Hallo Sternenfreunde!
Nun schau einer sich dieses Wetter an! Da ists den ganzen Tag wolkig, grad, daß es
halt nicht regnet. Um Halb sechs kommt erstmalig die Sonne raus und um Acht: kein
Wölchen am blauen Himmel. Da mußte natürlich der beleibte Lord Rosse sich endlich mal
wieder aus seinem Souterrain nach oben bequemen. Vier Wochen hatte er jetzt schon fast
Zwangspause, umso behender schwang er seine drei Metallbeine nebst Stahlsäule und
Papptubus nach oben. Auch die Zweiachsensteuerung durfte natürlich mit :-) Ich geb's
ja zu, Warmduscher - äh Verzeihung - Weichspechtlersyndrom...
Für alle jetzt aber erstmal im Telegrammstil die Beobachtungsdaten:
Teleskop:
Meade Starfinder 10" Newton auf äquatorialer Montierung mit 2-Achsensteuerung
Hauptspiegelbrennweite 1140mm, Öffnungsverhältnis von 1:4,5
Strehl-Wert: 88%
Okulare:
26mm-Super-Plössl von MEADE, Serie 4000 (44-fache Vergrößerung)
7mm orthoskopisches Okular von Celestron (163-fache Vergrößerung)
6,3mm-Kellner von Bresser (180-fache Vergrößerung)
5mm Eudiascopic von Baader (228-fache Vergrößerung)
Sonstiges:
2x-Barlowlinse, Celestron ultima, 3-linsiger Achromat mit Luftspalt
Baader Skyglow Filter
Binokular:Bresser Saturn Zoom, 9-27 x 56
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Zeitpunkt:
Samstag, 17. Juli 2001, 22:30-01:30
Visuelle Grenzgröße:
ca. 5,0 mag
Durchsicht:
gut
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Doppelsterne:
Eta Coronae Borealis
Galaxien:
M102, NGC 6928
Kugelsternhaufen:
NGC 6712, M71
Offene Sternhaufen:
M11, NGC6755, NGC6756
Planetarische Nebel:
M27, NGC 6905
Sonstiges:
Komet A2/Linear
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Der standesgemäße Auftakt, bevor es so richtig dunkel wird: Doppelsterne. Lord Rosse wollte
heute mal etwas schwierigeres austesten und so fiel unsre Wahl auf Eta Coronae Borealis, mit
derzeit 0,7" Separation nicht mehr ganz so einfach und schon im Bereich des Auflösungsvermögens
eines Zehnzöllers.
Er wirkt hell-orangefarben und ist bei 228x länglich, blickweise getrennt erahnbar. Also noch
zusätzlich die apochromatische Barlow rein: 456x. Zwei ganz enge Stewnpünktchen mit etwas schwarzem
Zwischenraum in WNW orientiert (290° Positionswinkel). So hab ich ihn gesehen. Laut Karkoschka kommts hin.
Nur der NSOG spricht von 38° Positionswinkel. Oder hab ich mich da im Halbdunkel in der zeile verschaut?
Zumindest war das schon mal kein so schlechter Auftakt und so widmete ich mich den Objekten des Monats.
Daß da M11, der wild duck cluster, mal fällig wurde, ist eigentlich klar, ist M11 doch irgendwo
everybody's darling. Mit 10" wird er noch mehr zum Lieblingsobjekt! Bei 44x ein heller dreieckiger
Sternhaufen mit einem helleren zentralen Stern. Der Cluster wirkt sehr geschlossen und trotzdem sieht
man schon bei 44x unzählige einzelne kleine Sternpünktchen. Bei 180x im 6,3er kellner ist M11 dann schon
bildfeldfüllend abbildbar. Gut 150 ooder noch mehr Sterne werden hier sichtbar, die sich recht klumpig
verdichten und zwischen den Verdichtungen lauter unregelmäßig geformte Dunkelgebiete. Ein äußerst
plastischer Eindruck. In die Sternzusammenballungen des Wildentenhaufens ist noch eine gehörige
Portion Hintergrundnebulosität eingebettet. Da scheints noch Unmengen von Sternen zu geben, die unser
Auge gar nicht mehr erfassen kann. Bei 228x verstärkt sich dieser plastische Eindruck noch, ein Objekt,
bei dem man immer wieder mal ne halbe Stunde verweilen kann.
Natürlich wollte ich aber auch noch die andern Objekte des Monats abklappern. Der Kugelsternhaufen NGC6712
liegt ja in unmittelbarer Nähe, nur etwas südlich von M11. Kurzer Schwenk - da isser! Bei 44x ist erstmal
SW eines Sterns ein schwaches, körniges und rundes Nebelchen zu sehen. Bei 88x ist aufgrund besseren Kontrasts
auch die Körnigkeit des Objekts besser zu erkennen. Allgemein finde ich aber, daß die schwachen Kugelsternhaufen
viel schwieriger zu beobachten sind als andre Objekte - eine 8m5 Galaxie: kein problem; ein 8m5 KS wird schon
eine harte Nuß. Naja, die größere Ausdehnung der KS drückt halt doch die Flächenhelligkeit.
