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Hallo Sternenfreunde!
Der Sommer scheint ja nun doch was zu werden, und so nutzte ich mit Bärbel diese halbwegs mondlosen Nächte zum Beobachten.
Bärbel wollte unbedingt mal wieder mit dem Optimus spechteln (Lidl Refraktor 70/700). Und auch mir war das ganz recht, mal an einem lauen Abend ohne großen instrumentellen Aufwand einfach mal ganz pur am Himmel herumsurfen und die Wunder der Nacht bestaunen. Gerade die letzten Abende mit Webcamfotografie und damit PC in den Garten hochschleppen, Montierung ausnorden und so weiter, haben auch in mir den Wunsch geweckt, mal wieder ohne Hilfsmittel zu beobachten und sich mit kleiner Öffnung zu bescheiden. Trotz nur 7cm Optikdurchmesser war es mal wieder ein besonders toller Abend, der zeigt, welch wunderbare Dinge einem der kleine Optimus zeigen kann.
Hier nun erstmal kurz die Beobachtungsdaten im Telegrammstil:
Teleskop:
Optimus Refraktor auf äquatorialer Lidl-Montierung
FH-Achromat, Öffnung 70mm, Brennweite 700mm (1:10)
Okulare:
26mm-Super-Plössl von MEADE, Serie 4000 (27-fache Vergrößerung)
18mm Antares Speers Waler 82° (39-fache Vergrößerung)
~14,5mm WA Erfle von INTES (48-fache Vergrößerung)
10mm Antares Speers Waler 82° (70-fache Vergrößerung)
12,5mm orthoskopisches Okular von Vixen (56-fache Vergrößerung)
7,5mm Antares Speers Waler 82° (93-fache Vergrößerung)
7mm orthoskopisches Okular von Celestron (100-fache Vergrößerung)
6,3mm-Kellner von Bresser (111-fache Vergrößerung)
5mm Eudiascopic von Baader (140-fache Vergrößerung)
Sonstiges:
2x-Barlowlinse, Celestron ultima, 3-linsiger Achromat mit Luftspalt
Baader Skyglow Filter
Astronomik UHC-Filter
Binokular:Bresser Saturn Zoom, 9-27 x 56
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Zeitpunkt:
Samstag, 17. Juni 2006, 22:30-01:30
Sonntag, 18. Juni 2006 22:30 - 00:00
Visuelle Grenzgröße:
ca. 5,0mag
Durchsicht:
gut
Seeing:
gut
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Doppelsterne:
-
Galaxien:
-
Kugelsternhaufen:
M14, M10, M12, M13, M5, M107, M9
Offene Sternhaufen:
IC4665
Gasnebel:
-
Planetarische Nebel:
M57
Sonstiges:
Jupiter
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Am Samstag nach einem gemütlichen Abendessen auf der Terasse holte ich schnell den Optimus aus meinem Hobbyraum im Keller und stellte ihn in etwa nordweisend einfach auf den Rasen, quick and dirty sozusagen. Daneben ein Gartentischchen für die Okulare, ein Gartenstuhl zum Spechteln und zwei Liegestühle zum bequemen Himmelsbeobachten ohne Teleskop. Den Karkoschka auf den Ausklapptisch am Gartenhäuschen, Rotlichtlampe angeknipst - einer friedlichen Spechtelnacht konnte nichts im Wege stehen. Bärbel bereitete, während ich alles startklar machte, den schon obligatorischen Spechtelespresso, und diesen genossen wir, während wir im Liegestuhl langsam die Dämmerung herabsinken ließen. Erst Jupiter, dann Arktur, Vega, immer mehr Sterne zeigten sich. Windstille. Ruhe. Laue Temperaturen. Einfach wunderbar...
Irgendwann erhob ich mich dann doch noch aus der Relax-Position und justierte erst mal schnell den Sucher an Jupiter, der in der fortschreitenden Dämmerung das erste ausgiebig beobachtete Objekt war.Kurz vor zehn Uhr, bei 56x sieht man schön, wie der Himmelshintergrund um den Gasriesen minütlich dunkler wird. Die beiden Hauptwolkenbänder sind natürlich bereits bei 56x kein Problem, das seeing ist absolut ruhig, so, wie der ganze Abend. Steigert man die Vergrößerung auf 100x, so erkennt man, daß die Jupiteroberfläche zwischen den beide Hauptbändern dunkler ist als ausserhalb der beiden Bänder. Weiterhin verdunkeln sich die Kalotten zu den Polen hin. Das nördliche Äquatorialband zeigt eine knubbelige Ausbuchtung und ist dunkler als das blasser wirkende SEB, darüberhinaus wirkt es zweigeteilt, wie mit dem Messer längs aufgeschlitzt. Je dunkler es wird, desto besser zeigen sich all diese Details auf Jupiter. Erstaunlich, was die kleine Billigröhre so alles kann, ich werd den Optimus wohl direkt mal fotografisch an Jupiter nutzen. Aber halt! Nicht schon wieder so viel Technik.
