Hallo Sternenfreunde,

mittlerweile hatte ich meinen Schnupfen samt Halsweh auskuriert, es war
wettertechnisch immer noch klar, und in der Arbeit konnt ich um 5 Uhr schon
Schluß machen. Was lag also näher, als, kaum zu Hause angekommen,
den 10"-Newton samt äquatorialer Montierung in den Garten zu stellen?
Das war dann auch prompt erledigt und während des Abendessens konnte
das Spieglein erstmal gut auskühlen.

Teleskope:
Meade Starfinder 10" Newton auf äquatorialer Montierung mit 2-Achsensteuerung und digitalen Teilkreisen
Hauptspiegelbrennweite 1140mm, Öffnungsverhältnis von 1:4,5
Strehl-Wert: >88%
Okulare: (Vergrößerungsangaben am 10"-Newton)
32mm-Plössl von Celestron (36-fache Vergrößerung)
26mm-Super-Plössl von MEADE, Serie 4000 (44-fache Vergrößerung)
~14,5mm WA Erfle
12,5mm orthoskopisches Okular von Vixen (91-fache Vergrößerung)
7mm orthoskopisches Okular von Celestron (163-fache Vergrößerung)
6,3mm-Kellner von Bresser (180-fache Vergrößerung)
5mm Eudiascopic von Baader (228-fache Vergrößerung)
Sonstiges:
2x-Barlowlinse, Celestron ultima, 3-linsiger Achromat mit Luftspalt
Baader Skyglow Filter
Astronomik UHC-Filter
Binokular:Bresser Saturn Zoom, 9-27 x 56
Zeitpunkt:         
Dienstag, 25. Februar 2003, 19:30 - 23:30
Visuelle Grenzgröße:
ca. 5mag2
Durchsicht:
gut
Seeing:
gut
Doppelsterne:
a Geminorum, b Orionis, z Cancris
Galaxien:
NGC2775, NGC3877, M108, NGC3953
Kugelsternhaufen:
-
Offene Sternhaufen:
M44, M67
Gasnebel:
-
Reflexionsnebel:
-
Planetarische Nebel:
M97
Sonstiges:
Saturn, Jupiter