Bei 228x mit dunklem Handtuch wirkt NGC6712 leicht mandelförmig, nicht mehr kreisrund, im nordöstlichen
Bereich blitzt bei indirektem Sehen der eine oder andere Einzelstern auf.
Letztes der Objekte des Monats - 95 Herculis hab ich Anfang August schon mit dem Optimus beobachtet - war
dann eine Galaxie,nämlich M102. Hierzu mußte ich die Montierung "umschlagen", was aber der Positionier-
genauigkeit der Zweiachsensteuerung keinen Abbruch tat. M102 war sofort gefunden. Haben mir zu Anfang meiner
hobbyastronomischen Laufbahn Galaxien eher weniger gegeben, bin ich spätestens, seit ich den 10-Zöller hab,
der absolute Galaxienfan geworden! Ja, ich konnte bei 228x (!) an M102 sogar Strukturen erkennen: der Halo
war von einem leicht westl. versetzten ovalen und hellen Kern durch eine Art helligkeitsstufe abgesetzt.
Natürlich hab ich das ganze gleich zeichnerisch festgehalten. Die eine "Spitze" der Galaxie zeigt genau
zwischen 2 Sternchen.
M102 am 17. Juli 2001 bei 228x im 10"-Newton, f=1140mm
Nun zum Thrillerchen des Monats Juli - NGC 6755, einem offenen Haufen in Aquila. Nach 20 Minuten hab ich dann
das Teil endlich gefunden, nachdem ich vorher schon mehrfach über einen kompakten, kleinen, aber recht schwachen offenen Haufen gestolpert bin, der bei 228x einige sehr eng beieinander stehende sehr schwache Sterne zeigt, vielleicht so 10-20 Sterne: NGC6756. Aber er ist halt sehr geschlossen und fällt damit auf.
NGC6755 ist eigentlich fast schwieriger, da etwas zerstreuter. Bei 88x zeigen sich einige Dutzend Sternchen, die von einer Figur umgeben werden, die einem Mini Skorpion (Antares + die drei Scherensterne) gleichen.
Dann kam NGC 6905 an die Reihe, der blue flash in Aquila. Dabei fuhr ich erstmal M27 an - sozusagen als
Referenzpunkt zum optimieren des Magellan II. Auf dem Weg dorthin kam ich über M71. Der Stand sowas von
auffällig als lockerer Kugelsternhaufen bei 44x im Übersichtsokular - so wunderschön hab ich M71 noch nie
gesehen. Ich hatte ihn heute nicht auf meiner Liste, weil er immer so wenig hergibt, der M71. Und dann hat
ers mir aber gezeigt und mich voll überzeugt. M71 wird jetzt bestimmt öfters besucht - er ist halt
anspruchsvoll und zeigt seine wahre Schönheit nur bei sehr guter transparenz der Atmosphäre. Nun M27 -
brauchts da noch Worte? Bei 44x wie ne Sanduhr, bei 228x eher wie eine Ciabattasemmel, nicht mehr so stark
tailliert. Und was ist das????????? Da stehen ja Sternchen mitten im Nebel -suuper. So macht Spechteln richtig
Spaß. An einem Objekt, das man nur als Wegweiser benutzen will, gleich ein paar neue Details erkennen.
Eigentlich wollte ich nun noch die Galaxie NGC6928 suchen, aber irgendwie hab ich das Teil nicht gefunden und
nach 20 Minuten aufgegeben. beim nächsten mal dann.
Nun ging die Pirsch zum "blue flash", dem planetarischen Nebel NGC 6905. Bei 44x nix blaues im Okular,
aber immerhin bei indirektem Sehen etwas nebeliges erahnbar. Also: rauf mit der Vergrößerung und gleich
den Sprung auf 228x gewagt. Diese kleinen PNs brauchen schon was an power, damit was geht. Jau! Genial!
In einem Trapez aus 4 Sternchen steht ein runder, transparent wirkender Nebelfleck. Seine SE-Hälfte wirkt
deutlich heller als die andre Hälfte! Aber blue flash - der Name ist eher was für 25"-Dobsonauten. Mit 10"
ist der genauso grau wie M27 im Optimus. Da brauchts schon _DEUTLICH_ mehr Öffnung, denk ich mal.
Zum Abschluß gönnte ich mir dann noch den Kometen, den ich nach 10 Minuten rumgestochere (warum ist das
Teil auch jeden Tag woanders) dann auch gefunden habe. Ganz klar, 10" sind an dem Kometen eine gaaanz, gaaanz
andere Qualität der Beobachtung. Da funzt aber so richtig was rüber!!! 44x und 88x sind für das Mordstrumm
grad richtig! Ein heller Kern mit runder Koma, nach Süden und Osten scheint ein nebeliges V mit 60°
Öffnungswinkel wegzuführen; dies konnte ich visuell sowohl bei 44x als auch bei 88x bestätigen. Irgendwie
waren in unmittelbarer Nähe in dieser Richtung alle Sterne in ein nebeliges Glimmen gehüllt.
So, das wars dann -
ziemlich müde aber glücklich über das Entdeckte verzog Lord Rosse sich ins Souterrain und ich mich
in mein Bett.
Viele Grüße und noch viel mehr schöne und sternklare Nächte Euch allen,
Markus
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