Hallo Sternenfreunde!

Der Samstag versprach schon nachmittags bestes Beobachtungswetter. Kein Wölkchen zeigte sich am
Himmel, die Temperaturen waren mit 25°C moderat, die Luftfeuchte war recht niedrig und kaum
ein Lüftchen regte sich. Also holte ich, nach einer nachmittäglichen Espresso-Stärkung, das
Monsterle aus seinem kühlen Kellerverließ hoch. So konnte ich gleich noch an der Montierung diese
und jene Stelle etwas fetten, das Teleskop in aller Ruhe ausbalancieren und alles gut fixieren,
was der Genauigkeit der digitalen Teilkreise sehr zustatten kommt. Vor allem hatte ich dann noch
Zeit, den Tubus noch bei Tageslicht per Filmdose, naja, kollimieren ist bei der Methode vielleicht
ein übertriebener Ausdruck. Zumindest sah danach alles recht konzentrisch aus. Und scharfe
Sternabbildungen schienen der Methode doch recht zu geben.
Für alle jetzt erstmal im Telegrammstil die Beobachtungsdaten:

Teleskop: Meade Starfinder 10" Newton auf äquatorialer Montierung mit 2-Achsensteuerung
          Hauptspiegelbrennweite 1140mm, macht ein Öffnungsverhältnis von 1:4,5
Okulare:  26mm-Super-Plössl von MEADE, Serie 4000 (44-fache Vergrößerung)
          6,3mm-Kellner von Bresser
          5mm Eudiascopic von Baader
          2x-Barlowlinse, Celestron ultima, 3-linsiger Achromat mit Luftspalt
Zeitpunkt: Samstag, 26.08.2000 21:45-00:30
Objekte:  Galaxien: NGC 7331
         Planetarische Nebel: NGC 7662 (blue snowball), NGC 6826 (blinking planetary),M27, M57
         Kugelsternhaufen: M15
         Offene Sternhaufen: NGC 7243, h und chi Persei


