An diesem schönen Spätsommertag sollte der 10-zöllige Lord Rosse mal wieder an
die frische Luft dürfen. Zu Anfang lag allerdings die Grenzhelligkeit bei mageren
4mag8 in etwa, weshalb ich erst etwas später nach einigem Standardobjektgespechtel
dann vernünftigeres beobachtete, aber trotzdem nur Hausmannskost. Für mehr hats
einfach himmelsmäßig nicht ganz gereicht.
Auch merkt man, daß der Spätsommer schon etwas kühler ist:
warens zu Beginn des Beobachtens um 22:00 noch 23°C, so kühlte es bis 1 Uhr nachts doch
schon auf 17°C runter. Da brauchts dann schon ne langärmlige Fleece-Jacke.
Für alle jetzt aber erstmal im Telegrammstil die Beobachtungsdaten:
Teleskop:
Meade Starfinder 10" Newton auf äquatorialer Montierung mit 2-Achsensteuerung
Hauptspiegelbrennweite 1140mm, Öffnungsverhältnis von 1:4,5
Strehl-Wert: 88%
Okulare:
26mm-Super-Plössl von MEADE, Serie 4000 (44-fache Vergrößerung)
7mm orthoskopisches Okular von Celestron (163-fache Vergrößerung)
6,3mm-Kellner von Bresser (180-fache Vergrößerung)
5mm Eudiascopic von Baader (228-fache Vergrößerung)
Sonstiges:
2x-Barlowlinse, Celestron ultima, 3-linsiger Achromat mit Luftspalt
Baader Skyglow Filter
Binokular:Bresser Saturn Zoom, 9-27 x 56
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Zeitpunkt:
Dienstag, 28. August 2001, 22:00-01:00
Visuelle Grenzgröße:
ca. 4,8 mag, später 5,0mag
Durchsicht:
befriedigend
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Doppelsterne:
Delta Cygni
Galaxien:
NGC 7331, Stephan's Quintett, M31, M32, M110, M33
Kugelsternhaufen:
M15
Offene Sternhaufen:
h+chi, M52
Planetarische Nebel:
M27, M57, M76
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NGC 7331 ist bei 44x schwach als N-S-gerichtete Galaxie zu sehen, vor allem bei 88x
gut erkennbar, aber summa summarum ist der Himmel heute nicht optimal.
Dies zeigte sich auch an einem relativ flauen M27. Den hab ich ja im 4,5er schon
besser gesehen!
M52, ein offener Sternhaufen, macht natürlich bei 10" Öffnung schon echt was her.
Im 70mm-Refraktor die Einzelsterne mehr oder minder an der Wahrnehmungsgrenze. Und hier
ein bei 88x fast halb bildfeldfüllender, recht kompakt wirkender Sternhaufen mit rund
50 weißen Einzelsternen, die alle in kurzen Ketten gruppiert sind. Der hellste der Sterne
ist orange. Vielleicht ja ein Vordergrundstern, der gar nicht zur M52-Population gehört,
da komplett andrer Farbindex. M52 wirkt vom Umriss her dreieckig.
Danach ein erneuter Versuch, Delta Cygni zu knacken. Mit allen Okular- Skyglow- und
Barlow-Kombinationen ist aber der Begleiter nirgends zu finden. Vielleicht doch ein Fall
für nen 6"-Refraktor?
Dann mußte natürlich wieder ein Erfolgserlebnis her. Und das gabs in Gestalt von M57.
Bei 44x ein total hell strahlendes Ringelchen, das einfach Lust auf mehr macht! Also
gleich mit 228x ran an den Knaben. Einfach toll. Ein ovaler Ring, innen eindeutig grau,
der nördliche Außenrand besonders hell, auch der südliche Außenrand wirkt etwas heller,
ESE steht ein schwaches (12m) Sternchen. Bei 326x blitzt im südöstlichen Ringbereich
ein Sternchen durch! Einfach genial!
M57 bei 228x am 10"-Newton, f=1140mm
Hiervon verwöhnt hab ich nochmals einen Besuch bei NGC7331 gemacht, was jetzt etwas besser
ging. Bei 228x ist sie deutlich langgestreckt, vor allem bei indirektem Sehen. Das 7er Ortho
liefert heute an NGC7331 den besten kontrast, das Zentrum scheint etwas westlich der Galaxie-
längsachse zu sitzen, wunderschön auch der etwas lichtschwächere Halo. Von Stephen's Quintett
war aber durch alle Vergrößerungen durch nichts zu finden.
M31 wartet mit ihrem extrem hellen Kern auf, M32 ist bei 44x schon als runder, sehr heller
Watteball zu sehn, bei 228x ist M32 immer noch extrem hell im Kern, die Galaxie ist ganz
leicht, vielleicht 3:4, in N-S-Richtung elongiert.
M110 ist ebenfalls eindeutig zu sehen, relativ groß, rund und mit niedriger Flächenhelligkeit,
die einfach keine weiteren Details erkennen läßt.
Nun gabs noch eine Premiere: M76, der kleine Hantelnebel, den ich letztes Jahr in der sternreichen
gegend vergeblicht gesucht hab, ist bei 44x ein länglicher kleiner Nebelfleck, der tailliert wirkt
und damit echt wie eine kleinere Version von M27 aussieht. Bei 163x allerdings sieht man deutlich,
daß M76 nicht tailliert ist, sondern daß der planetarische Nebel mittig eine etwas weniger helle
Stelle besitzt, die in quasi in zwei Hälften teilt. Dieses Objekt schreit förmlich nach dem UHC.
Aber Bärbel ließ sich nicht erweichen - der kommt erst nächste Woche, zu meinem Geburtstag,
aus dem Schrank. Wenn's dann nicht regnet...
M15 steht bei 189x und 228x schon sehr weit ins Zentrum aufgelöst im Okular, mit einigen recht schönen
Sternenketten - tausende von Einzelsternen, einfach super.
Zum Schluß gings dann noch über M33 zu h und chi:
erstaunlicherweise war M33 bei 44x eindeutig als runder Nebel zu sehen, der nach außen blasser wird,
wie ein gaaanz hauchzarter Kugelsternhaufen, bloß halt größer. 88x zeigt M33 auch noch so gut, nur
wird trotzdem nicht mehr an Detail sichtbar. Mich wunderts, daß M33 bei den 5m0-Bedingungen
(der schwächste kastenstern in UMi ging grade noch so mit angestrengtem hinschaun) doch so gut
rüberkam, da hab ich bei klarerem Himmel schon weniger - nämlich nichts - gesehen. Seltsam.
Den Abschluß bildete dann das Pracht-und Prunkpaar h und chi, bevor ich, begleitet von einem ebenfalls
prächtigen Igel, Lord Rosse wieder in sein Gemach geleitete.
Viele Grüße und noch viel mehr schöne und sternklare Nächte Euch allen,
Markus
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