Hallo Sternenfreunde,
gestern war es endlich - nach wochenlangem bedektem Himmel - mal wieder sternklar
und so mußte trotz klirrenden Frosts von -10°C der große, äquatorial montierte Newton
mal wieder herhalten. Um das Aufbauen etwas zu beschleunigen, hab ich diesmal die
Kabeltrommel und das 12V-Netzgerät im Keller gelassen und anstelle dessen nur
meine neue Energiestation von LIDL angedost. Dadurch erspar ich mir das Verlegen
des Kabels im Dunklen quer durch den Garten und vor allem das lästige aufrollen
desselbigen, was bei -12°C und entsprechend steifem Kabel alles andre als ein
Vergnügen ist. DasEnergiepaket hat 7Ah und ich hab bei diesen Temperaturen die
Zweiachsensteuerung Magellan II für 4 Stunden laufen lassen. Danach waren in etwa
2% der Batteriekapazität erschöpft. (Das Teil war nach 15min wieder voll geladen,
ein kompletter Ladevorgang mit dem 500mA-Steckernetzteil dauert rund 14h).
Ein Gerät, das sich sowohl für meine EQ-6 als auch für die heute eingesetzte SF-1
optimal bewährt hat.
So, und nun aber erstmal das, was beobachtet wurde in Tabellenform:
Teleskope:
Meade Starfinder 10" Newton auf äquatorialer Montierung mit 2-Achsensteuerung und digitalen Teilkreisen
Hauptspiegelbrennweite 1140mm, Öffnungsverhältnis von 1:4,5
Strehl-Wert: >88%
Okulare: (Vergrößerungsangaben am 10"-Newton)
32mm-Plössl von Celestron (36-fache Vergrößerung)
26mm-Super-Plössl von MEADE, Serie 4000 (44-fache Vergrößerung)
~14,5mm WA Erfle von INTES
12,5mm orthoskopisches Okular von Vixen (91-fache Vergrößerung)
7mm orthoskopisches Okular von Celestron (163-fache Vergrößerung)
6,3mm-Kellner von Bresser (180-fache Vergrößerung)
5mm Eudiascopic von Baader (228-fache Vergrößerung)
Sonstiges:
2x-Barlowlinse, Celestron ultima, 3-linsiger Achromat mit Luftspalt
Baader Skyglow Filter
Astronomik UHC-Filter
Binokular:Bresser Saturn Zoom, 9-27 x 56
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Zeitpunkt:
Mittwoch, 8. Januar 2003, 20:00-23:30
Visuelle Grenzgröße:
ca. 5mag2
Durchsicht:
gut
Seeing:
gut
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Doppelsterne:
-
Galaxien:
-
Kugelsternhaufen:
-
Offene Sternhaufen:
-
Gasnebel:
M42/M43
Planetarische Nebel:
-
Sonstiges:
Saturn, V838 Monocerotis, Jupiter
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Als Anfang habe ich mir mal Saturn etwas intensiver vorgenommen und bei verschiedenen
Vergrößerungen beobachtet, wobei in dieser Nacht das Optimum bei komfortablen 228x
lag. Nun, seit ich das Teleskop auf einen vernünftigen Crayfordauszug hochgerüstet habe,
ist Fokussieren auch bei diesen Vergrößerungen kein Thema mehr. Der Punkt optimaler
Schärfe ist jetzt optimal auffindbar. Und diese optimale Schärfe förderte heute einiges an
Details zutage:
Obschon das seeing zeitweise recht unruhig ist, so ist die Luft doch alle Minute mal so
15 bis 20 Sekunden sehr, sehr ruhig. In diesen Phasen ist die Cassiniteilung wunderbar
umlaufend zu beobachten, der äußere Ring wirkt etwas transparenter als der innere. Der
Ring schaut unter dem Südpol hervor, wobei die Polspitze ziemlich genau auf die Cassiniteilung
trifft. Der Schatten der Saturnkugel auf dem Ring hat die Form eines Dreiecks, welches sich
zwischen Saturnrand und Cassiniteilung in den Winkel hineinschmiegt. Bemerkenswert sind
auch die Details auf dem Planeten selbst: Die Südpolregion ist dunkelolivgrün mit einem
dunkler werdenden Schattenverlauf zur sonnenabgewandten Seite hin, was sehr sehr plastisch
wirkt und Saturn wirklich als Kugel und nicht als Scheibe erscheinen läßt. Weiter nördlich wirkt
die Saturnatmosphäre helloliv bis cremefarbig mit minimalem Ansatz an Querstreifigkeit.
