Hallo Sternenfreunde!
Gestern, am 9.11.2000 wars in den recht großen Wolkenlücken schon wieder so verdächtig klar.
Das mußte ich ausnutzen.
Hier erstmal kurz die Beobachtungsdaten im Telegrammstil:
Instrument: Dörr/Danubia Saturn 45, 4,5-Zoll-Newton, f=900mm auf EQ2-Montierung
Okulare: 6,3mm KE (143x) und 5mm Eudiascopic (180x), Celestron ultima Barlow (2x)
Zeitpunkt: 9. Oktober 2000, 20:45 - 22:00 MEZ
Grenzhelligkeit: 4m0 - der Mond war schuld
Beobachtungsobjekte:
Jupiter (Verfinsterung von Io)
Saturn
Gestern Nacht war "nur" mal für eine Stunde Planetenspechteln angeagt, mehr ließen die durchziehenden
Wolkenfetzen und der Mond nicht zu.
Begonnen hab ich mit Jupiter, der bei 360x noch mehr Details zeigt wie bei 286x, weil er da nicht mehr so
blendet. Schön Verwirbelungen in beiden Bändern zu sehen, eindeutig auch wieder das dem NEB nördlich
benachbarte, sehr geradlinige Band. Den GRF konnte ich allerdings nicht sehen, hab mich allerdings
auch nicht zu sehr drum gekümmert.
Nach einem Durchgangsende von Europa, einem Schattendurchgang von Io stand heute um 21:17 eine Verfinsterung
von Io an. Das wollte ich natürlich beobachten. Um 22:15 stand Io etwas westlich von Jupiter, ich sag mal
in etwa einen viertel Jupiterdurchmesser. Im Laufe der Minute 22:17 änderte er dann sukzessive seine Farbe:
erst wa Io, wie schon vorher immer beobachtet, silbrigweiß und hell. Dann wurde er immer lichtschwächerr,
erst hellgelb, dann gelb, dann orange, um dann ziemlich schnell in der Dunkelheit unterzugehen. Die Zeitspanne
vom ersten merklichen Dunklerwerden bzw. "Farbumschlag" von Io bis zu seinem gänzlichen Abtauchen dauerte in etwa eine Minute.
Saturn, der nicht so hell strahlt wie Jupiter, zeigte bei 286x die meisten Details, bei 360x beginnt man hier
schon einen Kontrastrückgang zu bemerken. Bei 286x, vor allem, wenn man Saturn etwas aus dem Gesichtsfeld nimmt,
die Nachführwelle ausläßt damit das Teleskop ja nicht vibriert und Saturn im Laufe einer Minute genüßlich durchs
Bildfeld ziehen läßt, da gabs Details wie noch nie auf Saturn. Den besten Eindruck von Schärfe hab ich dabei
immer, wenn ich das Auge zwei,drei Zentimeter vom Okular wegnehme und dabei das Auge auf "unendlich" fokussiere,
so, als ob man etwas weit entferntes beobachten würde. Direkt südlich des Rings war eindeutig ein schwarzer
Streifen auf der Planetenoberfläche sichtbar, wahrscheinlich der Ringschatten. Eindeutig war auch der relativ
abrupte Farbübergang zwischen einer beigen Äquatorgegend und einer olivgrünen Polkalotte zu sehen, wobei man in
der Übergangsregion hin und wieder den Eindruck einer leichten Streifigkeit hatte. Dies könnte aber auch eine
optische Täuschung gewesen sein.
Die Cassiniteilung war mehr als eindeutig auf ungefähr 80% der sichtbaren Ringlänge zu sehn. Nur direkt vor
dem Planeten, im mittleren Bereich, schien sie in den Rand des Rings zu verlaufen. Aber außerhalb der Symmetrieachse
des Planeten konnte man sie sogar vor der Planetenscheibe sehen, in etwa linkes Planetendrittel: sichtbar;
mittleres Drittel: Teilung geht in Rand des Rings über; rechtes Planetendrittel: Teilung sichtbar; "Außerhalb" der
Planetenscheibe war die Teilung mehr als deutlich, das hätt echt ein akut fehlsichtiger Beobachter erkennen
müssen.
Ich denke, das gestern war mein bisher bestes Planetenseeing überhaupt, und das trotz immer wieder durchjagender
Wolkenfetzen. Zwischen den Wolken wars unwahrscheinlich klar. Sollte es am Wochenende wieder derartiges Wetter
haben, werd ich mal mit dem 10"-Newton Planeten jagen und etwas mit off-axis Blenden experimentieren. Ich hab
meiner Frau schon ein paar Bögen schwarzes Tonpapier auf den Einkaufszettel fürs Wochenende geschrieben...
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