Hallo Sternenfreunde!
Gestern abend wurde es zunehmend klarer und so wuchtete ich Monsterle mal wieder in den Garten.
Die Nacht wurde immer besser, die Durchsicht stieg stetig und so stand einer beeindruckenden
Beobachtungsnacht nichts im Wege. Vorab kurz mal die Daten im Telegrammstil:
Teleskop: Meade Starfinder 10" Newton auf äquatorialer Montierung mit 2-Achsensteuerung
Hauptspiegelbrennweite 1140mm, macht ein Öffnungsverhältnis von 1:4,5
Okulare: 26mm-Super-Plössl von MEADE, Serie 4000 (44-fache Vergrößerung)
6,3mm-Kellner von Bresser
5mm Eudiascopic von Baader
2x-Barlowlinse, Celestron ultima, 3-linsiger Achromat mit Luftspalt
Zeitpunkt: Donnerstag, 24.08.2000 21:45-01:30
Objekte: Doppelsterne: Epsilon Equulei
Galaxien: M31, M101, NGC 1023
Planetarische Nebel: M27, M57
Kugelsternhaufen: M15, M56
Offene Sternhaufen: NGC 728, h und chi Persei, M34
Zu Beginn um 21:45, es war natürlich noch nicht stockdunkel, hab ich mal Epsilon Equulei mit einer
Separation von 5,8" aufs Korn genommen. Beim alignen der Zweiachsensteuerung ist mir schon an den hellen
Sternen aufgefallen, daß der Fangspiegelschatten im unscharfen Sternscheibchen nicht mittig sitzt. Ich
habs im Finstern auch nicht mehr besser hingekriegt. Eps Equ war aber bereits bei 44x klar als doppelt
auszumachen, auch bei 180x deutlichst getrennt, aber so stark komatisch (wen wunderts, bei der miesen
Kollimation), daß ich die eine der beiden Komponenten, mit 0,8" Separation selbst ein enger Doppelstern,
nicht mehr trennen konnte.
Ein kurzer schwenk auf M15 und M31 zeigte noch keine berauschenden Ergebnisse, der Himmelshintergrund
war einfach noch zu hell. Hier war der Kern von M31 nur 20' groß, fast kreisrund, aber sehr(!) hell.
Etwas später waren dann schon 0,5° sichtbar. Also hab ich mich erstmal auf dem Weg zu einem etwas höher
gelegenen Objekt gemacht, dem Hantelnebel M27. M27, es war mittlerweile schon deutlich dunkler, schon bei
44x stark tailliert zu erkennen, bei 88x noch besser, bei 180x auch, aber fast schon etwas kontrastarm.
Dann - mittlerweile war es so dunkel, daß sich die Milchstraße als leuchtendes Band quer über den Garten
zog, gabs den Liebling von meiner Frau - M57, oder Tortellininebel, wie sie ihn immer nennt.
Hier, in Zenithnähe, zeigte der 10" mal so richtig, was in ihm steckt. Schon bei 44x und 1,25° Gesichtsfeld,
ein kleines, helles, scharf begrentztes Scheibchen, das in der Mitte dunkler ist. Er springt einen förmlich an,
so eindeutig ist er nicht stellar. Also, Barlow rein: 88x, deutlich, scharfbegrentzt, wie ein ausgestantzter Ring.
Bei 180x noch deutlicher, bei 228x war sogar eindeutig erkennbar, daß M57 etwas abgeplattet ist.
Und nun noch die Dröhnung: 5mm Baader Eudiascopic Okular + Celestron Ultima Barlow.
Eigentlich hatte ich ein schwarzes Bild erwartet.
Eigentlich hatte ich nicht gehofft, was zu sehen.
Also: Auge dran, fokussieren.
Bummm. (Herzstillstand? Umgehaun? - Fast!!!!)
Da war er. M57. Fast formatfüllend. Ein grauer nach innen und außen schwächer werdender Nebelring, in der
einen Achse deutlich schmäler als wie in der anderen. Im Ring selber eine Art Strukturen, wie Filamente.
Und das Ganze bei 456-facher Vergrößerung (war ne Premiere) noch heller und kontrastreicher als in meinem
4,5" bei 36-facher Vergrößerung. Sowas hab ich noch nie erlebt und ich hätts auch nicht für möglich gehalten.
Aber das war fast schon wie die Aufnahme im 2000er Himmelsjahr im, ich glaub November, also ziemlich weit hinten,
nur halt nicht farbig. Irre.
Aber es sollte noch besser kommen, auch wenn man es nicht mehr für möglich hält.
Wenn ich nun schon mal in der Leier unterwegs war, machte ich mich gleich noch auf dem Weg zu dem laut Karkoschka
schwachen, nicht auflösbaren Kugelsternhaufen M56 in Lyra. Schwach???? Nicht auflösbar???? Na sowas!
