächerer und gut abgesetzter
Begleitstern auf.
Als weiteres Testobjekt habe ich mir einen offenen Sternhaufen auserkoren: M48. Nun,
bei 46x funkeln einen Zig Sterne an, der Bildkontrast ist echt planetariumsreif. Eine
ganze Zeit genießen Bärbel und ich diesen wundervollen Anblick, bis meine bessere
Hälfte nun unbedingt die Jagdhundgalaxie sehen will: M51/NGC5195. Ausgehend vom
hintersten Deichselstern des großen Wagen ist das traumhafte Galaxienpaar schon
per 9x50 - Sucher bequem ortbar. Bei 46x zeigt aber auch der Refraktor nicht bloß
zwei Nebelkerne, sondern schon deutlich den halo von M51 mit seiner "unruhigen"
Helligkeitsverteilung. Spätestens jetzt wird klar, daß der sechszöllige Refraktor aufgrund
seines hervorragenden Bildkontrastes ein gutes Quentchen Öffnung aufholen kann!
Bei 83x ist deutlich die längliche, auf M51 hin orientierte Form von NGC5195 zu sehen
sowie gewundene Dunkelbereiche im Halo von M51. Einfach genial! Sechs Zoll Öffnung
hätte ich das definitiv nicht zugetraut. Auch Bärbel hat jetzt dem Refraktor gegenüber die
letzten Ressentiments abgelegt, ist wirklich begeistert. Also ist die nächste kontrast-
technische Herausforderung gefragt: Die Feuerradgalaxie M101 mit 14m8 Flächenhelligkeit.
Bei 46x zeigt sie sich als großer, runder Nebel mit etwa 0,5° Durchmesser, das
unmittelbare Zentrum ist etwas heller. Bei 83x ist der Kern leicht gemottelt, es blitzen
einige Vordergrundsterne und hellere Bereiche durch. Der Halo geht bei 83x jedoch
nurmehr mit indirektem Sehen.
Um ein etwas helleres Objekt zu sehen, entscheide ich mich als nächstes für M94. Diese
kleine, runde Galaxie blendet regelrecht! Bei 83x zeigt sich sehr gut der helle runde Galaxienkern
und davon abgestuft der schwache, aber dennoch hervorragend zum Himmelshintergrund
kontrastierende Halo. Ein beeindruckender Anblick!
Natürlich ist auch interessant, was der Refraktor an Kugelsternhaufen bringt und M3 ist ja jetzt
schon weit über den östlichen Horizont emporgeklettert. Bereits bei 46x beginnt der
helle Kugelsternhaufen bereits, sich in den Randbereichen aufzulösen. Bei 83x ist der
Anblick fast schon spektakulär. Bei 166x sind auch schon im Zentrum Einzelsterne erkennbar,
die aus dem hellen nebelrund hervorblitzen, wenn auch nicht mit der seziererischen Brutalität
meines Zehnzöllers.
Weiter geht es im Comagalaxiehaufen, vom zentralen Mercedesstern im Comasternhaufen hangel
ich mich von Galaxie zu Galaxie zu M64. Erster Schritt ist NGC4494, bei 46x eine deutlich
auffallende, kleine, rundliche Galaxie. Im Gegensatz dazu ist die östlich benachbarte Galaxie
NGC4565 eine schmale, auffallende edge-on-Galaxie. Was ist das? Ich bilde mir ein, sie sei
der Länge nach durch ein Staubband durchschnitten. Auch bei 83x meine ich, ein zentrales
Staubband zu sehen, ähnlich wie bei M104. Ein Blick in den Night Sky Observer's Guide
bestätigt diese Sichtung, die ein weiterer Beweis dafür ist, wie der Refraktor mit seinem irren
Kontrast fleißig Punkte sammelt. Auch NGC4275 erscheint erstaunlich deutlich als runde Galaxie
mittlerer Größe. M64, das eigentliche Ziel meiner Comahaufentour präsentiert sich als sehr helle,
in Ost-West-Richtung liegende, 2:3 elongierte ovale Galaxie. Der Halo wirkt deutlich unruhig,
irgendwie grieselig, die markante Dunkelstruktur entzieht sich jedoch dem sechszölligen
Argusauge.
Ein letzter nächtlicher Blick gilt der Sombrerogalaxie M104, die sich besonders bei 83x schon
recht vielversprechend zeigt, obwohl in dieser Ecke mein Himmel deutlich aufgehellt ist. Die
zweigeteilte Form ist aber ansatzweise erahnbar, hier denke ich, wird ein dunklerer Himmel
außerhalb der Stadt, wo es doch bis etwa 0° Deklination im Süden recht hell wird, noch
einiges mehr an Details hervorzaubern.

3. Fazit

Eine Woche mit dem Sechs-Zoll-Refraktor mit vielen Planetenbeobachtungen und einer recht
transparenten deep-sky Nacht hinterlassen bei mir folgenden Eindruck:

Dieser Refraktor scheint mir dem Maximum dessen, was mit 15cm Öffnung möglich ist, sehr
sehr nahe zu kommen. Gegenüber dem sphärisch geschliffenen 130/900er Newton ist es
am Planeten der viel zitierte Quantensprung, ohne Frage. Und auch an deep sky Objekten
ist die Steigerung beträchtlich. Dies liegt zum einen im hervorragenden Bildkontrast, der visuell
scheints etwas an fehlender Öffnung wettmacht, zum anderen an der höheren Gesamttransmission
des Refraktors, der mit Zenithspiegel und Linse in etwa 84% des einfallenden Lichts ans Okular bringt,
wogegen ein Newton 72% Licht ins Okular bringt, was einem fast 20%igen Unterschied gleichkommt.
Trotz alledem ist zu meinem 10"-Newton mit ebenfalls interferometrisch belegten sehr guten optischen
Eigenschaften ein deutlicher Respektabstand. Ich würde den Refraktor etwas über der Mitte zwischen
meinem ehemaligen 5"-Newton und meinem 10"-Newton sehen, vielleicht auf dem Niveau eines
sieben bis achtzölligen Newtons. Auf jeden Fall eine Optik, von der ich mich - genau wie von meinem
Zehnzöller - nicht mehr trennen werde.


Viele Grüße und weiterhin viele Sternklare Nächte Euch allen,

Markus