Hallo Sternenfreunde,

wochenlange Spechtelabstinenz! Eine Schlechtwetterfront  jagt die nächste. Heissen Tagen schließen sich gewittrige Abende, teils sogar neblige Morgenstunden an. So zieht sich das ganze seit Wochen hin, in Punkto Sternenbeobachtung geht einfach nichts. Und dann dieser wieder sonnige Donnerstag, an dem die Wolken zum Abend hin nicht mehr, sondern immer weniger werden,  zu Sonnenuntergang ist der Himmel vollkommen leergeputzt! Ob das wohl so bleibt, bis es richtig dunkel wird? Bärbel und ich ließen die Entscheidung bei einer gemütlichen Tasse Espresso im Garten fallen. Ja, der Himmel schien wirklich gut zu werden! Also holte ich den äquatorial montierten 10-Zöller Lord Rosse aus dem Keller, baute alles auf, alignte die Zweiachsensteuerung und schon konnte es fast losgehn, wenn es nicht noch ein wenig zu hell wäre. Also schildere ich erst in einer kurzen Zusammenfassung, was wir in dieser Nacht alles beobachtet und skizziert haben. Bärbels Anmerkungen habe ich, wie immer, in gelb hinzugefügt.


Teleskop:
Meade Starfinder 10" Newton auf äquatorialer Montierung mit 2-Achsensteuerung und digitalen Teilkreisen
Hauptspiegelbrennweite 1140mm, Öffnungsverhältnis von 1:4,5
Strehl-Wert: >88%
Okulare: (Vergrößerungsangaben am 10"-Newton)
32mm-Plössl von Celestron (36-fache Vergrößerung)
26mm-Super-Plössl von MEADE, Serie 4000 (44-fache Vergrößerung)
~14,5mm WA Erfle von INTES
12,5mm orthoskopisches Okular von Vixen (91-fache Vergrößerung)
10mm Speers Waler von Antares (114-fache Vergrößerung)
7,5mm Speers Waler von Antares (152-fache Vergrößerung)
7mm orthoskopisches Okular von Celestron (163-fache Vergrößerung)
6,3mm-Kellner von Bresser (180-fache Vergrößerung)
5mm Eudiascopic von Baader (228-fache Vergrößerung)
Sonstiges:
2x-Barlowlinse, Celestron ultima, 3-linsiger Achromat mit Luftspalt
Baader Skyglow Filter
Astronomik UHC-Filter
Binokular:Bresser Saturn Zoom, 9-27 x 56
Zeitpunkt:         
Donnerstag, 22. Juli 2004, 22:45-00:45
Visuelle Grenzgröße:
ca. 5mag
Durchsicht:
gut
Seeing:
-
Doppelsterne:
-
Galaxien:
M31
Kugelsternhaufen:
-
Offene Sternhaufen:
M11, M16, IC4756
Gasnebel:
IC4703, NGC6960, NGC6992
Planetarische Nebel:
M57, M27
Sonstiges:
-

Begonnen haben wir, eigentlich nur, um die Ausrichtung der digitalen Teilkreise zu überprüfen, mit M57, dem Ringnebel  in der Leier.  Ja, bereits im Übersichtsokular bei 44x ist der kleine Ringel nicht  zu übersehn. Und das Kerlchen verträgt ganz schön was an Vergrößerung. Trotz UHC-Filter markiert 152x, wo man schon wunderbar die Abplattung des Rings und Helligkeitsunterschiede im Ring selber erkennen kann, noch nicht das Ende der Fahnenstange.  Allerdings hielten wir uns an M57 nicht so sehr lange auf, obschon es eines von Bärbels Lieblingsobjekten ist. Aber Bärbel hatte sich als erstes Ziel M11 auserkoren, den Wildentenhaufen, und der wurde jetzt zielstrebig ins Visier genommen. Wahnsinn, wieviel einzelne Sternchen man bereits bei 44-facher Übersichtsvergrößerung unterscheiden kann! Und der helle, bläulichweisse Stern genau in der Mitte des Haufens! Bärbel war genau so begeistert wie ich, man merkt, es ist schon gut ein Jahr her, unser letztes Treffen mit diesem besonders schönen Sternhaufen. Da mußten wir auf jeden Fall noch näher ran! Und je mehr wir die Vergrößerung steigerten, erst 78x, dann 114x, zu guter letzt dann 152x im 7,5mm Speers Waler mit seinen 84° Eigengesichtsfeld, desto plastischer und aufgelöster, desto faszinierender erschien dieses unbeschreiblich schöne Sternengewimmel. Eine Zeichnung traute sich von uns beiden keiner zu machen, so viele unzählbare Sternenfünkchen zu Papier zu bringen erschien uns beiden als schier nicht möglich. Ach ja, schön waren auch zwei etwas hellere Sternenketten innerhalb M11 auszumachen, die eine v-förmige Formation bilden. Die Sterne verteilen sich fast klumpig im Raum, und bei 152x werden mehr und mehr Hintergrundsprenkel erkennbar. Ob dieser Haufen wirklich "nur" aus 150 Sternen bestehen mag, wie es im Night Sky Observer's Guide geschrieben steht? Man mag es fast nicht glauben. Ich versuche grade, am Okular hängend, abzutaxieren, wie viele Sterne das nun wohl wirklich sein mögen, als plötzlich ein lauter Ausruf von Bärbel mich aus meinen Beobachtungen reißt: "Da, da! Eine Feuerkugel!"

