Hallo Sternenfreunde!
Zwei Arbeitstage, an denen es sonnig war und abends NICHT zuzog. Einfach super, da mußte
ich natürlich mal wieder der beobachtung frönen. Zusammen mit meinem Kollegen, der seit
4 Wochen stolzer LIDLScope-Besitzer ist und meiner Frau. Jaja, seit mein Kollege mein
Nachbar ist, ist sein Interesse für Sterne sprunghaft angestiegen. Der
Nichteinmaleinfernglasbesitzer hat jetzt einen Feldstecher UND einen 70mm-Refraktor.
Woher das wohl kommt?
Für alle jetzt erstmal im Telegrammstil die Beobachtungsdaten:
Teleskop: Meade Starfinder 10" Newton auf äquatorialer Montierung mit 2-Achsensteuerung
Hauptspiegelbrennweite 1140mm, macht ein Öffnungsverhältnis von 1:4,5
Okulare: 26mm-Super-Plössl von MEADE, Serie 4000 (44-fache Vergrößerung)
7mm orthoskopisches Okular von Celestron (163-fache Vergrößerung)
6,3mm-Kellner von Bresser (180-fache Vergrößerung)
5mm Eudiascopic von Baader (228-fache Vergrößerung)
2x-Barlowlinse, Celestron ultima, 3-linsiger Achromat mit Luftspalt
Binokular: Bresser Saturn Zoom, 9-27 x 56
Objekte:
Man Made Objects: ISS, Iridium 29
Doppelsterne: Castor (Alpha Geminorum), Alnitak (Zeta Orionis), Rigel (Beta Orionis)
Eta Orionis
Offene Sternhaufen: M35, M37, M38 + unbekannt, M44, M46, M47, M48, M67
Galaxien: M81, M82, M108, M65, M66, NGC 3628, NGC2903
Planetarische Nebel: NGC 2392, M97, NGC 2438
Gasnebel: M42, M43
Zeitpunkt: 14.02.2001 18:00 - 22:30
15.02.2001 19:00 - 23:00
Durchsicht: Am 14.2. Note 3; Am 15.2. Note 2
Grenzhelligkeit: Am 14.2. 4mag5; Am 15.2. 5mag0
Am Mittwoch haben wir den Heimweg von der Arbeit so getimed, daß wir 5 nach 6 an einem kleinen
Autobahnparkplatz mit guter Südwestsicht waren. ISS sollte ab 18:09:55 von SSW mit 10° Altitude
sichtbar werden. Um 18:11 immer noch nicht sichtbar. Wir überschlugen eine Geschwindigkeit von etwa
18°/Minute aus den Sichtbarkeitsdaten, schätzten die momentane ISS-Position etwas N von Venus:
Schwupp: da war sie. Gemächlich zog sie ihre Bahn fast durch den Zenith (78° Altitude) in Richtung
NNE, wo sie ca. 25° über dem Horizont im Erdschatten verschwand. In Zenithnähe zog sie
ein paar Grad N von Capella, die in der einbrechenden Dämmerung schon sichtbar war, vorbei und hatte
hier sowohl deren gelbliche Farbe als auch deren Helligkeit, vielleicht einen Tick heller (-0mag5)
Um 19:08 sollte dann ein Iridium-Flare sichtbar werden, aus 144° Azimuth (=SE) und 45° Altitude, also
irgendwo links von Beteigeuze. Ich also, nachdem ich Monsterle zwischenzeitlich aufgebaut und ausgenordet
hatte, raus in den Garten. Um 19:08 dann: Ein Lichtreflex, ausgehend ein paar Grad linksvon Beteigeuze,
geradlinig schnurstracks nach Westen, überstrich in 5 Sekunden ungefähr 120° am Himmel. Es war ein
Lichtreflex, der sich aus mehreren Helligkeitszentren zusammensetzte, in der Form eines ganz flachen V,
also wie ein Lenkdrache, die Breite war in etwa so wie der Abstand der äußeren Orion-Gürtelsterne.
Eigentlich sah das ganze aus, als wärs von einem Skybeamer, aber erstens gibts da keinen solchen, zweitens
war das ganze einmalig und drittens 120° am Himmel, also von Beteigeuze bis schon Richtung Pegasus/Andromeda.
