Hallo Sternenfreunde!
Ostern hat uns ja mit phantastischem Wetter und Temperaturen um und über 20°C
verwöhnt. Hatte ich am Karsamstag auf der ASAM III eine sehr pittoreske
Konstellation von Ikeya Zhang und Beta Andromedae handnachgeführt fotografieren
können (siehe hier: IZ bei Mirach), so standen am Abend des Ostermontags
ein paar unbekanntere Galaxien im Sternbild Löwe auf dem Programm.
Nun ging es aber mit dem phantastischen Wetter
Schlag auf Schlag weiter, so daß das Ganze schon in den reinsten Astro-Streß
ausartete! Auch Montag und Dienstag letzte Woche war ich wieder mit dem Zehnzöller
im Garten, am Donnerstag dem 4.4.2002 bin ich dann mit Bärbel, Thomas, dem Optimus,
dem Nachtelflein und meinem Photogerödel zur ASAM III gefahren, um Ikeya-Zhang bei
M31 abzulichten. Die Photos finden sich hier: IZ bei M31
Und als krönenden Abschluß einer astronomisch sehr ergiebigen Woche bin ich gestern
mit Bärbel, dem Nachtelflein und dem dicken Lord Rosse auf die ASAM III rausgefahren.
Was ich an diesem Abend bei 5m8-Himmel mit dem Zehnzöller gesehen hab und alle andern
Objekte gibt es erst mal hier als Zusammenfassung, und dann lassen wir die Reise ins
All beginnen!
Teleskope:
Atlas 2000 5,1"-Newton 130mm, f=900mm f/6,9 auf Skyviewmon- tierung mit Polsucher
Meade Starfinder 10" Newton auf äquatorialer Montierung mit 2-Achsensteuerung und digitalen Teilkreisen
Hauptspiegelbrennweite 1140mm, Öffnungsverhältnis von 1:4,5
Strehl-Wert: >88%
Okulare: (Vergrößerungsangaben am 10"-Newton)
32mm-Plössl von Celestron (36-fache Vergrößerung)
26mm-Super-Plössl von MEADE, Serie 4000 (44-fache Vergrößerung)
~14,5mm WA Erfle von INTES
12,5mm orthoskopisches Okular von Vixen (91-fache Vergrößerung)
10mm Plössl
7mm orthoskopisches Okular von Celestron (163-fache Vergrößerung)
6,3mm-Kellner von Bresser (180-fache Vergrößerung)
5mm Eudiascopic von Baader (228-fache Vergrößerung)
Sonstiges:
2x-Barlowlinse, Celestron ultima, 3-linsiger Achromat mit Luftspalt
Baader Skyglow Filter
Astronomik UHC-Filter
Binokular:Bresser Saturn Zoom, 9-27 x 56
|
Zeitpunkt:
Ostern 2000
Visuelle Grenzgröße:
ca. 4,5mag bis 5,8mag
Durchsicht:
befriedigend bis gut
Seeing:
-
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Doppelsterne:
M40
Galaxien:
M65, M66, NGC3628, NGC3190, NGC3193, NGC3195, NGC3187,
NGC3377, NGC3521, M81, M82, NGC3184, M94, M64, M98, M99, M100, M104
Kugelsternhaufen:
M3, M53, M68
Offene Sternhaufen:
-
Gasnebel:
-
Planetarische Nebel:
NGC3242
Sonstiges:
Komet Ikeya-Zhang
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Am Ostermontag hab ich wiegesagt Lord Rosse im Garten etwas Sternenlicht genehmigt.
Der Himmel war mit knapp 5mag nicht ganz optimal, überhaupt zeigte sich in den beiden
Wochen vor und nach Ostern immer etwas Dunst oder ganz feine Schleierwolken am Himmel.
Knapp oberhalb von Algieba - Gamma Leonis - findet sich eine Gruppe von Galaxien
im Nacken des Löwen. NGC3190 ist bei 78x relativ deutlich bei direktem Sehen als
längliche, 3:1 in Südost-Nordwest-Richtung elongierte Galaxie zu sehen. Etwas
nordöstlich von NGC3190, südlich eines schwachen Sternchens, erblickt man - bei
indirektem Sehen recht leicht - eine runde Welteninsel, NGC3193. Bei indirektem
Sehen erkennt man bei dieser Galaxie eine deutliche Helligkeitszunahme zum Mittelpunkt
hin. Für die ebenfalls zu dieser gruppe gehörenden Galaxien NGC3187 und NGC3195
reicht aber heute der Himmel nicht. (knapp 5mag Grenzhelligkeit) Mit dem 17er Superplössl
und 2fach-Barlow bei 134x werden beide Galaxien - NGC3190 und NGC3193 - sehr kontrastreich
nebeneinander abgebildet, wobei die unterschiedlichen Formen - einmal länglich elliptisch
und einmal kreisrund - sehr, sehr schön zu sehen sind.
