Hallo Sternenfreunde!
Dreimal schon hatten wir wegen plötzlich einsetzendem Schlechtwetters unseren
Termin verschoben, doch diesmal hats dann doch geklappt: Lots hat Lotz besucht,
und seinen Vixen-Refraktor hat er mitgenommen! Welches astronomische Wechselbad
wir erlebt haben, mit welchen Schwierigkeiten wir zu kämpfen hatten, und wie wir
schlußendlich dann doch noch belohnt wurden, könnt Ihr in nachfolgendem und
recht umfangreichen Bericht nachlesen. Zunächst aber mal tabellarisch die
Randbedingungen, die Telskope, Okulare und eine Zusammenfassung der nicht weniger
als 55 Objekte, denen wir innerhalb von 9 Stunden unseren Besuch abstatteten.
Hier aber noch die beiden "Helden des Tages" Lots und Lotz:
Lots alias Lothar Singer
 Lotz alias Markus Langlotz
Mit gelb hab ich im übrigen Lothars Kommentare in den Text eingearbeitet.
Teleskope:
Vixen 90M Fraunhofer-Refraktor 90mm, f=1000mm f/11 auf EQ-5 und Berlebach-Holzstativ
Atlas 2000 5,1"-Newton 130mm, f=900mm f/6,9 auf Skyviewmon- tierung mit Polsucher
Meade Starfinder 10" Newton auf äquatorialer Montierung mit 2-Achsensteuerung und digitalen Teilkreisen
Hauptspiegelbrennweite 1140mm, Öffnungsverhältnis von 1:4,5
Strehl-Wert: 88%
Okulare: (Vergrößerungsangaben am 10"-Newton)
32mm-Plössl von Celestron (36-fache Vergrößerung)
32mm Superplössl von Antares
26mm-Super-Plössl von MEADE, Serie 4000 (44-fache Vergrößerung)
18mm Intes Erfle
~14,5mm WA Erfle von INTES
12,5mm orthoskopisches Okular von Vixen (91-fache Vergrößerung)
10mm Plössl
7mm orthoskopisches Okular von Celestron (163-fache Vergrößerung)
7mm Kasai Ortho
6,3mm-Kellner von Bresser (180-fache Vergrößerung)
5mm Eudiascopic von Baader (228-fache Vergrößerung)
Sonstiges:
2x-Barlowlinse, Celestron ultima, 3-linsiger Achromat mit Luftspalt
Baader Skyglow Filter
Astronomik UHC-Filter
Binokular:Bresser Saturn Zoom, 9-27 x 56
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Zeitpunkt:
Freitag, 15. Februar 2002, 18:00 - 03:00
Visuelle Grenzgröße:
ca. 4,5 mag, später 5,0mag
Durchsicht:
befriedigend, später gut bis sehr gut
Seeing:
mangelhaft
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Doppelsterne:
Gamma Leonis, Alpha Geminorum, Alpha Canum venaticorum,
Alkor, Mizar, Theta Orionis
Galaxien:
NGC2903, M65, M66, NGC3628, M95, M96, M105, NGC3384, M81, M82, NGC3077, M108, M109, M101, M51, NGC5195, M63, M94, M64, NGC4494, NGC4565, NGC 4725, NGC4559, NGC4631, NGC4656
Kugelsternhaufen:
M3, M53, M13
Offene Sternhaufen:
M35, M36, M37, M38, M44, M45, M48, h&chi, NGC2264,Mel125 (Hyaden), Mel11 (Comahaufen)
Gasnebel:
M42/M43, NGC2261
Planetarische Nebel:
NGC2392, M97
Sonstiges:
Jupiter, Saturn, Mars, Juno
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1. Satz: Introduktion - Allegro
Begonnen hatte alles damit, daß Lothar trotz zahlreicher Staus auf der A3 schon
um 15 Uhr bei uns reinschneite. Ich hatte grade die Säule von der deutschen Montierung
des Zehnzöllers im Garten aufgestellt. So wurde also gleich zügig der ganze Spechtelzoo,
bestehend aus drei Teleskopen aufgebaut: der zehnzöllige Newton auf seiner wuchtigen,
zweiachsengesteuerten deutschen Montierung, der 5,1"-Newton auf der äquatorialen
Skyviewmontierung und der Vixen-90mm-Fraunhofer auf der EQ-5, die auf dem Berlebach-
stativ bombenfest sitzt. Das muß auch so sein, denn, obwohl die kleinste Öffnung im
Vergleich, erscheint der lange Vixen doch am respekteinflößendsten, wie er da auf der
in Augenhöhe befindlichen Montierung seine lange, weiße Nase in den blauen Himmel streckt.