Meine Frage: kann das der iridium-Flare gewesen sein, oder war das was andres?
Nun wars natürlich genug der künstlichen Dinge und so widmeten wir uns mehr den echten Weiten des Alls.
Zum Einstieg am Mittwoch gabs als erstes M35 in Gemini, ein wunderschöner, heller, offener Sternhaufen,
der immer wieder ein Paradeobjekt ist. Allerdings für den benachbarten, deutlich schwächeren offenen
Sternhaufen hat die Durchsicht nicht gereicht. Nach frischer Kollimation wagte ich mich dann mal wieder an Alnitak
(Zeta Orionis), der mit 1m9/4m0/2,4" nicht gerade der leichteste Doppelstern ist. Bei 228x konnte man SSW
der gleißend blauen Hauptkomponente mit Zwischenraum einen ebenfalls blauen Begleiter "draufsitzen" sehen.
Endlich mal wieder ein Doppelstern geknackt, der nicht sooo leicht ist. Dadurch ermutigt, wollte ich noch Eta
Orionis kancken, aber das war wohl nix. Castor hingegen eine leichte übung für den 10"er.
NGC 2392 wie immer sehr sehr schön. Der ist dank seiner guten Flächenhelligkeit auch bei nicht optimalem seeing
schön auszumachen. Sogar in Thomas' LIDLScope verträgt der 100x mit dem 7er Ortho locker.
Im 10er sieht man im 5er Eudiascopic bei 228x natürlich noch um einiges mehr: Der Zentralstern, wunderschön
eingebettet in Nebulosität, die richtiggehend granulär wirkt.
Dann gabs einen Schwenk in den großen Bären, wo der Eulennebel M97 und die Galaxien M81, M82 und M108 auf
der Wunschliste standen. M81 und M82 lagen sehr schön im Okular; unter einem Geschirrtuch zum Abschatten
der Umgebungshelligkeit konnte man bei M81 schön den hellen Kern und den lichtschwächeren Halo erkennen.
M82 zeigte bei 88x fast noch mehr Details. An den Enden spitz zulaufend und im NW-Drittel bilden Dunkelstrukturen
eine Einbuchtung. Nachher ein Foto: ja, genauso sahs im Okular auch aus. Da M82 aufgrund ihrer irregulären
Gestalt kaum Halo zeigt, konzentriert sich die Helligkeit so, daß man den Umriß bei 10" schon sehr gut
ausmachen kann. Ein äußerst lohnenswertes Objekt.
Den Eulennebel konnte ich nicht auf Anhieb finden. Also: nicht per Magellan-II-Computer, sonder konventionell
per Starhoppig. Von einem der Kastensterne etwas runter -bsss-bsss- stolperte ich direkt über die aufgrund
von leichten Dunstschleiern nur zeitweise sichtbare, schmale, von der Kante zu sehende Galaxie M108. Für
weitere Details war der Himmel zu schlecht. Bsss- noch etwas weiter und summmmm- noch etwas nach unten,
da muß M97 sein. Und tatsächlich: ein relativ großer, kreisrunder, gepunktet wirkender Nebelfleck mit recht
niedriger Flächenhelligkeit, das muß ich bei wirklich gutem Himmel nochmals versuchen. Nur bei 44x im
Übersichtsokular gut zu sehen, bei 88x reicht der Kontrast schon nicht mehr. Das Objekt ist viel zu schwach
und zu kontrastarm, daß heute die Augen zu sehen wären. Wie gesagt, der Nebel wirkt punktelig, wie leicht
gesprenkelt.
Das wars dann mit Mittwoch. Am nächsten Tag, Donnerstag, zeigte der Himmel schon beim Rückweg von der Arbeit,
daß es heute noch klarer werden würde. Und so konnten wir einige wunderschöne Beobachtungen machen.
Begonnen hab ich, nachdem ich nach dem alignen der Montierung eh schon bei Capella war, mit M38. Ein sehr, sehr
schöner offener Sternhaufen, bei 88x formatfüllend mit 0,6° Gesichtsfeld, mehrere helle Sternenketten vor
vielen Hintergrundsternen. Aber - was ist das? Genau 0,5° südlich von M38 ein kleines Nebelfutzelchen.
