Hallo Sternenfreunde!
Am Freitag war hervorragendes Wetter, gegen Abend wurde es zusehends
klarer, Temperaturen an die 30°C - herrlich. Nachdem die größte Hitze des
Tags gebrochen war, bin ich mit Bärbel noch für ein Stündchen auf das dieses
Wochenende stattfindende Hafenfest geradelt und danach noch in die Altstadt,
wo es diesmal ein kühles Weizen gab. Als Remineszenz an die immer noch
anhaltende Hitze. Auch nach Sonnenuntergang blieb es die ganze Nacht lau und
warm, wir machten es uns im Garten unter dem großen Kirschbaum bei einer
großen Kanne Tee gemütlich, daneben hatte ich schon Lord Rosse, den dicken
Newton aufgebaut und in Ruhe aligned. Auch Thomas, ein Arbeitskollege, der nur
ums Eck entfernt wohnt, gesellte sich spontan zu uns. So wurde dann aus dem
Abend ein buntes Kaleidoskop unserer Sommermilchstraße. Und das gabs alles
zu bewunden:
Teleskop:
Meade Starfinder 10" Newton auf äquatorialer Montierung mit 2-Achsensteuerung und digitalen Teilkreisen
Hauptspiegelbrennweite 1140mm, Öffnungsverhältnis von 1:4,5
Strehl-Wert: >88%
Okulare: (Vergrößerungsangaben am 10"-Newton)
32mm-Plössl von Celestron (36-fache Vergrößerung)
26mm-Super-Plössl von MEADE, Serie 4000 (44-fache Vergrößerung)
~14,5mm WA Erfle von INTES
12,5mm orthoskopisches Okular von Vixen (91-fache Vergrößerung)
7mm orthoskopisches Okular von Celestron (163-fache Vergrößerung)
6,3mm-Kellner von Bresser (180-fache Vergrößerung)
5mm Eudiascopic von Baader (228-fache Vergrößerung)
Sonstiges:
2x-Barlowlinse, Celestron ultima, 3-linsiger Achromat mit Luftspalt
Baader Skyglow Filter
Astronomik UHC-Filter
Binokular:Bresser Saturn Zoom, 9-27 x 56
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Zeitpunkt:
Freitag, 14. Juni 2002, 23:00 - 02:30
Visuelle Grenzgröße:
ca. 5,2mag
Durchsicht:
gut
Seeing:
-
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Doppelsterne:
-
Galaxien:
-
Kugelsternhaufen:
M12, M10
Offene Sternhaufen:
NGC6633, M11, M16, NGC6866
Gasnebel:
NGC6992, NGC6960, IC4703
Planetarische Nebel:
NGC7027, NGC6894, NGC7008
Sonstiges:
-
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Einstieg war ein ähnliches Programm wie beim letzten mal: Ein Vergleich
von M10 und M12, zweier nur 3° benachbarter Kugelsternhaufen mit doch
recht unterschiedlichem Charakter! Bärbel und Thomas waren eben auch
daran interessiert, diese gleichen Geschwister ungleichen Charakters genauer
zu untersuchen: M10 ist bei 78x schon sehr locker hingestreut und bis in sein
Zentrum auflösbar, trotz alledem wirkt er sehr homogen und die hellsten seiner
orangefarbigen Einzelsterne überstrahlen seine integrale Helligkeit nur kaum.
Im Gegensatz hierzu zeigt M12 - der im übrigen ähnlich groß und hell ist - einige
deutlich hervortretende, ebenfalls orangene, teils von aussen radial zum Zentrum
hingeworfene Einzelsterne. Thomas wollte nochmals zurück zu M10, und gerade
hier fällt besonders das Fehlen der so funkelnden Haufenmitglieder von M12
auf. Ein Vergleich dieser beiden Objekte ist immer wieder eine interessante
sache, bei Gelegenheit werd ich M10 und M12 mal zeichnerisch versuchen fest-
zuhalten.
