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Hallo Sternfreunde,
zum Jahreswechsel habe ich mir als neues Reiseteleskop einen 130mm f/5-Newton auf der äquatorialen Montierung EQ-2 geleistet, dazu einen Fotogewindeadapter, um eine Kamera direkt auf der Montierung zu fixieren, sowie den Nachführmotor mit Handsteuerbox. Mit diesem Setup möchte ich im Urlaub nachgeführte Sternfeldaufnahmen mit mittleren Objektivbrennweiten versuchen. Darüberhinaus bietet die Nachführung eine schöne Möglichkeit, mit der Webcam Planenten oder den Mond zu fotografieren, denn immerhin sollte ein gut 5" großer Parabolspiegel schon einiges an Details auflösen können. Und natürlich ist es auch praktisch, wenn nach dem Okularwechsel auch bei höheren Vergrößerungen das gesuchte Objekt immer noch im Okular zu sehen ist. Für den relativ überschaubaren Preis bietet diese Kombination eine erstaunliche Performance, insbesondere die Stabilität der EQ-2 ist deutlich höher als die der LIDL- oder baugleichen Cosmostarmontierung. Der wirklich kompakte Tubus wiegt samt Leuchtpunktsucher grade mal 2,6kg - sehr wenig für über 5" Öffnung! Der Tubus hat zwar nur einen 1,25"-Okularauszug, aber mit meinem 26mm Superplössl-Okular schaffe ich damit gut 2° Gesichtsfelddurchmesser am Himmel, ein 32er würde hier sogar noch ein bißchen mehr zeigen. Doch an dieser Stelle zunächst einmal eine Zusammenfassung meiner ersten visuellen Ausflüge mit dem neuen Mininewton.
Teleskop:
Skywatcher 130mm-Newton auf äquatorialer EQ-2-Montierung mit Nachführmotor auf Alustativ; Hauptspiegelbrennweite 650mm, Öffnungsverhältnis von 1:5 mit parabolischem Hauptspiegel
Okulare:
26mm-Superplössl von MEADE, Serie 4000 (25-fache Vergrößerung)
18mm Speers Waler (36-fache Vergrößerung)
14,5mm Erfle (45-fache Vergrößerung)
13,4mm Speers Waler (48-fache Vergrößerung)
10mm Speers Waler (65-fache Vergrößerung)
12,5mm Ortho von Vixen (52-fache Vergrößerung)
7,5mm Speers Waler (87-fache Vergrößerung)
7mm Ortho von Celestron (93-fache vergrößerung)
5mm Eudiascopic von Baader (130-fache Vergrößerung)
3mm Televue Radian (217-fache Vergrößerung)
Sonstiges:
2x-Barlowlinse, Celestron ultima, 3-linsiger Achromat mit Luftspalt
Baader Skyglow Filter
Astronomik UHC-Filter
TS OIII-Filter
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Zeitpunkt:
29./30.1.2011 & 7.2.2011
Visuelle Grenzgröße:
5m5-5m9
Durchsicht:
gut -sehr gut
Seeing:
-
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Doppelsterne:
-
Galaxien:
NGC2903
Kugelsternhaufen:
M79
Offene Sternhaufen:
M35, NGC2158, NGC2362, M44, M67
Planetarische Nebel:
NGC2392
Gasnebel:
M42, M43, NGC1973, M1, NGC2237
Sonstiges:
M78, NGC1788
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Nachdem im Januar bis auf eine Möglichkeit, den Mond mit der Webcam zu fotografieren, in astronomishcer Hinsicht nicht wirklich viel los war, wurde die erste klare Nacht am 29. Januar gleich genutzt, um der neuen Optik ein bißchen auf den Zahn zu fühlen. Standesgemäßer Einstieg war denn auch gleich der große Orionnebel M42, der im 26er Superplössl natürlich bereits sehr gut und detailliert zu sehen war; erfreulich auch: das Trapez war trotz nur 25-facher Vergrößerung bereits deutlich in 4 Komponenten aufgelöst. Im 14,5 er Erfle, also bei 45-facher Vergrößerung, ziehen sich die beiden Schwingen bereits bis hinter den Körper des Nebels, der Nebelkörper selbst ist wolkig, strukturiert, und auch M43 ist ohne Probleme ebenfalls sichtbar. Ohne UHC scheint es mir, daß NGC1973 vor allem um den westlichen zweier Sterne als Nebelschimmer wahr zu nehmen ist. Auch mit UHC bestätigt sich genau dieser Eindruck. Auch Bärbel bestätigt genau die identische Sichtung, und auch im 10er Speers mit UHC ist ganz eindeutig der westliche der beiden Sterne von einem Nebelschimmer umkränzt. Im hinteren Teil des Körpers von M42 sticht Bärbel eine dunkle Einbuchtung ins Auge, die sie sehr stark an den Pferdekopfnebel erinnert. Leider muß ich ihre diesbezügliche Frage mit einem dezenten Nein beantworten...
