Hallo Sternenfreunde!

Auch der Mittwoch zeigte sich in strahlendster Sonnenlaune. Also hab
ich in der Arbeit ein halbes Stündchen eher Schluß gemacht, um den
wohlbeleibten Lord Rosse noch gemütlich bei Tageslicht aufbauen zu können.
Nun, das war nach zwanzig Minuten geschehn und so konnte ich mich wieder
dem Üben meiner Bach-Flötenpartita widmen. Und dann noch ein gemütliches
Abendessen. Und dann wollte ich zunächst mal den Kometen sichten. Also
Aufsuchkarte und drei Okulare in die Hosentasche und den Fünfzöller
ungefähr 300 Meter weit geschleppt, wo keine Häuser mehr die Sicht gen
Westen stören. Oh weh! Was mußte ich da sehen? Der Himmel im Westen von der
Regensburger Lichtglocke wie orange angestrichen - Grenzgröße geschätzt
3m bestenfalls. Ganz schön dunstig war es also innerhalb der letzten Stunde
geworden.
Nach 10 Minuten im Trüben fischen schleppte ich das
Nachtelflein frustriert wieder zurück. Im Garten, wo der zehnzöllige Lord Rosse
schon ungeduldig wartete und fragte "Wo bleibt Ihr denn so lange?", war gen
Südosten die Grenzhelligkeit mit 4m5, stellenweise 4m8 deutlich besser,
wenngleich nicht für Galaxien geeignet. Also einigten uns Lord Rosse und ich
auf offene Sternhaufen und Doppelsterne. Der Lord wollte mir doch mal zeigen,
was er so alles drauf hatte. Und folgende Objekte hatte er dann drauf:

Teleskope:
Atlas 2000 5,1"-Newton 130mm, f=900mm f/6,9 auf Skyviewmon- tierung mit Polsucher
Meade Starfinder 10" Newton auf äquatorialer Montierung mit 2-Achsensteuerung und digitalen Teilkreisen
Hauptspiegelbrennweite 1140mm, Öffnungsverhältnis von 1:4,5
Strehl-Wert: >88%
Okulare: (Vergrößerungsangaben am 10"-Newton)
32mm-Plössl von Celestron (36-fache Vergrößerung)
26mm-Super-Plössl von MEADE, Serie 4000 (44-fache Vergrößerung)
18mm Intes Erfle
~14,5mm WA Erfle von INTES
12,5mm orthoskopisches Okular von Vixen (91-fache Vergrößerung)
10mm Plössl
7mm orthoskopisches Okular von Celestron (163-fache Vergrößerung)
6,3mm-Kellner von Bresser (180-fache Vergrößerung)
5mm Eudiascopic von Baader (228-fache Vergrößerung)
Sonstiges:
2x-Barlowlinse, Celestron ultima, 3-linsiger Achromat mit Luftspalt
Baader Skyglow Filter
Astronomik UHC-Filter
Binokular:Bresser Saturn Zoom, 9-27 x 56
Zeitpunkt:         
Mittwoch, 13. März 2002, 19:00 - 00:00
Visuelle Grenzgröße:
ca. 4,5mag
Durchsicht:
mäßig
Seeing:
gut bis sehr gut
Doppelsterne:
Phi 2 Cancris, Iota Cancris, 57 Cancris, Zeta Cancris,
Iota Leonis, Omega Leonis, Zeta Bootis
Galaxien:
-
Kugelsternhaufen:
M3
Offene Sternhaufen:
M67
Gasnebel:
-
Planetarische Nebel:
-
Sonstiges:
V838 Monocerotis