Dann ging die Tour weiter zu einer Himmelsgegend, die ich immer mein
Tor zum Süden nenne: westlich des Adlers, dort, wo Serpentis cauda und
Ophiucchus einen nach Süden spitz zulaufenden Trichter bilden, in dem sich
Objekte wie NGC6633, IC4665, Barnard's Pfeilstern befinden, ein Bereich, der
sich noch bis M11 hinstrecken mag. Darunter beginnt "mein Süden", mit M16
als nördlichstem Vertreter, dann die Gasnebel der Sommermilchstraße, Sagittarius,
Scorpio, Sommerboten und Freunde, die ich wegen der Häuser im heimischen Garten
nicht sehen kann, mit Ausnahme eben des Nördlichsten, des Adlernebels.
Einstieg war hier der große, imposant funkelnde offene Sternhaufen NGC6633:
Dutzende helle, blau funkelnde Sterne zeigen sich da locker gestreut über mehr als 1°
hin. Bei 44x füllt der Haufen schon mehr als die 1,2° Okulargesichtsfeld. Im 32er
Celestron-Plössl (Handgranate) bei 1,4° Bildfelddurchmesser wirkt NGC6633 noch
genialer und eindrücklicher: für diesen offenen Haufen muß ich extra mal den Optimus
mit seinen nur 700mm Brennweite aktivieren, der schafft mit der Handgranate fast
2,4° Bildfeld! Und hier verließ ich nun die Reiseroute meiner letzten Sternentour und
machte mich weiter auf gen Süden: M11 hab ich schon ein Jahr nicht mehr besucht.
Die Bienenkönigin mit ihrem Volk - eine recht poetische und zutreffende Metapher.
M11 offenbart bei steigender Vergrößerung mehr und mehr Details: weit über 100
rautenförmig angeordnete Sterne um einen besonders hellen, zentralen Stern tummeln
sich da! Teils sind auch die Sterne selbst in rautenförmigen Verdichtungen agglomeriert.
M11 ist einfach immer wieder ein Prachtobjekt. Weiter Richtung Süden geht es nun
zum Adlernebel: M16 und der ihn umhüllende Gasnebelkomplex IC4703. M16, der offene
Sternhaufen besteht aus einigen dicht gedrängten, U-förmig angeordneten Sternen im Norden
und 4 weiteren Sternen weiter südlich, die einen recht weiten Bogen bilden. Nimmt man sich
den UHC-Filter zunutze, so tritt deutlich der Emissionsnebel um die helle nördliche Sternen-
verdichtung zutage. Auch um die 4 einen Bogen bildenden südlicheren Sterne ist ein leichter
Nebelhauch zu erkennen; Für -13° Deklination aus meinem Garten ist dieses Ergebnis durchaus
bemerkenswert, ist doch der Südhorizont - soweit überhaupt sichtbar - von -20° bis -10° noch
relativ streulichtverseucht.
Bärbel hatte mir zwischenzeitlich aus dem Night Sky Observer's Guide den planetarischen
Nebel NGC6894 rausgesucht, einem bestimmt sehr interessanten Ring. Bärbel meinte, es
sei eine Herausforderung, Thomas lästerte: den hat er doch gleich gefunden mit seinem
Beckenrandschwimmer-Fernrohr. Eine gezielte Anspielung auf die Zweiachsensteuerung mit
digitalen Teilkreisen. Aber: trotz Warmduscher-fast-schon-GoTo fand ich auch nach einer
halben Stunde Rumgestocher in einer Gegend mit zwar sehr vielen, aber recht unmarkanten
Sternen ziemlich gleicher Helligkeit (~10mag) nichts - da half auch kein Cartes du Ciel mit
Tycho-Katalog bis zur 12. Größenklasse. Ich werd mir für dieses nicht ganz einfahce Objekt
mal eine gezielte Aufsuchroute rausarbeiten müssen - und es vielleicht als Thriller des Monats
Juli an den Mann und die Frau bringen, wer weiß?