In Äquatornähe erkennt man ein quer verlaufendes, ins braunolivgrün changierendes
Wolkenband. All dies läßt sich gestochen scharf wie auf einem Photo bewundern. Auch Bärbel
und mein Nachbar Thomas sind schwer beeindruckt.
Ich hab das ganze noch vom Okular weg photografiert, mit einer Nikon Coolpix aus der Arbeit.
Allerdings ist das Resultat eher bescheiden: man muß aus der Hand photographieren, da
die Kamera weder einen Drahtauslöser hat noch ans Teleskop adaptiert werden kann, da das
Objektiv nur 1mm aus dem Kameragehäuse hervorsteht.
Saturn am 8.1.2003, Nikon Coolpix, 1/30sec. von Hand @88x
Newton 254/1140 mit Celestron Ultima Barlow und Meade Serie 4000 Superplössl 26mm
 Saturn am 8.1.2003, Nikon Coolpix, 1/30sec. von Hand @182x
Newton 254/1140 mit Celestron Ultima Barlow und Vixen Ortho 12,5mm
M42 wirkt natürlich bei 10" Öffnung immer wieder phantastisch, wie er sich zu M43 hin abgrentzt.
Ein gewaltiges Gasmeer mit herrlichen Filamenten und wolkiger Maserung. Bei 79x im Erfle
ist der gesamte Nebelkomplex mit seinen weiten Ausläufern schön formatfüllend zu sehen.
Der UHC erhöht den Bildkontrast darüberhinaus gewaltig - die Wolkigkeit des riesigen Gasnebels
kommt so noch viel schöner zum Vorschein. Wenn es nicht mit -11°C so kalt gewesen wäre, hätte
ich wohl doch mal eine detaillierte Zeichnung gemacht.
Als nächstes hatte ich ein besonderes Projekt vor:das Lichtecho um den Veränderlichen V838 Monocerotis.
Von Delta Monocerotis aus war der helle 19 Mon schnell gefunden, von dem es nur noch eine
minimale Strecke zu dem letztes Jahr auffällig gewordenen veränderlichen Stern ist. Dessen
Helligkeitsausbruch wird nun von interstellarem Staub reflektiert und bildet damit um V838 einen
Ring mit etwa 1 Lichtjahr Radius. Immer wieder bin ich meine Aufsuchroute nach den Karten der
AAVSO durchgegangen. Der benachbarte Stern war bei mir ein Doppelstern, was ich mittels Cartes du Ciel
und Photos vom Lichtecho bestätigen konnte. Trotz alledem war an der exakt lokalisierten Stelle mit
keiner Vergrößerung und keinem Okular eine Aufhellung oder der veränderliche Stern selbst zu sehen.
Dieser zweistündige Versuch ist auch der Grund, warum in dieser Nacht keine weiterne deep sky Beobachtungen
durchgeführt wurden, verständlich angesichts der herrschenden Minusgrade.
Ein Blick zu Jupiter zeigte, das sich das seeing mittlerweile von 40 Sekunden unruhig und 20 Sekunden ruhig
auf 60 Sekunden unruhig bei 0 Sekunden Ruhe verschlechtert hatte. Also bauten wir halb erfroren unsre Sachen
wieder ab.
Hat irgendjemand dieses Lichtecho in letzter Zeit visuell beobachtet? Sind hier wirklich derart hervorragende
Bedingungen nötig, daß ein 5m-Himmel mit einem 10-Zöller nicht ausreichen?
Naja, interessant wars trotzdem, auch wenn nichts zu sehen war.
Viele Grüße und noch viel mehr so schöne und sternklare Nächte Euch allen,
Markus
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