Hallo Sternenfreunde!
Am Sonntag - bei glühender Hitze und nach einer anstrengenden Kanutour -
wollten wir abends nur ein bißchen Genußspechteln. Mal schaun, wie der
Nordamerikanebel im Optimus bei über 2° Gesichtsfeld rüberkommt. Also
hab ich erstmal den Optimus auf die Skyviewmontierung geschraubt, die
mit den knapp 1,5kg des Mini-Refraktörchens total unterfordert ist und
hab die ganze Chause bequem per Polsucher ausgenordet. Naja, der Kleine
gab ma wieder sein Bestes und so wurde der Abend dann doch länger...
Hier erstmal kurz die Beobachtungsdaten im Telegrammstil:
Teleskop:
Optimus Refraktor auf äquatorialer Skyview-Montierung mit Polsucher
FH-Achromat, Öffnung 70mm, Brennweite 700mm (1:10)
Okulare:
32mm-Plössl von Celestron (22-fache Vergrößerung)
26mm-Super-Plössl von MEADE, Serie 4000 (27-fache Vergrößerung)
~14,5mm WA Erfle von INTES (48-fache Vergrößerung)
12,5mm orthoskopisches Okular von Vixen (56-fache Vergrößerung)
7mm orthoskopisches Okular von Celestron (100-fache Vergrößerung)
6,3mm-Kellner von Bresser (111-fache Vergrößerung)
5mm Eudiascopic von Baader (140-fache Vergrößerung)
Sonstiges:
2x-Barlowlinse, Celestron ultima, 3-linsiger Achromat mit Luftspalt
Baader Skyglow Filter
Astronomik UHC-Filter
Binokular:Bresser Saturn Zoom, 9-27 x 56
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Zeitpunkt:
Sonntag, 16. Juni 2002, 23:00-01:00
Visuelle Grenzgröße:
ca 5m2
Durchsicht:
gut
Seeing:
nicht überprüft
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Doppelsterne:
-
Galaxien:
-
Kugelsternhaufen:
M56
Offene Sternhaufen:
IC4665, NGC6633, IC4756, M11, M26
Gasnebel:
NGC7000
Planetarische Nebel:
M57, M27
Sonstiges:
-
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Begonnen hab ich meine Tour - so wie sich das für den Sommer gehört - mit
einem Kugelsternhaufen, und zwar dem nicht so oft besuchten M56 in der Leier,
der mit 8m3 doch hinter den 6m6 eines M10/M12 oder 5m9 eines M13 zurückfällt.
Nichtsdestotrotz war der Kugelhaufen schon bei 28x deutlich als nicht ganz runder
Nebel zu sehen, bei 48x im Erfle sieht man den Haufen, der unmittelbar östlich
eines Sternchens steht, in leicht dreieckiger Form und deutlich granuliert. Auch
bei 56x im 12,5er Ortho sieht man die Körnigkeit recht deutlich, wenngleich mir
der Anblick im Erfle noch knackiger und detailreicher vorkam.
Na, der Ringnebel in der Leier, er fällt schon bei 28x als verschwommenes Sternchen
zwischen Beta und Gamma Lyrae auf, die Sternabbildungen des Optimus sind schon
sehr sehr gut, da fällt M57 sofort auf. Steigert man die Vergrößerung auf 48x, so
wird der flächige Nebelkreis bei indirektem Sehen schon ringförmig; mit UHC tritt
die Ringstruktur auch bei direktem Sehen zu tage.Ich meine, den Ring sogar leicht
oval zu sehen. Ein toller Anblick, wie der Ring so majestätisch ruhig im Raum zwischen
unzähligen Sternen schwebt.
Für den offenen Sternhaufen IC4665 im Tor des Südens braucht man schon das 32er Okular mit
satten 2,4° Gesichtsfeld, um einen geschlossenen Eindruck des Haufens zu erwirken, etwa 25
helle Sterne füllen einen in etwa sechseckig begrentzten Raum aus. Auch NGC6633 offenbart bei
über 2° Bildfeld erst seine richtige, wahre Schönheit. Einfach genial ist es, bei 22x die Muster,
die die Vielzahl seiner Sterne bilden, zu betrachten und seiner Phantasie freien lauf zu lassen...
Ebenfalls phantastisch ist der benachbarte IC4756, der wie eine explodierende Feuerwerks-
chrysantheme aussieht. Seine vielen, vielen, zum Teil recht kleinen Sternchen sind in gebogen-
radialen Strahlen über den Himmel gestreut.
Auf zu M11! Bei 27x wirkt er dreieckig gefächert wie ein Komet. An der Spitze sitzt ein besonders
heller Stern. Schon bei 48x beginnt der Sternenschwarm, sich zu vereinzeln. Neben M11 stehen noch
zwei auffallende, einzelne Sterne. Steigert man die Vergrößerung auf 56x, so sieht
man bereits schön, wie klumpig und unregelmäßig die Sternenmassen in diesem offenen Sternhaufen
verteilt sind. Deutlich weniger spektakulär ist M26: um eine Raute aus 4 helleren Sternchen
gruppieren sich unzählige, schwache, nebulöse kaum wahrnehmbare Hintergrundsternchen. Der
Sternhaufen selbst ist recht klein, vielleicht ein Drittel von M11.
Der Mini-Orion, der den Weg zu NGC7000 weist, ist schnell gefunden. Bei 27x mit UHC ist der
Nordamerikanebel knapp östlich und nordöstlich dieser auffallenden Sternfigur leicht und
deutlich wahrnehmbar. Ich kann problemlos die Küste von Mexico über Florida bis nach
New York abfahren. Man sieht auch schön, wie der grau-neblige Himmelshintergrund Richtung
Kanada ganz langsam wieder schwärzer wird. So kann man sich langsam aber sicher ein Gesamtbild
dieses flächenmäßig sehr ausgedehnten Objekts machen.
Ebenfalls sehr erstaunt hat mich dann das letzte Objekt des Abends, der Hantelnebel M27. Mit
welcher Präsenz der bei 27x im Okular steht, ist schon frappierend! Bei 48x sieht man einen großen,
rechteckigen weißen Nebel mit abgerundeten Ecken und leichter Taillierung. Mit UHC werden die
Ränder des Nebels etwas kontrastreicher gezeichnet, man erkennt die Taillierung sowie die abgerundeten
Ecken einfach besser. Der Kontrast zum Himmelshintergrund ist schon enorm.
Eigentlich wollte ich nur ein wenig Milchstraßen-richfield-spechteln. Die tollen Bilder, die mir
der Optimus lieferte, sorgten aber schon bald dafür, daß ich doch ein ganz normales Beobachtungs-
programm als Ergänzung zu meiner letzten Tour machte. Was das kleine LIDLScope so alles kann, ist
immer wieder eine wahre Freude!
Euch auch immer viel Spaß beim Spechteln - auch mit kleinerer Öffnung -
Euer Markus
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