Hallo Sternenfreunde,
diesmal möchte ich einige Eindrücke der Kykladeninsel Paros
schildern, auf der ich mit meiner Frau Bärbel im September
drei wunderschöne Wochen verbracht habe. Diesmal habe ich mich
entschlossen, nicht den Optimus, also meinen kleinen 70/700er
LIDL-Refraktor mitzunehmen, sondern mein 9-27x56er Bresser
Zoomfernglas. Natürlich haben wir den Himmel ausgiebig bewundert,
aber es war auch mal schön, im Urlaub nicht immer auf jedes Wölkchen
zu schielen, ob es nicht vielleicht doch abends diesig oder gar
durchwachsen wird, was auf den kleinen Inseln durchaus öfter mal
vorkommt. Auch ist man nicht immer auf der Suche nach irgendwelchen
besonders dunklen Orten und hat so auch mal etwas urlaub vom Hobby.
Allerdings - man wäre kein richtiger Amateurastronom, würde man nicht
doch...
So haben wir im Fernglas nicht nur den Mond bewundert, sondern bei 27x
Mars auch eindeutig als Scheibchen gesehn. Beim Anlehnen gegen die
Hauswand bilde ich mir ein, sogar die Polkappe erahnt zu haben, die
mit dem Fernglas aber eher gelblich als weiß erscheint.
Nun, solche ersten Erlebnisse machen doch Lust auf mehr und so haben wir
auch des Nachts unsere Photausrüstung öfter mal mitgeschleift. Zum
Beispiel, als wir nach einem Sonnenuntergangscocktail in der 10km entfernten
Inselhauptstadt Parikia auf dem Rückweg zu unserem mehr als idyllischen
Wohnort Naoussa auf halbem Wege mit unsrem Moped einen dunklen Feldweg
entlangöttelten, um über dem Kloster Longovardas, das sich hoch an den
gegenüberliegenden Berghang schmiegt, den Mondaufgang samt Mars zu
fotografieren.
Zwei Tage später plazierten wir unser photographisches Werkzeug auf einer
kleinen Hafenmole, die man nur über waghalsiges Felsbrockenbalancieren
erreichen konnte, mitten im winzigen Fischerhafen von Naoussa. Unser
Ziel war es, den Vollmondaufgang über dem beleuchteten Hafenort aufs
Zelluloid zu bannen. Dazu hieß es aber erstmal, sich zu gedulden, bis der
Mond wirklich aufgeht, denn natürlich hatten wir uns rechtzeitig auf
den Weg gemacht, um genügend Zeit zu haben, eine vernünftige Perspektive
ausfindig zu machen. Und tatsächlich tat uns dann nach einer Dreiviertelstunde
Warterei der Mond tatsächlich den Gefallen, um 20:45 aufzugehen, wo noch
genügend Resthelligkeit da war, um auch den Ort Naoussa selbst auszubelichten.
Vollmondaufgang über Naoussa
Der Mars über Naoussa
Natürlich hatten wir auch vor, länger belichtete Sternfeldaufnahmen zu machen,
doch dafür mußten wir uns noch gut eine Woche gedulden, damit nicht der
aufgehende Mond auf den Bildern stört. Da kam uns wieder mal der Zufall entgegen:
an einem kleinen Strand - Agia Irini nordöstlich von Naoussa am äußersten Ende
der Insel - präsentierte sich ein wunderbares Sonnenuntergangsszenario, bei dem
die Sonne den Eindruck erweckte, einen Berghang hinabzurollen. Geistesgegenwärtig
setzte ich die Kamera samt 210er Teleobjektiv auf das Stativ und machte eine ganze
Reihe von Aufnahmen mit f/2,8 und 1/250sec fest eingestellter Belichtungszeit,
die ich zu einer kleinen Animation zusammengebastelt habe. Die feste Belichtungszeit
wählte ich deshalb, um auch das langsame Dunkelwerden dokumentieren zu können.
