Hallo Sternenfreunde,
gestern zeigte sich der Herbst mal wieder von seiner guten Seite,
einem sonnigen und wolkenlosen Tag folgte auch ein sehr klarer
Abend, der zwar nicht mit Superdurchsicht, aber doch mit insgesamt
guten Bedingungen aufwarten konnte. Also hab ich als erste Aktion
nach der Arbeit mienen äquatorial montierten Zehnzollnewton samt
Zweiachsensteuerung mit digitalen Teilkreisen im Garten aufgebaut.
Auf 25 Minuten war das geschehen und nun hatte die Optik erstmal
ein dreiviertel Stündchen Zeit, sich auszukühlen, während es
drinnen ans Abendessen ging. Mit Temperaturen um den Gefrierpunkt
war es schon eine ziemlich frische Nacht, die Grenzgröße dürfte
so um 5mag gewesen sein.
Teleskop:
Meade Starfinder 10" Newton auf äquatorialer Montierung mit 2-Achsensteuerung und digitalen Teilkreisen
Hauptspiegelbrennweite 1140mm, Öffnungsverhältnis von 1:4,5
Strehl-Wert: >88%
Okulare: (Vergrößerungsangaben am 10"-Newton)
32mm-Plössl von Celestron (36-fache Vergrößerung)
26mm-Super-Plössl von MEADE, Serie 4000 (44-fache Vergrößerung)
~14,5mm WA Erfle von INTES
12,5mm orthoskopisches Okular von Vixen (91-fache Vergrößerung)
10mm Speers Whaler von Antares (114-fache Vergrößerung)
7mm orthoskopisches Okular von Celestron (163-fache Vergrößerung)
6,3mm-Kellner von Bresser (180-fache Vergrößerung)
5mm Eudiascopic von Baader (228-fache Vergrößerung)
Sonstiges:
2x-Barlowlinse, Celestron ultima, 3-linsiger Achromat mit Luftspalt
Baader Skyglow Filter
Astronomik UHC-Filter
Binokular:Bresser Saturn Zoom, 9-27 x 56
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Zeitpunkt:
Dienstag, 28. Oktober 2003, 20:00-23:15
Visuelle Grenzgröße:
ca. 5mag
Durchsicht:
gut
Seeing:
schlecht
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Doppelsterne:
-
Galaxien:
NGC7331, NGC1023, NGC1003, NGC891
Kugelsternhaufen:
-
Offene Sternhaufen:
M34, NGC956, IC348
Gasnebel:
Planetarische Nebel:
M76
Sonstiges:
NGC1333
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Als erstes Objekt nach dem Align der Steuerung wurde gleich die
Galaxie NGC7331 im Pegasus angesteuert, bevor dann eine ausgiebige
Perseus-Tour auf dem Programm stand. Schon bei 44x im Übersichtsokular
war die ferne Welteninsel als weißlicher Schimmer zu erkennen. Bei 78x
erkennt man eine in Nord-Süd-Richtung elongierte Galaxie mit nach
Süden schwach ausgreifendem Halo. Bei 114x ist der Halo recht gut vom
helleren Galaxienkern zu trennen! Die Nachbargalaxien sind aber dank
Nachbars Wohnzimmerspot im ersten Stock, der genau in unsern Garten
feuert, kein Thema :-(
Hui, ganz schön kalt draußen. Gott sei Dank hat das Bärbel genauso
gesehen und zwischenzeitlich eine große Tasse starken Ostfriesentee
gemacht. Das tut gut, wenn man zwischen den einzelnen Objekten bei
einem Tässchen Tee im Schummerlicht den Night Sky Observer's Guide
nach weiteren Opfern durchforsten kann. Spontan entschlossen wir,
diesmal den Perseus etwas genauer unter die Lupe zu nehmen und dabei
NICHT an h+chi hängen zu bleiben. Die beiden wurden heute ausgespart!
Schließlich müssen sie nicht in jeder Herbstnacht allen anderen
wunderschönen Objekten die Schau stehlen!
Auftakt im Perseus wurde mit M34 ein recht einfach zu sehender offener
Sternhaufen, der aber dafür um so schöner ist...
Einfach prachtvoll! Bei 44x zählen wir rund 40 helle und mittelhelle
Sterne in einer auffallenden viereckig-strahlenförmigen Anordnung.Ganz zentral
in dem etwa 0,25° großen Sternhaufen steht ein auffallendes, relativ enges
Sternenpaar. Natürlich muß man so viel Schönheit auch zeichnen:
M34, 10" Newton, f=1140mm bei 44x
weiter ging es dann zur 3° südlich gelegenen Galaxie NGC1023, die sich
auch nicht lange zierte. Schon bei 44x fällt ein kleiner, rundlicher Lichtfleck
in einer kleinen Kette von Sternen auf. Bei 78x erkennt man, daß die Galaxie
oval ist und etwa 2:3 parallel zu der auffallend geraden Sternenkette ost-
west-ausgerichtet ist. Bei 114x kann man an den Spitzen der Galaxie sogar
einen schwachen Haloschimmer erkennen, vor allem bei indirektem Sehen!
Schön, wie dieses 45 Millionen Lichtjahre entfernte Sternemeer im Okular liegt.