Die Sichtung von NGC3226/NGC3227 gelingt nicht 100%ig zweifelsfrei, obwohl der schwache
Lichtschimmer genau die richtige Orientierung gehabt hätte. Hier mach ich mir mal eine
genaue Aufsuchkarte in CdC.
Die ovale Galaxie NGC3377 gelingt bei 44x ad hoc. Bei 163x ist sie immer noch gut hell: ein
sehr flächenheller, fast stellar wirkender kern ist von einem 2:3 in nordost-südwest-Richtung
gestreckten, deutlich schwächeren Halo umgeben.
Auch NGC3521 ist die volle Laterne - nur von einem Blinden zu übersehen! Ein mittelheller,
diesmal nicht stellarer sondern flächiger Kern wird von einem SSE-NNW gestreckten Halo
umgeben, der etwas gegenüber dem helleren Galaxienzentrum nach Osten verschoben ist:
das Zentrum sitzt also nicht symmetrisch im Halo.
Alles in allem ein gelungener Abend - vier neue Objekte in gut einer Stunde mit genügend
Zeit zur Detailbeobachtung. Vor allem NGC3521 sollte auch in kleineren Instrumenten ein
lohnendes Ziel sein.
Am Montag - wieder klares Wetter, was sonst - hab ich den Dicken wieder raufgestellt, aber
der himmel erwies sich mit 4m5 als so schlecht, daß ich es bei M53 beließ, bei 91x ist
M53 schon schön aufgelöst, im nordöstlichen Bereich des Kugelsternhaufens sitzt am Rand
des Sternhaufens entweder ein heller Stern oder eine Verdichtung der Sternpopulation.
Ich werde das demnächst nochmal überprüfen. Nun, ein Blick zu M65/M66 ließ mich den Starfinder
schleunigst wieder in den Keller tragen: grauenhaft, nur bei indirektem Sehen grade eben so
zu erkennen. Nein, heut ist kein Galaxienwetter.
Am Dienstag wars dann mit 4m8 im Zenith wieder tendenziell besser. Drum ham wir dann auch
ein paar prominente Galaxien besucht.
Begonnen ham wir gleich mal relativ zenithnah, da der südliche Himmelsbereich bis etwa
25° Höhe doch recht dunstig bis matschig aufgehellt war. Ursa major mit M82! Die ist eine
total helle, längliche Galaxie bei 78x, streckt sich wunderschön lang im Okular. Ein wenig
südlich von ihr steht M81, die noch heller aus dem Okular strahlt. Sie zeigt einen leuchtenden
runden Kern, umgeben von einem ovalen, zarten Halo, der bei indirektem Sehen noch um einiges
größer erscheint. NGC3184 hingegen ist ein grauer Lichtstreifen, der schon arg an der Wahrnehmungs-
grenze ist, am schönsten bei 78x im Erfle zu sehen. Nun will ja die Messierliste vervollständigt
werden und so kommt man halt nicht drum rum, auch M40, das kurioseste Messierobjekt zu besuchen,
einen Doppelstern! Allerdings muß man Charles Messier zugestehen, daß die beiden auffallend gleich
hellen und gleich farbigen Sterne zum einen sehr auffällig sind und dann auch noch einen Abstand
haben, der einer durchschnittlichen edge-on-Galaxie von der Größe her doch sehr gleich kommt. In einer
schlechten optik des 18. Jahrhunderts könnte man dieses auffällige Sternenpaar wohl wirklich für
einen Nebel gehalten haben! Denn, auch im 32er Superplössl bei 1,5° Gesichtsfelddurchmesser ist
sofort klar, was Messier als 40. Objekt da katalogisiert hat! Dann gings zu M94, einer runden, nach
außen hin an Helligkeit verlierenden Galaxie, die mit 2 Sternen einen rechten Winkel bildet. Das
Teil ist ganz schön hell, verträgt auch noch 180-fache Vergrößerung, wo sie einen flächigen Kern
zeigt, der von einem schwachen, aber strukturlosen Halo umgeben ist. Auch M3, der Kugelsternhaufen
in den Jagdhunden, ist bei 180x ein durchaus erfreulicher Anblick, zeigt er doch strahlenförmig
hingeworfenen Einzelsterne bis in sein innerstes Zentrum.
