Am Samstag war um 22:05 die Saturnbedeckung durch den Mond angesagt.
Der Wetterbericht sagte in den Donauniederungen zähen nebel voraus, jedoch
bereits am frühen nachmittag ward es sonnig, die Nebel lösten sich nach und
nach auf. Da dieser Zustand sich auch bis in die Abendstunden hielt (meist
kommt der nebel bei uns nach einem Sonnentag erst nach Mitternacht), wurde
natürlich der zehnzöllige Lord Rosse aktiviert.
Für alle jetzt aber erstmal im Telegrammstil die Beobachtungsdaten:
Teleskop:
Meade Starfinder 10" Newton auf äquatorialer Montierung mit 2-Achsensteuerung
Hauptspiegelbrennweite 1140mm, Öffnungsverhältnis von 1:4,5
Strehl-Wert: 88%
Okulare:
26mm-Super-Plössl von MEADE, Serie 4000 (44-fache Vergrößerung)
7mm orthoskopisches Okular von Celestron (163-fache Vergrößerung)
6,3mm-Kellner von Bresser (180-fache Vergrößerung)
5mm Eudiascopic von Baader (228-fache Vergrößerung)
Sonstiges:
2x-Barlowlinse, Celestron ultima, 3-linsiger Achromat mit Luftspalt
Baader Skyglow Filter
Binokular:Bresser Saturn Zoom, 9-27 x 56
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Zeitpunkt:
Samstag, 03. November 2001, 19:00-00:00
Visuelle Grenzgröße:
ca. 4,5 - 5 mag
Durchsicht:
gut
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Doppelsterne:
Iota Cassiopeiae; Gamma Andromedae
Galaxien:
NGC 7331
Kugelsternhaufen:
M15
Offene Sternhaufen:
-
Planetarische Nebel:
-
Sonstiges:
Saturnbedeckung durch den Mond, Jupiter
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Was macht man, um sich die Wartezeit auf ein solches Ereignis zu verkürzen?
Mit den Objekten des Monats beginnen! Vor dem Erscheinen des Mondes
hinter dem Nachbarhaus erstmal die Galaxie NGC 7331. Sie ist bei 44x als
längliches graues Flecklein zu sehen. Besser ist sie bei 228x und 180x zu erkennen,
wo der helle Kern deutlich von einem NW-SE-elongierten Halo umgeben ist,
der etwas östlich vom Kern sitzt, soll heißen: der Kern der Galaxie ist nicht
mittig sondern in Richtung der kleinen Galaxienachse leicht nach Westen versetzt.
Iota Cassiopeiae ist im Zehnzöller immer ein wundervoller Anblick. Das Dreifachsystem
steht so richtig plakativ im Okular: Drei im 120°-Winkel zueinander stehende Sterne, die
beiden helleren bläulichweiß, der schwächere, weiter entfernte gelblichgrau.
Gamma Andromedae ist zwar kein schwieriger Doppelstern (2m2,4m9,9,6") und
schon bei 44x eindeutig trennbar - aber: man muß ihn sich mal bei 180facher Vergrößerung
genauer betrachten: da wirkt dieses phantastische Sternpaar so plastisch, man meint,
förmlich zu sehen, wie sich beide Begleiter gegenseitig umkreisen! Die Hauptkomponente
ist strahlend goldgelb, der um einiges schwächere Begleiter leuchtet in einem eigenartig
kühlen violetthellblau. Gerade die eigentümlich pastellige und dennoch intensive Farbgebung
der B-Komponente machen Alamak zu einem der schönsten Doppelsterne überhaupt!
Nun wurde der Mond am Himmel immer dominanter und so gabs erstmal eine große
Kanne starken Assam-Tee, um sich fit zu halten. Nebenbei richtete ich die Kamera für
Okularprojektion mit dem 7mm orthoskopischen Okular her, bestückte sie mit Kodak Gold
Ultra 400. Die Äquivalentbrennweite wählte ich zu 15000mm, was einem Öffnungsverhältnis
von 1:59 entsprechend einer Belichtungszeit von knapp einer Sekunde für Saturn ergibt.
Dank des weiten Belichtungsspielraums chemischer Filme zeigen die Bilder Saturn gut
ausbelichtet, wobei auch der Mond nicht überbelichtet ist. Im Rahmen dieses Berichts
zeige ich die verkleinerte Version der Bilder, die großformatige Version zeige ich in
der Galerie.