Bei 44x stand er da, unverkennbar als Kugelsternhaufen mitten im Sternegewimmel des Umfeldes. Also gleich mit
180-facher Vergrößerung formatfüllend rangeholt. Da bot sich ein echt toller Anblick: Ein helles, total in Einzel-
sterne zerlegtes Zentrum, schwächerere Randgebiete, aus weniger und schwächereren Sternen; der ganze Sternhaufen
eigentlich gar nicht mehr richtig kugelig, sondern eher Kissenförmig, zumindest, was das Zentrum betrifft.
Da bekam ich natürlich Lust auf noch mehr Kugelsternhaufen.
Folglich war ein Abstecher ins Sternbild Pegasus an der Reihe, zu M15. Schon im 26mm Superplössl brutal kontrastreich,
bei 180x bis ins Zentrum aufgelöst, M15 besteht eigentlich hauptsächlich aus dem Kern mit einer enormen Sternendichte.
Und trotzdem ist M15 auflösbar und zwar locker, bis ins Zentrum!
Um 0 Uhr war dann nochmal M31 an der Reihe. Der sehr helle Kern war bei 88x fast noch so hell, daß er blendete und fast
formatfüllend, also 2/3° Grad groß. M101 steht als kleiner, grauer, scharf begrentzter und heller (!!!) Nebelfleck
in etwas Abstand "links oberhalb".
Nach dieser Dröhnung hat meine Frau erstmal ne Kanne schwarzen Tee gekocht. Und den brauchten wir dann auch noch.
Nun wollte ich mal offene Sternhaufen einfach so richtig "genießen". NGC 728 beispielsweise, im Perseus.
Eine Ansammlung von bläulichweißen Sternen, ca. 1° Durchmesser. Insgesamt so 50-100 Sterne, ein netter Anblick.
Wenn man schon mal im Perseus ist. Was darf nicht fehlen? Richtig! h und chi, der Doppelsternhaufen.
Da lagen sie, im 26mm-Superplössl, zweimal ein paar hundert Sterne, ebenfalls bläulichweiß, wie Diamanten auf
schwarzen Samt gebette. Eigentlich kannte ich h und chi schon gut, nur, ich wußte nicht, daß es soooo viele
Sterne sind. Der Anblick war so überwältigend, daß meine Frau und ich ihn abwechselnd ca. 20 Minuten lang
stillschweigend und fast ehrfurchtsvoll auf uns wirken ließen. Ich hab von h und chi noch kein Foto gesehen, daß
auch nur annähernd so brillant war, wie dieser Anblick.
Nur aus purer Lust am Rumsuchen und Blättern im Karkoschka, hab ich mal die Galaxie NGC 1023 angefahren, eigentlich eine
10mag5 Galaxie. Also nicht berauschend. Dachte ich. Und in Wirklichkeit: Der Hit des Abends.
Schon bei 44x war sie deutlich zu erkennen: 5 Sterne bilden eine leicht gebogene Kette, erst zwei, dann ein größerer Zwischenraum,
dann leicht nach "oben" gebogen, in einer Linie, die drei andren Sterne. Und in dem Zwischenraum, knapp unter dem rechten der
zwei Sterne, deutlich zu erkennen: Die Galaxie NGC1023. Schon bei dieser niedrigen Vergrößerung klar erkennbar:
Man schaut von der Kante her drauf. Das gibts doch gar nicht. 10m5 und so hell. Also: 6,3mm-KE rein (180x) und draufgehalten.
Die Nachbarsternchen: nadelpunktfein. Daneben: Die Galaxie, wie ein grauer, schmaler, scharf begrentzter Strich, zu den
Enden schmäler werdend. Das mußte meine Frau sehen! Also, Bärbel gesucht; nun, die hat grad in der Wohnung den Himmelsatlas
gewältzt. Etwas geblättert, dies und das nachgeschaut. Und dann wieder raus. Das ganze hat ca. 15 Minuten
gedauert. 180-fache Vergrößerung. Und: NGC 1023 immer noch in Bildmitte. Soviel zur Qualität der NAchführung.
Nachher im Karkoschka hab ich festgestellt: NGC 1023 ist 45 Millionen Lichtjahre von uns entfernt. Und NGC 1023
steht wirklich in Kantenlage. Nur, daß sie bei 180x noch so hell ist, das stand nicht drin :-)
Zum Abschluß gabs dann noch mal M31, bei 44x zog sich jetzt der Nebel wie ein silbriggrauer Schein quer durchs 1,25°-Bildfeld,
M101 wieder schön daneben. Also mußte M101 noch dran glauben. M101 blendet auch bei 180x fast noch, ein sehr heller
aber nahezu kreisrunder Galaxienkern.
Dann waren wir beide so hundemüde, der Tee war leer und Monsterle wollte auch noch reingetragen werden, so daß
wir uns sagten: Let's call it a day!
Wahnsinn, wenn das mit 10" schon so reinhaut, dann glaub ich, wird KLARINETTO mit dem 16" in seinem Garten vor Freude
Veitstänze aufführen. Das Ergebnis hätt ich meiner Pappröhre denn doch nicht zugetraut. Lästere bloß nochmal
einer über den Starfinder!
In diesem Sinne
Clear skies und ein schönes sternklares Wochenende Euch allen
Markus
(Observator decimalis zollis telescopii)
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