Sonnenuntergang über Paros, f=210mm f/4 bei 1/250sec
Aufkommender, heftiger Meltemi mit etwa Windstärke 8 begann schon, das Vorhaben
langbelichteter Aufnahmen vom Stativ fraglich zu machen, doch fanden wir einen
nach Südosten geneigten Berghang, der den Wind erstaunlich gut abschirmte und
schön abseits störender Lichtquellen lag, ein Feldweg schraubte sich hier auf
etwa 200 Höhenmeter nach oben. Da müssen wir bei der nächsten dunstfreien
Gelegenheit zuschlagen! Zwei Tage später war es so weit. Nach Einsetzen der
Dunkelheit bepackten wir unser Moped mit Fotoausrüstung, Stativ, Fernglas,
Taschenlampe und karkoschka und es konnte losgehen. Nachts auf unbeleuchteten
Staubpisten. Welche Abzweigung wars denn jetzt? Ach ja, da war es! Nach ein
paar hundert Metern Fahrt: Da warn wir aber noch nie?!?!? Also wieder zurück.
Nach 15 Minuten Rumgegurke im Finstern fanden wir dann doch noch die steil nach
oben führende Piste - es wurde dunkler und dunkler da oben. Am Ziel waren kaum
Geräusche zu vernehmen - außer ein paar Zikaden und dem entfernten Gebimmel
einer Ziegenherde drüben, auf der anderen Seite des Tales. Und welch ein Firmament
spannte sich hier über unseren Häuptern auf! Sterne über Sterne, die grieselig
wirkende Milchstraße - über unseren Köpfen zweigeteilt - versank hinter der
Kuppe des 756m hohen Agios Pantes. Der Lagunennebel, M24, der Schmetterlingshaufen,
die Andromedagalaxie, h und chi im Perseus, alles freisichtig mit bloßem Auge.
Natürlich wurden da einige der Sommerhimmelhöhepunkte auch mit dem 9-27x56er
Zoom-Bino anvisiert. M6 und M7 zum Beispiel, bei 9x zwei bereits grieselige
Objekte - eindeutige offene Sternhaufen - können bei "Hochvergrößern" auf 27x
ganz deutlich und in Einzelsterne aufgelöst werden! M8, der Lagunenebel, zeigt deutlich
den offenen Sternhaufen, eingebettet in einen waagrecht daliegenden Nebelschimmer -
besonders wunderbar bei 27x! M24 ist im Fernglas bei 9x der absolute Hammer, so viele
Sterne funkeln einem da entgegen, M25, M21 alles ist mit dem Bino wunderbar zu sehen,
M21 natürlich nur als zarter Nebelschimmer um ein paar Sterne.
M11, der Wildentenhaufen, ist ein deutlicher Nebelfleck, allerdings ist er auch bei
27x nicht in einzelne Sterne aufzulösen.
Nebenbei habe ich natürlich immer wieder Fotos geschossen, mit verschiedenen Brennweiten,
Blenden und Belichtungszeiten. Mit 50mm Brennweite sind sogar bei 35 Sekunden
Belichtungszeit die Sterne noch absolut rund und nicht länglich! In dieser Zeit
kriegt man aber schon einiges auf einen 800-ASA-Film! Hier möchte ich mal die gelungensten
Aufnahmen zeigen, damit man mal sieht, was mit absolutem Ultra-Low-Tech-Equipment
(Standardobjektiv, feststehende Kamera ohne Nachführung, einfaches Fotostativ, Drahtauslöser)
bereits möglich ist! Sehr gute Ergebnisse erzielte ich, wenn ich meine 50mm-Festbrennweite
von der maximalen Öffnung (1:1,4) auf 1:2,0 abblendete. Mit dieser Kombination werde ich
mal auf meine EQ-6 gehen müssen. Als Projekt mit 400er Diafilm jeweils 4 Minuten belichtet!
Hier aber nun endlich die Bilder. Die Aufnahmedaten stehen in der jeweiligen Bildbeschreibung.
Sagittarius und die nördlich angrenzende Milchstraße; f=50mm 1:2,0 30sec. Belichtungszeit
Scutum und die Schildwolke, f=50mm 1/1,4 30sec. Belichtungszeit
Sagittarius und der Schwanz des Skorpion, f=50mm 1:1.4 30sec. Belichtungszeit
Am vorletzten Tag bei einer nächtlichen Wanderung über einen alten, byzantinischen Weg, haben wir im Stockdunklen Olivenhain
dann noch ein abschließendes Marsfoto gemacht. Dabei wurde der Olivenbaum mit grünem Blitz als low key belichtet:
Mars überm nächtlichen Olivenhain, f=19mm 1:3,5 20sec. Belichtungszeit; Blitz LZ35 -2EV low key
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