Als erstes Objekt mußte mal wieder M15, der Kugelsternhaufen im Pegasus herhalten. Erstens steht
der zur Zeit recht günstig und zweitens kenn ich diese Gegend mit den paar wenigen Sternen so gut,
daß es ein Leichtes ist, hier die Qualität des Alignments der Zweiachsensteuerung zu überprüfen
und gegebenenfalls zu korrigieren.
Nun, klar, M15 war schon bei 44x schön als Kugelsternhaufen zu sehen. Doch diesmal war die Durchsicht
so gut, die Milchstraße zog sich nicht nur als graues Band über den Himmel, sonder man konnte sogar
Einbuchtungen und Dunkelwolken, also allerlei Strukturen, schon mit dem bloßen Auge überdeutlich
erkennen. Der Himmel samtschwarz und das Sternenlicht absolut ruhig.Entsprechend toll war M15 bei 180x und
228x zu beobachten, kontrastreich und scharf, helle Einzelsterne bis in das dicht gedrängte kompakte
Zentrum. Das Zentrum von M15 wirkt bei diesen Vergrößerungen nicht mehr rund, sondern eher wie ein
Dreieck mit eingebuchteten Seitenkanten (Musketier-Hut). Diesen Eindruck kann ich auch bei 360x noch
nachvollziehen. Bei dieser Vergrößerung läßt sich das Zentrum von M15 sehr schön studieren. Wenn man da
für ein paar Minuten am Okular bleibt, werden immer mehr und mehr Details sichtbar.
Nun wollte ich mich in dieser Nacht hauptsächlich mal um zwei planetarische Nebel kümmern. Also gings
zunächst, schön zenithnah, in die nördliche Schwinge des Schwans, wo sich NGC 6826, der blinkende
planetarische Nebel befindet. Auf den zweiten Blick (zefix, warum läßt sich der Stern in der Mitte
nicht scharfstellen) bei 44x als türkisbläulichweisses leicht verwaschenes Sternchen.
Ein seltsamer Effekt: Irgendwie verschwindet er immer wieder, das Auge akkomodiert dann anders, und
plötzlich ist er wie aus dem Nichts wieder da. Das verschwinden gestaltet sich so, daß er langsam schwächer
wird, dann kurz zwei, dreimal leicht aufflackert. Dann ist er weg. Und plötzlich wieder da. Auch bei 88x
ist dieser Effekt sehr schön zu beobachten, da verschwindet er langsam und ist danach schlagartig wieder da.
Bei 360x kann man das Blinken aber praktisch nicht mehr feststellen. Ist das Blinken also tatsächlich,
oder nur ein Akkomodationseffekt des Auges, man merkt, daß das Auge, wenn er auftaucht, sich immer total
umfokussiert. Bei 360x sieht man schön den kleinen Zentralstern, eingebettet in einen Wattebausch, der
nach außen immer weniger wird. Sieht bei den hohen Vergrößerungen aus wie ein Hühnerauge :-)
Also, wer kann mir etwas zu dem seltsamen Effekt des "blinkenden planetarischen Nebels" sagen. Andere Objekte
sind definitiv nicht so seltsam anzuschauen. Ich kann mir aber auch nicht vorstellen, daß die Gashülle
des Sterns so schnell "umionisiert" werden kann.
Nun, das Fernrohr stand eh schon fast im Zenith, was lag also näher als ein Schwenk zu M57. Ich wollte die
spektakulären Beobachtungsergebnisse, wie ich sie auch in meinem letzten Bericht gepostet hab,
verifizieren. Diesmal bei 44x schon ein scharfes Ringlein, bei 88x schon als abgeplattet erkennbar. Bei 228x
sieht man schon den Helligkeitsverlauf im Ring und direkt rechts daneben ein Sternchen. Und wieder 456x.
M57 als abgeplatteter Ring, in der Mitte heller, nach innen und nach außen immer schwächer werdend. An
den "Spitzen" des Ovals wird der Nebel insgesamt etwas dunkler als in der Mitte der "länglichen Seiten"
des Ovals. Direkt östlich neben der Spitze (das Oval ist in E-W-Richtung orientiert) das kleine Sternchen.
Und der Nebel selbst wieder leicht strukturiert. Wahnsinn, M57 und das benachbarte Sternchen - das ist gleich
die optimale Fokussierhilfe - fast formatfüllend im Okular. Der Verträgt ganz schön was an Vergrößerung.
Tip an alle Lichteimerbesitzer: Ausprobieren!!!! Absolut lohnenswert!!!!! Das war letztes Mal echt keine
"Einbildung". war diese Nacht fast noch besser.
Auch ein nettes Objekt ist NGC 7662, der planetarische Nebel in Andromeda, auch "blauer Schneeball" genannt.
Schon bei 44x erkennbar als unscharfes Sternchen. Durchmesser kleiner als beim blinkenden PNeb. Allerdings
ist er weißlichgrau. Der Blinkende wirkte im Teleskop eher eisblau bis türkis. Was wird man wohl da fürn
Kübel brauchen, um den als blauen Schneeball zu sehen??? Wahrscheinlich Klarinettos Traumrohr,
nen 30" Obsession mit LOMO Spiegel ;-)
Bei 228x ist NGC 7662 ein kleiner heller Nebelkreis. Er verträgt auch 456x, das bringt aber keine weiteren Details,
im Gegensatz zu M57. 2 Nebeldurchmesser östlich davon ist ein schwaches Sternchen sichtbar.
Der offene Sternhaufen NGC 7243, viele Sterne, weißlich hellblau, aber auf 0,5° FOV verteilt und recht
unspektakulär.
Besser war da schon NGC 7331, eine Galaxie im Pegasus, 60 Millionen Lichtjahre entfernt. Bei 44x ganz auffällig
und in Kantenlage. Bei 88x sieht man den schmalen Kern in Kantenlage und über die Enden hinaus einen gaaaanz
feinen grauen Ausläufer, vor allem bei indirektem Sehen. Hier gibts nur eins: Klasse, ein Objekt, das man gesehen
haben muß. (Zur Info: Helligkeit von NGC 7331: 10m0)
h und chi im Perseus, immer wieder ein "Muß-Objekt". Bei dem klaren himmel und der Durchsicht, der Himmelshintergrund bei 44x
sowas von knallschwarz und drauf die beiden Sternhaufen. Die Sterne haben diesmal fast schon neonblau fluoresziert,
so in dem Farbton wie Solariumsröhren. Unglaublich und immer wieder ein mitreißendes und fesselndes Objekt.
Eigentlich hatte ich noch M76, den kleinen Hantelnebel im Programm. Den hab ich aber im Sternengewimmel nicht gefunden,
ich war einfach auch schon müde. Also hab ich mir zum Abschluß noch den "richtigen" Hantelnebel, M27, gegeben.
Sehr kontrastreich, kein Wunder, bei deem schwarzen Himmel, sehr schön die Taillierung zu sehen.
Bei 88x zwei Ohren zu erkennen, vor allem indirekt, die senkrecht zur Längsachse aus den Taillen "wuchsen", jedes
Ohr etwa einen Nebeldurchmesser groß, so daß M27 in der normal "schmäleren" Querachse eigentlich doppelt so breit
war wie er hoch ist. Aber das mit den Ohren werd ich nochmals nachschauen, wenn ich wieder ausgeruhter bin.

In dem Sinne,

clear skies

Markus.