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Hallo Sternenfreunde,
vom 5. September 2009 bis zum 26. September 2009 war's mal wieder so weit und Urlaub stand auf dem Programm! Da sich Mallorca mit den Kindern letztes Jahr schon sehr bewährt hatte, haben wir uns auch dieses Jahr wieder für dieses Reiseziel entschieden und diesmal nahm ich nicht den 70/700-Refraktor, sondern den ED 80/600 mit.
Heuer hatte unser Ferienhaus sogar eine Dachterasse mit freier unverbauter Sicht (ohne Lampen) zum Südhorizont! Das waren natürlich ideale Bedingungen, und das Teleskop drei Meter weg vom Bett auf der Dachterasse zu haben ist auch nicht gerade unbequem.
Gleich am zweiten Abend, also am 6.9., war es klar genug, um trotz des noch fast vollen Mondes ein bißchen auf Himmelstour zu gehen. An Jupiter zeigen sich zwei dunkle Barren in den sehr strukturierten Hauptbändern. Ein kleiner Mondschatten zeichnet sich etwas westlich der Barren zwischen den Bändern ab. Um 21:55 taucht der wohl dazugehörige Mond auch noch an der Jupiterkante auf. Der Mond und der Schatten laufen auf einer Ebene, die näher am NEB als am SEB ist, welches oberhalb des Schattens sehr zerklüftet und regelrecht aufgespalten wirkt. Diese aufgefaserte Struktur am Westrand der Jupiterscheibe könnte sogar der GRF sein, wenn man sie länger bei 120x beobachtet.
M22 ist trotz des mondhellen Himmels bei 60x grieselig, am Südrand dieses Kugelsternhaufens fällt ein heller Einzelstern auf. Mehr Details läßt der helle Himmel aber nicht zu. Trotzdem: Für einen ersten gemütlichen Abend auf der Dachterasse war das schon sehr erfreulich, zeigten sich doch auf Jupiter trotz nur 80mm Öffnung erstaunlich viele Strukturen, was nicht zuletzt dem sehr guten seeing geschuldet war. . Weitere deep-sky-Abstecher neben M22 habe ich aber bleiben lassen, da der Mond zwei Tage nach Vollmond das einfach nicht zuließ.
Drei Abende später, am 9.9.09, konnte ich dann schon erste zaghafte deep-sky-Versuche wagen, auch wenn der Himmel, teils mondbedingt, teils auch wegen leichten Dunstes, immer noch ein wenig aufgehellt war. M4 im Skorpion war im 26mm Superplössl wie gewohnt, sehr sehr blass. Im 14,5er Erfle wird er dann auf jeden Fall schon besser: ein schwacher Bröselhaufen, ich würde sagen, in N-S-Richtung leicht oval. Bei 60x wird es auch nicht detailreicher, aber der ovale Eindruck, den ich bei 40x hatte, bestätigt sich immerhin. M7 findet Bärbel auf Anhieb im Sucher als sehr auffallende Sternagglomeration: "Das könnte was sehenswertes sein!" Bei 40x wunderbar, fast formatfüllend, liegen etwa drei Dutzend Sterne im Okular bei niedriger Vergrößerung. M6, der Schmetterlingshaufen, ist für mich - und auch für Bärbel- eher ein dickbäuchiger Nachtfalter, besonders schön sind die schwachen Sterne, welche die Fühler markieren. Bärbel bezeichznet den Haufen urlaubsmäßig-fachgerecht als "Einfach putzig!"
NGC6723, ein kleiner Kugelsternhaufen im Sagittarius auf -37° Deklination, ist bereits im Übersichtsokular schön zu sehen, bei 40x zeigt sich ein schon leicht grieseliger, blasser Nebel.