Bärbel und Thomas waren dann aber recht begeistert von den beiden Cirrusbögen NGC6992 und NGC6960,
wenngleich ich diese bei meiner letzten Tour deutlich detailreicher und strukturierter sehen konnte.
Diese großen Nebel reagieren halt sofort auf kleinste Veränderungen des Himmelshintergrundes
mit der Mimosenhaftigkeit einer keuschen Jungfrau... Trotz allem sind diese fast 2° messenden
Nebelhüllen - der eine sich immer stärker krümmend, der andere elegant S-förmig geschwungen -
ein phantastischer Anblick. Auch diese beiden hab ich mir für einen Test mit dem Optimus und UHC
vorgemerkt - mal schaun, was bei 2,3° Gesichtsfeld geht!
NGC6866 ist ein ebenfalls recht schöner Sternhaufen, der bei 78x sehr sehr viele, fein gestreute
Hintergrundsterne zeigt - ein Objekt bei dem man einfach eine Weile verbleiben und immer mehr
Einzelheiten rausfinden muß! Nachdem ich nun an der Suche des planetarischen Nebels NGC6894
so kläglich gescheitert bin, wollte ich doch noch ins Reich dieser Objektgattung eindringen, was mir
mit NGC7027 recht einfach gelang. Hierbei handelt es sich um einen sehr hellen, homogenen, kleinen
planetarischen Nebel, der rund, ab 228x dann leicht mausförmig wirkt mit einem nach Südosten gerichteten
"Schwänzchen". Er wirkt nach der Ostseite hin etwas aufgefächert, kometenhaft, wobei die hellste Kante
dieses "Fächers" eben das nach Südosten zeigende "Schwänzchen" ist.
Auf meiner Suche nach planetarischen Nebeln stieß ich dann auf ein besonders schönes Objekt, welches
ich jedem nur mehr als empfehlen kann: NGC7008! Dieser fällt unmittelbar nördlich eines nicht zu engen und
nicht zu weiten Doppelsterns als Nebulosität auf, die bei 78x länglich und leicht gebogen wird. Das ganze erinnert
in etwa - man möge mir verzeihen - an eine Weißwurst. Dieses Objekt ist so interessant, ich mußte es einfach
zeichnen, hier mein bescheidener Versuch:
NGC7008, 10"-Newton, f=1140mm, bei 156x (14,5mm Erfle + 2x apochromatische
Barlowlinse) mit UHC (Norden ist rechts im Bild)
Bei 91x mit UHC kommt die länglich-gebogene Form mit UHC sehr gut raus, der Nebel wirkt an seinen
Enden heller wie in der Mitte. Bei 156x mit UHC kann man noch mehr Details wahrnehmen, man sieht,
wie in der Zeichnung, daß das Nordende des Nebels am hellsten ist. NGC7008 ist auf jeden Fall eine
Entdeckung, gewissermaßen ein Gehiemtip für alle! Für mich das vielseitigste Objekt dieser Nacht!
Zum Abschluß - es war mittlerweile schon 2 Uhr durch - gabs dann nochmal einen offenen Sternhaufen:
NGC6819 ist wirklich ein wunderbar schönes Objekt, mit einer Population sehr sehr vieler, eng zusammen
stehender Sterne, die teils recht schwach sind. Hohe Vergrößerung bringt bei diesem Sternhaufen sehr
viel, bei 163x löst sich die Hintergrundnebulosität zusehends auf!
Beeindruckt von dem vielen Gesehenen baue ich meine "Sternwarte" ab und bin dann gegen drei Uhr
todmüde im Bett und doch geistig derart durchdrungen, daß ich erstmal eine halbe Stunde keinen Schlaf
finde, ein Zeichen dafür, daß es diesmal wieder eine besonders schöne Himmelsnacht war.
Viele Grüße und noch viel mehr so schöne und sternklare Nächte Euch allen,
Markus
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