Hallo Sternenfreunde!
Klar war's am Freitag und fast so bitterkalt wie am Donnerstag: Sanken die
Temperaturen am Donnerstag bis an die -15°C, was mir nur für einen kurzen
Test zweier potentieller neuer Okulare Zeit finden ließ, konnte man sich bei
den gestrigen -11°C bei klarem Himmel schon mal mit dem dicken Lord Rosse
in den Garten wagen. Wie schon erwähnt: zwei neue Okulare sollten getestet
werden, da ich für mittlere Vergrößerungen noch ein deep sky - Okular brauche.
Das schon länger bestellte 17er Erfle wird nun endgültig nicht mehr produziert, so
daß ich ersatzweise ein 17er Antares Superplössl und ein ca. 13mm WA von
INTES zum Testen bekommen hab. Das INTES-Okular ist ein Erfle mit ca. 70°
Eigengesichtsfeld und - wie wir noch sehen werden - erstaunlichen Eigenschaften!
Hier aber erstmal die Randbedingungen und die beobachteten Objekte, die
zumeist nicht zum Standardrepertoire gehören. Auch hier kann ich einige äußerst
interessante Dinge berichten, kurzum, es war ein äußerst aufschlußreicher
Ausflug ins Weltall!
Teleskop:
Meade Starfinder 10" Newton auf äquatorialer Montierung mit 2-Achsensteuerung und digitalen Teilkreisen
Hauptspiegelbrennweite 1140mm, Öffnungsverhältnis von 1:4,5
Strehl-Wert: 88%
Okulare:
26mm-Super-Plössl von MEADE, Serie 4000 (44-fache Vergrößerung)
17mm Antares Superplössl "APO Series"
~13mm WA von INTES
12,5mm orthoskopisches Okular von Vixen (91-fache Vergrößerung)
7mm orthoskopisches Okular von Celestron (163-fache Vergrößerung)
6,3mm-Kellner von Bresser (180-fache Vergrößerung)
5mm Eudiascopic von Baader (228-fache Vergrößerung)
Sonstiges:
2x-Barlowlinse, Celestron ultima, 3-linsiger Achromat mit Luftspalt
Baader Skyglow Filter
Astronomik UHC-Filter
Binokular:Bresser Saturn Zoom, 9-27 x 56
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Zeitpunkt:
Freitag, 14. Dezember 2001, 22:00-01:30
Visuelle Grenzgröße:
ca. 5,0 mag
Durchsicht:
befriedigend bis gut
Seeing:
-
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Doppelsterne:
Tau Tauri
Galaxien:
-
Kugelsternhaufen:
-
Offene Sternhaufen:
NGC1746, NGC1807, NGC1817
Gasnebel:
M42/M43
Planetarische Nebel:
NGC1514, M1
Sonstiges:
-
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Nachdem ich gestern beide Okulare schon kurz mit dem 130er Newton Nachtelflein
angetestet hatte, wollte ich sehen, wie randscharf das ca. 13er Erfle am schnellen Newton
Lord Rosse mit seinem Öffnungsverhältnis von 1:4,5 ist. Auch wollte ich einige bis dahin
von mir noch nie beobachtete Objekte im Stier beobachten. Als erstes hatte ich mir
NGC1514 ausgesucht, einen planetarischen Nebel an der nördlichen Grenze des Taurus
zum Sternbild Perseus. Seine Helligkeit wird im NSOG mit 10m9 angegeben. Als erstes
fällt bei diesem Objekt der überdurchschnittlich helle Zentralstern auf, der von einem
zarten, kreisrunden Nebel umkränzt wird. Bei 44x ist indirekt erkennbar, daß um diesen Stern
"noch was rum ist". Das neue INTES WA aber zeigt eine Bildbrillanz und Helligkeit, die ich
bisher bei noch keinem Okular gesehen habe. Trotz höherer Vergrößerung von ca. 88-fach
hebt sich der runde Nebel viel deutlicher vom Hintergrund ab - mit UHC steigert sich das
ganze zu einem unvergeßlichen Erlebnis. Dieser planetarische Nebel lebt davon, daß er mit
etwa 2 Bogenminuten schon recht groß ist und somit einen schönen Helligkeitsverlauf zum
Rand hin zeigt. Die Helligkeit des Nebels verliert sich langsam von innen nach aussen.
NGC1514 am 14.12.2001, 10"-Newton, f=1140mm bei ca. 88x mit UHC
Darüberhinaus hat man den Eindruck, daß exzentrisch neben dem Zentralstern noch ein
zweites Sternchen im Nebel sitzt. Das 17er Superplössl, das etwas weniger vergrößert
als das WA, zeigt zwar ebenfalls sehr scharfe Sterne und einen dunklen Himmelshintergrund,
der planetarische Nebel als sehr zartes Gebilde kommt einfach nicht durch. Aber auch ein
12,5er Vixen Ortho verschluckt NGC 1514. Das WA zeigt ihn deutlich, auch wirken hier die
Sterne fast 0,5mag heller. Erstaunlich! NGC 1514 ist aber auf jeden Fall ein highlight des
Winterhimmels!