Am Mittwoch hatte ich dann mal eine Astropause nötig, zu viel schönes Wetter ist dann einfach zu
viel des guten! Also abends nach der Arbeit aufn Espresso mit Bärbel in die Altstadt geradelt und
ansonsten alle Viere grad sein lassen. Das tut auch mal ganz gut!
Nun kam also Donnerstag, der 4. April. Der Tag, an dem der Komet Ikeya-Zhang bei der Andromeda-
galaxie M31 stehen sollte. Vorsorglich hatte ich am Mittwoch - als ich abends mit Bärbel in
der Stadt Espresso trinken war - auch gleich ein paar Kodak Gold Ultra 400 mitgenommen, 12er Filme,
damit die auch an einem Abend voll werden, sonst dauert mir das einfach zu lang, bis ich mal
Resultate sehe. Also hab ich schon etwas eher Feierabend gemacht und hab das Nachtelflein,
die Aufsuchkarte, das 9-27x56er Fernglas, den Okularkoffer, Karkoschka, Nachtelflein und das
ganze Fotogeraffel im Auto verstaut. Nach dem Abendessen mußte dann noch Thomas' Optimus in
den Kofferraum geschlichtet werden. erstaunlich, was man so alles in einen Astra reinbekommt.
Derart bepackt, machten sich also drei Mann hoch - davon einmal weiblich - nebst zwei Teleskopen
und oben angeführtem Gerödel auf zur ASAM III, gut 10 minuten mit dem Auto bei dunklem Himmel und
freier Horizontsicht. Dort angekommen, hab ich erstmal beide Teleskope aufgebaut, die Kamera mit
dem 210er f/4-Teleobjektiv piggypack auf den 5-Zoll-Newton, per Polsucher ausgenordet und dann
noch Zehn Minuten lang per aus der Autobatterie beleuchtetem Fadenkreuzokular eingescheinert.
Dackedackedackedackedacke..... Donk.
Ein Jeep war vorgefahren. Die Fahrertür zugehaun. "Wos machtsn ees do??" (Was macht Ihr denn da?)
"An Kometn fotografian!" (Den kometen fotografieren!) "Gibtsn ebba do eps zum seng?" (Gibts da
was zu sehn?) "Ja klar, do ohm, do nem denne Stean, doo schdähd a Komet." (Ja, dort droben,
neben den Sternen, da steht ein Komet.) Komma den goa mim bloßn Aug seng?" (Kann man den mit bloßem
Auge sehn?) "Ja fralle, do hohm!" (Ja klar, dort oben!) "Ja saxndie, pfeigrood, i sehchn! Do muase
glei mei Feanglasl ausm Auto hoin!) (Tatsächlich, ich kann in sehn! Da muß ich gleich mein Fernglas
aus dem Auto holen!) Gesagt getan. Ja, das Svarovsky 9x63 Jagdglas zeigte schon ein brillantes Bild
des Kometen. Natürlich bewunderte der Jäger Ikeya - Zhang und M42, auf den wir zwischenzeitlich
geschwenkt waren, auch im Nachtelflein gebührend. Ja, er werde jetzt öfters mit seinem Fernglas
mal die Sterne anschaun. Uns gab er dann noch den beruhigenden Rat, hier auf der Anhöhe zu bleiben
und nicht unten in der Senke rumzulaufen weil: "Do hock ma aaf Sei ohh! Need, daß eng wea fia a
Sau hoilt und ebban daschiast!" (Da sitzen wir auf Wildschweine an, nicht, daß Euch jemand für eine
Sau hält und jemanden erschießt!) Sprachs und fuhr wieder weiter.
Donk......brömpp brömpp Dackedackedackedackedackedacke......
Trotz dieser äußerst beruhigenden Aussage seitens des Jägers ham wir aber trotzdem uns nicht beirren
lassen. Thomas hat mit Bärbel am Optimus Leo und Coma Berenices unsicher gemacht, während ich
Ikeya Zhang bei M31, die Gürtelregion des Orion mit M42/M43 und NGC1981 sowie NGC2244 fotografiert habe.
Schwertgehänge des Orion bei f=210mm f/4 und 400ASA, 2 Minuten mit
Handnachführung.
