Hallo Sternenfreunde!
Am Montag, dem 8. Juli 2002 war bei uns prima Wetter mit einer recht
guten Durchsicht, so daß ich nach längerer Spechtelabstinenz unbedingt
den äquatorialen Zehnzöller Lord Rosse bemühen mußte, während Bärbel
parallel mit dem Fünfzollnewton Nachtelflein den Himmel unsicher machte.
Und so kam ein recht interessantes Sammelsurium an Objekten zusammen,
sogar mein Thriller des Monats Juli (siehe hier) war recht schön zu beobachten.
Hier erstmal wie immer eine Zusammenfassung:
Teleskope:
Meade Starfinder 10" Newton auf äquatorialer Montierung mit 2-Achsensteuerung und digitalen Teilkreisen
Hauptspiegelbrennweite 1140mm, Öffnungsverhältnis von 1:4,5
Strehl-Wert: >88%
Dörr Atlas 2000 5,1"-Newton auf äquatorialer Skyview-Montierung
mit Polsucher; Hauptspiegelbrennweite 900mm,
Öffnungsverhältnis 1:6,9
Okulare: (Vergrößerungsangaben am 10"-Newton)
32mm-Plössl von Celestron (36-fache Vergrößerung)
26mm-Super-Plössl von MEADE, Serie 4000 (44-fache Vergrößerung)
~14,5mm WA Erfle von INTES
12,5mm orthoskopisches Okular von Vixen (91-fache Vergrößerung)
7mm orthoskopisches Okular von Celestron (163-fache Vergrößerung)
6,3mm-Kellner von Bresser (180-fache Vergrößerung)
5mm Eudiascopic von Baader (228-fache Vergrößerung)
Sonstiges:
2x-Barlowlinse, Celestron ultima, 3-linsiger Achromat mit Luftspalt
Baader Skyglow Filter
Astronomik UHC-Filter
Binokular:Bresser Saturn Zoom, 9-27 x 56
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Zeitpunkt:
Montag, 08. Juli 2002, 23:00 - 02:00
Visuelle Grenzgröße:
ca. 5,5mag
Durchsicht:
sehr gut
Seeing:
-
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Doppelsterne:
Epsilon Lyrae, Struve 2470, Struve 2474, Pi Aquilae, Gamma Delphini,
Struve 2725, Kappa Delphini
Galaxien:
-
Kugelsternhaufen:
M56, M71
Offene Sternhaufen:
Gasnebel:
Cirrusnebel
Planetarische Nebel:
NGC6894, M27, M57
Sonstiges:
-
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Standardteleskope von der Stange sind oftmals nicht optimal gerechnet.
Das habe ich auch bei meinem Nachtelflein bemerkt, wo ein 34mm-Fangspiegel
in einer 47mm-Fangspiegelhalterung sitzt. Nachdem ich einige Tage zuvor mit
der Dekupiersäge den Durchmesser der Fangspiegelhalterung auf immerhin
38mm reduziert hatte, und nach Wiedereinbau der Spinne das Teleskop komplett
durchjustiert worden war, waren auch Doppelsterne sehr stark gefragt an diesem
Abend. Erster Standardtest ist im Sommer immer Epsilon Lyrae, wo mich besonders
interessierte, ab welcher Vergrößerung er im Fünfzöller 4-fach wird. Nun, die Grenze
liegt hier bei 72x, ab wo alle vier Komponenten mit Zwischenraum abgebildet werden.
Der Zehnzöller zeigt aber im direkten Vergleich eine drastisch definiertere Abbildung.
Interessant auch Pi Aquilae (6m1;6m9;1,4"): Der Zehnzöller trennt ihn bei 163x deutlich
mit Zwischenraum, aber auch der Fünfzöller schaft diese Übung bei 180x, man erkennt,
daß der östliche Stern etwa 0,5mag schwächer erscheint, beide Komponenten wirken
goldgelb. Im Zehnzöller würde ich den Positionswinkel auf 110° schätzen. Vor einer
Woche hatten wir im Fünfzöller die grüne Farbe der einen Komponente von Gamma
Delphini bewundert; nun, bei 79x im Zehnzöller kommt dieses eigentümliche olivgelb-
grün noch deutlicher raus! Der andere Stern ist golden gelb.
Nun war aber deep sky angesagt. Während Bärbel mit Nachtelflein M57 erhaschte,
kümmerte ich mich mit Lord Rosse um den - zu Unrecht - nicht so oft besuchten Kugel-
sternhaufen M56, ebenfalls in der Lyra. Hatte M56 schon vor zwei Wochen im Optimus
meine Aufmerksamkeit erregt, wollte ich ihn diesmal mit 10 Zoll Öffnung etwas detaillierter
inspizieren.Bei 79x erkennt man einen dreieckigen Sternhaufen, mit der Spitze nach
Norden weisend, an der Spitze sitzt ein recht heller Einzelstern. Der gar nicht so kugelige
Kugelsternahufen findet sich etwas östlich eines mittelhellen Sterns. Sukzessive steigere
ich die Vergrößerung, es werden mehr und mehr Details erkennbar. Bei 228x - der Zehnzöller
liefert halt Licht ohne Ende - zeigen sich schon einige Einzelsterne klar getrennt als Sprenkel
vor granulärem, fast schon aufgelöstem Sternenstaub; bei dieser hohen Vergrößerung wird
die dreieckige Form noch deutlicher; der Anblick erinnert mich fast an M11 im Optimus, bis
auf den fehlenden "Zentralstern". M57 im Fünfzöller ließ Bärbel derweil in rechte Begeisterung
geraten, denn mit UHC trieb sie die Vergrößerung letztendlich bis auf 180x, wo wunderbar
der große Ring mit seiner leicht abgeplatteten Form im Okular zu schweben schien. Indirekt
war östlich von M57 das kleine schwache Sternchen blickweise zu erhaschen.
