Hallo Sternenfreunde!
Nachdem es im August nach 3 Wochen schlechten Wetters pünktlich dann
sternklar wurde, als der Vollmond prall vom Himmel strahlte, mußte ich noch
eine woche aushalten. Gott sei Dank war es dann zum Wochenende soweit
klar, daß ich am Freitag Abend den Zehnzollnewton Lord Rosse aufgebaut
habe. Eine Woche zuvor schon hatte ich zwei serienmäßige Schrauben am
Fernrohrsattel durch bessere ersetzt, wodurch ich die Ausschwingzeit des
Zehnzöllers auf seiner äquatorialen Montierung auf immerhin unter 4 Sekunden
drücken konnte. Für einen Tubus mit fast ein Meter zwanzig Länge und
dreiunddreißig Zentimeter Durchmesser doch schon ganz ordentlich.
Folgende Objekte haben Bärbel und ich dann in den eineinhalb Stunden bis
mondaufgang betrachtet:
Teleskope:
Meade Starfinder 10" Newton auf äquatorialer Montierung mit 2-Achsensteuerung und digitalen Teilkreisen
Hauptspiegelbrennweite 1140mm, Öffnungsverhältnis von 1:4,5
Strehl-Wert: >88%
Okulare: (Vergrößerungsangaben am 10"-Newton)
32mm-Plössl von Celestron (36-fache Vergrößerung)
26mm-Super-Plössl von MEADE, Serie 4000 (44-fache Vergrößerung)
~14,5mm WA Erfle von INTES
12,5mm orthoskopisches Okular von Vixen (91-fache Vergrößerung)
7mm orthoskopisches Okular von Celestron (163-fache Vergrößerung)
6,3mm-Kellner von Bresser (180-fache Vergrößerung)
5mm Eudiascopic von Baader (228-fache Vergrößerung)
Sonstiges:
2x-Barlowlinse, Celestron ultima, 3-linsiger Achromat mit Luftspalt
Baader Skyglow Filter
Astronomik UHC-Filter
Binokular:Bresser Saturn Zoom, 9-27 x 56
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Zeitpunkt:
Freitag, 31. August 2002, 22:00 - 23:30
Visuelle Grenzgröße:
ca. 4,7mag
Durchsicht:
befriedigend
Seeing:
gut bis sehr gut
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Doppelsterne:
Pi Aquilae
Galaxien:
NGC7331
Kugelsternhaufen:
M15, NGC6934
Offene Sternhaufen:
NGC6795
Gasnebel:
-
Planetarische Nebel:
NGC6781
Sonstiges:
Mond
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Zum Einsehen gabs ersteinmal den allseits bekannten und beliebten Kugelsternhaufen
M15 in Pegasus. 21:30 ist noch etwas früh für Detailerkennbarkeit, aber so gegen
22 Uhr beginnt M15, bei 78x schon Einzelheiten zu offenbaren: Ein kleiner, extrem heller
Sternenkern wird von einem schwächeren - wenngleich auch immer noch recht hellen -
Sternenhalo umkränzt. Ein wunderbarer Anblick, endlich wieder nach Wochen unsere
galaktische nachbarschaft bestaunen zu dürfen! Es ist schön, zu verfolgen, wie sich
- mit zunehmender Dunkelheit des Himmelshintergrundes - im nördlichen Teil des Halos
mehr und mehr einzelne Sternsprenkel herauszukristallisieren beginnen. Ich wechsle
auf 91-fache Vergrößerung: welch unendliche Sternenfülle tut sich einem da auf! Freudig
verfolge ich den Reigen der Sterne, der sich da so intensiv um den hellen Kern schart,
gleichsam als obs da was umsonst gäbe...
Mittlerweile wird der Himmel zusehends dunkler, so schwenke ich mit Lord Rosse rüber
in das Sternbild Aquila. Direkt bei d Aquilae findet sich der als non-existent klassifizierte
offene Sternhaufen NGC6795. Nordöstlich des hellen Sterns d Aquilae erstreckt sich der
aus recht hellen Sternen - ich zähle derer gut zwei Dutzend - zusammengesetzte Sternhaufen.
