Hallo Sternenfreunde!
Angeregt durch Dieter Brümmers Analyseprojekt zum Thema deep-sky-Beobachtung
mit kleinen Fernrohren hab ich erstmal den 5"-Newton von der Skyviewmontierung
in seine Schachtel verbannt und mir am Sonntagnachmittag schön gemütlich in
die Adapterplatte, mit der die Rohrschellen an der Skyviewmontierung befestigt
sind, zwei zusätzliche Löcher gebohrt, mit der ich die Rohrschelle des kleinen
Optimus-Refraktors auf der Skyview befestigen kann. Der nur 1100g leichte und
70cm lange, schlanke Tubus sitzt natürlich bombenfest auf der Montierung, die auch
einen sechszölligen Newton noch gut tragen kann. Das gegengewicht ist natürlich
mit seinen fast 3kg voll überdimensioniert und muß auf der Achse ganz nach
innen geschoben werden. Und sogar da ist die Montierung noch nicht ganz im
Gleichgewicht. Nun, rein vom Aussehen macht sogar so ein kleiner Refraktor schon was
her, fast mehr wie der 90cm lange und doppelt so dicke Newton. Eigentlich
konnte ich das Beobachten kaum erwarten, jedoch das Wetter wollte nicht so recht
mit spielen. Am Dienstag dann klarte es um 21 Uhr aber doch für ein Stündchen auf.
Nix wie raus also, mit dem Kleinen!
Hier erstmal kurz die Beobachtungsdaten im Telegrammstil:
Teleskop:
Optimus Refraktor auf äquatorialer Skyview-Montierung mit Polsucher
FH-Achromat, Öffnung 70mm, Brennweite 700mm (1:10)
Okulare:
32mm-Plössl von Celestron (22-fache Vergrößerung)
26mm-Super-Plössl von MEADE, Serie 4000 (27-fache Vergrößerung)
~14,5mm WA Erfle von INTES (48-fache Vergrößerung)
12,5mm orthoskopisches Okular von Vixen (56-fache Vergrößerung)
7mm orthoskopisches Okular von Celestron (100-fache Vergrößerung)
6,3mm-Kellner von Bresser (111-fache Vergrößerung)
5mm Eudiascopic von Baader (140-fache Vergrößerung)
Sonstiges:
2x-Barlowlinse, Celestron ultima, 3-linsiger Achromat mit Luftspalt
Baader Skyglow Filter
Astronomik UHC-Filter
Binokular:Bresser Saturn Zoom, 9-27 x 56
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Zeitpunkt:
Dienstag, 16. April 2002, 21:00-22:00
Visuelle Grenzgröße:
ca. 4,5mag
Durchsicht:
mäßig
Seeing:
gut bis sehr gut
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Doppelsterne:
Gamma Leonis, 54 Leonis
Galaxien:
M65, M66
Kugelsternhaufen:
M3
Offene Sternhaufen:
-
Gasnebel:
-
Planetarische Nebel:
-
Sonstiges:
Jupiter
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Nun gibts in einer Stunde ja nicht all zu viel zu beobachten. Trotzdem waren die gewonnen
Erkenntnisse mal wieder sehr interessant, grade, wo ich ein dreiviertel Jahr eigentlich
ausschließlich mit dem 5"- und dem 10"-Newton beobachtet habe. Schön bequem wollte ich es,
die Stativbeine schön weit ausgezogen, einen Terassenstuhl mit Sitzkissen und das Teleskop
davor. Was fällt mir auf? Hmm. Ganz so bequem ists dann doch nicht. Man sitzt hinter dem
Teleskop, schaut trotz Zenithspiegel recht gebückt und verkrampft ins Okular und die
manuellen Nachführknöpfe kann man trotz des nur 70cm langen Tubus nur mit recht lang
gestrecktem Arm erreichen. Irgendwie ist der Newton bequemer: Neben dem Teleskop beobachten,
mit den Nachführknöpfen in ganz bequemer Nähe, im Stehen nur leicht über das Vorderende des
Tubus gebeugt ist irgendwie entspannter. Und das, wo ich mit dem Gedanken spiele - oder
seit gestern: gespielt hätte - mir als Reisetelskop einen kompakten 120/600er FH-Refraktor
für meine Skyview zu holen. Der 150/750 wär wahrscheinlich schon zu sperrig und der 100/500
fast ein bissl arg kurzbrennweitig.
Auch an einem 90/1000er-Refraktor auf EQ-5 mußte ich feststellen, daß Beobachten mit gleichzeitigem
Nachführen teilweise in nicht mehr machbare Verrenkungen ausufert. (Nein, ich bin nicht einssechzig,
ich bin einsachtzig groß)
Ach so, ja, natürlich hab ich auch beobachtet :-)))
Begonnen hab ich mit M3, einem Kugelsternhaufen in Canes Venatici. Bei 27x sieht man einen
innen weißen, nach außen zu schwächer werdenden Ball, an dessen Westseite eine Art Dunkelgebiet
oder "dunklere" Delle zu sehen ist. Bei 56x bildet der Kugelsternhaufen mit 3 Sternchen eine
Y-förmige Figur. Hier wird M3 am Rand schon stark granulär! Er wirkt nicht ganz rund, sondern
eher leicht dreieckig, auch hier erkennt man am Westrand die zuvor schon erwähnte, etwas
dunklere Einbuchtung.
