Hallo Sternenfreunde!

Und hier ist er, der erste Beobachtungsbericht mit meinem Starfinder 10" EQ.
Beobachtet hab ich einige Objekte, die ich auch von meinem 4,5" Saturn 45
schon sehr gut kannte und die bei der hohen Luftfeuchte und der entsprechend
mäßigen Durchsicht Sinn machten. Hier die Randbedingungen im Telegrammstil:

Teleskop: Meade Starfinder 10" Newton auf äquatorialer Montierung mit 2-Achsensteuerung
          Hauptspiegelbrennweite 1140mm, macht ein Öffnungsverhältnis von 1:4,5
Okulare:  26mm-Plössl von MEADE, Serie 4000 (44-fache Vergrößerung)
          6,3mm-Kellner von Bresser
          5mm Eudiascopic von Baader
          2x-Barlowlinse, Celestron ultima, 3-linsiger Achromat mit Luftspalt
Zeitpunkt: Samstag, 19.08.2000 22:00-23:30; danach kamen Gewitterwolken :-(
Objekte:  M11, M15, M29, M103 sowie h und chi in Perseus; Doppelsterne Albireo sowie Delta Cygni


Wie gesagt, die Luftfeuchte war so hoch, daß der Spiegel nachmittags, als ich ihn vom 16°C
kühlen Keller in die 34°C warme Umgebung gewuchtet hab, sofort triefnaß von Kondenswasser
war. Aufgrund der offenen Spiegelzelle war dieser extreme Beschlag aber innerhalb von
nur 5 Minuten (!!!) komplett weg. Nachdem das Teleskop schon den ganzen Nachmittag draußen stand,
hat es sich mit Sicherheit an die abendliche Beobachtungstemperatur von 27°C (das wär im Winter recht, LOL)
akklimatisiert.
Als erstes hab ich also die 2-Achsensteuerung ausgerichtet: Polaris im Bildfeld zentriert, dann Atair und
dann noch Arktur (dritter Stern nicht unbedingt notwendig) und schon konnts losgehen. Erstes Objekt war
M11, der Wildentenhaufen im Sternbild Scutum. Schon bei 44x ein flächiges graues Objekt, das eindeutig aus
zahlreichen Sternen besteht. Mit der 2x Barlow bei 88x dann schon in mehr Details und Einzelsterne
auflösbar. Der Clou war aber im 6,3mm bei 180-facher Vergrößerung: Hier ist das Zentralgebiet von M11
bildfeldfüllend, der 8m Stern nahe der Mitte schön auffällig, und der ganze Haufen in hunderte(!!!)
von Einzelsternen aufgelöst. Diese agglomerieren sich auf verschiedenen Filamenten, so daß das Ganze in etwa
so aussieht, wie eine professionelle Aufnahme (Chile, Mt. Palomar, La Palma etc.) Aufnahme einer Galaxie,
die man von oben sieht. Denn die Filamente, auf denen sich die Sterne verdichten, haben alle eine leichte
Durchbiegung. M11 ist und bleibt eines meiner Lieblingsobjekte. Ich hätte gedacht, daß offene Sternhaufen, die
ja schon im 4,5" sehr sehr schön sind, im 10" nur unwesentlich besser wären. Aber durch die gesteigerte
Bildhelligkeit sieht man einfach extrem viel mehr Details.
Bei dieser Gelegenheit hätt ich gleich noch eine Frage an alle Optik Profis: Warum seh ich mit dem neuen Teleskop
im 6,3mm-Billig Kellner schärfere Bilder als im 5mm-Eudiascopic von Baader, das sechsmal so teuer war??? Im 4,5"
war das umgekehrt, da war das 5mm schon noch etwas besser. Ich hab sogar den Eindruck, daß 6,3mm+Barlow schärfer
sind als das 5mm alleine. Ehrenwort: ich hab das 5mm NICHT runtergeschmissen LOL. Liegt das an der kurzen
Brennweite des neuen Newtons??
Als nächstes Objekt kam dann der Kugelsternhaufen M15 im Pegasus an die Reihe. Schon bei 44x in der Übersicht
sehr schön als Kugelsternhaufen zu sehen, ein heller, kompakter Kern mit recht wenig Halo. Also, ran an die
Vergrößerung und gleich das 6,3mm für 180x rein. Hier ist M15 noch sehr hell zu sehen und wirklich bis ins
Zentrum hindurch aufgelöst und das bei der schlechten Durchsicht und dem kompakten Nukleus. Also M15 auf jeden
Fall in die Liste der Paradeobjekte aufnehmen.
M29 im Schwan ist eigentlich kein Paradeobjekt, "nur" 8 Sterne in ähnlicher Form wie ein H angeordnet (zwei
Sternenketten mit ner Brücke dazwischen), am besten bei 88-facher vergrößerung entsprechend 0,6° Bildfeld.
Aber trotz alledem ein netter Anblick.
Etwas besser als M29 hat mir M103 in Cassiopeia gefallen, eine Ansammlung von Sternen, die ein recht scharf
begrentztes spitzwinkliges Dreieck bilden, zumal die Eckpunkte von etwas helleren Sternen gebildet werden.
Höhere Vergrößerungen bringen aber hier keine zusätzlichen Details, sind halt nur ein paar handvoll Sterne.
H und chi im Perseus, bei 44-fach und 1,2° Gesichtsfeld passen beide grad recht schön gleichzeitig ins Okular
wie immer ein Hochgenuß. Bei 180x im 6,3mm kann man das Zentrum eines jeden für sich studieren und in den Sternhaufen
"rumfahren". Die sind dann derart aufgelöst, daß man wirklich zwischen den Einzelsternen "Fußball spielen" kann.
Nun, der Doppelsternkiller scheint mein 10" noch nicht zu sein, da muß ich auch noch die Filz- oder
Samtklebeaktivitäten starten, um Streulicht zu minimieren. Albireo, blau und orange natürlich schon bei 44x klar
getrennt, das ist ja nun wirklich kein Thema. Aber Delta Cygni krieg ich ums Verrecken nicht auf die Reihe, erst
schon mit meinem 4,5" nicht und mit dem 10" schon gar nicht. Grad bei den hohen Vergrößerungen (228x, 360x oder
456x) besteht der Stern aus lauter beugungsbedingten Lichtpünktchen, also nix runde Airyscheibchen, eher ein
flimmerndes Ahornblatt. (Ansatzweise könnte noch ein schwächeres Ahornblatt unter dem stärkeren sitzen).
Frage an alle Optik Profis: Hat hier mein Spiegel nen Knacks, zumal ich überhaupt - und jetzt liegts
nicht mehr am Okularauszug, der drüberspringt - bei hohen Vergrößerungen keinen richtigen Fokus hinkrieg.
Sterne werden immer kleiner bis zu einem Minimum und dann wieder größer, aber auch im Minimum sind sie einfach
nicht so richtig punktförmig, wie ich das von meinem 4,5" kenne. Woran liegt das, muß ich die Optik umtauschen???

In der Erwartung auf nicht zu ernüchternde Antworten bezüglich meiner letzten Frage

clear skies

Markus.