Zügiges Aufbauen also, allegro: hier ein Schräubchen, dort etwas nachjustiert, das Bein noch
etwas genauer nach Norden, da noch ein Kabel. Nach einer halben Stunde hatten wir uns
eine Kanne frisch bereiteten Ceylontee und ein Stück von Bärbels frisch gebackenem Butterkuchen
dann redlich verdient.
Lord Rosse alias MEADE Starfinder 10" EQ
2. Satz: Scherzo - Nach alter Schelmenweise in Rondeauform
Beginnen wollten wir - nach dem Tee - am Jupiter, der als erstes aus der einbrechenden Dämmerung
auftaucht. Außerdem verhieß das Himmelsjahr noch einen Mondaustritt und den Schatten von Io.
Gespannt, wie ich war, wurde die Aktion am Refraktor begonnen. Doch, Till Eulenspiegel war schon vor
uns da gewesen und uns ein miserables seeing beschert! Wie doch der Jupiter mal breit, mal schmal
durchs Okular grinste! Hüpf da, hüpf dort. Aber - hin und wieder, blickweise, war neben dem purpurvioletten
Blausaum auch der Ioschatten zu sehen. Am 5,1"-Newton zeigte sich im Prinzip das gleiche Bild, nur,
irgendwie fehlte der blaue rspektive violette Rand. Nun, im Zehnzöller konnte man wenigsten Io selbst schon
sehen, unmittelbar bevor er sich von der Planetenscheibe selbst loszulösen begann. Aber auch hier waren
vergrößerungen jenseits von 100-fach eher nicht realisierbar.
Beobachtet hab ich zum ersten mal auch einen Planetoiden, nämlich Juno, der sich gegenüber Lothars
gestriger beobachtung schon etwas weiter bewegt hatte.
Juno zeigte gegenüber dem 14., das er um etwa ¼° nördlich gewandert war.
*Sarkasmus ein*
Immerhin war es jetzt so dunkel geworden, daß man die Schleierwolken nicht mehr so deutlich sehen konnte.
*Sarkasmus aus*
Wir begannen, da man die Wolken nicht mehr aber Polaris schon etwas sah, unsre Montierungen endgültig
auszunorden, die Skyview mit dem Polsucher, die Zweiachsensteuerung alignte ich wie gewohnt mit
zwei Referenzsternen. Ach Du Eulenspiegel! Steht Jupiter zur Zeit echt auf einer Deklination von -35°????
Von Jupiter zu M35 schlappe 70° quer über den Himmel??? Das hatte ich noch nie, jetzt ließ mich die
Steuerung wohl im Stich?!? Reset - align - das Gleiche wieder! Ausschalten, zwei Minuten Pause. Alignment -
und - BINGO!!!! Es geht! Ätsch, Till Eulenspiegel...
Zwischendurch wurde auch die Beobachtungsstation von 2 wissensdurstige Jugendliche als Sternwarte genutzt.
Und Jupiter, Saturn, Mars sowie der Orionnebel wurden vorgezeigt. Die Jugendlichen zeigten sich beeindruckt
und werden sicherlich mal wieder hier reinschneien.
