Hallo Sternenfreunde!
Gestern, am 5.11.2000 klarte es abends auf und so entschloß ich mich spontan, das
"kleine" Fernrohr rauszustellen.
Hier erstmal kurz die Beobachtungsdaten im Telegrammstil:
Instrument: Dörr/Danubia Saturn 45, 4,5-Zoll-Newton, f=900mm auf EQ2-Montierung
Okulare: 26mm SPL (34x), 6,3mm KE (143x) und 5mm Eudiascopic (180x), Celestron ultima Barlow (2x)
Grenzhelligkeit: 4m5
Beobachtungsobjekte: Doppelstern Gamma Andromedae
Andromedagalaxie M31 und Begleitgalaxis M101
offener Sternhaufen NGC 752 in Andromeda
Jupiter (Durchgangsende von Europa)
Saturn
Es war diesmal ein eher kurzes Beobachtungsprogramm, aber der Mond ließ eine ausführlichere deep-sky-Tour
nicht zu.
Begonnen hab ich diesmal ganz untypisch mit dem Mond, man muß halt aus der Not eine Tugend machen.
Im 26mm-Super-Plössl in Verbindung mit der sehr guten, achromatischen Barlowlinse bei knapp 70-facher
Vergrößerung war der Halbmond - fast formatfüllend - schon ein Hochgenuß. Clavius mit seinen inneren
zwei Kratern schwebte regelrecht jenseits des Terminators. Die Berge waren schon beleuchtet, der Rest
noch nicht. Ein Wahnsinnsanblick. Sehr schön war auch ein gebogener, fast halbkreisförmiger Gebirgs-
zug zu sehen: ausgehend von Erathostenes über die Apeninnen und die Alpen bis hin zu Plato. Hier war
schon deutlich das Alpental als gerade Rinne quer durch den Gebirgszug zu sehen. Da mußte ich natürlich
noch näher ran, also hab ich das 6,3mm-KE in die Barlow gesteckt und bin mit 286x ins Alpental gedüst.
Wow! Total strukturreich zieht es sich mm Fernrohr von links unten nach leicht rechts oben, im rechten,
terminatorseitigen Drittel zeichnen sich zwei spitze Verdickungen ab, die dem Ganzen in etwa das
Aussehen eines Neurons, einer Nervenzelle, verleihen. (sorry, ein besserer Vergleich ist mir bisher nicht
eingefallen). Terminatorseitig war das Alpental von einem Bergmassiv begrenzt. Die berüchtigte Rille war
allerdings nicht zu sehen.
Eine Frage, in Noch-Ermangelung eines vernünftigen Mondatlas: wie breit ist eigentlich das Alpental?
Da nun der Mond hinter einem Busch verschwand, schnell ein Schwenk zu Saturn: Dieser steht um 19:30h
noch sehr niedrig und trotzdem ist schon bei 286x die Cassiniteilung in den Ansen blickweise zu sehen.
Auch der Ringschatten auf dem Planeten war schön zu sehen. Die S-Kalotte war wieder dunkler gefärbt
als der Rest des Planeten. (olivgrün in Gegensatz zu beige) Das ließ für die Nacht ja hoffen...
Der Doppelstern Gamma Andromedae war schon bei 34x ansatzweise getrennt, bei 180x mit weitem Zwischenraum
und bilderbuchmäßigen Beugungsscheibchen, wie ich sie beim 10-Zöller noch nicht gesehen hab. Super Farb-
kontrast, hellorange und blaßblau. Sehr schön.
M31 zeigte einen nebligen Kern und schwach die Begleitgalaxie M101. Das Nebelband von M31 war quer durchs
Bildfeld schwach erkennbar, vor allem indirekt. Hier machte ich die unvorsichtige Bemerkung, daß man den
Umstieg von 4,5" auf 10" nicht so krass merkt. Man merkt den Unterschied erst, wenn man nach einigen
Beobachtungen mit 10" mal wieder auf 4,5" geht. Dies veranlaßte meine Frau dazu, den 10-Zöller aus dem
Keller zu holen. Flugs wurde er aufgebaut und bis der Spiegel auskühlte, gabs erstmal Abendessen.
Nach dem Essen dann zum direkten Vergleich beider Geräte mal NGC 752, ein offener Sternhaufen in Andromeda.
Er zeigt (im selben Okular) im 4,5er ca. 50 ganz feine schwache Sternchen und einige helle (die hellsten 5)
zeigen eine gelblich-orange Farbe.
Bei 10" sind die feinen Sternchen plötzlich deutlich sichtbar und weißlich, auch hier haben die helleren
eine Nuance nach blaßgelb, aber diesmal ca. 15-20 Sterne, der Rest weißlichblau und die 5 hellsten zusätzlich
noch knallorange.
Ich poste aber parallel noch einen Bericht über die Beobachtungen mit dem 10-Zöller. Da gibts dann noch mehr
zu lesen.
Also zurück zum Saturn 45 und dem gleichnamigen Planeten: Er ist jetzt schon deutlich höher gestiegen, zeigt aber
eher weniger Details, die Cassiniteilung kriegt man einfach nicht mehr zu Gesicht. Der Ring nur ein weißes Band.
Anscheinend hat die Qualität des seeings nachgelassen.
Zwischen 22:25 und 22:35 haben wir dann noch das Durchgangsende von Europa gleichzeitig an beiden Fernrohren
mit 180x beobachet, wobei wir ab und an das Instrument wechselten. Schon 5 Minuten vor dem Durchgangsende
war Europa als heller weißer Punkt vor Jupiter sichtbar, wunderschön, wie er sich bis 22:28 immer mehr dem
W-Rand des Riesenplaneten nähert. um 22:30 schaut es so aus, als hätte Jupiter einen Pickel. Um 22:35 ist
zwischen Europa und Jupiter schon Dunkelheit auszumachen, es wirkt so, als würde Jupiter nicht schlagartig
aufhören, sondern in einer schmalen Sichel immer dunkler werden, der Anblick wirkt sehr plastisch,
dreidimensional.
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