Aber nun zur ersten Beobachtung des Ereignisses um ca. dreiviertel zehn:
Im 26er Okular mit ca. 1,2° wahrem Gesichtsfeld ist neben dem Mond schon wunderbar scharf
der Ringplanet zu sehen. Etwas später, asl sich die beiden Himmelskörper schon stärker
genähert hatten, riskierte ich einen Blick bei 228x: Saturn mit diversen Farbabstufung auf
seiner Kugel schwebt majestätisch im Raum, direkt neben dem übermäßig großen Mondrand.
Ein wahrhaft erhebendes Schauspiel gibts hier also zu sehen. Im Foto sieht das ganze dann
so aus:
Saturn beim Mond, 400 ASA, 1 sec, f=15000mm, d=254mm
Zügig nähert sich der Mond immer mehr dem Ringplaneten, was sich auf der Mattscheibe des Fotoapparates
wunderbar beobachten läßt:
Weiter geht es mit der Annäherung:
Mittlerweile berührt das Ringsystem schon den Rand der Mondscheibe:
Innerhalb weniger Sekunden ist Saturn dann schon zur Hälfte verschwunden:
Schaut nur noch ein Ring heraus :-)
Nun, eine Stunde später sollte Saturn jenseits dieses Terminatorabschnitts wieder auftauchen:
Und siehe da, da war er wieder!
Und so sah das ganze bei "nur" 2280mm Brennweite aus, nachdem das Spekatakel schon eine
Viertelstunde vorbei war:
Saturn nach der Mondbedeckung, f=2280mm, d=254mm, 400 ASA, 0,2sec
Wie gesagt gibt es in der Galerie die großformatige Version der Bilder!
Nach der Bedeckung konnte ich Saturn noch einige Zeit bei 456-facher Vergrößerung richtiggehend genießen,
verschiedenste Bänder auf der Planetenkugel waren sichtbar, der Crepering, der innere Ring, die Cassiniteilung,
und der äußere ring in verschiedenen Helligkeitsabstufungen samt Enckeminimum, ganz draußen sogar noch
eine zweite, schwächere Verdunkelung des Ringsystems...
Die Schattenspiele zeigten sich ausgestantzt scharf.
Solchermaßen auf den Geschmack gebracht, wandte ich mich Jupiter zu, und ich sollte mit dessen Beobachtung
mit einem weiteren Highlight belohnt werden!
Auch hier war aufgrund des enorm guten seeings 456-fache Vergrößerung ein Muß, gern wär ich noch höher gegangen,
aber 5mm Okular + 2x Barlow bringen bei 1140mm Spiegelbrennweite halt nicht mehr.
Das SEB ist heuer deutlich zweigeteilt! Sehr schön zeigt sich dies nach der Optimierungsaktion, den Tubus mit schwarzem
Samt auszuschlagen! Hatten bisher die bei 10" schon extrem hellen Planeten praktisch ihre feinsten Details selbst
überstrahlt, zeigte sich das SEB und das NEB jetzt in sattem, dunklen Eichhörnchenbraun! Die zweiteilung des SEB war
so eindeutig zu sehen wie Verdickungen, Wirbel und Helligkeitsunterschiede im NEB, auf dessen Nordseite sich eine
auffallend hellcremefarbige, runde Delle zeigte. Südlich des SEB waren noch drei weitere ockergelbe Bänder zu sehen
und auch nördlich des NEB zeigten sich noch zwei gelblichgraue Bänder sowie der Schatten über der Nordpolregion.
Daß die Monde schöne Scheibchen sind, ist bei dieser Detailfülle fast schon nebensächlich.
Die Planetenbilder, die mir der kontrastoptimierte Newton in diesem Herbst bisher gezeigt hat, sind wirklich fast schon
übermenschlich scharf und detailreich, Fotos dieser Qualität muß man lange suchen! Gespannt bin ich da natürlich
auch schon auf Schattendurchgänge und Monddurchgänge am größten der Planeten! Dies war mal wieder eine absolut
geniale Beobachtungsnacht, in der eines klar wurde: Wir haben eines der schönsten Hobbies der Welt!
Viele Grüße und noch viel mehr schöne und sternklare Nächte Euch allen,
Markus
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