So begannen wir, einige prominente offene Sternhaufen abzuklappern. M35 zeigte im Vixen immerhin schon
ein halbes Dutzend Sterne, im Fünfer dero ein Dutzend und im Zehner warens vielleicht sogar 20. Diese
Schleiereulenspiegelwolken! Die Plejaden - quasi der Xenonscheinwerfer unter den Sternhaufen, waren im
32 Antares - Superplössl im Vixen schön nadelpunktfein zu sehen und auch der 5-Zollnewton blamierte sich
nicht, wenngleich die Plejaden im 5-Zöller mehr Farbe zeigten, nämlich hellbau. Wieder ein Blick zu Jupiter
und Saturn, das seeing konnte man heute getrost abhaken. Immerhin kann man sagen, daß der Newton am
Planeten dem recht guten 90 f/11-Fraunhofer nicht nachsteht. Das refraktortypische Schärfeplus macht der
kleine 130er Spiegel durch mehr Öffnung, nicht vorhandenen Farbfehler und etwas höheres Vergrößerungs-
potential wieder wett.
Mit offenen Sternhaufen ging es jetzt weiter, wenigstens etwas helleres, bei dem noch recht verschleierten
Himmel. Nun M37 zeigte, wie alle offenen Sternhaufen, im Refraktor noch etwas schärfere Sternabbildungen
wie der 5"-Newton, der aber die Sterne etwas heller und in höherer Anzahl rüberbrachte. Auch h & Chi im
kleinen Vixen-refraktor eine Wonne im 32er Superplössl, feine Sternabbildungen bis zum Gesichtsfeldrand.
Bei den 1,9° Gesichtsfeld des 5"-Newtons im 32er Plössl zeigten sich die Sterne am äußersten Bildfeldrand
hingegen im direkten vergleich etwas weniger scharf - aber immer noch alles andre als unscharf.
Auch M44 war in allen drei Fernrohren leidlich gut zu sehen. Bei den Aurigasternhaufen schlug dann Till
Eulenspiegel wieder zu: "Ich hab M36 gefunden!" - "Nein, das ist nicht M36, das ist M38. Oder nur eine
Sternassoziation?" Das ist M36!" - "Hmmm?!? Sieht auch nicht anderst aus...." So ähnlich ging es zu:
die Schleierwolken ließen an den offenen Aurigahaufen so wenig Details erkennen, daß man sie echt
nicht mehr voneinander unterscheiden konnte. Gut, daß mittlerweile die Pizza, die Bärbel zwischenzeitlich
bereitet hatte, fertig war!
Lots mit Nachtelflein alias Dörr Atlas 2000
3. Satz: Intermezzo - Adagio
Also erstmal die Pizza. Mit dem Rotwein, den Lothar mitgebracht hatte, ein recht guter Ausgleich für die
bisher eher mäßige Ausbeute. Zwischen Pizza und Nachspeise probierten wir mal M81/M82 sowie
NGC3077, die vor allem im Zehnzöller einiges an Details zeigten. Allerdings ging da auch schon mal
mehr. Erstaunlich, daß der Vixen trotz nur 90mm Öffnung die Galaxien doch schon so deutlich zeigt:
Hier macht der hervorragende Kontrast des geräts doch ein, zwei Zentimeter Öffnung wett.
M81, M82, NGC3077, alle zusammen im 32mm SP Okular, Vixen. Im 18mm Erfle ist NGC3077 sogar direkt
leicht sichtbar. Bildet mit zwei hellen Sternen ein L.