Nun wurde es erst einmal mallorcatypisch für eine Woche schlechter von den Wetterbedingungen, vor allem zogen Abends gern dickere Dunst- und Wolkenschichten durch, so daß an astronomische Beobachtungen nicht zu denken war. Jedoch waren die Abende sehr lau, und dementsprechend konnte man auf der Dachterasse schön die Aussicht und den einen oder anderen Cocktail geniessen. Und auch das ein oder andere Gewitter zog am Horizont vorbei:
Genau eine Woche später (ja ja, so schnell schreitet ein Urlaub voran...), am 16.09.2009 riß es Abends so richtig auf und es wurde wunderbar sternklar, und auch etwas dunstfreier wie an den ersten Abenden. In der Blue Bar in Portocolom gab es abends zum Sonnenuntergang Tapas und die Abendstimmung, die jetzt auf die Bühne trat, war durchaus sehenswert:
Ja, so klar war der Himmel ausgeputzt, die Berge der Serra de Llevant zeichneten sich rabenschwarz vor einem Himmel ab, der vom tiefen blau bis ins malvenfarbene changierte. Vor den Bergen die Lichter von Portocolom und das ruhig daliegende Meer: ein phantastischer Anblick. Eine halbe Stunde später, über Port de 'sa Capella, einer kleinen, zu Portocolom gehörenden Hafenbucht, wurde die Lichtstimmung noch bezaubernder, als I-Tüpfelchen strahlte das Kirchlein 'sa Capella im Glanz der Samstagsvorabendmesse:
Ein einfach wunderbarer Anblick, das ruhige Meer, das Kirchlein, welches die Häuserschar zu behüten scheint, die Spiegelung der Lichter im Wasser und dazu kein Geräusch, einfach nur die Ruhe der hereinbrechenden Nacht.
Aber natürlich wird es auch irgendwann ganz dunkel, die Kinder müssen auch noch ins Bett gebracht werden, und dann kann er kommen, der erste richtig gute Beobachtungsabend!
Begonnen hatte ich die Beobachtungen wieder mit Jupiter, der bei richtig gutem seeing einiges an Details zeigte: Das NEB sattbraun und sehr dunkel, das SEB ist zweigeteilt, seine südlichere Komponente zeigt drei dunkle Verdickungen. Nördlich parallel zum NEB zeigt sich ein sehr feines, dünnes Band (NTB). Die südpolare Kappe ist deutlich graubraun. Die nördliche Polkalotte hingegen ist vom Kontrast her weniger dunkel und auch kleiner.
Beim Abflug hatte ich mir am Flughafen in Nürnberg eine Sterne und Weltraum besorgt und darin fanden sich gute Aufsuchkarten für die weitere Planetenjagd. So stand also als nächstes Neptun auf dem Programm: ein strukturloses, blaß-weisses Minischeibchen bildet ein gleichschenkliges Dreieck mit einer westlich stehenden, nord-südlich ausgerichteten Dreiersternenkette. Für mich war Neptun eine Premiere, hatte ich diesen Planeten nämlich noch nie selber beobachtet. Nun sollte aber natürlich auch ein wenig deep sky aufs Programm. Im östlichen Bereich des Sagittarius befindet sich der planetarische Nebel NGC6818. Bereits im 14,5mm Erfle bei 41-facher Vergrößerung ist er relativ sicher zu erkennen, mit OIII-Filter zeigt sich eindeutig ein grünlich fluoreszierendes Scheibchen. Bei 60x im 10mm Silberplössl mit OIII zeigt sich das typische Bild eines kleinen, hellen planetarischen Nebels: ein rundes intensiv leuchtendes Scheibchen ohne jegliche Struktur.
In unmittelbarster Nachbarschaft zu diesem Nebelchen befindet sich NGC6822, eine Galaxie der lokalen Gruppe (Barnard's Galaxie). Allerdings hatte ich mit dem ED80 bei keiner Vergrößerung die Chance, diese Galaxie auch nur ansatzweise zu sichten. Naja, 9mag bei 14mag Flächenhelligkeit sind nicht ganz einfach... Wenn ich schon in dieser Ecke bin, besuche ich den Kugelsternhaufen M55, der ziemlich einsam bei -31° Deklination im Nirgendwo zwischen Sagittarius, Microscopium und Capricornus steht. Umso mehr bin ich von dem riesigen, blassen Kugelsternhaufen angetan, er ist viel besser und detailreicher zu sehen als beispielsweise M4! Die im Karkoschka angesprochene, dunkle Bucht im südlichen Bereich des Haufens ist allerdings nur mehr zu erahnen als zu sehen.