M78, ein Reflexionsnebel etwas nordöstlich der Gürtelsterne des Orion, zeigt sich als neblige, ovale Aufhellung um zwei benachbarte Sternchen, auch im 10er zu sehen, aber auch nicht mit mehr Details. Und noch einen Reflexionsnebel gibt es in der Gegend zu erkunden, genau auf der anderen, der westlichen Seite des Orion, an der Grenze zum Sternbild Eridanus, befindet sich NGC1788. Die Sternumgebung ist eindeutig zu lokalisieren, genauso der Ort des Reflexionsnebels, eine indirekte Sichtung erscheint mir an diesem Abend zwar plausibel, aber als gesicherte Beobachtung möchte ich die schwache Aufhellung, die vor allem bei gezielter Bewegung des Teleskops immer wieder aufscheint, nicht wirklich verbuchen. Der Kugelsternhaufen M79 zeigt, daß an diesem Abend die Sicht unterhalb des Himmelsäquators wohl doch etwas eingetrübt und von Dunst beeinträchtigt ist: nur ein enttäuschendes, nicht weiter zu detaillierendes, rundes, aber blasses Nebelfleckchen zeigt sich hier. Daher besuchen wir zum Abschluß dieses Abends den in den Zwillingen sehr hoch am Himmel stehenden offenen Sternhaufen M35, der im 26er Okular großartig im Okular prangt. Auch der benachbarte, kleinere Sternhaufen NGC2158 ist ohne Probleme wahrnehmbar. Im 14,5er Erfle tritt die so charakteristische Sternkette in M35 wunderbar zu Tage, und der kleine Nachbarsternhaufen wirkt - insbesondere bei indirektem Sehen - wie feinster, hingepuderter Sternenstaub, ist also schon nahe der Auflösbarkeit. Da der Dunst sich allerdings mittlerweile als Nebel zu manifestieren begann, war damit auch der erste Beobachtungsabend beendet.