Dann war erstmal die Nachspeise fällig und dann noch ein Espresso zum wieder fit werden. Der Espresso
hatte anscheinend auch den Himmel wieder fit gemacht, denn von nun an (ca. 22:30) wurde die Durchsicht
und die Grenzhelligkeit zusehends besser. Das Aussehen der Jagdhundgalaxie beispielsweise änderte sich
innerhalb von 15 Minuten drastisch, Gott sei Dank zum besseren. Da der Himmel also Besserung zu zeigen begann,
gings gleich mal zu drei Nebelgestalten: Ausgehend vom immer wieder nett anzusehenden Weihnachtsbaum-
sternhaufen NGC2264 ging es unter Lothar's Führung, der mittlerweile das Kommando über den Zehnzöller
übernommen hatte, zu NGC 2261, Hubble's veränderlichem Nebel, ein Objekt, welches ich bisher noch nie
gesehen habe. Fast hätte ich ihn bei 44x im 10er wieder übersehen. Doch da - eindeutig! Bei 78x im Erfle
war er wunderbar zu sehen, ein sich nach Süden öffnender Nebelfächer, an dessen nordwärts weisender
Spitze ein schwaches Sternchen zu sitzen scheint. Ein äußerst interessantes Objekt, das ich sicher öfters
aufsuchen werde!
NGC2261: im 10" deutlich sichtbar. Heller 11m Stern an der Spitze. Fächer Struktur nach Norden laufend bei höherer
Vergrößerung sichtbar. Interessantes Objekt.
NGC2392, der Eskimonebel in den Zwillingen, verträgt auch im 90er Refraktor
einiges an Vergrößerung, die Flächenhelligkeit dieses planetarischen Nebels
ist schon enorm. Im Fünfzöller ist erwartungsgemäß etwas mehr an Details zu
erkennnen, schön wird deutlich, daß es neben dem hellen körnigen Zentralbereich
einen deutlich weniger hellen äußeren Bereich gibt. Im Zehnzöller ist zwischen
dem äußeren und dem inneren Bereich sogar eine Art Dunkelzone zu sehen.
M97, den Eulennebel, haben wir nur im Zehnzöller beobachtet. Bei 44x ist er schon
direkt als relativ großer, körniger kreisförmiger Fleck zu sehen, mit dem
Erfle bei rund 80x wird das ganze noch besser: die Helligkeit der Nebelscheibe
ist über ihre Fläche nicht ganz gleichmäßig verteilt. Mit UHC gibts dann noch
den absolut umwerfenden Kontrastschub: So kannte ich M97 bisher noch nicht!
Eine deutlich granuläre weiße Scheibe leuchtet einem entgegen, bei indirektem
sehen sogar mit etwas weniger hellen Bereichen: Wäre der Himmel noch eine halbe
Magnitude besser gewesen - die Augen der Eule wären sicherlich drin gewesen!
Eskimonebel wunderschön im 10" Newton. Äußere Hülle sowie der Zentralstern deutlich erkennbar.
Schwarze Bereiche dazwischen. Die äußere Hülle wirkt sogar strukturiert, körnig. UHC Nebelfilter bringt keinen Vorteil.
Der Eulennebel war fast kreisrund im 10" zu sehen. Mit UHC besserer Kontrast. Jedoch waren keine Strukturen
innerhalb des Nebels auszumachen, da die Himmelsqualität hier nicht ausreichte.
4. Satz: Finale - Presto
Wenn man schon mal den Eulennebel beobachtet, liegt nichts näher, als ebenfalls
die Galaxie M108 zu besuchen. Und hier zeigte sich schon, daß der Himmel jetzt
ganz schön an Durchsicht gewonnen hatte! Ein Versuch an M101 zeigte, daß diese
mit 14mag Flächenhelligkeit eher schwierige Galaxie auch im 90er Refraktor zu sehen
war! Es war immerhin ein Nebel von 1/4° Durchmesser zu sehen.
Im 5-Zöller zeigte sich M101 mit noch mehr Deutlichkeit, hier war sogar
zu erkennen, daß - auf 0,5° verteilt, die Helligkeit nicht konstant ist. Der
Zehnzöller ließ Ansätze von Dunkelbereichen zwischen den Spiralarmen erkennen und
zeigte nahe dem Zentrum von M101 sogar einen Vordergrundstern. Ein wahrlich toller
Anblick!
In M101 waren Strukturen, Dunkelgebiete, Galaxienarme? im 10" Newton erkennbar. Die ovale Scheibe wirkte
ungleichmäßig hell, mit Dunkelgebieten durchzogen.