M30, ein weiterer Kugelsternahufen, im Capricornus gelegen, steht neben einem Stern, ist kleiner wie M55, aber heller. Der Kern des Sternhaufens scheint N-W-gestreckt, scheint bei 60x einen Y-förmigen Ausbruch nach NW zu haben. Die nebenstehende, kleine Skizze soll den Anblick von M30 illustrieren. Irgendwie wirkte der Kugelsternahufen auch bei höheren Vergrößerungen recht unsymmetrisch.
M30, 80mm ED-Apo, f=600mm bei 60x
Weiter geht es zur Abwechslung nochmals mit einem Planeten, denn laut meinen SuW-Daten steht auch Uranus hier in der Ecke. Also ziele ich gleich mal auf den blaugrünen Planeten. Er steht südwestlich eines kleinen Sternchens und ist bei 120x eindeutig als Scheibchen zu erkennen, allerdings eher farbneutral bis vergilbt als blaugrün. Bei 190x kippt das gelbstichige in ein zartes grünlich (mint), was wohl an der Größe des jetzt schön rund erscheinenden Planetenscheibchens liegt. Ein einfach klasse Anblick. Absolut faszinierend, was mit bloß 80mm Öffnung tatsächlich möglich ist. Zum Abschluß schwenke ich dann noch auf M15, dieser ist - im Vergleich zu den anderen Kugelsternhaufen - wahnsinnig hell, aber auch sehr dicht gedrängt, wirkt somit deutlich weniger körnig als zum Beispiel der vorher beobachtete, recht locker gestreute M55.
Zwei Tage später, am 18.9., zeigte sich über der Dachterasse - wir saßen gerade mit den Kindern beim Abendessen - ein Sonnenuntergang der besonderen Art, direkt hinter den pittoresken Hügeln der Serra de Llevant:
Spechtelherz, was willst Du mehr! Wie man schon auf dem Foto sieht: es war so richtig dunstfrei, von daher stand einem genialen Beobachtungsabend nichts im Wege! Bei Jupiter ist der große rote Fleck östlich des Zentralmeridians zu sehen: schön, wie er das dunkel südliche Äquatorialband (SEB) zurück drängt. Die Position von Neptun konnte eindeutig verifiziert werden, auch der Scheibchencharakter, der sich bei 190-facher Vergrößerung im Vergleich zu den beiden Nachbarsternen zeigt.
M22 zeigt bei 90x vor allem im Westteil einige radial verlaufende, auffallendere Einzelsterne. M28 ist im direkten Vergleich nur rund 1/3 so groß wie M22, sehr viel stärker konzentriert, und daher nicht am Rand in Einzelsterne auflösbar, geschweige denn grieselig. M8, der Lagunennebel zeigt sich bei recht gutem Himmel heute sehr gut neben dem offenen Sternhaufen:
Um die Sterne, die den Anblick des Nebels wunderbar ergänzen, nicht zu stark abzudämpfen, wähle ich den UHC-Filter. Die so zu sehende Fülle ist schier überwältigend: Nordwestlich der Dunkelteilung, also der Lagune selbst, nördlich zweier heller Feldsterne, ist ein besonders heller Nebelteil, dessen nördlicher Bereich eine fächerartige, nochmals hellere Nebelflamme enthält. Die nebenstehende Zeichnung soll ein Versuch sein, das Gesehene halbwegs in ein Bild zu fassen.
M8, 80mm ED-Apo, f=600mm bei 41x mit UHC
Der Doppelstern Gamma Delphini läßt sich schon bei 23x in eine goldene Haupt- und eine grünliche Nebenkomponente trennen. M11, der Wildentenhaufen im Scutum, zeigt einen unglaublichen Sternenreichtum, ein Fächer aus Sterngranularität, mit ganz klar erkennbaren Einzelsternsprenkeln, der ganze Haufen gruppiert sich eng um einen auffallend hellen Stern.
