Hallo Sternenfreunde!                              

Am Freitag wars zwar den ganzen Tag über recht warm und sonnig, doch
zogen permanent Cumuluswolken durch, die ich mit rechtem Argwohn
beobachtete. Doch der Wettergott meinte es gut, so daß sich der Himmel
gegen Sonnenuntergang mehr und mehr ausputzte. Nachdem Papagena
(alias Bärbel) und ich  noch ein Stünderl in der Altstadt waren, um in der
                                                          Cafebar
einen  Espresso zu genießen, und dem Sonnenuntergang zuzusehen, packte
ich schon mal alles ins Auto - und hier begannen schon die kleinen "Pannen".
Nun ist die SF1-Montierung auf ihrer Säule doch etwas sperrig. Bisher
kriegte ich sie aber immer flugs in den Kofferraum, wobei nur eins der
drei Säulenbeine abgeschraubt werden mußte. Und heute? No way! Nach
einem halben Dutzend fehlgeschlagener Versuche gab ich mich geschlagen
und montierte auch das zweite Bein ab. Dann gings. Ich verstaute noch
den Tubus auf der Rücksitzbank und den restlichen Kleinkrusch und dann
konnte es eigentlich losgehen. Bärbel bereitete - während ich schon los
gefahren war, eine Kanne Tee, um dann mit Liegestuhl und Bino bewaffnet
nachzukommen. Ach ja, beobachtet ham wir natürlich auch ;-). Was und
unter welchen Randbedingungen hier wieder mal erst in Kurzform:


Teleskop:
Meade Starfinder 10" Newton auf äquatorialer Montierung mit 2-Achsensteuerung und digitalen Teilkreisen
Hauptspiegelbrennweite 1140mm, Öffnungsverhältnis von 1:4,5
Strehl-Wert: >88%
Okulare: (Vergrößerungsangaben am 10"-Newton)
32mm-Plössl von Celestron (36-fache Vergrößerung)
26mm-Super-Plössl von MEADE, Serie 4000 (44-fache Vergrößerung)
~14,5mm WA Erfle von INTES
12,5mm orthoskopisches Okular von Vixen (91-fache Vergrößerung)
7mm orthoskopisches Okular von Celestron (163-fache Vergrößerung)
6,3mm-Kellner von Bresser (180-fache Vergrößerung)
5mm Eudiascopic von Baader (228-fache Vergrößerung)
Sonstiges:
2x-Barlowlinse, Celestron ultima, 3-linsiger Achromat mit Luftspalt
Baader Skyglow Filter
Astronomik UHC-Filter
Binokular:Bresser Saturn Zoom, 9-27 x 56
Zeitpunkt:         
Freitag, 31. Mai 2002, 22:45 - 01:30
Visuelle Grenzgröße:
ca. 5,7mag im Zenith, 2mag5 direkt am Südhorizont
Durchsicht:
befriedigend
Seeing:
-
Doppelsterne:
-
Galaxien:
M83
Kugelsternhaufen:
M4, M80, M62
Offene Sternhaufen:
NGC6530
Gasnebel:
M8
Planetarische Nebel:
NGC6369
Sonstiges:
-

Wie gesagt, war ich schon mal voraus gefahren. Auf meinem Standardfeldweg
angekommen, wos schön brettleben wär, steht doch glatt schon ein Auto im
Wald am Ende des Wegs. Keine Spechtler. Vielleicht ein - Liebespaar? Ich weiß
es nicht, zumindest wars etwas unheimlich. Beam - gingen deren Scheinwerfer an,
um mich, den Eindringling zu mustern. Das Spiel ging ein paar Minuten so, die
machten allerdings keine Anstalten weg zu fahren. Und das heißt: Starfinder NICHT
auf dem Feldweg aufbauen. *grummel*
Verärgert fahr ich also rückwärts aus dem Feldweg bei der Ottilia - dem marterl an der
windschiefen Kiefer - ums Eck in die Nachtelfleinspechtelwiese, die aber leicht abschüssig
ist, was mit dem Dreibeinstativ des 5"-newtons gut ausgleichbar ist. Mit der Säulen-
montierung geht da natürlich nix, entsprechend windschief steht sie da. Der Polarstern
ist durch die Kiefer auch net gscheit zu sehen. Entsprechend unbrauchbar war das Alignment
der zweiachsensteuerung, so daß ich heute alle Objekte konventionell per Karkoschka
angepeilt habe. Mittlerweile hatte ich also das Fernrohr aufgebaut, da verzog sich auch das
andre Auto, womit mir deutlich wohler im Bauch war. Kurz darauf kam dann auch Bärbel
und es gab erstmal eine Tasse Tee nach diesen "Strapazen".

