Hallo Sternenfreunde,
Trotz hell am Himmel stehenden Halbmonds hat Bärbel mich davon überzeugt,
den großen Spiegel Lord Rosse zur Beobachtung in den -9°C kalten und
schön verschneiten Garten zu stellen. Um etwas mehr zu sehen, hab ich
in den Kirschbaum einen roten Glasstern gehängt, in dem eine kleine
Kerze brennt; ein durchaus malerischer Anblick! Mit einer dampfenden
Kanne Tee läßt sich so ein gemütlicher gemeinsamer Spechtelabend verbringen.
Und zu sehen gabs in dieser Nacht höchst interessante Dinge!
Teleskope:
Meade Starfinder 10" Newton auf äquatorialer Montierung mit 2-Achsensteuerung und digitalen Teilkreisen
Hauptspiegelbrennweite 1140mm, Öffnungsverhältnis von 1:4,5
Strehl-Wert: >88%
Okulare: (Vergrößerungsangaben am 10"-Newton)
32mm-Plössl von Celestron (36-fache Vergrößerung)
26mm-Super-Plössl von MEADE, Serie 4000 (44-fache Vergrößerung)
~14,5mm WA Erfle
12,5mm orthoskopisches Okular von Vixen (91-fache Vergrößerung)
7mm orthoskopisches Okular von Celestron (163-fache Vergrößerung)
6,3mm-Kellner von Bresser (180-fache Vergrößerung)
5mm Eudiascopic von Baader (228-fache Vergrößerung)
Sonstiges:
2x-Barlowlinse, Celestron ultima, 3-linsiger Achromat mit Luftspalt
Baader Skyglow Filter
Astronomik UHC-Filter
Binokular:Bresser Saturn Zoom, 9-27 x 56
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Zeitpunkt:
Samstag, 11. Januar 2003, 19:00 - 00:30
Visuelle Grenzgröße:
ca. 5mag2
Durchsicht:
gut bis sehr gut
Seeing:
ausreichend
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Doppelsterne:
-
Galaxien:
-
Kugelsternhaufen:
NGC2419
Offene Sternhaufen:
M35, NGC2158, NGC2266, NGC2331, NGC2420
Gasnebel:
-
Planetarische Nebel:
NGC2371, NGC2372, NGC2392
Sonstiges:
V838 Monocerotis, Jupiter
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Um das Alignment der Zweiachsensteuerung zu überprüfen, haben wir als erstes
Objekt, sozusagen als leicht gemachten Einstieg, den offenen Sternhaufen M35
angesteuert. Zwar wurde über dieses Prachtexemplar schon viel berichtet, trotz
alledem fasziniert M35 immer wieder aufs neue: der etwa 1° große und sternreiche
Haufen besteht aus recht hellen Mitgliedern, der hellste der Sterne in M35 befindet
sich an der Nordseite des Clusters und strahlt hell orange. Bei 78x im Erfle - M35
ist hier schön formatfüllend zu studieren - zählen Bärbel und ich rund 100 sichtbare
Sonnen. Ob es da draußen wohl auch Planeten gibt, die diese Sonnen umkreisen,
vielleicht sogar mit lebendigen Wesen? Ein gelungener Auftakt einer wundervollen
Sternennacht. Trotz der Kälte - das Thermometer sollte im Lauf der Nacht bis auf
-14°C sinken - wirkte die Luft relativ erträglich und mild, hatte sich doch gegen
Abend der schneidende Ostwind komplett gelegt. Unsre rote Sternenkerze verströmte
nun ein ganz ruhiges Licht, flackerte nicht mehr wie ganz zu Anfang. Kein Laut
war im Garten zu vernehmen. Nur die Sterne gläntzten am samtschwarzen Himmel,
der Mond störte so gut wie nicht, also ist wenig Dunst in der Atmosphäre.
Nur NGC2158 leidet in der Erkennbarkeit doch etwas am Mond! Allerdings war dies
für heute auch das mondnäheste deep-sky-Objekt.
