Hallo Sternenfreunde!
Gestern abend war erstmal Grillen mit unsren Nachbarn angesagt. Gut, daß es derzeit so
spät dunkel wird! Da konnte ich kurz vor Zehn,nachdem die Grillaktivitäten vorbei waren,
Lord Rosse, das 10"-Monsterle raufholen. Bärbel drückte sich ganz galant vorm Raufschleppen
und Zusammenbaun der Einzelteile und verschwand für ne Stunde in die Kirche zum Orgel üben:
Josef Gabriel Rheinberger: Sonate Nr. 4 - wem's was sagt :-)
Nun - dank des lauen Abends mußte sich Lord Rosse erst gar nicht lang aklimatisieren und
wurde nach dem alignen und einem Blick in den NSOG sogleich auf Pirsch geschickt.
Für alle jetzt aber erstmal im Telegrammstil die Beobachtungsdaten:
Teleskop:
Meade Starfinder 10" Newton auf äquatorialer Montierung mit 2-Achsensteuerung
Hauptspiegelbrennweite 1140mm, Öffnungsverhältnis von 1:4,5
Strehl-Wert: 88%
Okulare:
26mm-Super-Plössl von MEADE, Serie 4000 (44-fache Vergrößerung)
7mm orthoskopisches Okular von Celestron (163-fache Vergrößerung)
6,3mm-Kellner von Bresser (180-fache Vergrößerung)
5mm Eudiascopic von Baader (228-fache Vergrößerung)
Sonstiges:
2x-Barlowlinse, Celestron ultima, 3-linsiger Achromat mit Luftspalt
Baader Skyglow Filter
Binokular:Bresser Saturn Zoom, 9-27 x 56
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Zeitpunkt:
Donnerstag, 26. Juli 2001, 22:30-01:00
Visuelle Grenzgröße:
ca. 5,0 mag
Durchsicht:
gut
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Doppelsterne:
Pi Aquilae
Galaxien:
NGC 7331, Stephan's Quintett
Kugelsternhaufen:
M71, M72, M15
Offene Sternhaufen:
NGC6709, M73
Planetarische Nebel:
NGC 6781, NGC 6772, NGC 7009
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Als Beginn der Tour - wie sollte es anders sein - gings zum Adler - Pi Aquilae im Sucher
gut zu lokalisieren. Von der Papierform laut Karkoschka 6m3;6m8;1,4". Bei 228x sind zwei
nahe beieinander stehende, hellgelbe Sterne zu sehen - mit Zwischenraum! Die schwächere
Komponente steht in Ost-Süd-Ost-Richtung. Der Helligkeitsunterschied erscheint mir größer
als nur 0m5 - also befrage ich mal den Night Sky Observer's Guide. Und siehe da - er schreibt
6m1 und 6m9 - das kommt meinen Dafürhaltens nach eher hin. Das war so richtig ein Auftakt
nach Maß.
Noch ein paar Objekte aus dem NSOG aufnotiert, dann kam Bärbel auch schon wieder zurück:
Zeit also für einen Hallo-Wach-Espresso! Die Ultimative Spechteldroge - regt Espresso doch
im Gegensatz zum gefilterten Kaffee das zentrale und nicht das vegetative Nervensystem an.
So wierden sowohl die Denk- als auch die Wahrnehmungsleistung gestärkt. Da erstere mit der
Zweiachsensteuerung (Warmspechtler) nicht so gebraucht wird, kann man sich voll die zweitere
Ausreizen.
Das taten wir dann gleich mal an M71. Ein Kugelsternhaufen in Sagitta, der mir früher nie recht
viel gegeben hat und den ich, seit ich den großen Newton habe, mit zu meinen Lieblingsobjekten
zähle. Es war gestern bei diesem Objekt sehr schön zu sehen, wie im Okular bei 44x mit dem
hereinbrechen der Dunkelheit sukzessive mehr und mehr an Details wahrnehmbar wird. Grade die
Lage von M71 in einer äußerst sternreichen Gegend macht dieses Objekt so reizvoll - man denke
nur an die unmittelbar westlich des Kugelsternhaufens stehende Dreierkette. Bei 88x ist dann
schon einiges an Einzelsternen zu sehen. Mit Skyglowfilter wirkt M71 noch etwas geschlossener
und nebliger. Im 7er Ortho bei 163x sind ungefähr ein Dutzend hellerer, orangegelber Einzel-
sterne über den leicht dreieckig wirkenden Kugelsternhaufen verteilt, der selbst schon sehr
viele, aber deutlich schwächere Hintergrundsterne zeigt.