Also, erstmal zentral ins Blickfeld: schaut nach offenem Sternhaufen aus. Im 7mm Ortho mal bei 163x eine genauere
Inspektion: ca. 2 Dutzend Sterne, sehr stark agglomeriert, der Durchmesser im 7mm ungefähr 1/3-1/4 Gesichtsfeld,
also ca. 5 Bogenminuten Durchmesser. Ich hab ihn gaudihalber L1 genannt. Oder gibts da schon eine bessere
Bezeichnung, NGC xyz beispielsweise? Welches Objekt hab ich hier "gefunden"?
M42 wirkt bei 44x fast bläulich, das Trapez klar als 4 Sterne. Im 7mm Ortho ist das trapez zwar sehr deutlich und wunderschön,
E und F konnte ich trotzdem nicht lokalisieren :-(. Dafür zeigte der nebelhintergrund schier unendliche
Schlieren - immer wieder genial, mit 160x in M42 "spazierenzusehen".
Rigel (Beta Orionis) konnte ich bei 180x auf Anhieb trennen, in etwas Abstand von der hellblauen Hauptkomponente
steht SSW der viel schwächere Begleiter.
M48, ca. 0,7°x1° groß, ein dreiecksförmiger offener Sternhaufen mit sehr hellen, gelblichweißen Sternen, SE
geht eine Sternkette L-förmig wie ein abgeknicktes Bein weg. Sehr, sehr schön.
M47 ist recht groß und enthält einige wenige helle gelbe Sterne.
M46 bei 88x sehr schön. Es sind ungefähr 100-200 Sterne auf 40' Durchmesser verstreut. Gerade bei 88x,
wo er praktisch formatfüllend im Okular steht, schlichtweg atemberaubend anzusehen.
Die 2 hellsten Sterne zeigen direkt auf einen Stern, von dem aus in NW-Richtung ein
Nebelfächer ausgeht, schwach zwar, aber eindeutig identifizierbar, trotz der niedrigen Deklination:
es handelt sich um den planetarischen Nebel NGC 2438. Bei 88x zeigt sich der beste Anblick, NGC 2438
mit dem besten Kontrast, M46 noch größtenteils im Bildfeld und locker aufgelöst, einfach wunderbar.
Sogar bei 163x konnte ich NGC 2438 noch ausmachen, das bringt aber eher weniger an Information rüber.
M67 in Cancer si natürlich einer der schönsten offenen Sternhaufen überhaupt, mit seinem orangegelben hellsten
Stern. Im Lidl ist M67 kaum zu erkennen, M48 hingegen kommt im Lidl deutlich besser rüber.
Es war jetzt schon 22 Uhr und immer noch zwei, drei Grad über Null, eine recht milde Nacht also. Das Frühjahr
liegt praktisch richtiggehend in der Luft. Nichts liegt da näher, als mal im Löwen nach einigen Galaxien
Ausschau zu halten. NGC2903 am Kopf des Löwen, ist ungefähr 2:1 elongiert, liegt ziemlich genau in N-S-Richtung.
Indirekt ist ein relativ großer Halo zu sehen.
Das Galaxientriplett in Leo war auch schon relativ gut zu sehen, drei Galaxien im 26mm-Superplössl,
M65 die hellste, dann M66 und dann NGC3628. Die beiden Messiers sind SE-NW - elongiert, die NGC liegt
in OW-Richtung, ist recht schmal, dafür aber relativ breit und indirekt sehr schön zu sehen.
M65 und M66 sind zwar heller, wirken aber kompakter und kleiner. Für mehr Details muß aber der Löwe
noch ein bissl höher über den Horizont kommen. Aber, so wie das schon nach Frühling riecht,
kanns eigentlich gar nicht mehr allzulange dauern.
Fazit: zwei wirklich ausgiebige und schöne beobachtungsabende. Und heute: schon wieder kein Wölkchen
am Himmel :-)))
clear skies
Markus
|