Glücklicherweise war es gleich am nächsten Tag wieder schön, und so wurde da, wo wir gestern aufgehört hatten, das Beobachtungsprogramm fortgesetzt, nämlich an M35. Natürlich war der Sternahufen, obwohl der Himmel noch nicht seine maximale Dunkelheit erreicht hatte, wunderbar in Einzelsterne aufzulösen, nur sein kleiner Nachbar, NGC2158, blieb etwas hinter seinen Möglichkeiten zurück. Daher ging es nun ertsmal zu NGC2392, dem Eskimonebel. Bei 25x sieht man zwei nahe beieinander stehende Sternchen, von denen einer etwas diffus wirkt. Bei 130x wirkt NGC2392 wie ein heller Fleck mit rundem, etwas ausgefranstem Nebel drumrum. Was uns immer wieder erstaunt, diese kleinen, flächenhellen Planetaries lassen sich auch in kleinen Optiken sehr hoch vergrößern! Im 3mm Radian, das wie immer mit brillantem Kontrast und gestochener Schärfe überzeugte, ist der Eskimonebel bei 217-facher Vergrößerung eindeutig am besten zu sehen. Hier macht sich natürlich der Luxus der elektrischen Nachführung besonders bemerkbar, denn in aller Ruhe kann man den Nebel im Okular auf etwaige Details hin untersuchen. Der helle Zentralbereich könnte bei genauem Hinsehen aus 3 Helligkeitsknoten bestehen. Genau an der dem Nachbarstern abgewandten Seite scheint der Nebel etwas prominenter und stärker ausgeprägt. Besonders bei indirektem Sehen hat man immer wieder den Eindruck, daß zwischen dem hellen Zentralbereich mit den 3 Hellgkeitsknoten und dem runden Nebelhalo ein dunkler, ring- oder reifenförmiger Dunkelbereich sitzt. Es ist schon faszinierend, was diese kleinen Planetaries bei genauer Beobachtung an Struktur zeigen. Betrachtet man dieses Bild, so kann man die beschriebenen Beobachtungen, denke ich relativ gut nachvollziehen:
NGC2392 aus folgender Quelle: http://www.sunspot51.com/DSO/NGC2392.jpg zeigt schön die visuell gesehenen Details: Der hellste Bereich des Halos genau gegenüber dem Nachbarstern, der dunklere Bereich zwischen Zentrum und Halo sowie das Zentrum mit mehreren Helligkeitsknoten
Weiter geht die Reise zum Krabbennebel M1, dem Supernovaüberrest im Taurus. Der ovale Nebel war bereits bei 25x problemlos zu sehen und erstaunlich hell, dafür, daß sich dieser Nebel gern diskret im Himmelshintergrund versteckt hält. Bei 65x im 10er Speers zeigt sich ein ovaler, doch recht großer Nebel, der aber leider strukturlos bleibt. Am besten ist M1 im 14,5er Erfle zu sehn: hier zeigt sich daß der Nebel eher spitz auf einen Nachbarstern zuläuft, und die diesem Stern abgewandte Seite des Nebelovals eher flach ist, so daß der Nebel insgesamt einen eiförmigen Umriss aufzuweisen scheint. Auch hier erweist sich die Nachführung des kleinen Rohrs als durchaus praktisch bei der visuellen Erarbeitung von Details und Strukturen. Da es schon empfindlich kalt war und außerdem durch die fallenden Temperaturen die Atmosphäre wieder dunstiger zu werden begann, war es nun an der Zeit, auch diesen zweiten, äußerst zufriedenstellenden Beobachtungsabend zu beenden.
Eine Woche später, am 7. Februar gingen Bärbel und ich ab 21 Uhr wieder mit dem kleinen Fünfzöller auf Pirsch; da diesmal die Horizontsicht besser war, (Alpha Columbae mit -34° Deklination und 2mag6 war immerhin problemlos zu sehn, desgleichen Zeta Canis majoris mit 3mag0 bei -30° Deklination) begannen wir den Beobachtungsabend wieder mit dem kleinen Reflexionsnebel NGC1788. Er zeigt sich im Erfle bei 45x als schwacher Nebelhauch um einen Stern, insbesondere auf dessen Nordseite sich erstreckend. Die Sichtung ist diesmal recht eindeutig, auch Bärbel bestätigt unabhängig von mir die azentrische Lage des Nebels um den betreffenden Stern. Weiter ging es dann mit niedrigster Vergrößerung (25x) und UHC zum Rosettennebel, NGC2237. Dieser wird visuell oft gemieden, da er wirklich große Gesichtsfelder benötigt, um sich als Ring abzusetzen. Mit 1m Brennweite und 1,25"-Okularen wird das schon schwierig. Aber bei 650mm und 2° Feld im 26er Superplössl stellt die Rosette kein Problem dar: klar und deutlich steht der Nebelring im Okular, der offenen Sternhaufen - bestehend aus 6 leiterförmig angeordneten Sternen - befindet sich nicht mittig, sondern eher in den Nebel verschoben. Die nordwestlichen 45° des Nebelrings sind besonders dick und auffallend hell. Mit dem OIII-Filter sind die Nebelschwaden besonders schön zu sehen. Ja, man merkt schon, daß heute die Himmelsqualität mal wieder überdurchschnittlich ist, so an die 5m9 bis 6m0 schätze ich die visuelle Grenzhelligkeit. Präsepe beispielsweise ist nicht nur ein blasser Nebelfleck, sondern wirkt schon deutlcih flächig und grieselig. Da es - wie bereits erwähnt - auch in Horizontnähe recht dunstfrei ist, wähle ich als nächstes Objekt den offenen Sternhaufen NGC2362, etwas nordöstlich von Delta Canis majoris auf rund -25° Deklination. Ein feiner offener Haufen um einen helleren Stern, ziemlich genau 1° nördlich steht ein weiterer hellerer Stern. Im 14,5er Erfle erkennt man schon 6-7 Einzelsterne, im 10er Speers sind es schon rund zwei Dutzend. Im 7,5er Speers bei 87x enthält der dreieckige Sternencluster gut 25 einzeln auflösbare Mitglieder. Dieser Sternhaufen ist auf alle Fälle ein absolutes Schaustück!