Schon beim Alignment der Zweiachsensteuerung fielen mir als erste Objekte
zwei Doppelsterne zum Opfer: a Geminorum, Castor, zeigt bei 92x zwei
gleißend hellblaue, nahe beieinander stehende Sonnen. Rigel, b Orionis,
ein funkelnder Diamant, zeigt in deutlichem Abstand einen viel schwächeren,
aber ebenfalls brillant sichtbaren, taubenblauen Begleiter. Schon an diesen
Sternsystemen konnte man erkennen, daß das Seeing heute recht passabel
sein könnte. Also ging mein erster intensiverer Blick gen Saturn. Natürlich
gleich mit 228-facher Vergrößerung. Auf dem Ring rechts hinten sieht man
ganz toll einen "Schattenbuckel", den die Polkalotte auf das Ringsystem
wirft. Der Ring selbst schaut auf Höhe der Cassiniteilung wieder hinter dem
Südpol hervor. Ich registriere ein tolles, olivgrünes, schmales äquatoriales
Wolkenband. Die Cassiniteilung ist bei dieser Optik sowieso umlaufend zu sehen,
auch vor der Planetenkugel. Ich kann mich kaum losreissen, von diesem
wundervollen Anblick.
Nun gönne ich mir mit  M44, Praesepe, ein durchaus auch für 10" lohnenswertes
Objekt. Bei 36x im 32er Superplössl zähle ich im knapp 1,5° messenden
Gesichtsfeld zwischen den 30 helleren Sternen nochmals 45 schwächere,
also insgesamt etwa 75 Sterne. Die helleren sind teils in Zweier- und Dreiergruppen
angeordnet, ganz zentral finden sich zwei Sterne, deren Farbkontrast mich
spontan an Albireo erinnert.
Etwas weiter südlich im Sternbild Krebs findet man unschwer den offenen
Sternhaufen M67, den ich so prächtig nicht in Erinnerung hatte! Schon bei 44x
wird klar, daß es sich um einen besonders sternreichen Haufen handelt. Bei 78x
werden Unmengen kleinerer Sterne sichtbar - bis zum Abwinken. Das interessante
dabei ist, daß zwischen diesen unzähligen Hintergrundsternen ausgedehnte
Dunkelbänder die reinsten Mäandren bilden. Ich persönlich würde M67 noch
prachtvoller als M11 einschätzen. Bei 156x ergießt sich eine fast bildfeldfüllende
und nicht enden wollende Sternenpracht ins Okular.
Weiter gehts im Sternbild Krebs zu der Galaxie NGC2775, die trotz 10m1 und 13m1
Flächenhelligkeit bei 44x als kleiner, N-S-elongierter Nebelfleck auffällt.78x bringt
die Galaxie noch etwas kontrastreicher. Der Skyglowfilter bringt etwas mehr an
Detail rüber, bei indirektem Sehen kann man sogar den helleren Kern vom
schwachen Halo trennen, welcher allerdings nicht besonders groß ist. 92x mit
Skyglow offenbart einen länglichen kern, der blickweise wie zwei dicht beieinanderstehende
Galaxienkerne wirkt.
Weiter gehts im Krebs zu einem Doppelstern: z Cancris, eigentlich ein Dreifachstern:
zwei weiße Sterne in E-W-richtung, deren westliche Komponente ebenfalls aus zwei
weißen Komponenten besteht, die ebenfalls E-W-elongiert sind. Diese zweite Komponente
(5m6;6m0;0,9") ist zwar eng, aber bei 228x mit Zwischenraum zu trennen.
Es ist jetzt kurz vor 10 Uhr, auf Jupiter stzeht ein Io-Schattendurchgang bevor. da ich eh
schon 228x drin habe, gleich der Schwenk zum König der Planeten. jau, genau zwischen
den beiden Äquatorialbändern sieht man am Rand der Planetenscheibe ganz deutlich - einen
halben Schatten! Der Schattendurchgang beginnt just in diesem Moment, der Schatten ist noch
nicht ganz auf Jupiter zu sehen. Da werd ich später nochmals vorbeischaun müssen...
Nun geht es weiter in das Sternbild Ursa Maior. In einem kürzlich veröffentlichten
Beobachtungsbericht wurde ich auf die Galaxie NGC3877 aufmerksam, die ich unbedingt
auch besuchen wollte. Sie ist bei 78x als langgestreckte edge-on-Galaxie zu sehen, vor
allem bei indirektem Sehen. Allerdings hätte ich dieser Galaxie ob ihrer Helligkeitsdaten
etwas mehr an Details zugetraut. So zeigte ich Bärbel M97, den Eulennebel, eines ihrer
Lieblingsobjekte. Bei 44x ohne UHC ein hellgrauer nebelkreis, 78x mit UHC offenbart
ein Auge und bei indirektem Sehen blickweise auch das zweite. Die Augen bilden mit
einem am Rand des nebels befindlichen, auffälligen Stern, ein rechtwinkliges T.
Mitten in der nicht weit von M97 entfernten galaxie M108 ist ein Vordergrundstern zu
sehen, etwa auf 1/3 der recht langen Galaxienachse. Bei 92x und genauer Betrachtung
erinnert die Form von M108 eher an einen Dreckspritzer als an eine Galaxie :-)
Eine weiter Galaxie, die mir besonders gut gefallen hat, ist NGC3953. Sie ist recht hell
und findet sich direkt neben einer auffallenden Kette aus fünf Sternen:

    NGC3953, Newton, D=254mm, f=1140mm bei 78x

78x zeigt einen sehr hellen Galaxienkern und einen runden, schwächeren, aber immer noch
recht auffallenden Halo.  Auch hier bringt der Skyglowfilter etwas mehr an Detail, bisweilen
wirkt der Halo leicht strukturiert.
Es ist jetzt 23:10, ein Blick zu Jupiter zeigt bei 163x, daß der Ioschatten mittlerweile den Zentralmeridian
passiert hat und gemahnt mich so, alles abzubauen und in die Heia zu schlüpfen.



Viele Grüße und noch viel mehr so schöne und sternklare Nächte Euch allen,

Markus