Hallo Sternenfreunde!
Wie beginnt in unseren Breiten ein klassischer Beobachtungsbericht?
Nein, nicht mit "es war einmal". Sondern damit: "Nach 5 Wochen andauernder
Bewölkung war es endlich mal wieder für 3 Stunden so halbwegs klar".
Ist ja auch klar, daß es so lange nicht klar war, denn Lord Rosse, mein
äquatorial montierter Zehnzöller, hat einen neuen Okularauszug implantiert
bekommen. Dabei habe ich gleich die Distanz Hauptspiegel-Fangspiegel
um 20mm erhöht , womit ich nun mit bloßen 60mm Fangspiegel die vollen
254mm des Hauptspiegels ausnutze und nicht nur 248mm.
Teleskope:
Meade Starfinder 10" Newton auf äquatorialer Montierung mit 2-Achsensteuerung und digitalen Teilkreisen
Hauptspiegelbrennweite 1140mm, Öffnungsverhältnis von 1:4,5
Strehl-Wert: >88%
Okulare: (Vergrößerungsangaben am 10"-Newton)
32mm-Plössl von Celestron (36-fache Vergrößerung)
26mm-Super-Plössl von MEADE, Serie 4000 (44-fache Vergrößerung)
~14,5mm WA Erfle von INTES
12,5mm orthoskopisches Okular von Vixen (91-fache Vergrößerung)
7mm orthoskopisches Okular von Celestron (163-fache Vergrößerung)
6,3mm-Kellner von Bresser (180-fache Vergrößerung)
5mm Eudiascopic von Baader (228-fache Vergrößerung)
Sonstiges:
2x-Barlowlinse, Celestron ultima, 3-linsiger Achromat mit Luftspalt
Baader Skyglow Filter
Astronomik UHC-Filter
Binokular:Bresser Saturn Zoom, 9-27 x 56
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Zeitpunkt:
Dienstag, 12. November 2002, 20:00 - 22:30
Visuelle Grenzgröße:
ca. 4,7mag-5,0mag
Durchsicht:
befriedigend
Seeing:
ausreichend
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Doppelsterne:
Epsilon Persei
Galaxien:
M31, M32, M110
Kugelsternhaufen:
-
Offene Sternhaufen:
h+c, M45, NGC957, NGC1342, NGC1502, M36, M37, M38
Gasnebel:
-
Planetarische Nebel:
NGC1501
Sonstiges:
Mond, Saturn
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Begonnen hatte ich am Mond, der zwar recht über den Hausdächern und Kaminen
waberte (jetzt im Winter geht das wieder los), jedoch einen phantastischen Anblick bot.
Noch schärfer kanns schier nicht mehr gehen. Wahnsinn! Leider konnte ich wegen
des mäßigen seeings nur bis 228x hoch vergrößern, das war aber schon gigantisch!
Auf Rükl Karte No. 12 beispielsweise: Mons Piton mit feinsten Details, die knapp südlich
dieses Berges liegenden Kleinkrater A und B wunderbar zu sehen, und zwar auch der
jeweilige dünne Ringwall drumrum! Feinste Details im Krater Cassini. Die Gelände-
stufe südlich von Mons Piton wie im Tiefflug, so klar und deutlich. Die Wände des
Vallis Alpes, bei wirklich gutem seeing wär ich in das Alpental liebend gerne mit vollem
Overdrive bei 456x abgetaucht! Ob da wohl die Rille dringewesen wäre? Bei dem
Spiegel würds mich nicht wundern!
h+c sind mit Zehn Zoll Öffnung natürlich immer wieder ein unbeschreiblicher Genuß,
bei Gelegenheit werd ich die Brüder wohl photographieren müssen! Schön ist der
Kontrast der bedien Sternhaufen zueinander, der eine etwas kompakter, der andere
mti seinen beiden hellen Sternen etwas ausladender. herrlich!
M45, die Plejaden. Bei 36x im 32er Celestron Plössl ein ordentlicher Anblick. Allerdings
war es für den Meropenebel zu dunstig. Extrem hohe Luftfeuchtigkeit und das damit
verbundene Streulicht waren auch der Grund für die unterdurchschnittliche Grenzgröße.
Tau floß in dieser Nacht reichlich! So widmete ich mich mal M31, die auch bei 36x das
ganze 1,5° große Gesichtsfeld locker durchmaß. M32 kam mir so vor, als säße sie
auf einem Spiralarm von M31, den zu M32 hin wurde es wieder etwas heller im Himmels-
hintergrund. Oder ist das eher der Halo von M32? Na, M110 war grade so eben erahnbar,
also eigentlich nix für Galaxien. Diese interesannte Dreiergruppe werde ich mal zum
alleinigen Thema einer einzigen Beobachtungsnacht machen.