Was fällt mir mit zwei dreiviertel Zoll Öffnung noch auf? Man muß konzentrierter beobachten,
da einfach die deutlich niedrigere Bildhelligkeit (mein "kleiner" 5,1"-Newton sammelt gut 3 mal
so viel Licht) die Detailwahrnehmbarkeit erschwert. Mit Ruhe und viel indirektem Beobachten
kann man aber auch mit 70mm Öffnung an M3 schon einiges sehen, die faszinierende Struktur eines
Kugelsternhaufens kann man auch mit diesem Instrument wunderbar nachvollziehen! Nun liegt heute
die Grenzgröße nur bei knappen 4m5 - kein besonders guter Himmel und schon gar nicht für kleine
Öffnung. Also schwenkte ich den Tubus mal Richtung Jupiter, der mit 27x schon seine zwei dunklen
Äquatorbänder zeigt. Bei 100x taucht südlich des SEB noch ein drittes Band auf. Im Gegensatz zu
meinen beiden Newtons ist das Planetenabbild im Refraktor deutlich warmtöniger, gelbstichiger.
Die Äquatorbänder sind farbig eher an Blutorangen erinnernd, nicht so rehbraun wie im Spiegelteleskop.
Dann wagte ich den Versuch mit dem 5mm Baader Eudiascopic, meinem Standard-Planetenokular.
Nach vorsichtigem und exakten Fokussieren bei einer Vergrößerung von genau dem Doppelten der
70mm Öffnung in Millimeter, nämlich 140-fach, bin ich dann doch recht erstaunt: Klar, die beiden
Äquatorbänder sind jetzt nicht mehr bloß zwei dunkle Querstriche sondern bekommen eine Nord-Süd-
Ausdehnung, südlich des SEB tritt ganz deutlich auf halber Strecke zum Südpol noch ein Wolken-
band hervor, die nördliche Polkalotte hat einen Helligkeitsverlauf zum Dunklen hin, je weiter
man nach Norden kommt. Und das NEB erscheint - vor allem bei indirektem Sehen - zweigeteilt,
unmittelbar nördlich des NEB verläuft also parallel noch ein Band! Also auch am Planeten ist der
kleine Refraktor aus LIDL's non-food-Prospekt durchaus brauchbar! Ein Blick zum Himmel: es
hat sich etwas Dunst verzogen, die Grenzgröße dürfte jetzt bei etwas über 4m5 liegen, also knapp
eine halbe Magnitude besser als vorhin. Soll ich? Na klar: Löwe - Galaxien. Macht zwar bei 4m7
Grenzgröße auch im 5" und im 10" nicht den Mega-Spaß aber: was sein muß, muß sein! Die Gegend um
M65 und M66 war schnell aufgefunden, mit 2° wahrem gesichtsfeld wird Starhoppen zum Kinderspiel!
Bei indirektem Sehen können beide Galaxien ausgemacht werden, wobei M66 die deutlicher Sichtbare
ist und auch bei direktem Betrachten unmittlebar neben einem Sternchen zu halten ist. Bei in-
direktem Betrachten kann man an M66 sogar die Orientierung erkennen; M65 scheint bei ebenfalls
indirektem Betrachten - wenn man sich sehr konzentriert - parallel zu M66 elongiert zu sein.
Klar, 70mm Öffnung sind nicht gerade der Galaxieneimer sondern zeigen mehr an offenen Sternhaufen
und Kugelsternhaufen, aber auch außerhalb unsrer Heimatgalaxie zeigen 70mm doch, daß sie mit dem
100-fachen Lichtsammelvermögen des voll adaptierten Auges einfach 5 Magnituden Gewinn bringen.
Deep Sky, Planeten. Fehelen noch Doppelsterne. Algieba (Gamma Leonis) ist schnell eingestellt
und im Okular zentriert. Das 7mm Ortho rein (100x) und sofort zeigt sich der goldgelbe Stern
als Pärchen mit deutlichem Zwischenraum zwischen den ganz feinen Lichtpünktchen! (2m3;3m5;4,7")
54 Leonis konnte bei 100x ebenfalls mit noch mehr Zwischeraum in zwei blaue Sterne getrennt werden.
Ihr Helligkeitsunterschied erscheint nochmals höher wie die 1m2 bei Algieba. Die schwächere Komponente
steht ziemlich genau im Osten des Hauptsterns. (4m5;6m3;6,6").
Ganz klar ist für mich wieder mal folgendes Fazit:
Auch mit einem 70mm-Refraktor kann man hobbymäßig wunderschöne und spannende astronomische
Beobachtungen genießen und viele Objekte kennenlernen. Erst dann weiß man den Sprung zur
höheren Öffnung zu schätzen und hat das Sehen so trainiert, daß man auch mit einem größeren
Teleskop versucht, ein Maximum an Details rauszuarbeiten, statt nur zu finden und ab zu haken.
Insofern empfinde ich einen 8-Zöller, wenn auch heute als Dobson doch schon gut billig,
als Anfängerinstrument als überzogen, weil es einfach zu der schnellen Aussage verleitet:
"Jetzt hab ich so ein großes Teleskop und seh doch nur diffuse, graue Kleckse!" Intensives
Beobachten muß man lernen und trainieren - und dazu ist begrentzte Öffnung gar nicht so schlecht.
Am meisten Details eröffnet mir der 10-Zoll-Newton beispielsweise immer dann, wenn ich die selben
Objekte Nachts zuvor mit dem 5-Zöller beobachtet habe.
In dem Sinne warte ich schon gespannt auf die nächste sternklare Nacht, die mit Sicherheit
wieder dem Optimus gehören wird!
Euer Markus
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