Nun kam das schwierigste Vorhaben dieser Nacht, mein Thriller des Monats, der planetarische
Nebel NGC6894, der Ringnebel im Schwan.
Mit einer genauen Aufsuchkarte aus Cartes du Ciel mit Sternen bis 12mag ist man für einen
Starhop mit dem Zehnzöller optimal gerüstet. Das Problem mit den extrem lichtschwachen Objekten
liegt eigentlich darin, daß man sie zwar mit der Zweiachsensteuerung schön genau anfahren kann,
jedoch braucht man dann noch die genauen Sternenmuster der Umgebung, um das gesuchte
Objekt zu lokalisieren. Da es in der Gegend um 6894 kaum markante Muster, sondern nur
stochastisch verteilte Sterne gibt, hab ich mich von 39 Cygni aus wirklich Stern für Stern durchgehangelt.
Und tatsächlich, in einer sternleeren, runden Fläche von etwa einem halben Grad Durchmesser
findet man bei indirektem Sehen mit 44x etwas eindeutig Nebliges! Da muß also mein wunderbar
transmissives Erfle her! Mit UHC bestückt gelingt dann mit diesem Okular bei 79x der Durchbruch!
Der kleine, runde, dunkelgraue Nebel wird auch mit direkter Sichtweise klar und deutlich erkennbar,
Bärbel erkennt bei indirekter Sichtweise als erste auch die Ringform: das Zentrum der Nebelscheibe
ist deutlich dunkler! Bei längerem Einsehen kann man auch erkennen, daß der Ring in seinem nördlichen
Bereich am hellsten leuchtet, der Rest des Rings ist etwas blasser. Vom Durchmesser her würde ich
NGC6894 auf rund die Hälfte von M57 schätzen. Erstaunt hat uns beide, daß dieser planetarische Nebel
mit seinen 12m3 so gut zu sehen ist. Zu guter letzt hab ich dann noch eine Zeichnung angefertigt, denn
so einen Augenblick muß man einfach festhalten:
NGC6894 im 254mm-Newton, f=1140mm bei 79x mit UHC
Nun war ja das Nachtelflein noch auf Lyra gerichtet und so gönnten wir uns mit dem 130er Newton
einen Blick auf das interessante Doppelsternpaar Struve 2470 / Struve 2474. Diese beiden
Doppelsterne bilden einen echt tollen Anblick: zwei gleich ausgerichtete, gleich weit separierte
Doppelsterne mit nahezu gleicher Helligkeit und gleichem Helligkeitsunterschied. Wunderschön
anzuschauen, wie diese beiden Zwillinge so einträchtig nebeneinander im Raum schweben. Mit
(6m6; 8m6; 13,4"; 271°) bzw. (6m7;8m8; 16,2"; 262°) sind diese beiden auch lohnende Objekte
im kleinen Fernrohr. Im Übrigen liegen die beiden Sternpaare auch farblich sehr nah beieinander.
Ein weiterer Doppelstern ist Kappa Delphini. Dessen Hauptkomponente ist im kleinen Fünfzöller
gleißend golden. Sein 30" entfernter Begleiter ist mit 11m7 grade so eben noch erkennbar und
wirkt wie ein zufällig westlich stehender Feldstern.
Wunderschön war diese recht laue, sternklare Nacht im Garten, wo man ab und an das Rascheln
und Schnauben eines Igels vernimmt. Nun gabs erstmal zur Entspannung eine Espressopause,
wo wir einfach die angenehme Abendluft und das ruhig daliegende Band der Milchstraße über
unseren Köpfen genossen. Schön war die Zweiteilung unserer Heimatgalaxie im Schwan
Richtung Adler zu sehen. Ach ja, und über den Häusern schwingt sich schon Cassiopeia, die
Göttin des Spätsommers auf die Bühne. Da, über den Dächern, sind h und chi mit bloßem Auge
schön zu erhaschen!
Nun wandten wir uns aber mit dem Zehnzöller dem Hantelnebel M27 zu, den zuvor schon das Nachtelflein
so wunderschön vor unsre Augen gezaubert hatte. Welch wunderschöner nebel doch die Hantel immer
wieder ist! Klar, die Hantel ist deutlich zu sehen. Bei 79x mit UHC zeigt uns Lord Rosse allerdings, daß
diese helle Hantel noch in einen schwächeren nebel eingebettet ist, der die Taille der Hantel umfängt und
so über sie ausgreift, daß der Nebel sogar breiter wie hoch ist! An der NW-Ecke der inneren Hantel blinzelt
uns ein Sternchen entgegen.
Eigentlich wollten wir noch an M71 einige Details sehen, doch die Müdigkeit macht sich bemerkbar, vor allem
nach einem anstrengenden Objekt wie NGC6894! Einige Einzelsterne vor nebligem Hintergrund in leicht
dreieckiger Anordnung, mehr ist heute nicht mehr drin. Es gab schon Nächte, da konnten wir die einzelnen
Sterne in M71 durchzählen! Naja, es ist auch 1Uhr! Ein letzter Blick gehört dem Cirrusnebel, der sich als
wunderbar S-förmiger Bogen durchs Okular zieht, die Nordspitze sehr scharf gezeichnet, nach Süden sich
mehr und mehr in der Dunkelheit des Alls verlierend...
Bärbel geht schon mal voraus ins Bett; ich baue das Teleskop ab, werde währenddessen noch den einen oder
andern Blick zum Firmament. Eine halbe Stunde später liege auch ich - glücklich von diesem schönen Abend -
in den Federn.
Viele Grüße und noch viel mehr so schöne und sternklare Nächte Euch allen,
Markus
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