Kjää - - - Kjää - - - Kjää

Das war nun die einzige Geräuschkulisse. Irgendein Nachtvogel gab wohl dieses Kjää von sich,
das sich monoton alle zwei Sekunden mit uhrwerksartiger Genauigkeit wiederholte.
Nun gings also ans erste Objekt, an die Galaxie M83. Die war aber heute so enttäuschend,
die wars letzte mal bei auch nicht ganz optimalen - aber anscheinend doch deutlich besseren -
Bedingungen im Fünfzöller deutlicher zu sehen. Nur der stellare galaxienkern war wie ein von
einem weißen Nebelchen umgebener Stern zu sehen. Sollte der Spechtelabend also in Pannen
enden? Meine Skepsis wuchs. Bärbel hatte mittlerweile im Fernglas - bequem aus dem Liegestuhl
M4 beobachtet, der schön mit Antares und Sigma Scorpionis im Bild liegt: Antares auf neun Uhr,
Sigma auf null Uhr dreißig und in der Mitte des "Zifferblatts" der graue erstaunlich helle Watteball
M4. Im Zehnzöller kam dann die große Entschädigung für die bisherigen Pleiten des Abends!
Bei 44x ein locker gestreuter, sehr großer Kugelsternhaufen, der im Fünfzöller bisher immer nur
grieselig neblig war und bei dieser Öffnung deutlich unzählige Einzelsterne hingezuckert zeigt.
M37 fällt mir spontan ein. Wir vergrößern weiter, 78x zeigt eine dicke Sternkette in N-S-Richtung
quer durchs Haufenzentrum 92x bringt noch mehr Details: die zentrale Sternenkette wird jetzt
ganz locker und wunderbar aufgelöst, man gewinnt den Eindruck, mitten in dem Sternhaufen zu
stehen, dessen Sterne jetzt geradezu neonblau wirken. Mit 5 Zoll fand ich M4 trotz seiner hervor-
stechenden Daten im Karkoschka etwas fad und flau, doch heute hab ich ein neues Lieblingsobjekt,
das gerade durch seine zentrale Sternkette äußerst interessant und plastisch wirkt. Interessant
ist ein Vergleich von M4 mit seinem etwas nordnordwestlich gelegenen Nachbarn M80. Dieser ist
deutlich kompakter, dabei im Zentrum etwas heller aber nicht ganz auflösbar. Bei 78x beginnt sich
der Rand des Kugelsternhaufens aufzulösen. Bei 163x sieht man um das helle unaufgelöst granuläre
Zentrum einen Halo aus unzähligen lichtschwachen Einzelsternen. Als nächstes kam dann der
planetarische Nebel NGC6369 an die Reihe. Bei 44x fällt ein kleiner, runder, dunkelgrauer Nebelfleck
auf, der bei 78x mit UHC so ausschaut, als wär er in der Mitte dunkler. Ein Ring? Bei 163x mit UHC
scheint sich bei indirektem Sehen die Ringstruktur zu bestätigen: ein ovaler Nebelfleck, der in zur
Mitte hin dunkler ist. Daheim im NSOG nachgeschaut: Juchu, tatsächlich ein Ring. Und einen putzigen
Namen hat der Nebel: The little Ghost. Das war quasi das passende Objekt zum grade einsetzenden
mitternächtlichen Glockenschlag, der von Alteglofsheim über die Felder hierher weht.
Das nächste Objekt der Begierde ist M62. Über M19, den ich heute nur als Wegweiser mißbrauche,
gehe ich nach Süden, bis ich fast nichts finde. Der Nebel bietet viel zu wenig Kontrast, um irgendwelche
Aussagen zu machen. Das einzige: das Zentrum des Haufens erscheint mir bei 78x als dreieckig.
Enttäuschend. Das muß ich bei besserem Himmel mal wiederholen, den die Beschreibung im Karkoschka
verspricht mit M62 ein äußerst attraktives Objekt. Gut, daß ich es schon in meiner Beobachtungsdatenbank
habe, denn als 100. Messier-Objekt meiner Sammlung wär es schon etwas mau gewesen.
M22 steht zwar noch sehr tief, aber doch bei allen Vergrößerungen bis ins Zentrum aufgelöst., Bei 163x
bereits formatfüllend, ein riesiger Kugelsternhaufen, sehr hell, der in einigen Wochen bei seiner Kulmination
bestimmt nochmals vom dicken Lord Rosse beobachtet werden wird. Bärbel fährt mittlerweile nach Hause,
sie muß am nächsten Morgen um 8 die Apothekle aufsperren. ICh beobachte noch ein letztes Objekt,
den Lagunennebel, M8 mit NGC6530. Naja, mit zehn Zoll schon ein geniales Teil. Es nebelt bei 44x gewaltig
um den Sternhaufen. Ich steiger die vergrößerung auf 78x m it dem Erfle und schraub den UHC rein.
Wow!!! Zehn Zoll, ein Weitwinkelokular, ein UHC-Filter und der Lagunennebel sind das schiere dreamteam!
Der nördliche Nebelteil ist sehr sehr hell und durch eine dunkle Gasse vom südlichen, nicht ganz so hellen
Teil getrennt. Auf der Nordseite des Dunkelbereichs steht westlich des hellsten Nebelteils noch ein schwächerer
Nebelfetzen. Schön auch NGC6530, einige deutlich trennbare, sehr helle, blaue, aktive Sterne, nicht zu locker,
nicht zu dicht: wie von Künstlerhand dazudrapiert. Mit diesen genialen Eindrücken, die sich heut bestimmt nicht
mehr überbieten lassen, lasse ich das Tagwerk vollendet sein, baue ab und verstau alles im Auto - die Montierung
natürlich- wie sollte es heut anders sein- mit zwei abgeschraubten Beinen.
Als ich alles verstaut hab, halte ich nochmals kurz inne. Genieße die Dunkelheit. die Stille, nur unterbrochen durch
das Kjää - - - Kjää - - - Kjää. Der laue Wind. Ich lasse meinen Blick über das Firmament schweifen - hier hat man ein
360°-Panorama mit fast 0°-Horizont. Die Milchstraße verläuft vom Schwan zum Schützen fast aprallel zum Osthorizont,
deutlich ist ihre Zweiteilung südlich des Schwans auszumachen. Ich lasse nochmals alle Beobachtungen an meinem
inneren Auge vorbeiziehen, dann breche ich auf und fahr nach Hause.

Viele Grüße und noch viel mehr so schöne und sternklare Nächte Euch allen,

Markus