Weiter ging die Reise in den Zwillingen zu NGC2266, der bei 44x kaum zu sehen ist.
Erst bei 78x blitzt immer wieder eine kleine, dreieckige Sternengruppe auf. Diese
kann bei 163x sogar vereinzelt werden: die südliche Begrenzung ist eine konkave
Kette aus gut einem halben Dutzend Sternen, nach Norden schließen sich einige sehr,
sehr schwache Sterne auf eine dreieckige Fläche verteilt an.
NGC2266, Newton 254/1140 bei 163x
Der offene Sternhaufen NGC2331 präsentiert sich als eine wenig sehenswerte gruppe aus
zwei Dutzend auf 1° hingestreuten Sternen, die sich kaum von der Umgebeung abhebt. Ganz
im Gegenteil, findet man in der unmittelbaren Nachbarschaft genügend Sternhäufungen, die
eher den Eindruck eines Sternhaufens erwecken würden!
Einen besonders intensiven Eindruck hinterließ das nächste Objekt, dem die beiden NGC-Nummern
NGC2371 und NGC2372 zugeordnet wurden: es handelt sich um einen planetarischen Nebel, den
peanut-nebula. Bei 78x mit UHC erkennt man schon ein schwaches, relativ kleines Nebelchen mit
einem stellar-helleren Zentrum. Ja, dieses interessante Objekt braucht noch höhere Vergrößerung,
obwohl er mit 11m3 nicht gerade ein besonders helles Objekt ist. Bei 156x mit UHC erkennt man schon,
daß es sich um zwei längliche Nebelteile handelt, jeder der beiden in der Mitte deutlich heller als
zum Rand hin. Grade bei längerem und teils indirektem Sehen werden die Details - soweit als solche
zu bezeichnen - immer mehr sichtbar. Bärbel konstatiert unabhängig von mir, daß es zum einen
zwei Teilnebel sind und zum anderen der linke (also der westliche) der hellere von beiden ist. Beide
sind etwa 0,5' x 0,5' groß und bilden zusammen einen leicht erdnußförmig gebogenen 0,5' x 1' großen
Nebel mit den zwei Helligkeitszentren - da wo bei einer Erdnuß die Kerne drinstecken...
Ein hochinteressantes Objekt haben wir hier entdeckt, das ich jedem wärmstens empfehlen kann,
insbesondere, wenn er mit 8" oder mehr Öffnung draufhalten kann.
Nun haben wir uns wieder einem offenen Sternhaufen zugewandt, ebenfalls in den Zwillingen: NGC2420.
Schon bei 44x ist er ganz schwach zu sehen. Bei 78x kann man den Sternhaufen in etwa 20
Sterne auflösen. Bei 91x wird er nahezu formatfüllend sichtbar, in seinem zentralen Bereich taucht
hier noch Hintergrundnebulosität von nicht aufgelösten Sternen auf. Ein kleiner, aber feiner Sternhaufen!
Zum krönenden Abschluß im Sternbild Gemini mußte nun der Eskimonebel, NGC2392, herhalten.
Wow, schon im Aufsuchokular strahlt einem dieses unnatürlich blaugrüne Juwel so krass entgegen,
den sieht ein Blinder! Bei 78x erkennt man schön, wie ausgefranst pelzig der intensiv fluoreszierende
Nebelball wirkt! Natürlich muß man bei so einer Leuchte noch näher ran! 228x war die auserkorene und
optimale Vergrößerung. Wahnsinn - was man da im 5er Baader Eudiascopic zu sehen kriegt! Majestätisch
steht der jetzt mehr grünliche Nebelball im Okular, sehr sehr groß, in seinem inneren deutlich heller, drumrum
der fransige Wattebausch. Das ganze natürlich ohne Wackelei und ruckeln mit stoischer Ruhe beobachtbar,
was der Detailerkennung sehr zugute kommt. Es geht nix über eine gscheite äquatoriale Montierung, wo
man sich wirklich auf das ruhig im Okular stehende Objekt konzentrieren kann und nicht andauernd den
Tubus rumschubsen muß! Naja, natürlich hab ich bei 228x dann auch noch den UHC rein. Was soll ich sagen?
