Hallo Sternenfreunde,
In diesem Sommer war ja die Marsopposition das Thema Nummer 1. Auch wir
haben uns davon anstecken lassen und jede Beobachtungsnacht in Webcam-
aufnahmen unseres roten Nachbarplaneten investiert. Auch am Wochenende
vom 22.8. bis zum 24.8 wurde Mars anvisiert und am Samstagmorgen um 2 Uhr
gelang uns unser bis dato bestes Marsfoto mit dem Zehnzollnewton!
Mars, aufgenommen am 23.08.2003 um 02:00 MESZ am parallaktischen 254mm-Newton mit f/34
Am Sonntag war es dann immer noch sehr heiß und sonnig, wenngleich nachmittags
einige Wolken durchzogen. Also machten wir uns erst mit dem Fahrrad auf nach
Milos - einem 18km entfernten, schön im Laabertal gelegenen griechischen Restaurant -
und ließen es uns dort gut gehen. Auf dem Heimweg auf halber Strecke dann als
Stärkung der obligatorische Espresso in der Cafebar und der Blick zu den Sternen,
der uns sagen wollte: Schaut mal, wie schön wir funkeln, welch besonders klare und
laue Nacht dies heute werden wird! Nun, die funkelnden Sterne sollten recht behalten,
zu Hause angekommen, zog sich ein Milchstraßenband über den Garten, wie man
es hier selten sieht, schon mit bloßem Auge deutlich grieselig, zweigeteilt.
"Da! Der diffuse Fleck dort drüben, ist das nicht?" meint Bärbel. "Ja!" entgegente ich
ihr erfreut. "Das sind tatsächlich h und Chi im Perseus! Und da drüben, etwas weiter rechts,
die Andromedagalaxie!" Die Entscheidung war gefallen, 21:30 holten wir schnell
alles aus dem Keller und bauten Lord Rosse, den äquatorial montierten Zehnzollnewton
mit vereinten Kräften im Garten auf. Dieser war natürlich hoch erfreut, mal außer Mars
wieder mal was anderes beobachten zu dürfen und gab sich deshalb alle erdenkliche Mühe,
uns mit besonders schönen Deep-Sky-Impressionen zu verwöhnen.
Während ich die Zweiachsensteuerung alignte, brachte Bärbel Tee und einen - natürlich
roten, fast schon Mars-roten - Papierlampion, und einer wundervollen Sternenreise konnte
nichts mehr im Wege stehen...
Teleskope:
Meade Starfinder 10" Newton auf äquatorialer Montierung mit 2-Achsensteuerung und digitalen Teilkreisen
Hauptspiegelbrennweite 1140mm, Öffnungsverhältnis von 1:4,5
Strehl-Wert: >88%
Okulare: (Vergrößerungsangaben am 10"-Newton)
32mm-Plössl von Celestron (36-fache Vergrößerung)
26mm-Super-Plössl von MEADE, Serie 4000 (44-fache Vergrößerung)
~14,5mm WA Erfle von INTES
12,5mm orthoskopisches Okular von Vixen (91-fache Vergrößerung)
10mm Speers Whaler von Antares (114-fache Vergrößerung)
7mm orthoskopisches Okular von Celestron (163-fache Vergrößerung)
6,3mm-Kellner von Bresser (180-fache Vergrößerung)
5mm Eudiascopic von Baader (228-fache Vergrößerung)
Sonstiges:
2x-Barlowlinse, Celestron ultima, 3-linsiger Achromat mit Luftspalt
Baader Skyglow Filter
Astronomik UHC-Filter
Binokular:Bresser Saturn Zoom, 9-27 x 56
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Zeitpunkt:
Sonntag, 24. August 2003, 22:00-00:00
Visuelle Grenzgröße:
ca. 5mag5
Durchsicht:
sehr gut
Seeing:
schlecht
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Doppelsterne:
-
Galaxien:
M31, M32, M110
Kugelsternhaufen:
M15, M71
Offene Sternhaufen:
M29
Gasnebel:
NGC6960, NGC6992
Planetarische Nebel:
NGC7027, M76, M27
Sonstiges:
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Als allererstes Objekt begrüßten wir seit langem mal wieder den Kugelsternhaufen
M15 im schon herbstlichen Pegasus. Bei 44x sieht man einen hellen, grieseligen
Kern und drum herum einen sehr viel schwächeren Sternenkranz! Bei 78x erkennt
man schon, wie weit sich die einzelnen Sternensprenkel ins All hinaus erstrecken.