Um 23:12 zog eine Feuerkugel genau von Süd nach Südsüdwest, im nördlichen Ophiuchus waagrecht über den Himmel. Die Erscheinung ist deutlich heller als die am Himmel zu sehenden hellen Sterne wie Vega, Deneb  oder Atair und hat eine auffallend orange-rote Farbe, die Leuchtkugel ist wie der Mars im Teleskop. Innerhalb zweier Sekunden zieht die Feuerkugel eine Bahn von etwa der Position von IC4665 an M12 vorbei, verschwindet dann hinter dem Nachbargiebel. Zehn Minuten Später eine weitere sehr helle Sternschnuppe von Hercules in Richtung Vega.

Weiter geht es in unserem Beobachtungsprogramm, es steht der offene Sternhaufen M16 mitsamt dem umgebenden Gasnebel IC4703 auf dem Programm. Der offene Sternhaufen ist schnell gefunden, und der UHC-Filter sorgt dafür, daß uns auch die Nebel nicht lange verborgen bleiben. "Ich seh die Fledermaus!" tanzt Bärbel ums Okular, ist ganz aus dem Häuschen, " dunkle Gebiete inmitten der Gasmassen!" Das muß ich sehen. Tatsächlich, die Nebel sind wolkig, mit schwarz dazwischen. Etwas höhere Vergrößerung - das Erfle mit seinen 83x erweist sich als optimal - zeigt dies noch deutlicher und so schwangen wir beide unabhängig voneinander den Zeichenstift, um danach unsere Resultate zu vergleichen.

    M16 bei 83x am 254/1140mm-Newton, Zeichnung: Bärbel Langlotz

M16 bei 83x am 254/1140mm-Newton, Zeichnung: Markus Langlotz

Man erkennt in beiden Zeichn ungen die S-förmige Sternenformation, deren - im Spiegelteleskop betrachtete - linkes untere Ende den eigentlichen Sternhaufen M16 markiert, sowie dazwischen eingelagerte Nebelbereiche. Deren räumliche Anordnung ist auf beiden unabhängig voneinander entstandenen Zeichnungen gleich. Auch bei 114x ist diese Anordnung der Nebelgebiete eindeutig nachvollziehbar. ein wahrlich lohnenswertes und interessantes Objekt.
Der offene Sternhaufen IC4756 ist nur was für niedrigste Vergrößerungen - bereits bei 36x im 32mm-Okular ist das ganze Bildfeld homogen mit recht hellen, bläulichweissen Sternen ausgefüllt, was natürlich auch recht spektakulär aussieht. Höhere Vergrößerungen bringen hier aber definitiv nichts an weiterer Information.
Die beiden Cirrusbögen - NGC6960 und NGC6992 im Schwan sind mit 44x und UHC-Filter wunderbar zu beobachten. Beide erstrecken sich über deutlich mehr als die 1,25° Bildfeld, der westliche Bogen ist leicht S-förmig geschwungen, der östliche, NGC6992, zieht sich aber noch deutlicher durch das Bilfdfeld, sonst kenne ich NGC6960 als den Kontrastreicheren, heute aber, das ist übrigens auch Bärbels Einschätzung, ist der Ostbogen der deutlicher und detailreicher erkennbare, der sogar Filamentstrukturen zeigt.
M31, die Andromedagalaxie, mit ihren beiden Nachbargalaxien, schwebt wie ein unwirklicher, ufoförmiger Lichtfleck im Okular, wenngleich der hiesige Kleinstadthimmel keine weiteren Details wie Spiralarme hergibt. Für uns ist M31 eine der Galaxien, bei der es am schwierigsten ist, Details auszumachen.
Zum Abschluß gab es dann noch den Hantelnebel M27, der im Zehnzöller fast schon blendend hell ist. Mit UHC kommen die Nebelstrukturen super zum Vorschein, aber auch ohne hat einen gewissen Reiz, erkennt man doch hier sehr schön Sternchen inmitten des doch recht großflächigen Nebels aufblitzen. Im  7,5mm Speers Waler mit UHC habe ich dann noch eine Zeichnung angefertigt, weil die Detailvielfalt schier überwältigend war:

M27 bei 152x mit UHC-Filter am 254/1140mm-Newton, Zeichnung: Markus Langlotz

Man konnte eindeutig sehen, daß die Hantel breiter war wie hoch, in der Mitte der Hantel selbst war der Nebel etwas dunkler, die Ränder des Nebels etwas heller, auf einer Seite weiter in den Himmel ausgreifend als auf der anderen, auf der das Ohr etwas runder wirkt. Das war nun endlich mal wieder ein gelungener Beobachtungsabend, der einen mal wieder beruhigt einschlafen ließ ob der Schönheit des gestirnten Himmels.

Viele Grüße und noch viel mehr so schöne und sternklare Nächte Euch allen,

Markus