Wie bereits erwähnt: die Nacht ist lau und ruhig. Nur im Osten, aus Richtung des bayerischen Waldes, gewahrt man ab und an den Widerschein von schwachem Wetterleuchten. Unser erstes deep-sky-Objekt wird der offene Sternhaufen IC 4665. Bärbel will sich unbedingt als GoTo betätigen und stellt alle Objekte selbst im Fernrohr ein, mit dem handlichen Optimus entwicklet sie da einen regelrecht sportlichen Ehrgeiz. Nicht lange dauert es, und bei 48x funkelt uns ein fast ganzes Bildfeld von lauter ähnlich hellen, locker gestreuten Sternen an. Bei 48x steigt die Leuchtintensität der bläulichen Haufenmitglieder, die jetzt nahezu homogen übers Bildfeld verteilt sind, ein toller Anblick.
Weiter geht es dann mit einer ganzen Reihe von Kugelsternhaufen, und doch sind sie alle total unterschiedlich! Als ersten Kugelsternhaufen steuert Bärbel M14 an. Im Aufsuchokular bei 27x ein lediglich blasser Nebelfleck, der bei 48x leicht grieselig wirkt. Zum Zentrum hin gibt es kaum eine Zunahme der Konzentration des Sternhaufens. 70x bringt keinen weiteren Informationsgewinn.
Weiter geht unsere kosmische Reise zu M10, welcher deutlich heller ist und bereits bei 27x die typische Gestalt eines Kugelsternhaufens mit zur Mitte hin steigender Sternendichte zeigt. Die 1 Magnitude Helligkeitsunterschied, wie im Karkoschka zu lesen, bringen hier einiges. Bei 48x und 70x wirkt M10 fast dreieckig und könnte azentrisch eine dunklere, sternärmere Stelle haben. Diese konnte ich aber anhand von am nächsten Tag gesichteten Fotos nicht bestätigen.
Was knackst und raschelt da im Kräutergarten? Ja, auch ein paar Zweige bewegen sich, keine drei Meter vom Teleskop entfernt. Ich schleich ins Haus und such nach einer Taschenlampe, komme wieder - da wuselt was Schwarzes Längliches durchs Kakteenbeet. Licht an - eine Wühlmaus! Hoffentlich stellt die keinen Unfug an! Unsere Neugier ob des nächtlichen Besuchs ist befriedigt, weiter geht's mit unserer Himmelsreise.
Direkt bei M12 leuchtet ein singuläres Sternchen, M12 selbst erscheint noch am ehesten von den drei bisher beobachteten Kugelsternhaufen als auflösbar. Bei indirektem Sehen blitzen immer wieder schon Einzelsterne auf, ein Stern knapp ausserhalb ist auffallend heller, ungefähr im nördlichen Randbereich von M12.
Leider zieht im Ophiuchus eine Wolkenbank durch und so schwenken wir zum Hercules, M13 ist im direkten Vergleich bestimmt interessant. Und in der Tat - welch ein Scheinwerfer im Vegleich zu seinen Ophiuchus-Brüdern, schon bei 27x erscheint M13 deutlich grieselig, bei 48x wird er in den Aussenbereichen schon körnig. Bei 70x ist er komplett grieselig - ein wunderschöner letzter Blick, bevor alles in Schleierwolken versinkt...
Die nächste Nacht - es ist Sonntag - glänzt mit noch besserem Seeing, Jupiter kann jetzt im 5mm Eudiascopic bis 140x beobachtet werden, zeigt ähnlich wunderbare Details wie tags zuvor. Bärbel und ich haben beschlossen, unsere Kugelhaufentour vom Vortag fortzusetzen, und so geht es erstmal zu M5, welcher neben einem sehr hellen, orangefarbenen Stern steht. Schon bei 27x fällt auf, wie stark zur Mitte hin M5 konzentriert ist und wie hell er scheint. Bei 48x ist M5 deutlich grieselig und sehr kompakt, bei 70x wirkt er körnig und für mich fast dreieckig, Bärbel hingegen empfindet ihn als eher rund, findet ihn nicht asymmetrisch.
M107 ist bei 27x extrem blass, aber relativ großflächig, bildet die Verlängerung einer L-förmigen Sternenstruktur um deren anliegenden Schenkel. Die extreme Blassheit mag wohl am Himmel liegen, im Süden stehen Wolkenbänke, die sogar im Okular erkennbar sind. M9 ist daher nur mehr indirekt bei 27x zu erkennen, wirkt für einen Kugelsternhaufen recht länglch, in etwa N-S-elongiert.
Leider hat es dann sehr schnell komplett zugezogen, so daß diese zweite Nacht viel weniger effektiv war als die erste, aber es war toll! Der kleine Optimus führt einem immer wieder vor Augen, wie weit diese wundervollen Dinge doch im Weltall entfernt sind und er zeigt uns die Struktur und den Charakter der einzelnen Objekte - hier geht es nicht um seziererischen Detailreichtum, auch nicht darum, wie gut oder schlecht die Optik ist, der kleine Otimus zeigt uns einfach, welchen Zauber die Schöpfung auch jenseits unserer Erde für uns bereithält.
Viele sternklare Nächte Euch allen,
Markus.
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