Hallo Sternenfreunde!
Zwar zogs gestern den ganzen Tag über zu, doch so gegen Nachmittags um 3
klarte es zusehends auf! Während Bärbel abends eine frische Lasagne brutzelte
(vorm Spechteln ist eine Stärkung nie verkehrt), hab ich schon mal den
dicken Lord Rosse rausgestellt, schön alles ausbalanciert und die Warmduscher-
zweiachsensteuerung ;-) aligned.
Also alles Bingo und es konnte losgehen. Aber halt! Natürlich muß der Spiegel
noch auskühlen. Währenddessen könnte man sich ja schon mal einen Aperitif und
dann die schmurgelnde Lasagne einverleiben. Gesagt getan.
Natürlich wurde auch gespechtelt. Was, steht wie üblich in nachfolgender
Übersicht:
Teleskop:
Meade Starfinder 10" Newton auf äquatorialer Montierung mit 2-Achsensteuerung und digitalen Teilkreisen
Hauptspiegelbrennweite 1140mm, Öffnungsverhältnis von 1:4,5
Strehl-Wert: 88%
Okulare:
26mm-Super-Plössl von MEADE, Serie 4000 (44-fache Vergrößerung)
12,5mm orthoskopisches Okular von Vixen (91-fache Vergrößerung)
7mm orthoskopisches Okular von Celestron (163-fache Vergrößerung)
6,3mm-Kellner von Bresser (180-fache Vergrößerung)
5mm Eudiascopic von Baader (228-fache Vergrößerung)
Sonstiges:
2x-Barlowlinse, Celestron ultima, 3-linsiger Achromat mit Luftspalt
Baader Skyglow Filter
Astronomik UHC-Filter
Binokular:Bresser Saturn Zoom, 9-27 x 56
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Zeitpunkt:
Samstag, 08. Dezember 2001, 20:00-01:00
Visuelle Grenzgröße:
ca. 4,8 mag, später 5,0mag
Durchsicht:
befriedigend bis gut
Seeing:
gut, stellenweise sehr gut
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Doppelsterne:
Theta Aurigae
Galaxien:
M33, NGC404
Kugelsternhaufen:
M15
Offene Sternhaufen:
h+chi, M36, M37, M38, NGC1907, M35, NGC2158, NGC2266
Gasnebel:
NGC1931, M42/M43
Planetarische Nebel:
M1, NGC2392
Sonstiges:
Jupiter (Europavorbeigang), Saturn
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Begonnen hab ich diesmal mit einer Objektgruppe, die in letzter Zeit immer
etwas zu kurz kamen - den Galaxien. Den Auftakt bildete M33, die Triangulum-
galaxie. Schon bei 44x ist sie erstaunlich gut als diffuser, runder Fleck zu
erkennen, sein Durchmesser dürfte etwa ein Viertel Grad betragen: es ist also
lediglich das zentrum von M33 zu sehen. Bei 91x im 12,5er Ortho sieht man etwas
mehr, so 0,3 Grad dürften es durchmessermäßig schon sein, vielleicht auch ein
bißchen mehr. Hier wirkt M33 schon leicht grieselig. Den Schub bringt aber -
wer hätte es gedacht - der Skyglowfilter, der mich zusehends mehr und mehr
überzeugt. Grade an Galaxien mit nicht so hoher Flächenhelligkeit hat mir dieses
Violett Multibandfilter schon öfters das nötige Quäntchen an Detailinformation
geliefert. So auch heute: Mit Skyglow wirkt M33 stark granulär, zum Zentrum hin ist
ein deutlicher Helligkeitszuwachs zu erkennen. In M33 selbst werden bei längerem
Betrachten auch hellere Bereiche sichtbar!
Nun folgte ein absolutes Galaxienhighlight. In Andromeda in ganz prominenter Lage
unmittelbar nordwestlich des Sterns beta Andromedae, liegt die Galaxie NGC404,
genannt Mirach's Ghost. Schon bei 44x ist sie eindeutig als relativ helle, runde
Galaxis NW von Mirach zu sehen. Sie bildet mit Mirach und einem Nachbarstern von
Mirach ein fast gleichseitiges Dreieck. Bei 91x kommt NGC404 noch besser als runde,
vielleicht 4:5 elongierte, leicht grieselige Nebelscheibe raus! Dieses Objekt ist
absolut sehenswert und wirklich ein Geheimtip. Sie müßte mit 4"-5" bestimmt schon
machbar sein, denn ihre Flächenhelligkeit ist relativ gut, jedoch in Thomas'
Optimus konnte ich sie beim besten Willen gestern Abend nicht erkennen. 70mm Öffnung
sind dafür dann wahrscheinlich doch zu wenig. Aber im 10-Zöller hat mich diese
Galaxie so fasziniert, daß ich unbedingt eine Zeichnung machen mußte.