M51, die Whirlpoolgalaxie in den Jagdhunden war nun auch so hoch, daß die Straßenlaterne
nicht mehr so arg störte und die ließ sich Lothar natürlich nicht nehmen. Wow - im Vergleich
zu M101 von vorher war ich baff, mit welcher Leichtigkeit und Schönheit die der gut
dreizöllige Fraunhofer präsentierte! Da mußte ich mal den 5-Zöller bemühen! Und sieh da,
mit fast ähnlichem Kontrast, nur etwas heller und noch einen Tick detailreicher war
das interagierende Galaxienpaar zu bestaunen! Und erst im dicken Newton! Wow, hier war
schon richtig was von den Spiralarmen zu sehn! Das gibts doch gar net! Eine absolute
Show-Galaxie! Mittlerweile war Lothar schon zur benachbarten M63 gedüst, da wollte
ich natürlich gleich hinterher, den kleinen Newton hab ich da erstmal aus gelassen.
Ja, M63 im Zehnzöller, man sieht förmlich einen Spiralarm wegspringen! Mein 14,5er Erfle
bewährt sich immer mehr als extrem transmissives und kontrastreiches deep-sky-Okular,
welches Objekte bei 80x teilweise heller zeigt als andre Okulare bei 40x!
Lothar hatte zwischenzeitlich mal an den Doppelsternen Alkor, Mizar, Alpha canum
venaticorum und Gamma Leonis demonstriert, wie gut ein gscheiter Refraktor Doppelsterne
trennen kann. Klar, auch ein 5-Zoll-Newton schafft diese Sterne mit der gleichen Leichtigkeit -
aber: Diese enorme Punktschärfe der Sternabbildung erreicht er einfach nicht, da ist
der Vixen echt eine Klasse für sich!
M94 zeigte sich oval, fast 2:3 elongiert mit Ansätzen eines Spiralarms.
M94 mit einem Spiralenarm im 10", heller Kern nicht zentral, schönes Halo.
Nun, nach den jagdhunden war auch im Löwen einiges zu holen. Das Galaxientriplett
M65, M66 und NGC3628 beispielsweise. Im Zehnzöller bei 44x beide Messiers
brutal hell und mittig dazwischen, etwas nach Norden jenseits eines hellen Sterns
versetzt, NGC3628, die an Helligkeit deutlich abfällt.
M65, M66, NGC3628 waren alle zusammen im 32mm SP im Vixen erkennbar.
Auch NGC2903 war in allen drei Teleskopen recht gut zu sehen.
Das Galaxienquartett M95/M96/M105/NGC3384 war dann schon eine über-
wältigende Sache, wobei M95 die schwächste der vier war, die anderen drei dafür
umso mehr aus dem Okular leuchteten.
M95, M96, M105, NGC3384 waren alle zusammen im 32mm SP im Vixen erkennbar.
In guter Erinnerung vom letzten Jahr hatte ich auch noch M64 im Comacluster, die Galaxie
mit dem schwarzen Auge. Da der Comahaufen Melotte 111 schon mit bloßem Auge in
Einzelsterne auflösbar war, mußte doch da einiges drin sein!
Ab 1 Uhr war es richtig schön klar und der Koma Haufen stand schon hoch am Himmel, Galaxien
hoppen wurde zum Kinderspiel und im Eiltempo wurden sämtliche GX auf Karkoschka E13 runtergespult.
Schon im Fünfzöller war M64 dann beeindruckend anzusehen! Allerdings erst der 10er
ließ einen Hauch der das schwarze Auge markierenden "Delle" erkennen.
M64 im 10" Zöller wunderschöner Anblick, schwarzes Auge angedeutet.
