Hallo Sternenfreunde!
Am Sonntag hatte ich mit dem neuen Herrchen und Frauchen meines 5,1"-Newtons
Nachtelflein eine ausgiebige Probespechtelung. Und heute, am Montag, gönnte
ich mir den großen Newton Lord Rosse, der mir in einer mit -8°C bitterkalten Nacht
tolle Eindrücke vermittelte.
Im Radio im Wohnzimmer - bei uns läuft wenn, dann Bayern 4 Klassik - höre ich
während der Vorbereitung meiner Tour folgende zum Thema passende Geschichte:
Haydn's Schöpfung steht auf dem Programm. Ein Werk, das folgende Entstehungs-
geschichte hat: Haydn war auf einer Englandreise zu Besuch bei Sir William Herschel
und war von einem Blick durch dessen Teleskop so angetan von den unendlichen
Weiten des Universums, daß er dessen Erschaffung in Töne setzen wollte. er
wußte nur noch nicht, in welcher Form. Bei einer Aufführung von Händel's Messias,
der Haydn einige Tage später beiwohnte, fiel die Entscheidung, es müsse ein Oratorium
sein, ähnlich Monumental eben wie Händels Messias! Somit hatte Herschel also auch
auf Haydn's Musik einen zentralen Einfluß. Aber nun zu dem, was ich an diesem
Abend mit Bärbel alles beobachtet hab:
Teleskope:
Meade Starfinder 10" Newton auf äquatorialer Montierung mit 2-Achsensteuerung und digitalen Teilkreisen
Hauptspiegelbrennweite 1140mm, Öffnungsverhältnis von 1:4,5
Strehl-Wert: >88%
Okulare: (Vergrößerungsangaben am 10"-Newton)
32mm-Plössl von Celestron (36-fache Vergrößerung)
26mm-Super-Plössl von MEADE, Serie 4000 (44-fache Vergrößerung)
~14,5mm WA Erfle von INTES
12,5mm orthoskopisches Okular von Vixen (91-fache Vergrößerung)
7mm orthoskopisches Okular von Celestron (163-fache Vergrößerung)
6,3mm-Kellner von Bresser (180-fache Vergrößerung)
5mm Eudiascopic von Baader (228-fache Vergrößerung)
Sonstiges:
2x-Barlowlinse, Celestron ultima, 3-linsiger Achromat mit Luftspalt
Baader Skyglow Filter
Astronomik UHC-Filter
Binokular:Bresser Saturn Zoom, 9-27 x 56
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Zeitpunkt:
Montag, 9. Dezember 2002, 20:00 - 23:00
Visuelle Grenzgröße:
ca. 5mag2
Durchsicht:
gut
Seeing:
gut
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Doppelsterne:
-
Galaxien:
NGC891
Kugelsternhaufen:
-
Offene Sternhaufen:
NGC1647, NGC1746, NGC1807, NGC1817
Gasnebel:
M42/M43
Planetarische Nebel:
M1
Sonstiges:
Saturn
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Begonnen hatte ich, um mein Auge etwas zu schärfen, mit einem Frustobjekt von mir,
der Galaxie NGC891 in der Andromeda. Die Position ist ja leicht zu finden, nur, ich
tu mir wahnsinnig schwer, diese Galaxie zu sehen! Bei 44x geht kaum was, nur etwas
Nebulosität um einen Stern ist vage erkennbar. Bei 78x ist erkennbar, daß es eine
recht schmale, langgestreckte Galaxie ist. Sie erstreckt sich von NE nach SW, liegt
aber eher an der NS-Achse wie an der NW-Achse. Mehr an Details ist einfach nicht
zu erkennen. Schade.
Nun gings aber medias in res, also in mein heutiges Beobachtungsprogramm, das ich
unter das Motto "Offene Sternhaufen im Taurus" gestellt hatte. Was liegt da näher, als
mit NGC1647 den Anfang zu machen? Es ist ein großer, mittelheller Sternhaufen: recht
locker gestreut bietet er den besten Anblick bei 44x, er hat etwa 3/4 Grad an Durchmesser.
Im Südteil des Haufens stehen übereinander die beiden hellsten Sterne des Bildfelds in
strahlendem Orange. Ansonsten zähle ich 65 weißlichgraue Sterne, die alle beisammen
und doch mit deutlichem Abstand zueinander in der dunklen Kälte des Alls schweben -
dieser Eindruck paßt zu der eisigen Kälte und der abendlichen Stille hier im Garten.