NGC 404 am 8.12.2001; 10"-Newton f=1140mm bei 91x
Aber nicht nur Galaxien sind interessant, auch unsre Nachbarn im Sonnensystem haben
einiges zu bieten, wenn das seeing gut ist. Gestern war das seeing ja grauenhaft,
siehe mein Bericht von gestern, aber heute war das seeing gut und stellenweise sogar
sehr gut! Und zudem zog Jupiter mal wieder fast alle Register - Jupiter pleno sozusagen.
Über die Unmengen an Bändern, Verdickungen, Verwirbelungen und Bandaufspaltungen auf
Jupiter in den unterschiedlichsten farbtönen von Dunkelrostbraun bis lachsrosa will ich
ja schon nichts mehr schreiben. Seit ich den Tubus mit Samtvelours ausgelegt habe, hat
die Qualität der Planetenabbildungen einen wahren Qunatensprung vollführt! Aber Europa
hatte ja heut ein richtiges Schauspiel zu bieten! Er stand schon kurz östlich vor der
Planetenscheibe und sein Schatten war als deutlicher, runder, pechschwarzes Pünktchen
auf dem SEB zu sehen. Doch was ist das? Direkt westlich anschließend dem Schatten
teilt sich das SEB zu einem weiten Oval, das sich auf ungefähr ein Viertel der sicht-
baren Länge des SEB erstreckt. Dieser Wirbel kann eigentlich nur der große rote Fleck
sein! Überdeutlich wie gesagt weitet sich das SEB zu einem Oval, das lachsrosa meliert
strukturiert ist. Umrandet ist das Oval von einem dunkleren ovalen Streifen, der eher
ins altrosane bis leicht bräunliche changiert! Bärbel meinte, das sehe aus wie eine
klaffende Wunde! Ziemlich genau, mit dem Eintritt Europas vor die Jupiterscheibe durchquert
der GRF die Jupitermitte. Die Strukturen sind in einer plastischen Deutlichkeit zu sehen,
da kommt kaum ein Foto hin! Ach ja, die Vergrößerung lag bei 228x, teilweise bei 456x.
Europa ist vor der Jupiterscheibe als silbrigweißer Mond zu sehen, der etwas dunkler
umrandet ist - wahrscheinlich die weniger stark beleuchteten Randbereiche. grad dieser
Helligkeitsverlauf macht es aus, daß Europa vor dem SEB richtiggehend wie eine Kugel
rüberkommt! Einfach genial!
Bei 456x ist der Mond Ganymed schon richtiggehend "groß". Kann es sein, daß der Kerl nicht
ganz rund ist??? Mir kam es - Jupiter aus dem Bildfeld geschubst - und nur Ganymed im Visier,
so vor, als wär Ganymed etwa 2:3 länglich, wobei die Längsachse um vielleicht max 30°
zur Umlaufebene gekippt wäre. Irgendwie, wie wenn er schräg im Raum hängen würde. Kann
das sein, und wenn ja, ist sowas überhaupt beobachtbar?? Wie gesagt, 456x-Vergrößerung
am 10"-Newton. Bei den hohen Vergrößerungen ist natürlich eine nachgeführte parallaktische
Montierung ein absoluter Segen. Vorsichtig fokussieren - bei 456x wir der Fokussierweg
schon elend kurz - und dann einfach minutenlang nur Schauen, ohne das Rohr zu berühren -
ohne Ruckelei, ohne Zittern, ohne Schwingungen. Wie aus dem Raumschiff! Einfach genial!
Saturn bei 456x hätt meinem Nachbarn fast die Sprache verschlagen. Spontane Frage von
Thomas: Wie viele Ringteilungen sind das jetzt eigentlich? Drei oder vier? Man muß
dazusagen, Thomas ist ein relativ unerfahrener, Optimus-besitzender Fünfmalimjahr-
Gelegenheitsspechtler. Und über die vielen verschiedenfarbig abgestuften cremefarbigen,
beigen und olivgrünen Wolkenbänder auf Saturn haben wir uns natürlich auch riesig
gefreut - ein einfach wunderbarer Anblick. Und die Helligkeitsabstufungen im äußeren Ring
so deutlich, das ist echt gänsehautverursachend!