Der Weg zum nächsten Objekt nimmt seinen Ausgang beim Doppelstern Tau Tauri. Dieser
ist aber für einen Doppelstern fast schon zu weit. Zwei blaue Komponenten sind zu sehen,
die südsüdwestlich gelegenere in etwa zweieinhalb Magnituden schwächer. (4m3;7m1;62,9")
Östlich davon gehts zu dem offenen Sternhaufen NGC1746, nicht der im Karkoschka gelistete
NGC1647! NGC1746 ist ein schöner, knapp 1° großer offener Sternhaufen mit einigen helleren
orangen Sternen und vielen schwachen Hintergrundsternen, die das INTES WA bei ca. 88x
deutlich auflöst. Der Haufen ist bei dieser Vergrößerung formatfüllend. NGC1746 sollte auch
für kleinere Öffnungen ein sehr lohnendes Objekt sein. Ein noch genialeres Objekt ist aber
der Doppelsternhaufen im Stier - die direkt benachbarten NGCs 1807 und 1817. Beide passen
bei 1,25° Gesichtsfelddurchmesser schön gleichzeitig ins Okular. NGC1807, der westlichere,
besteht aus einigen hellen, gelblich bis orangen Sternen und erinnert in der Form etwas an
die Eule in Cassiopeia, NGC457. NGC1817 hingegen besteht aus deutlich schwächeren, dafür
aber sehr vielen, weißen Einzelsternen. Nach Südwesten wird er durch eine gebogene, weit
ausgreifende Sternenkette begrenzt. Die Einzelsterne von NGC1817 füllen im INTES WA das
Bildfeld bis zum rand mit nadelfeinem, weißen Sternenstaub. Dieses famose Okular zeigt nicht
mal bei f/4,5 Randunschärfe. Es ist am Rand nicht schlechter wie ein gutes Superplössl, nur mit
deutlich weiterem Gesichtsfeld. Betrachtet man NGC1817 allein für sich, kann man zig feinste
Sterne erkennen, zum abschätzenden Zählen wars mir dann aber doch etwas zu kalt. Beide,
NGC1807 und NGC1817 in einem Bildfeld, bieten natürlich einen klasse Kontrast. Ähnlich toll
wie h&chi im Perseus, nur 2 bis 3 Größenklassen schwächer aber trotzdem auch was für kleinere
Fernrohre. Das dritte unbekanntere Taurus-Highlight!
Nun stand noch als alter bekannter M1, der Krebsnebel auf dem Programm. Auch dieser zeigte
mir im auffallend hellen Intes-WA einen Detailreichtum, wie ich ihn an M1 bislang noch nicht gesehen
habe und das, obwohl die Durchsicht bestenfalls guter Durchschnitt war! Grade mit dem UHC
verträgt sich dieses Okular hervorragend. M1 steht sehr sehr kontrastreich als länglicher, oval-
kartoffelförmiger Nebel mit deutlich gemottelter Struktur im Okular. Heute bringt der UHC an M1
wieder sehr, sehr viel. So fein sah ich die Strukturen in M1 bis dato noch nie.
Zum Abschluß kam noch M42/M43 ins Visier des sehr hell zeichnenden WA-Okulars. Auch ohne
UHC zeigt sich ein satt grüner Nebel mit den zwei Schwingen, die südöstliche Schwinge ist
deutlich zweigefächert. Das Trapez steht deutlich getrennt als gleißende blaue Sternchen im
Okular und zeigt grob umrissen folgendes Bild:
Trapez in M42, 10"-Newton, f=1140mm bei ca. 88x
An der pink markierten Stelle blitzt ab und an ein Sternchen durch. Könnte das die E-Komponente
sein? Hier bitte ich um zahlreiche Hinweise seitens der Leser dieses Berichts.
Es war zusammenfassend eine äußerst interessante Beobachtungsnacht mit einigen neuen Objekten,
die völlig zu Unrecht viel zu selten besucht werden, denn diese Objekte im Stier sind allesamt als
"Schaustücke" geeignet. Und ein absolut geniales, weil fast schon unwirklich hell zeichnendes deep-sky-
Okular mit sehr gutem Eigengesichtsfeld bei guter Randschärfe hab ich auch endlich gefunden. Dieses
Okular kann bei schwierigen Objekten wirklich zwischen Sehen und nicht Sehen entscheiden!
PS: Das 21er aus dieser Okularserie ist bereits bestellt...
Viele Grüße und noch viel mehr schöne und sternklare Nächte Euch allen,
Markus
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