Bärbel war von den Socken und ich auch! Nein, nicht eine Hülle hat der planetarische Nebel. Außenrum läuft
konzentrisch noch eine zweite, blassere Nebelhülle! Einfach nur noch traumhaft!
Aber das besondere Highlight des Abends kam jetzt zum Zuge: NGC2419, der intergalaktische Wanderer!
Dies ist ein 300000 (!) Lichtjahre entfernter Kugelsternhaufen, weitab des Kugelsternhalos unserer Milchstraße.
Seine Fluchtgeschwindigkeit ist höher als die zum Verlassen unserer Galaxis nötige Grenzgeschwindigkeit, deshalb
vagabundiert dieser Kugelsternhaufen innerhalb unserer lokalen Galaxiengruppe. In der Gegend Gemini/Lynx
wird man ansonsten vergeblich nach Kugelsternhaufen Ausschau halten! Ein absluter Exote also, der hier seinen
kosmischen Launen frönt. Sogar im Übersichtsokular bei 44x erkennt man mit indirektem Sehen an der betreffenden
Stelle, östlich einer auffälligen und sehr hellen Dreiersternenkette eine neblige Kondensation. Steigert man die
Vergrößerung auf 92x, so erkennt man einen schwachen, grieselig runden und deutlich flächigen Nebel,
vor allem indirekt, wenn man eine unmittelbar nördlich gelegene Sternengruppe anvisiert. Es ist der typische
Anblick eines weit entfernten Kugelsternhaufens, etwas erinnert er vom Habitus an M55, nur halt schwächer und
kleiner. Trotzdem hat uns erstaunt, daß dieser so weit entfernte Ausreißer doch so schön zu sehen ist.
NGC2419, Newton 254/1140 bei 92x
Nun wollt ichs nochmal wissen und hab - es war jetzt Mitternacht durch und der Mond schon weit hinter den
Häusergiebeln abgetaucht - den Tubus aufs Einhorn gerichtet. V838 Monocerotis beziehungsweise dessen
Lichtecho muß doch drin sein?
Zügig bin ich von Delta Monocerotis aus die betreffende Stelle angefahren. Und wieder - bei 228-facher Vergrößerung
das gleiche wie letztes mal: Eigentlich nichts, aber doch nur eigentlich. Es gibt da nämlich eine Stelle - wo bei
voller Konzentration eine an der Wahrnehmungsgrenze liegende Aufhellung blickweise erkennbar ist. Vor drei
Tagen tat ich es als Einbildung ab. Heute aber der exakt gleiche visuelle Effekt an genau der gleichen Stelle. Zur
Kontrolle hab ich den Tubus etwas nach Westen verfahren - und in diesem Bildfelds war kein derartiges Aufblitzen
zu erkennen. Nur an dieser einen Stelle, die ich hier nochmals zeichnerisch darstellen möchte:
V838 Mon, Lichtecho, Newton 254/1140 bei 228x
Der rot markierte Kreis zeigt die Stelle, an der ich die minimale Aufhellung erkennen konnte. Norden ist
unten, Westen links. Eine Ringstruktur oder ähnliches war aber definitiv nicht zu sehen.
Zum Abschluß hab ich - bei leider nur mäßigem Seeing - bei 228x einen Blick auf Jupiter geworfen, der nur
augenblicksweise recht scharf zu sehen war. (12.01.2003, 00:30) Dabei ist mir südlich des SEB auf halber
Höhe zwischen Pol und SEB ein weiteres, dunkelbraunes Wolkenband aufgefallen, das aber nur um den
halben sichtbaren Bereich in dieser Höhe rumreichte und zur Planetenmeridian hin dünn auslief.
Nun wars fast 1 Uhr und mit -14° doch empfindlich kalt, so daß wir schnell unser Teleskop verstauten und uns
in die wohlverdiente Heia verzupften.
Viele Grüße und noch viel mehr so schöne und sternklare Nächte Euch allen,
Markus
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