Ein erster Blick geht Richtung V838 Monocerotis, deren Helligkeit ich heute zu 7m0
bestimme - gegenüber dem Vortag wieder einen Tick heller. Der Stern ist auffallend orange.
M67 ist ein Prachtexemplar von Sternhaufen, bei 78x sind etwa 30-40 hellere Sterne zu sehen,
schwächere Hintergrundsterne sind bei der mäßigen Durchsicht nur angedeutet. Der südlichste
Stern ist auffallend hell und orange.
Nun ging es also auf Doppelsternjagd. Als erstes - mehr durch Zufall - Phi 2 Cancris, der
schon bei 67x locker getrennt werden kann. Bei 162x sieht man zwei gleich helle, weiße Perlen
in N-S-Orientierung, die Farbe tendiert ins Bläuliche. Ein sehr schöner Doppelstern.
(6m2;6m3;5,2") Die knackige Abbildung macht Lust auf mehr! Was gibts da noch? Genau!
Über Iota Cancris mit seinem wunderbaren Farbkontrast aus gelb und fahlblau will ich zu
57 Cancris. Iota ist schon bei 67x ein extrem weiter Doppelstern. (4m0;6m5;30,5")
57 Cancris ist dann bei 67x nimmer zu trennen. Bei 162x zeigen sich aber zwei mit deutlich
Zwischenraum getrennte orangefarbene und ähnlich helle Sterne mit einer NW-SE-Ausrichtung.
(6m0;6m3;1,4"). Größenordnungsmäßig 60" südlich ist Bärbel ein schwach blauer Stern aufgefallen.
Dieser gehört laut Night Sky Observer's Guide ebenfalls als Komponente C zum System 57 Cancris.
Die nächste Herauforderung für Lord Rosse wird zeta Cancris, ebenfalls ein Dreifachsystem.
Bei niedrigen Vergrößerungen ist ein Doppelstern aus zwei fahlgelben, aber hellen Komponenten zu
erkennen, deren eine deutlich - etwa 1mag - heller erscheint. (5m0;6m1;6,2"). Die westliche
Komponente ist die hellere. Bei 162x wird diese hellere Komponente schon etwas länglich, um
bei 228x in zwei ähnlich helle, champagnerfarbene Sterne mit Zwischenraum zu zerfallen. Ihre
Ausrichtung ist genau wie das Hauptsystem in Ostwest-Richtung. (5m6;6m0;0,9")
Auch nicht ganz einfach ist dann der Doppelstern Iota Leonis: ein gelber Doppelstern, der östlich
einen deutlich schwächeren - aber abgetrennten - Begleiter sitzen hat. Bei 162x blickweise, bei
228x dauerhaft und deutlich zu sehen! (4m1;6m7;1,7") Unter 2 Bogensekunde Separation bei
zweieinhalb Größenklassen Helligkeitsunterschied ist schon was. Und das macht natürlich Lust auf
noch mehr. Rekordsucht. Der Karkoschka wird durchgeblättert. "Hier wär doch was für uns!" meint
Lord Rosse mit lässigem Unterton. "Ob er da wohl nicht ein wenig übertreibt?" 5m9, 6m5 und
0,6" Separation? Eine ganz schön knackige Aufgabe. Omega Leonis heißt der Kandidat. Wieder ein
gelber Stern, der bei 228x blickweise als gestreckt erscheint. 456x bringt die Gewißheit:
Zwei ziemlich genau in E-W-Richtung orientierte Sterne sind eindeutig trennbar und zwar mit einer
Verdunkelung zwischen beiden Sternzentren! Mit 0,6 Bogensekunden ist das unser bisher engster
reproduzierbar getrennter Doppelstern, der als Dreingabe sogar noch eine gute halbe Größenklasse
Helligkeitsunterschied bietet. Dieser Helligkeitsunterschied ist aber bei der hohen nötigen
Vergrößerung und der Nähe beider Komponenten zueinander nicht mehr erkennbar.
Nun zur Entspannung und als Remineszenz an den Sommer etwas leichteres: M3, ein Paradekugelsternhaufen
in den Jagdhunden. Bei 180x im 6,3er Kellner ist der Kugelsternhaufen durchgehend bis ins Zentrum
in unzählige Sternpünktchen aufzulösen! Im westlichen Randbereich fällt ein etwas hellerer Stern auf.
Sowas macht ja richtig Lust auf den Sommer :-)
Und nochmal was zum Thema Doppelsterne: zeta Bootis mußte auch dran glauben. Da er noch relativ niedrig
am Himnmel stand und etwas unruhig war, brauchte es zu seiner Trennung 228x, und wieder mal zwei gelbe und
in Ostwestrichtung elongierte Sterne, relativ gleich hell. (4m5;4m6;0,8") Auch mit Zwischenraum getrennt.

Fazit: auch mit einem guten Newton ist man im Subbogensekundenbereich (schönes Wort, gell?)
gut dabei, das zeigen atemberaubende Bilder am Planeten, aber eben auch die heutige Doppelsternnacht.
Auch hier bringt die großzügige Öffnung von einem Viertel Meter einiges, wenn die Qualität der
optischen Flächen stimmt. Und die Farbe der Sterne ist wenigstens kein Artefakt :-]

Viele Grüße und noch viel mehr so schöne und sternklare Nächte Euch allen,

Markus