Nach einer wärmenden Teepause geht es wieder auf die Pirsch: der offene
Sternhaufen NGC956, weder im Karkoschka noch im Night Sky Observer's Guide
verzeichnet, bleibt den digitalen teilkreisen nicht lange verborgen. Ein Abgleich
mit der Bildschirmanzeige von Cartes du Ciel zeigt: ich bin richtig gelandet!
eine etwa über einhalbes grad verlaufende, nord-süd gerichtete Sternenkette
zeigt an ihrem Nordende eine U-förmige Ausbuchtung, an deren Spitze genau
der offene Sternhaufen liegt: etwa ein Dutzend Sterne bilden einen Bogen. Bei
114x kommt dieser Sternenbogen besonders gut raus, weitere Hintergrundsterne
werden nicht mehr sichtbar. Der besondere Reiz des Objekts: Der Sternenbogen
ist wie ein Glühlampenfaden zwischen zwei hellen gelblichen Sternen eingespannt.
Als nächstes machte sich wieder galaxienfieber breit. Ob wohl NGC1003 geht?
Nun, an der vermeintlichen Stelle war definitiv nichts zu sehen, ein 5mag-Himmel
ist da wohl doch noch zu schwach. Kein Wunder, bei nur 14m4 Flächenhelligkeit!
Nun, in der Nähe befindet sich ja auch NGC891, die liegt zwar nicht mehr im
Perseus, sondern schon in der Andromeda, aber ein kurzer Ausflug in
nachbarliche Gefilde muß schon drin sein. Galaxienfieber eben. Nun, einige
zeit rumgerührt, und plötzlich, beim Bewegen des Tubus: für eine halbe Sekunde
überdeutlich im Auge. Eine quer verlaufende scharf abgegrenzte Spindel. Allerdings
konnten weder Bärbel noch ich sie nochmals so deutlich erkennen. Wohl war eine
dunkelgraue trübe, breite Spindel zu erkennen, vor allem indirekt und am besten
bei 78x, 114x war schon grenzwertig, es fehlte aber die Deutlichkeit der Konturen.
Nur knapp neben dem zentrum des nebelstreifens war ein Stern deutlich zu lokalisieren.
Für mich gehört NGC891 immer wieder zu den schwereren Objekten, auch wenn
viele mit dieser galaxie weit weniger probleme zu haben scheinen. Die Galaxie
ist im Wesentlichen nord-süd-gestreckt und fällt durch sehr, sehr niedrige Flächenhelligkeit
auf - oder eben auch nicht ;-)
Weiter geht es jetzt aber wieder im Perseus. Ein offener Sternhaufen, NGC1245. Ein
zwar kleiner, aber feiner Sternhaufen! Ist er bei 44x ein grieseliger Sternenfleck, beginnt
bei 78x schon die Auflösung in unzählige Sternestäubchen. Der Anblick bei 114x ist
noch genialer, weil das Trenenn der einzelnen Sternchen noch viel besser gelingt, man erkennt
einige mittelhelle Sterne und viele, viele - sehr viele - deutlich schwächere aber gleich helle
"Hintergrundsterne". Sie zu zählen wäre aussichtslos. Bärbel wollte nun noch unbedingt
den kleinen Hantelnebel M76 sehn. Anfangs hätte ich ihn vor lauter Unmengen von Sternen
in der Umgebung fast im Okular übersehen. Bei 44x ein kleiner länglicher nebel, bestehend aus
zwei Knötchen, mit höherer Vergrößerung und UHC wird das immer besser! Bei 114x im Bullauge
(10mm Speers Whaler mit 82° Gesichtsfeld) mit UHC einfach atemberaubend, exakt der
gleiche visuelle Anblick wie das Foto im Night Sky Observer's Guide! Es offenbart sich ein
nebel in kursiver S-Form, der südwestlichste Nebelfetzen ist der leuchtkräftigste teil des Nebels.
Schön auch die beiden ovalen parallel ausgerichteten Helligkeitszentren und der Hauch an Nebel
dazwischen.
IC348 ist ein offener Sternhaufen unmittelbar südlich von Omikron Persei, mithin also easy zu finden.
Die Umgebung ist auffallend sternarm, umsomehr sticht diese Mini-Ausgabe der Plejaden von
ihrer Form her ins Auge. Ja, auch einen Reflexionsnebel gäbe es da, wenn nicht Omikron Persei
mit seinen 3mag8 alles gnadenlos überstrahlen würde. Ich zähle ein Dutzend Sterne, die wirklich
eine Figur bilden, die spontan an die Plejaden erinnert. Zwei engere Sternenpaare in IC348
erinnern Bärbel zwar eher an Geister-Augenpaare, aber schließlich is ja auch in drei Tagen
Halloween.
Den Reflexionsnebel NGC1333 konnten wir leider gegen den himmelshintergrund bei keiner
Vergrößerung zwischen 36x und 228x ausfindig machen. Da es uns mittlerweile dann doch kühl
wurde - der Tee war auch schon leer - verstauten wir alles und dann: ab in die Heia.
Es war wieder eine super schöne Sternennacht, bei der wir beide festgestellt haben, daß, wenn man
mit verschiedensten Okular- und Filterkombinationen lange an einem Objekt verweilt, man bei
vielen Objekten einen visuellen Eindruck erreichen kann, der Schwarz-Weiß-Fotos der Obejekte
durchaus nahekommt. Ein guter Zehnzollspiegel kann also visuell schon erstaunliches leisten!
Viele Grüße und noch viel mehr so schöne und sternklare Nächte Euch allen,
Markus
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