Eine noch detailreichere, 4 minuten belichtete Aufnahme dieser Region verbirgt sich hinter
Milchstraßenregion um NGC2244 bei f=210mm f/4 und 400ASA,
2 Minuten mit Handnachführung.
Im Optimus konnten wir dann in einem Bildfeld das Galaxientriplett M65/M66/NGC3628 in Leo schön sehen,
wobei bei dem 5,5mag-Himmel (es war wegen leichtem Dunst leider nicht besser, wir hatten hier draußen auch
schon 6m5-Himmel) NGC3628 im 70/700er Refraktor nur bei indirektem Sehen beobachtbar war.
Erstaunt hatte mich aber M53, der im Optimus schon im 25mm-Übersichtsokular im Randbereich
deutlich aufgelöst erschien. Das hat mich echt vom Stangerl gehaun. Naja: zumindest fast.
Mittlerweile war aus der geplanten halben Stunde Fotografieren doch zwei Stunden geworden, so daß
es erts mal nach Hause ging. Am Freitag hab ich dann erstmal die Fotos entwicklen lassen und die
Negative gescannt und die Bilder online gestellt. Abends dann mit Bärbel noch gemütlich weggegangen.
Auch am Samstag Abend Spechtelpause, allerdings schon kräftig diverse Astroliteratur gewältzt.
Am Sonntag kam dann die Premiere: Lord Rosse auf reisen zur ASAM III. Und für Bärbel noch das
Nachtelflein mitgeschleift. Also, volle Teleskopladung: 5 Zoll + 10 Zoll und auf der ASAM III
ein 5m8-Himmel. Nicht sehr gut, aber doch ganz in Ordnung. Wie wird sich der Zehnzöller umter
5m8-Himmel schlagen? Vorher hieß es aber, warme Klamotten, zwei Pullis, lange Unterhosen,
Winterstiefel: kalter Ostwind mit knapp unter Null grad war vorausgesagt. Vorher noch ein schneller
Espresso, um warm und wach zu werden. Dann die Abfahrt. Auf der ASAM III ham wir dann festgestellt,
daß der nachmittags noch kräftige, frische Ostwind mittlerweile komplett abgeflaut hatte: kein
Schaden! Was ergab nun der erste Test - 10 Zopll unter 5m8-Himmel? Ein Schwenk zu M65/M66 etc.
Wumpf! Mich hätts fast umgehaun! Wie auf Fotos!!! Die beiden Messiergalaxien in ihrer leicht
unterschiedlichen Gestalt, die eine oval, die andre mehr länglich, und nördlich davon, quer liegend,
und ganz easy und detailreich NGC3628 wie hingemalt! Nein, nicht schon wieder die drei zeichnen!
Die kennt doch eh schon jeder. Hier also noch den Bleistift stecken gelassen.
Besonderes Interesse galt einer meiner Lieblingsgalaxien, und die stellte ich auch dann gleich
als erstes ein: M64, die black eye galaxy! Eine total helle, ovale Galaxie, bei 163x ist im
nordöstlichen Teil der Galaxie zwischen dem sehr hellen kern und dem dezent schimmernden Halo
ein würstchenförmiger, kohlrabenschwarzer Dunkelbereich zu sehen: das "schwarze Auge", ein
absorbierendes Staubband! So plastisch schön, ich konnte mir hier eine Zeichnung nun definitiv
nicht mehr verkneifen! Hier das im Finstern geschnitzte, bescheidenen Resultat:
M64 bei 163x, 10"-Newton f=1140mm
Bärbel hatte zwischenzeitlich M64 auch im Nachtelflein gefunden, war darob natürlich happy,
auch wenn sie immer ein Problem mit Alpha Comae hat, den in dem Eck gibts im Sucher ganz
schön viele ähnlich helle Sterne :-)
Als nächstes kam dann die kleine, aber feine Galaxiengruppe im Nacken des Löwen, nördlich von
Algieba an die Reihe, die ich am Ostermontag scon mal unter der Fuchtel hatte. Bei 44x fällt
NGC3190 sofort als längliche Galaxie auf, NGC3193 als kleinere, mindestens genau so helle,
aber runde Galaxie nordöstlich von ihr und ein Stückerl südwestlich von NGC3190 ist nun auch
NGC3185 als recht große, ovale Galaxie zu sehen. NGC3187 direkt neben NGC3190 ist bei dem
5m8-Himmel nur erahnbar, fällt bei indirektem Sehen immer wieder mal blickweise ins Auge, da
muß ich bei besserem Himmel nochmals ran! Auch bei 78x passen die drei Galaxien noch gut ins
Gesichtsfeld, folgende Zeichnung hab ich davon gemacht:
NGC3190 (mitte), NGC3193 (rechts) und NGC3185(links oben)
10"-Newton mit f=1140mm bei 78x
Nun noch der Versuch, NGC3187 bei 163x zu knacken, aber auch hier ist nordwestlich von NGC3190
ein Schimmer bestenfalls zu erahnen.