Bei 114x zeigt sich einem ein Gefunkel an Sternen, wie man es eigentlich kaum mehr
in Worte fassen kann! Bei 228x kann man sehen, wie sich hellere Einzelsterne aus
den radial ausgreifenden Nebelarmen von M15 herauskristallisieren. Nun geht es
zu einem weiteren, sehr viel schwächeren Kugelsternhaufen, M71 in Sagitta, der
im Vergleich zum viel mächtigeren M15 wie ein durchsichtiger Nebelhauch wirkt,
gleichsam eine zart gesprenkelte Himmelselfe. Höhere Vergrößerungen entlocken ihr
immer mehr Einzelsterne, hier wirkt der Nebel dann fast dreieckig und erinnert an einen
reich besetzten offenen Sternhaufen. Nun, M27, der Hantelnebel, sieht bei 44x schon
umwerfend aus, also gehn wir gleich mit den 82° Eigengesichtsfeld des 10mm Speers
Whaler auf 114x und holen uns mit dem UHC maximalen Kontrast. der Himmel ist ja
heut eh schon recht schwarz, aber mit UHC. Wahnsinn! Wie groß wird da der Hantelnebel
plötzlich, wenn quer zur eigentlichen und recht lichtintensiven Hantel noch Nebelbereiche
deutlich sichtbar werden, die das ganze Obejkt plötzlich höher wie breit werden lassen.
In den sichtbaren nebelohren tummelt sich natürlich der ein oder andere Vordergrundstern,
was dem ganzen einen ganz besonderen Reiz gibt. "So toll und detailreich", schwärmt Bärbel,
"sieht man den M27 nicht einmal auf Fotos!" Hier kann ich ihr nur beipflichten...
Wenn der Himmel schon derart transparent ist, dann sollte man den Cirrusnebel nicht vergessen!
NGC6960 ist bei 44x mit UHC gut zu sehen: ein nord-süd-orientierter Nebelstreifen, welcher
südlich von 52 Cygni leicht S-förmig gebogen ist und nördlich desselben Sterns sich geradewegs
ins Nichts auffächert. Sogar bei 114x mit UHC kann man den jetzt sehr breiten Cirrusbogen mit
der Steuerung entlangfahren - genial! NGC6992, die zweite Hälfte dieses spektakulären
Supernovaüberrests ist nochmals viel deutlicher zu sehen: ein riesiger Bogen, der an seiner
Südseite leicht aufgefächert scheint. Bei indirektem Sehen geht der sogar ohne UHC!
Wir sind beide fasziniert von dem Anblick, doch Bärbel findet diesen langen gebogenen
Nebel doch irgendwie suspekt, nicht so ganz faßbar, ob seiner Struktur und Ausdehnung.
Aber - kann unser Verstand überhaupt etwas von dem erfassen, was wir da draussen sehen?
Wenden wir uns weniger abstrakten Objekten zu. der kleine offene Sternhaufen M29 dient
uns zwar "nur" als Wegweiser zu unserer nächsten Station, doch mit 10" Öffnung wirkt auch
dieser sonst eher unscheinbare Asterismus irgendwie deutlcih als Sternhaufen, ein netter
Anblick aus lauter bläulich schimmernden Funkelsternen, farblich an h und Chi erinnernd
oder gar die Plejaden. Interessiert hat mich dann ein in der Nähe gelegener planetarischer
Nebel, NGC7027, dem ich bisher keine Beachtung geschenkt hatte.Bei 44x fällt im Okular
kaum etwas auf, also gehe ich gleich auf 114x mit UHC. Hier fällt der Blick sofort auf einen
unnatürlich stark strahlenden, blauen Mininebel, der schon nicht mehr ganz punktförmig ist.
Bei 228x wirkt er minimal in E-W-Richtung elongiert, etwa im Verhältnis 4:3, zeigt aber
keine weiteren Details, was Bärbel wiederum recht enttäuschend findet. Also wenden wir
uns M31, M32 und M110 zu, die heute alle drei gut zu sehen sind. Nun, M31 zeigt einen
fast schon wahnwitzig hellen Kern umgeben von zartem Nebelhauch. Bei M32 läßt sich sogar
ein ein runder, kleiner hauchzarter Halo vom hellen, punktförmigen Kern trennen. M110
erscheint bei 114x etwa 2:3 in nord-süd-richtung gestreckt. Zu guter letzt gabs dann den
kleinen Hantelnebel, M76, der bei 78x wie zwei kleine durch einen Steg verbundene
Lichtknoten wirkt. Bei 114x mit UHC zeigt sich der Nebel noch detailreicher, man erkennt,
daß der südliche Lichtknoten der etwas hellere ist. An den nördlichen Lichtknoten scheint noch
ein kleiner Nebelhaken dranzuhängen.
Dieser Abend hat mal wieder gezeigt: das rein visuelle Beobachten ist einfach wunderschön,
obschon im Fotorausch der letzten Wochen sträflich vernachlässigt. Ja, auch Astrofotografie
bereitet eine Menge Spaß, aber selbst mit dem Auge die Objekte zu erforschen, möglichst
viele Details zu erhaschen, eventuell sogar zu zeichnen, das ist mindestens genauso schön
und bringt einem die Intensität des Weltalls noch viel näher zu Herzen.
Viele Grüße und noch viel mehr so schöne und sternklare Nächte Euch allen,
Markus