Weiter geht der Schwenk wieder zurück in den Krebs, diesmal ist Präsepe selbst, also M44, dran. Im 26er Superplössl bei 25x füllen hier rund 70 locker gestreute Einzelsterne etwa 75% des Bildfelds. Ein ganz schön großes Kaliber an Sternhaufen, was den Schluß zuläßt, daß dieser wohl relativ nahe ist. Die wahre Entfernung von 580 Lichtjahren bestätigt genau diese Vermutung. Weiter geht die Reise in den Süden des Cancer, zu M67, einem ebenfalls opulenten offenen Sternhaufen. Im 10mm Speers zeigen sich viele gleich helle Einzelsterne, gebettet in klumpige Aufhellungen von Hintergrundsternen. Im 7,5er Speers bei 152x offenbaren sich zwischen den Hintergrundsternenklumpen dunkle, dendritenartige Kavitäten, ein absolut wunderbarer Anblick. da auch jetzt wieder die Temperaturen langsam in Taupunktnähe fallen und Dunst in der Atmosphäre mehr und mehr zum Thema wird, gehe ich zum Abschluß noch ins Sternbild Leo, wo NGC2903 die erste, heuer beobachtete Galaxie wird. Sie ist als mittelhelles Nebeloval problemlos und deutlich zu erkennen, vor allem im 14,5er Erfle. Im 10er Speers meint man, bei indirektem Sehen im hellen Galaxienkern sogar leichte Unregelmäßigkeiten - Unterteilungen wäre wohl übertrieben - zu erkennen.
Was haben diese drei Nächte gezeigt? Der kleine 130er auf der EQ-2 ist erstaunlich stabil montiert, dabei äußerst transportabel und aufgrund der elektrischen Nachführung auch noch komfortabel in der Benutzung. Der Leuchtpunktsucher ist gegenüber einem optischen Sucher nicht nur deutlich leichter, sonder einem solchen beim Peilen auch noch deutlich überlegen. Von der opitschen Performance ist zu sagen, daß der Parabolspiegel bis in den Hochvergrößerungsbereich saubere Bilder liefert - Mondkrater oder Jupiter im 3mm Radian waren in dieser Optik echt beeindruckend, trotz über 200-facher Vergrößerung. Auch bei Deep-Sky-Beobachtungen sind mit 13cm Öffnung durchaus schon anspruchsvollere Detailbeobachtungen möglich, insofern ist dies wohl so eine Art Rundumsorglos-Allroundpaket.
Mit einem Handgriff war das komplette Teleskop nach dem Beobachten im Übrigen ruck zuck in den Wintergarten gestellt und ich entsprechend schnell im Reich der Träume, ohne in der Kälte noch viel abbauen oder aufräumen zu müssen.
Viele Grüße und weiterhin viele sternklare Nächte Euch allen,
Markus
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