Hallo Sternenfreunde!
Bei überraschend aufklarendem Himmel war am Mittwoch mal wieder eine
Nacht mit dem Optimus angesagt, den ich wegen Mars immer einsatzbereit
im Wintergarten stehen habe. Mein mittleres Teleskop - der 6"-Refraktor -
ist ja mittlerweile wieder aus meinem Gerätepark eliminiert und für den großen
Zehnzöller war einfach das Wetter zu unsicher. Aber, es war mal wieder
erstaunlich, was der kleine 70mm/700mm - Fraunhoferrefraktor so alles kann.
Hier nun erstmal kurz die Beobachtungsdaten im Telegrammstil:
Teleskop:
Optimus Refraktor auf äquatorialer Lidl-Montierung
FH-Achromat, Öffnung 70mm, Brennweite 700mm (1:10)
Okulare:
32mm-Plössl von Celestron (22-fache Vergrößerung)
26mm-Super-Plössl von MEADE, Serie 4000 (27-fache Vergrößerung)
~14,5mm WA Erfle von INTES (48-fache Vergrößerung)
10mm Anatres Sppers Waler 82° (70-fache Vergrößerung)
12,5mm orthoskopisches Okular von Vixen (56-fache Vergrößerung)
7mm orthoskopisches Okular von Celestron (100-fache Vergrößerung)
6,3mm-Kellner von Bresser (111-fache Vergrößerung)
5mm Eudiascopic von Baader (140-fache Vergrößerung)
Sonstiges:
2x-Barlowlinse, Celestron ultima, 3-linsiger Achromat mit Luftspalt
Baader Skyglow Filter
Astronomik UHC-Filter
Binokular:Bresser Saturn Zoom, 9-27 x 56
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Zeitpunkt:
Mittwoch, 02. Juli 2003, 22:30-00:30
Donnerstag, 03. Juli 2003 03:00 - 03:15
Visuelle Grenzgröße:
ca. 5,1mag
Durchsicht:
gut
Seeing:
gut
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Doppelsterne:
Epsilon Lyrae, Beta Cygni,Theta Cygni, 16 Cygni
Galaxien:
-
Kugelsternhaufen:
M56, M13
Offene Sternhaufen:
NGC6940
Gasnebel:
NGC7000, NGC6960, NGC6992
Planetarische Nebel:
M57, NGC6826
Sonstiges:
Mars
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Zum Einsehen kam erstmal der Vierfachstern e Lyrae vor die Linse, wenngleich
auch das Teleskop überhaupt noch nicht austemperiert war. Trotzalledem konnte
man im 7er Ortho bei 100x die Komponente, welche senkrecht zur Orientierung der
beiden Hauptkomponenten liegt, doppelt sehen. (5m2;5m5;2,4") Auch die andere
Komponente zeigt blickweise nach außen einen deutlich schwächeren Begleitstern.
(5m0;6m1;2,5") Dieser Stern ist eindeutig etwas schwieriger zu trennen.
Nun folgte ein kleiner Schwenk nach Süden in die Raute der Leier, zum Ringnebel
M57. Bei 27x erkennt man trotz knappen 2° Gesichtsfelddurchmesser sofort ein
kleines dunkelgrau verwaschenes Scheibchen. Da muß natürlich gleich mit mehr
Vergrößerung ran. Mit dem 10mm Speers Walers (82° Gesichtsfeld), welches schlagartig
den Wert von Teleskop samt Montierung verdoppelt, sieht man mit UHC vor raben-
schwarzem Himmel und wunderschönen Sternpünktchen auch bei direktem Sehen deutlich
den kleinen zarten Ring! Innen scheint er nicht ganz so dunkel zu sein wie der umgebende
pechschwarze Himmel. Ohne UHC kommt M57 aber in dieser kleinen Optik ncoh etwas
deutlicher rüber. Nun gehts gleich weiter zum nachbarn, dem kleinen Kugelsternhaufen
M56, der bei 27x zwar schwach, aber eindeutig als verschämtes Lichtfleckchen zu
sehen ist. Auch hier muß man natürlich näher ran! Bei 70x, wiederum im Speers Waler,
zeigt sich ein asymmetrisch und leicht dreieckig wirkender Lichtfleck, der zu den Rand-
bereichen hin schwächer wird und etwas unruhig von der Helligkeitsverteilung wirkt.
Der nebel sitzt direkt östlich eines Sternchens, etwa 0,5° nördlich findet sich ein
mittelheller orangeroter Stern. Ein phantastischer Anblick, wie dieser weit draußen
liegende Sternenglitzer zwischen den viel näheren und helleren Umgebungssternen
eingebettet ruhig daliegt!
Verlängert man die Linie M57-M56 um etwa ein Drittel, gelangt man zu Albireo, Beta Cygni.
Klar, keine Herausforderung für welche Optik auch immer, aber aufgrund seines satten
Farbkontrasts von Hellblau und Orange immer wieder ein überwältigender Anblick,
vor allem bei 56x im 12,5er ortho: gestochen scharf, wunderbar deutlich getrennt und doch nicht
so weit, daß der Doppelsterncharakter verloren ginge. Über die beiden leicht zu trennenden
Doppelsterne Theta Cygni und 16 Cygni (ersterer zeigt ebenfalls einen leichten
orange-blau Kontrast) gehts zum so genannten blinkenden planetarischen Nebel NGC6826.