Er bildet ein Dreieck mit etwa 1° Kantenlänge. Die Sterne bilden in etwa die Form eines
großen A. Ob der guten Helligkeit der Sternenmitglieder und seiner Größe ist dies sicher auch
ein äußerst lohnendes Objekt für kleine Fernrohre mit weniger als 4 Zoll Öffnung. d Aquilae
bildet im Übrigen die Spitze des Dreiecks.
Als nächstes hatten wir einen nicht ganz einfachen planetarischen Nebel im Visier, der sich
ebenfalls im Adler rumtreibt: NGC6781. Und tatsächlich konnten wir den Rumtreiber bei
44x finden - allerdings nur bewaffnet mit dem UHC-Filter. Ohne wäre der Himmel nicht
transparent genug gewesen. Bei 78x erkennt man - mit UHC - ein dunkelgraues, ovales,
fast rundes Scheibchen, von der Audehnung etwa so groß wie der helle Kern des eben
beobachteten und somit noch im gedächtnis weilenden M15. Trotz seiner geringen
Helligkeit von nur 11m4 ist er bei direktem Sehen gut zu halten. Hier eine Zeichnung:
NGC6781, 10"-Newton, f=1140mm bei 44x mit UHC
Bei längerem Einsehen - und vor allem bei hohen Austrittspupillen (26mm-Okular/AP=5,8mm;
32mm-Okular/AP=7,1mm) kann man erkennen, daß der Nebel innen dunkler ist, also eine Art
Ringstruktur zeigt.
Für NGC6772 mit einer Helligkeit von 12m7 hat dann der Himmel aber nicht gereicht. Dafür
konnten wir zum Schluß des visuellen Teils - der photographische sollte noch folgen - noch einen
Kugelsternhaufen im Delphin bewundern: NGC6934. Bei 44x ist direkt östlich eines Sterns dieser
weiße Nebelbausch sofort zu sehen. Bei 180x ist er bis ins Zentrum stark granulär zu sehen! Im
Nordbereich zieht sich ein kleiner Dunkelbereich in Richtung NO-Rand des Haufens, dieser
Dunkelbereich trennt den haufen wie eine Sekante einen Kreis. Erstaunlich, welche Einzelheiten
dieses selten beobachtete Objekt zu bieten hat.
Zum Schluß gabs dann noch die Galaxie NGC7331, die aber außer ihrer Spindelgestalt keine
weiteren Details preisgab, hatte sich doch der zweite Akteur des Abends, der Mond, bereits
auf der Himmelsbühne etabliert.
Diesen habe ich mit dem äquatorialen Zehnzöller in Okularprojektion auf Kodak Gold Ultra 400
gebannt. Als Projektionsokular diente ein 12,5mm-Vixen-Ortho. Mit einer Äquivalentbrennweite
von 8200mm ergab das bei 254mm Öffnung ein f/32 mit daraus resultierenden Belichtungszeiten
von etwa 0,1 Sekunde, das kürzeste, was mit der Hutmethode noch belichtbar ist.
Alle Bilder sind in der Auflösung stark reduziert. Die hochauflösenden Versionen mit mehr als 1,5MPixel
finden sich in meiner Astrogalerie in der Mondrubrik.
Sinus Iridum und Plato, MEADE Starfinder 10" EQ, D=254mm, f=8200mm, auf Kodak Gold Ultra 400, 0,1sek
Eratosthenes und Copernicus, MEADE Starfinder 10" EQ, D=254mm, f=8200mm, auf Kodak Gold Ultra 400, 0,1sek
Rupes recta bis Clavius, MEADE Starfinder 10" EQ, D=254mm, f=8200mm, auf Kodak Gold Ultra 400, 0,1sek
Viele Grüße und noch viel mehr so schöne und sternklare Nächte Euch allen,
Markus
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