Nun, da es weder für Galaxien noch für Reflexionsnebel (Merope) reichte, ging ich zu offenen
Sternhaufen über. Da es nun doch grenzgrößenmäßig ein klein wenig besser wurde, konnte
ich hier einige tolle und interessante Dinge sehen.Direkt östlich von h+c findet man
beispielsweise einen ganz tollen offenen Sternhaufen: NGC957. Um eine gebogene
Sternenkette aus 4 oder 5 recht hellen Sternen schart sich eine Gruppe von zwei, drei
Dutzend weiteren mittelhellen Sternchen. 2 sehr helle Sterne nördlich des Westendes
der Sternenkette stehen genau in Nord-Süd-Richtung. Je länger man NGC957 betrachtet,
desto deutlicher treten die feinen Sternenpünktchen vor dem Himmelshintergrund
hervor. Ein ebenfalls sehr sehenswerter offener Sternhaufen ist NGC1342. Er ist deutlicher
zu sehen wie der ebenfalls schon nicht grade schwächliche NGC957, etwa 30 Sterne
verteilen sich auf eine Fläche von rund 7' x 15', wobei im Westteil des Haufens sich die
etwas helleren Sterne häufen. Der Sternhaufen fällt gut auf, da in seiner unmittelbaren
Umgebung recht wenig Sterne sind, NGC1342 hebt sich damit sehr gut ab. Bei 78x
erkennt man noch unaufgelöste Hintergrundnebulosität, hier scheint es noch mehr
Sterne zu geben. Insgesamt ist NGC1342 ein Haufen der M36-Kategorie.
Wobei wir schon bei unserem nächsten Ziel angelangt wären: Auriga.
M36 zeigt schön einige Dutzend eng gedrängte Sterne. M37 ist bei 78x einfach überwältigend,
welche Unmengen an Sternen da hingezuckert sind. Bärbel erinnert das sofort an Birgits
Schneegestöber oder die Fee im Schnee. Heute aber wirkt M38 am prächtigsten:
zwei helle Sternenketten kreuzen sich X-förmig. Bei 78x kann man den Milchstraßenhintergrund
in Form klumpiger Nebulosität bewundern: einfach phantastisch!
Zur Abwechslung gab es dnn mal einen Doppelstern: Epsilon Persei. Bei 163x ist er mit
riesigem Zwischenraum getrennt, ein hellblauer und ein deutlich weniger heller, ebenfalls
blauer Stern, etwa 3mag schwächer auf einem Positionswinkel von etwa 330°. (2m9;7m5;9")
Weiter gings zur Giraffe, Camelopardalis. Der offene Sternhaufen NGC1502 am Ende
der wahrlich auffallenden ewig langen Sternenkette Kemble's Cascade ist mir noch
vom letzten Jahr aus Bornholm mit dem Optimus ein Begriff. Allerdings war mir nicht
bewußt, wie extrem hell die Komponenten dieser kleinen Sternansammlung sind:
richtig giftige kleine Sternenscheinwerfer bilden hier eine ganz flache, pfeilförmige Struktur.
Allerdings sollte dieser Sternhaufen nur mein Wegweiser zu dem benachbarten planetarischen
Nebel NGC1501 sein. Und in der Tat, schon bei 44x ohne UHC-Filter fällt ein graues Nebelbällchen
auf. Dieses Objekt ist viel einfacher zu sehen, als ich mir gedacht hätte! 78x mit UHC zeigt
eine graue, runde Scheibe, mit UHC wird der Kontrast einen Tick besser. Das Innere des
Nebels scheint etwas dunkler zu sein, aber es ist vom Kontrast her kein ganz "richtiger"
Ring, dazu is er innen nicht dunkel genug. Nach westen hin scheint er am Rand ein klein
wenig diffuser zu sein. Absolut lohnenswert!
Zum Schluß - trotz mittelmäßigem seeing - noch Saturn. Wunderschön schwebt der Ringplanet bei
163x im Okular. Gleißend helles Vanillegelb zeigt er heuer. Und die Bänderung empfinde ich
heuer nicht olivgrün sondern eher rötlich braungrün - fast schon ein Touch Jupiterbänderfarbe.
Überhaupt erscheint mir die Bänderung auf Saturn heuer besonders ausgeprägt. Da werd ich
wohl noch oft vorbeischaun müssen - vor allem mal bei gutem seeing!
Das wars dann auch schon, denn innerhalb von 10 minuten war der ganze garten in weißgrauen
nächtlichen nebel gehüllt.
Viele Grüße und noch viel mehr so schöne und sternklare Nächte Euch allen,
Markus
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