Bei 27x verrät er sich als der einzige, nicht 100%ig scharfe Stern. Bei 70x mit UHC zeigt
sich ein kleines mittelgrau aber doch irgendwie recht intensiv fluoreszierendes Scheibchen,
das am Rand bei genauem und teils indirektem Betrachten leicht ausgefranst wirkt.
Je mehr man sich hier bei der beobachtung Zeit läßt, desto deutlicher treten diese Details
hervor. Ein Schwenk in den Zenith zaubert das Muß einer jeden Sommerbeobachtung hervor,
den Kugelsternhaufen M13 im Hercules. Dieser ist natürlich auch im kleinen Optimus ein
absoluter Prachtkerl! Bei 27x ein heller, schon auffallend grieseliger Sternenfleck. Allerdings
im 10er Speers Waler mit seiner extrem guten transmission, da ist der Kugelsternhaufen
nicht nur sehr groß, sondern auch deutlich gesprenkelt. bei indirektem Sehen blitzt bereits
ab und an das eine oder andere erste Einzelsternchen auf! Ja, auch eine kleine Optik kann
sehr viel Freude bereiten und erstaunliches an Details zeigen! Wie es da wohl im Schwan,
der jetzt hoch oben am Osthimmel emporfliegt, mit den großflächigen Gasnebelregionen steht?
Ich rüste mich dafür aus: Das 32er Plössl wird mit dem UHC-Filter bestückt, mit den so
am Optimus erreichbaren 2,35° Gesichtsfeld müßte doch wirklich was gehen, oder?
Als erstes kam der Nordamerikanebel im Schwan, NGC7000, vor die Linse. 2,5° östlich
und 2° südlich von Deneb findet sich eine kleine Sternenfigur, die dem Orion recht
ähnlich sieht. Anhand dieser kann man sich im dichten Sternengewirr recht gut orientieren -
obwohl - eigentlich bräuchte es das gar nicht: der graue milchige Nebel teilt das Okular
unübersehbar in eine neblige Ost- und eine "klare" Westhälfte. Um den Mini-Orion springt
der Nebel etwas zurück, besonders deutlich ist die gerade Nebelkante nördlich des
Miniorion zu erkennen. Aber, der Gasnebelkomplex wirkt nicht nur milchig sondern
zeigt mit UHC eindeutig wolkige Strukturen! Hier wirkt also ein großes Gesichtsfeld wahre
Wunder. Natürlich macht dieser wundervolle Anblick Lust auf mehr: die beiden Cirrus-
bögen sind meine nächste Begierde. Als erstes steuere ich den östlichen der beiden,
NGC6960, an, der durch den 4m2-Stern 52 Cygni gleich direkt anzusteuern ist.
Nun, dieser war deutlich schwieriger wie NGC7000. Zunächst war fast nichts zu erkennen,
bei genauem Beobachten jedoch wurde vor allem nördlich des hellen 52 Cygni ein
Nebelstreifen sichtbar. Südlich des Sterns war dieser deutlich dünner und schwächer
und nur mit indirektem Sehen erkennbar. 2,5° weiter östlich liegt der zweite Cirrusbogen,
NGC6992. Dieser war beim Rüberschwenken des Tubus sofort und ohne Probleme zu sehen,
er scheint deutlich heller zu sein als NGC6960. Ein Blick in den Karkoschka bestätigt
diesen Eindruck, weist er doch immerhin 1,5 mag Unterschied aus! NGC6992 ist ein
großer, nach Süden hin deutlich dicker werdender Nebelbogen, der ohne Probleme zu
sehen ist und sich quer durchs 2,35° messende Gesichtsfeld hinzieht. Es ist schon
Wahnsinn, was so ein kleines Teleskop bringt!
Weiter gehts - diesmal zu einem offenen Sternhaufen, ebenfalls im Sternbild Cygnus.
NGC6940 ist ein recht großer offener Sternhaufen, etwa 0,5° breit und 2/3° hoch. Zwischen
einigen helleren tummeln sich zahllose schwächere Sterne. Im 14,5mm Erfle ist der
wirklich tolle Sternhaufen voll auflösbar! In seinem südlichen Bereich liegt in Ost-West-
Richtung ein leicht S-förmig geschwungener Sternenbalken, auf dem die Sternendichte
deutlich sichtbar höher ist als im Restteil des Haufens.
Um 3 Uhr morgens stand ich dann nochmals auf und richtete den Optimus auf unseren
roten Nachbarplaneten Mars. Zunächst war im 7er Ortho noch nicht viel zu holen, bei 100x.
Erst nach einigen Minuten, als ich dann das 5er Eudiascopic geholt hatte, wurde es
besser. Der Temperaturunterschied (22° im Wohnzimmer, 12° draußen) setzt auch den
kleinen Refraktor die ersten Minuten außer Gefecht. Im 5mm dann, bei 140-facher
Vergrößerung, zeigte der Mars deutlich seine weiße Polkappe und zwischen der Polkappe
und dem leuchten orangenen Planetenkörper einen dunkelgrauorangenen zum Terminator
hin dicker werdenden dunklen Bereich. Ein schöner Ausklang einer wundervollen und
unverhofft klaren Sommernacht.
Fazit: Mit halbwegs vernünftigen Okularen wird der Otpimus wirklich zu einem feinen
kleinen Teleskop!
Viele sternklare Nächte Euch allen,
Markus.
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