Nur Galaxien ist auf Dauer auch langweilig :-) Also, ab in die Hydra zu Jupiter's Ghost. Naja,
eigentlich eher Jupiter's highbeam, bei 36x eher blendend, also den kleinen planetarischen Nebel
ohne lange Umschweife gleich auf 228x gepusht. Wow! Immer noch blendend hell - ein türkis-eisblauer
runder Nebelball, der außen deutlich ausgefranst erscheint. Mit UHC wird an der Ost- und der West-
seite des Nebels eine schwächere, äußere Hülle sichtbar. Nicht schlecht, Herr Specht! Auch Bärbel
zeigte sich ob der Helligkeit dieses planetarischen Nebels schwer beeindruckt und trollte sich
wieder zum Nachtelflein, um endlich M104 zu finden...
Ich wollte hier nun gleich die Gelegenheit nutzen, noch ein Messierobjekt zu erledigen: der Kugel-
sternhaufen M68 im Corvus, der recht auffallend am Firmament stand, wenngleich seine südlichen Teile
etwas im diesigen Dunst steckten. Entsprechend kontrastarm war denn auch M68: ein recht großer,
wenig konzentrierter und locker hingestreuter Kugelsternhaufen, der mich stark an M4 im Skorpion
erinnert. Aslo doch wieder höhere Deklination und Galaxien. Das große T. Laut Karkoschka sind
M98, M99 und M100 ja nicht grad die vor Helligkeit brüllenden Galaxien, Lord Rosse meinte da
aber: "Na, so schwach sind die aber nicht." und grinste sich eins. Und in der Tat, M99 eine ovale,
recht helle Galaxie, die sich mit einem großen, zarten Halo schmückt. M98 ist im Gegensatz dazu
eine auffallende edge-on-Galaxie. Auch M100 hat mir sehr gut gefallen, hier umgibt ein rundlicher
Halo einen sehr hellen, stellaren Kern.
Mit M40, M68, M98, M99 und M100 offenbarte mir diese schöne Frühlingswoche 5 neue Messierobjekte,
so daß ich jetzt deren 89 auf meiner Trophäenliste habe. Hinzu kamen dann noch 7 neue NGC-Objekte!
Bärbel war mittlerweile doch noch bei M104 gelandet, die schaute schon im Fünfzöller genial aus.
Also mußte ich sie mir noch im Zehnzöller geben. Hier, mit Zehn Zoll bei fast 6m-Himmel wird einem
sofort klar, warum das Ding Sombrero-Galaxie heißt. Sie wirkt schon bei 44x wie ein Hut, an den
Spitzen wie doppelt. 78x bringt dann die Gewissheit: Das Staubband - zweifelsfrei von mir gesehen
und von Bärbel spontan bestätigt! Bei 163x zeigt sich die Galaxie immer noch drastsich hell,
beeindruckend groß, mit einer zentralen mittigen Verdickung, die extrem hell strahlt und drüber
(also im Süden) parallel zur scharfen Südkante der Galaxie nochmals ein schwächeres Lichtband,
dazwischen schwarzer Himmel! Genial, auf vielen Fotos wirkt die Galaxie deutlich plumper, nicht
so langgestreckt elegant und filigran zweigeteilt! Auch das mußte ich natürlich zeichnen:
M104 bei 163x am 10"-Newton, f=1140mm
Während des Zeichnens sauste mir dann noch eine auffallend orange Sternschnuppe durchs Okular,
für das Gesichtsfeld von 0,3° brauchte sie vielleicht eine halbe Sekunde. Wunderschön.
Allerdings wars uns jetzt doch auch schon etwas kalt geworden, so daß wir unser mobiles
Observatörchen abbauten, nach Haus fuhren und uns - Nachts um halb eins - noch bei einem
Irish Coffee aufwärmten.
So, nun hoffe ich, daß der bericht nicht doch zu lang(weilig/atmig) oder sonstwas war.
Viele Grüße und noch viel mehr schöne und sternklare Nächte Euch allen,
Markus
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