Fast noch schöner ist auch der offene Sternhaufen NGC1647. Mit etwa 3/4° Durchmesser
ebenfalls recht groß und einigen helleren orangen Sternen - drei davon bilden im Südteil
des Objekts ein auffallendes gleichseitiges Dreieck - und dazwischen verstreut schwächere,
weiße Sterne, die sich immer paarweise oder in Dreiergrüppchen aneinanderkuscheln.
Ja, immer mehr dieser kleinen, verschämten Grüppchen tauchen auf, wenn man NGC1746
bei 44x länger auf sich einwirken läßt. Besonders schön lassen sich die rund 75 sichtbaren
Sterne bei 78x formatfüllend im Erfle studieren.
Besonders angetan hat es mir aber das Sternahufenpaar NGC1807 und NGC1817! Ich
bezeichne die beiden immer als meinen Doppelsternhaufen im Taurus! Eine etwas licht-
schwächere Ausgabe von h+c im Perseus und dabei keinen Deut weniger schön! Beide
Haufen haben je etwa 30' Durchmesser und schmiegen sich so aneinander, daß sie bei
44x und 1,25° Gesichtsfeld schön im Okular Platz finden: NGC1807, der östliche der beiden,
besteht aus 15 hellen, X-förmig angeordneten Sternen. NGC1817, der westlichere, besteht
im Gegensatz dazu aus ein paar Dutzend feinen, kleinen Sternen - ein wundervoller Kontrast.
Es ist dies eins meiner absoluten Lieblingsobjekte! Super auch, jeden für sich bei 78x genauer
unter die Lupe zu nehmen - grade NGC1817 ist für mittlere Vergrößerungen ein Spitzenobjekt,
da werden plötzlich immer mehr Sterne sichtbar.
Nun wollte ich aber auch den Krabbennebel M1 noch besuchen, als Zwischenstation zu Saturn.
Schon bei 44x ist er deutlich als Nebel zu sehen, bei 78x kommt sehr sehr gut die Form raus mit
oben und untem einer Art "Haken", die dem nebel eine fast S-förmige Gestalt verleihen.
Der UHC dunkelt bei 78x zwar den nebel etwas ab, der Himmelshintergrund wird aber noch
deutlich stärker bedämpft, so daß insgesamt der Kontrast drastisch ansteigt! Jetzt sind sogar
dunkle Schlieren in M1 zu sehen! Bei 91x ohne UHC hingegen kommt der Umriß besonders
bei indirektem Sehen perfekt zur Geltung. Auch ein Objekt, wo man lange verweilen und zeichnen
könnte. Aber dafür war ich heut zu durchgefroren.
Also gings weiter zu Saturn. Erst mit 91x - um sich langsam zu steigern. Unser Nachbar Thomas,
grad aus der Arbeit heim gekommen, steht plötzlich neben mir am Teleskop. "Wow, die Ringteilung
ist aber deutlich sichtbar!" Und das bei 91x. Die Seeingbedingungen waren heute nicht unbedingt
schlecht. Also, eine Steigerung auf 163x im 7er Ortho. Da sieht man schon noch mehr Details:
Der Ring lugt über die Südkalotte drüber, die Südpolregion ist auffallend dunkel, dann kommt ein
hellerer Querstreifen. Noch näher zum Äquator folgt ein dunkleres Wolkenband. die Cassiniteilung
ist umlaufend gut zu sehen. 228x zeigt das ganze noch größer und plastischer, bringt heute aber
nicht mehr an Details, hier ist die Grenze des seeings eindeutig erreicht.
Als krönenden Abschluß gabs dann noch M42 und M43, die gasnebel im Orion. Bei 78x kann man
wunderbar die Flügel und die Filamente von M42 verfolgen, wie weit sie sich in den Raum hinaus
strecken, die pechschwarze Huyghensbucht, die Grenze zu M43. Aber auch bei 228x lassen sich
Details in den Nebelstrukturen hervorragend untersuchen, M42 ist auch was für planetenmäßig
hohe vergrößerungen! Einfach atemberaubend. Im Trapez scheint mir, zwischen den beiden
enger stehenden Sternen, etwas nach außen versetzt, die fünfte Komponente durchzuschimmern.
Ich würde das in etwa wie folgt zeichnen:
Skizze des Trapez in M42 bei 228x im 10"-Newton, f=1140mm
Auf jeden Fall, ob mit oder ohne UHC - demnächst muß ich mal eine möglichst genaue Zeichnung von
M42 anfertigen, der im 10" wirklich graugrün wirkt, also echt schon Farbe zeigt. Alles in allem war
dies mal wieder eine besonders schöne Beobachtungsnacht, bei der wir zwar nicht viele Objekte,
diese wenigen dafür aber um so detaillierter studiert haben.
Viele Grüße und noch viel mehr so schöne und sternklare Nächte Euch allen,
Markus
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