Den Comahaufen fuhr Lothar im Vixen durch, ich im 10-Zöller, wobei Lothar jedes Objekt auch
mit 80-fach Erfle-power im dicken Starfinder kritisch begutachtete. Erst die runde NGC4494,
dann die spindelförmige NGC4565, die wunderschön im Okular lag. NGC4559 etwas ovaler und
nicht ganz so spektakulär, wohingegen NGC4631 eine endlos lange Spindel ist, bei der sogar
sowas wie ein zentrales längliches Staubband zu sehen ist, ähnlich wie bei der Sombrerogalaxie
M104. Nahe unterhalb des Zentrums liegt ein schwacher Stern.
Auch NGC4656 war im Zehner locker direkt zu halten.
Ausgehend von der "Micky Maus" wurden nacheinander NGC4494, NGC4565, NGC4725, NGC4559,
NGC4631, NGC4656 angefahren.
NGC4565 sehr schöne Spindel im Vixen.
NGC4631 eine wunderschöne sehr lange Spindel-Galaxie. Ein Stern, schwächer 13m war unterhalb der
Bulge der Galaxie sichtbar.
NGC4656 Grenzfall für den Vixen, indirekt gerade noch erkennbar, problemlos und direkt im 10" Newton
zu sehen, sehr lichtschwach, wenig spektakulär.
Zum Abschluß haben wir in Coma Berenices noch den Kugelsternhaufen M53 beobachtet, der
im 90er Refraktor leicht granulär an den Rändern, im 5-Zöller granulär bis ins Zentrum und im
10-Zöller teilweise aufgelöst war.
M3, der Kugelsternhaufen in den jagdhunden, wurde im Zehnzöller schrittweise bis 228x hoch-
vergrößert und zeigte bei jedem vergrößerungsschritt etwas mehr Einzelsterne, bis er bei
228x komplett aufgelöst war. Das selbe Schicksal - total bis ins Zentrum aufgelöst zu werden -
widerfuhr M13 im hercules übrigens schon bei 44-facher Vergrößerung. Daß das natürlich
nur im Zehnzöller möglich war, braucht wohl nicht extra erwähnt zu werden!
M3 schon im Vixen bei 56x im Erfle Okular und im 130mm Newton am Rande angelöst. Die hellsten
Sterne sind 12m7 hell, damit lässt sich auch was über die Grenzgröße im Teleskop aussagen.
Im 10" Newton bei höhere Vergrößerung (15mm, 10mm, 7mm) völlig aufgelöst, bis ins Zentrum
Sterne zu erkennen. Die Einzelsterne springen nur so weg. Sehr schöner Anblick.
M53 ist im Vixen nicht aufzulösen, aber schön anzusehen. Heller Kern, nach außen leicht diffuser werdend.
M13 im 10" Newton schon bei 44x aufgelöst.
Da es mittlerweile fast 3 Uhr früh war, haben wir dann unsre Sachen abgebaut.
Lord Rosse, das Nachtelflein und der noch namenlose Vixen hatten also miteinander eine äußerst
ergiebige und abwechslungsreiche Nacht verbracht. Was lag da näher, als Lothar's Kultröhre
endlich zu taufen? Dem Motiv der morgendlichen Cappucinotasse gemäß - einer allegorischen
Sonnendarstellung - wurde der 90/1000er Refraktor auf den namen Helios getauft. Das ganze
wurde dann beim Weißwurstfrühstück mit Brezen und einer Halben Weizen offiziell besiegelt.
Helios alias Vixen 90M
Mein Vixen wurde auf den Namen Helios getauft. Mit Weiswurst, Brezeln und Weisbier wurde das am nächsten
Morgen ausgiebig gefeiert. Um 11:30 trat ich meine Heimreise an.
Eins kann man sagen: Das war eines der intensivsten Spechtelerlebnisse, die ich je erlebt habe,
und ich hoffe, Euch hat der bericht nicht zu sehr gelangweilt. Und vielleicht gibt es ja irgendwann mal
ein da capo, wer weiß, dann vielleicht im Spessart?
Viele Grüße und noch viel mehr so schöne und sternklare Nächte Euch allen,
Markus
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