Nach den beiden Gasriesen gabs als Entspannung erstmal einen Doppelstern. Der ist
zwar auch nicht der leichteste, aber was soll's. Die Rede ist von Theta Aurigae. Bei 180x
im 6,3er Kellner sieht man einen gleißend hellblauen Stern, knapp NNW steht ein deutlich
schwächerer, ebenfalls blauer Begleiter. (2m7;7m1;3,6")
Nun gings weiter mit deep sky. Der Gasnebel NGC1931 ist bei 91x schön als kleiner Nebel
um einen Stern zu sehen, fällt auch im Übersichtsokular schon auf. Mit UHC wird der
Kontrast natürlich etwas besser.
M36 ist wunderschön und strahlend hell mit seiner zentralen Sternenkette, zeigt aber auch
nicht mehr Sterne wie der 5-Zöller. Hier gibts anscheinend wirklich keine schwächeren
Sterne, die nicht auch der 5-Zöller schon aufgelöst zeigen würde. Ein Performancegewinn
ist aber an M37 zu sehen, zig weiße Sterne zeigen sich, dahinter winzigste kleine Lichtpünktchen
und genau mittig verstrahlt eine auffallend orangefarbene Sonne ihr warmes Licht. Ein
fast unwirklicher Anblick. Bei Steigerung von 44x auf 91x wird der Sternenschneesturm
wirklich unüberschaubar!
Besonders schön kommt aber auch M38 rüber, der eben zusätzlich zu den hellen Sternenketten
auch noch zahlreiche schwächere Sternchen zeigt. Und als herber Kontrast der schwächere,
dafür aber sehr viel mehr kompakte NGC1907. Dieser läßt sich bei 91x in rund 15 orange
locker gestreute Sternchen auflösen. Wunderbar.
Auch NGC2158 SW von M35 wird bei 91x schon leicht angelöst - er wirkt seutlich grieselig bis
granulär. Allerdings für die Sichtung expliziter Einzelsterne reichts - zumindest heute -
noch nicht ganz. Der Himmel ist auch nicht ganz so transparent wie gestern.
Das zeigte sich auch am Krebsnebel M1, der heute echt mimöschenhafte Allüren zeigte.
Es brauchte schon 10", um an M1 ähnliches zu sehen wie gestern im 5-Zöller! Der 5-Zöller
ließ heute M1 grade halt so erkennen. Also M1 nicht weiter erwähnenswert heute.
NGC2392, der Eskimonebel fällt bei 10" auch im Übersichtsokular bei nur 44x sofort als
türkises, pelziges Sternchen auf. Bei 228x ist wunderbar der in Nedel gehüllte Zentral-
stern zu sehen, mit UHC erkennt man ein ausgedehntes, helleres Zentrum und drumherum
ein Haloband, das - abgestuft gegenüber dem zentralbereich - deutlich weniger hell ist.
Quasi ein hellgraues Scheibchen umhüllt von einem dunkelgrauen Band.
NGC 2266 ist ein zwar nicht besonders heller, trotz dem aber lohnenswerter offener
Sternhaufen in den Zwillingen. Im Übersichtsokular fällt zunächst ein dreiecksförmiges,
diffuses graues Fleckchen auf. Bei 91x zeigt sich ein dreieckiger Sternhaufen mit leicht
nach innen gebogenen Begrenzungslinien, es sind rund 30 Einzelsterne zu sehen. Auf der
Südseite ist er von einer etwas helleren, leicht gebogenen Sternenkette begrenzt. Da
NGC2266 in Einzelsterne aufgelöst werden kann, macht auch 163x noch Sinn, da hier
zwar die ienzelsterne ihre helligkeit beibehalten, der Himmel aber weiter abgedunkelt
wird. Hier zeigt sich dann ein bildfüllendes, dreieckiges, weitmaschiges netz aus rund
30 schwachen, grauen Mini-Sternpünktchen.
Zum Schluß haben wir dann noch M42/M43 mit UHC im Zehnzöller bestaunt und einfach genossen.
Sowas von verboten Giftgrün und detailreich, sowohl bei 44x als auch bei 91x, das
ist nicht in Worte faßbar. Vielleicht sollte ich da mal eine farbige Zeichnung anfertigen.
Bei 91x im 12,5er Ortho ist das Trapez trotz UHC schon als deutliche 4 Sternchen
zu sehen. Bei optimaler Himmelstransparenz werde ich mal mit noch höherer Vergrößerung
nach den Komponenten E und F Ausschau halten.
Jetzt wars mir aber langsam zu kalt, auch zogen jetzt ein paar Hochnebelbänke durch.
Bei -5°C wars eh ein langer und ausgiebeiger Spechtelabend, der uns aber aufgrund
der vielen tollen und unvergeßlichen Eindrücke die Kälte gar nicht richtig spüren ließ.
Viele Grüße und noch viel mehr schöne und sternklare Nächte Euch allen,
Markus
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