NGC 6709, ein offener Sternhaufen, bei 44x bilden einige helle Sternchen einen rautenförmigen
"Rahmen", der ein recht sternarmes Inneres umfängt. Bei 88x ist der offene Sternhaufen dann
zur Hälfte format füllend und dsomit am schönsten zu beobachten. Bei einer Objektgröße von
vielleicht einem viertel Grad machen höhere Vergrößerungen keinen Sinn. Aufgrund seiner
recht hellen Sterne und seiner auffälligen Struktur ist NGC 6709 ein Objekt, das ich auch
für kleinere Teleskope als unbedingt empfehlenswert einstufe.
NGC6709 im 10"-Newton, f=1140mm bei 44x
Als nächstes stand NGC 6781, ein planetarischer Nebel in Aquila, auf dem Programm. Bei 44x ein
schwacher, dunkelgrauer Fleck, vor allem bei indirektem Sehen. Hier macht sich die niedrige
visuelle Helligkeit, gepaart mit relativ großer Fläche, doch schon sehr negativ bemerkbar.
Bei 88x ist er deutlich größer und kontrastreicher zu sehen, jedoch offenbart er keine Strukturen.
Hier könnte eventuell der UHC-Filter einiges bringen, bin ich mal gespannt.
Den planetarischen Nebel NGC 6772 hab ich auch nach längerem rumrudern nicht gefunden. Also, ich
muß sagen, die "finder-charts" des Night Sky Observer's Guide kommen an die Detailkarten des
Karkoschka nicht hin - zumindest komm ich bis jetzt noch nicht so optimal damit zurecht.
Erfolgreicher war da schon die Suche nach M15 - etwas rechts oberhalb von Enif - per Sucher
aus der Hüfte innerhalb eines Handgriffs angepeilt. (Es schadet einfach nicht, immer wieder mit den
kleineren Fernrohren ohne Steuerung Objekte zu suchen - da bleibt man fit im Aufsuchen der Objekte.
Außerdem trainiert das Beobachten mit kleineren Optiken ungemein das Sehvermögen. Am meisten
Details seh ich im 10er immer dann, wenn ich die nacht vorher mit dem Saturn45 oder Optimus I
unterwegs war.
M15 ist bei 44x sehr kompakt und sehr, sehr hell. Die hohe Kompaktheit läßt mich gleich zu 163x
Vergrößerung hochgehen: Es zeigen sich viele einzelne, unzählige, Sterne und ein immer noch un-
aufgelöstes, sehr kompaktes Zentrum. Also 228x. Hier ist er noch stärker aufgelöst, aber es bleibt
ein unaufgelöstes, kugeliges, eisblaues Zentrum. Je höher man die vergrößerung treibt, desto
mehr schmilzt dieses Zentrum zugunsten der aufgelösten Sternenwolke dahin. Aber sogar bei 456x,
der höchsten mit meiner Ausrüstung möglichen Vergrößerung, bleibt ein ovaler Rest des zentrums,
der nicht aufgelöst werden kann, ganz im Gegenteil zu M13 oder M5.
NGC 7009, der Saturnnebel, steht noch recht tief. Erst ab 163x ist er deutlich nichtstellar,
bei 228x ein verwaschenes, grünblaues Scheibchen, das leicht E-W-elongiert ist. Der planetarische
Nebel NGC 7009 ist auffallend klein!
NGC 7331 im Pegasus, eine edge-on-Galaxie, die leicht zu sehen ist. Allerdings das in der Nähe
befindliche Stephan's Quintett ging nicht. Das muß ich bei besserem Himmel immer und immer mal
wieder probieren. Vielleicht in Dänemark mit dem Optimus? (LOL)
M72 und M73 hab ich im Horizontdunst vergeblich gesucht - 20 Minuten lang, dann wars eins und wir
warn recht müde, außerdem hatte in der letzten halben Stunde die Konzentration rapide nachgelassen -
immer ein untrügliches Zeichen dafür, die Spechtelnacht zu beenden.
Das war nun erstmal für einige Zeit der letzte Bericht, da es jetzt drei Wochen in Urlaub geht:
Nach Bornholm, eine dänische Insel in der Ostsee; da es angeblich in Dänemark abseits großer Städte
noch recht dunklen Himmel geben soll und auf Bornholm keine größeren Städte sind, darf Optimus I
mit einigen Okularen, dem Karkoschka und dem Stoyan mit. Sogar ein Beobachtungsheft werd ich mitnehmen.
Viele Grüße und noch viel mehr schöne und sternklare Nächte Euch allen,
Markus
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