Mittlerweile war es schon wieder recht spät geworden, und so ging auch dieser ereignisreiche Tag mit einer schönen Beobachtungsrunde zu Ende.
Am nächsten Tag - es war wieder schön klar - ging es als erstes zu dem kleinen offenen Sternhaufen NGC6231, immerhin auf -42° Deklination im Scorpius gelegen. Der Sternhaufen ist relativ klein, besteht aber aus sehr hellen Sternen die eine in etwa Y-förmige Figur bilden. Nebenstehende Zeichnung entstand an diesem Abend.
NGC6231, 80mm ED-Apo, f=600mm bei 60x
M54 ist ein recht kleiner, stark konzentrierter Kugelsternhaufen. Bei 80x zeichnet sich bei indirektem Sehen um den Kern ein ganz leichter, schwacher Halo
ab. M70, nördlich einer auffallenden, kleinen linearen Viererkette von Sternchen ist hingegen deutlich blasser. Er wirkt bei 40x weniger konzentriert als M54, aber auch ein wenig größer. 80-fache Vergrößerung ist fast schon zu viel des Guten. M69 wirkt bei 23x identisch wie M70, bei 40x zeigt sich aber, daß er doch einen guten Tick deutlicher, flächenheller erscheint. Bei 80x verstärkt sich der Eindruck, der hellste Teil des Zentrums säße asymmetrisch zu den hellsten Nachbarsternen hin verschoben. M69 ist von den drei Kugelsternahufen (M54, M70, M69) eigentlich der detailreichste, interessanteste mit 80mm Öffnung. Zum Schluß konnte ich noch einen wunderbar detaillierten Jupiter beobachten, der deutlich eine schräg verlaufende dunkle Zone zwischen dem NEB und dem SEB zeigte. Der Schatten des Mondes Ganymed war auch deutlich ausgestanzt auf der Planetenoberfläche zu sehen. Auch hier habe ich versucht, eine möglichst detailgetreue Zeichnung hinzukriegen, die ich nachträglich noch zu kolorieren versucht habe. Rechts außerhalb des Bildfeldes befand sich im übrigen noch ein Mond, der sich auch in der Zeichnung findet. Naja, ein Foto kann die Zeichnung nicht ersetzen, aber es erinnert immerhin an Jupiter:

Jupiter, 80mm ED-Apo, f=600mm bei ~150x
Leider war es die letzte Woche vom Wetter so, daß Abends immer Dunst und Wolken durchzogen, wenngleich es auch untertags recht schön und sonnig war. Somit war dies auch schon die letzte Beobachtungsnacht in diesem Urlaub, der astronomisch mit einem Schattendurchgang auf Jupiter begonnen und ebenso auch geendet hatte.
Was bleibt mir als Fazit anzumerken?
Schon oft hatte ich ein Teleskop nun schon in Urlaub dabei: Auf Milos, auf Lanzarote, zweimal auf Mallorca und einmal auf der dänischen Insel Bornholm. Man sieht - grade wenn man ein Fernrohr dabei hat - sehr deutlich, daß auch im südeuropäischen Raum das Wetter oftmals erstaunlich viele Wolken und/oder Dunst brint, mehr, als man gemeinhin in Anbetracht der warmen Temperaturen glauben möchte; wenn man jedoch - wegen des Fernrohrs - genauer auf die Himmelsqualität achtet, sieht man sehr schnell, auch hier hat man sich mit ähnlichen witterungsbedingten Problemen abzufinden, wie bei uns. Den kristallklarsten Urlaubshimmel mit den meisten sternklaren Nächten hatte ich im Übrigen just auf Bornholm, im Norden...
Zum Abschluß hier noch ein paar Eindrücke von unseren zahlreichen Erkundungstouren auf Mallorca, denn schließlich ist hier nicht nur der Himmel schön anzuschauen:
Schattiger Patio in Santanyi
 Kirchplatz von Santa Maria del Cami
 Platja s' Amarador
Reiher im Feuchtgebiet s' Albufera
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