Hallo Sternenfreunde!
Freitag und Samstag wars nach wie vor klar und so beschlossen wir,
an beiden Abenden den großen Newton im Garten aufzubauen. Die
Temperaturen lagen bei den mittlerweile standardmäßigen Dreizehn
Grad unter Null. Hier steht, was wir womit beobachtet haben:
Teleskop:
Meade Starfinder 10" Newton auf äquatorialer Montierung mit 2-Achsensteuerung und digitalen Teilkreisen
Hauptspiegelbrennweite 1140mm, Öffnungsverhältnis von 1:4,5
Strehl-Wert: 88%
Okulare:
32mm-Plössl von Celestron (36-fache Vergrößerung)
26mm-Super-Plössl von MEADE, Serie 4000 (44-fache Vergrößerung)
~14,5mm WA von INTES
12,5mm orthoskopisches Okular von Vixen (91-fache Vergrößerung)
7mm orthoskopisches Okular von Celestron (163-fache Vergrößerung)
6,3mm-Kellner von Bresser (180-fache Vergrößerung)
5mm Eudiascopic von Baader (228-fache Vergrößerung)
Sonstiges:
2x-Barlowlinse, Celestron ultima, 3-linsiger Achromat mit Luftspalt
Baader Skyglow Filter
Astronomik UHC-Filter
Binokular:Bresser Saturn Zoom, 9-27 x 56
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Zeitpunkt:
Freitag und Samstag, 4. und 5. Januar 2002
Visuelle Grenzgröße:
ca. 5,0 mag
Durchsicht:
befriedigend
Seeing:
gut
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Doppelsterne:
-
Galaxien:
M77, NGC2403
Kugelsternhaufen:
-
Offene Sternhaufen:
NGC2301, NGC2141, NGC2186, NGC2324, NGC2360
Gasnebel:
M42/M43
Planetarische Nebel:
NGC1535
Sonstiges:
Jupiter, unbekanntes Objekt
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Am Freitag hab ich erstmal mit der Seyfert-Galaxie M77 begonnen, die
wegen aufkommenden Dunstes im 32er Plössl bei 36x nur schemenhaft
zu erkennen war. Im Erfle bei 78x ist M77 aber trotz leichtem Dunst sehr,
sehr deutlich zu sehen! Ein auffallend heller, fast sternförmig wirkender
Nukleus ist von einem sehr schwachen, transparenten Halo umgeben,
der im Verhältnis 5:4 ganz leicht N-S elongiert zu sein scheint.
Wegen immer noch leichten Dunstes ist die Nachbargalaxie NGC1055,
obwohl ich deren Position im Bildfeld eindeutig lokalisiert hatte, nicht zu
sehen.
Die Galaxie NGC2403 in Camelopardalis zeigt sich heute nicht besonders
gut. 2 Sterne in einen Nebel eingehüllt, mehr ist nicht zu erkennen. Das
ging Tags zuvor bei besserer Durchsicht mit dem 5-Zöller besser.
Ein Schwenk in das Sternbild Eridanus endet beim planetarischen Nebel
NGC1535. Man erkennt deutlich einen hellen, runden Zentralbereich. Dieser
wird von einer etwas schwächeren Nebelhülle umgeben. (Erfle, 78x, ohne UHC)
Bei 163x mit UHC etwas verschwommener, ohne UHC besser. Teilweise
ist ein Außenring zu sehen. Dieser Eindruck bestätigt sich auch im Erfle bei
78x mit UHC.
Ein besonders schöner Sternhaufen ist NGC2301! Auch dieser ist ein Tip für
kleinere Fernrohre. Ein wundervoll hingestreuter Sternenhaufen an der Kreuzung
zweier Sternenketten. Bei 78x präsentiert der Zehnzöller einen überwältigenden
Anblick: In einer Sternkettenkreuzung sind 40 bis 50 gelbe Sterne angeordnet,
die helleren sind orangefarben. Hier hab ich wieder eine Zeichnung angefertigt:
NGC2301 am 4.1.2002, 10"-Newton, f=1140mm bei 78x
M42 zeigt im 14,5er Erfle, das sich hervorragend mit der Barlowlinse kombinieren
läßt, eindrucksvolle Strukturen. Bei 156x ist die Komponente E im Trapez von uns
beiden eindeutig sichtbar. Die östliche Schwinge greift weit aus bis zum westlichen
zweier heller Sterne. Auch M43 ist gut beobachtbar als ovale Aufhellung um einen Stern.
Jupiter zeigt sich heute auch von seiner guten Seite: die Südpolregion zeigt einige
karamelfarbige Bänder, auch die beiden Äquatorialbänder strahlen in sattem Rostbraun
und zeigen jede menge an Details. 10 Zoll sind wirklich eine eigene Welt bei der Planeten-
beobachtung. Detailfülle, Schärfe und Farbreinheit bis zum ultimo. Einfach nur genial.
Samstag war dann - wieder bei dreizehn Grad Minus - der Tag der offenen Sternhaufen.
Einstieg war diesmal das Sternbild Orion, es ging zu NGC2141, der weder bei niedriger
noch bei mittlerer Vergrößerung mit oder ohne Skyglow zu sehen war. Die Stelle konnte ich
aber aufgrund einer mit CdC erstellten Aufsuchkarte genau lokalisieren. Punktdiskrete
Objekte erfordern mithin hohe Vergrößerung. Bei 228x scheint an der betreffenden Stelle
ein nach NW abgeflachtes Sterndreieck zu sein. In und um dieses Sterndreieck gruppiert
sich etwas Hintergrundnebulosität. Ein Vergleich mit einer Skizze im NSOG bestätigt
mir die "erfolgreiche" Sichtung. Die Durchsichtbedingungen sind heut für diese Objekt-
kategorie einfach nicht gut genug. NGC2141 werd ich bestimmt nochmals besuchen.
NGC2186 ist im Übersichtsokular erahnbar, im Erfle bei 78x verstärkt sich diese Ahnung.
Bei 180x im 6,3er Kellner ist NGC2186 schon teilweise in Einzelsterne auflösbar: eine
kleine, gebogene Sternenkette verläuft durch ein leicht nebulöses Sternengebiet. Auch
dieses Objekt war nicht ganz leicht. Ebenso wie NGC2324. Er liegt SW einer auffallend
strichmännchenförmigen Sternenfigur. erst bei 180x ist indirekt ein ganz feiner Sternen-
schimmer auszumachen. Heute ist nicht der Tag für lichtschwache Objekte. Lange
hab ich in der gegend rumgesucht. Und dabei kam mir etwas sehr seltsames vor die Linse!
Das unbekannte Objekt
Knapp südlich, südwestlich von NGC2324, rund 1°, liegt eine kettenförmige, abgewinkelte
Sternfigur. Einer dieser Sterne, eigentlich der schwächste, ich hätte ihn auf rund 8mag geschätzt,
begann plötzlich orangegolden aufzuleuchten und erreichte etwa 3mag. Ein Helligkeitsausbruch?
Sollte man das in Garching melden. Ich begann, den Stern weiter zu beobachten, um mir seine
Koordinaten einzuprägen. Nach einigen Minuten wieder das Aufleuchten. Er wird innerhalb einer
Sekunde von 8mag auf 3mag hell, bleibt da ein, zwei Sekunden und geht dann langsamer, in etwa
drei Sekunden, wieder auf die Ursprungshelligkeit zurück. Ich wollt schon schaun, wo man sowas
melden kann, beginnt der Stern plötzlich, sich Richtung Osten zu bewegen!!! Mir beibt die Spucke
weg. Für den halben Okulardurchmesser (32er Plössl, ca. 1,45° wahres Gesichtsfeld) braucht der
"Stern" gut eine Minute. Er erscheint etwas länglich in N-S-, also quer zur Flugrichtung.
Plötzlich blinkts wieder im Okular!!! Fliegt von obiger Stelle im Okular nach rechts unten (NO), etwa
60° zur Flugrichtung des anderen Objekts noch ein Objekzt weg, und zwar anscheinend das ursprüng-
liche, das auch schon geblinkt hat. An zwei Stellen seiner NO-gerichteten Bahn blinkt es noch im
Okular. Dieses zweite Objekt bewegt sich ungefähr drei- bis viermal so schnell wie das andre.
Insgesamt hat der Spuk im 1,45°-Gesichtskreis des nachgeführten Teleskops mehrere Minuten
gedauert. Da es praktisch am Himmelsäquator war, vermute ich, daß da wohl ein geostationärer
Satellit installiert wurde. Hier noch eine Skizze des ganzen:
Die technischen Daten: 4. Januar 2002 21:50 MEZ, Standort 93073 Neutraubling, 49,000°N
Wer sinnvolle Hinweise zu der obigen Sichtung hat, möge sie mir bitte zumailen an:
ntl.observatory@freenet.de
Im Gegensatz zu den bisherigen Objekten des zweiten Beobachtungsabends, gab es beim letzten
Objekt, bevor Wolken kamen, richtig was zu sehen. NGC2360 ist schon bei 44x zu erkennen als
westlich eines helleren Sterns hingestreute Lichtpünktchen. Bei 78x kommt das ganze noch schöner
rüber. Bei 156x im Erfle mit Barlow ist für dieses recht schöne Objekt am besten:
Auf ca. 0,25° Durchmesser verteilen sich etwa vier Dutzend locker gestreute, feine, weiße Sternchen.
Wie gesagt zogen jetzt Wolken auf, so daß ich den Frostnachtreigen nach der dritten Session in Folge beendete.
Viele Grüße und noch viel mehr schöne und sternklare Nächte Euch allen,
Markus
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