Hallo Sternenfreunde,
Der 50. Beobachtungsbericht mit dem äquatorial montierten Zehnzollnewton Lord Rosse stand eindeutig unter dem Zeichen Astrofrust und Spechtellust. Es war ja ein wirklich nochmals klarer Spätaugustabend, an diesem Sonntag, und der Himmel zeigte sich derart ausgeputzt, daß mit einer Grenzgröße von etwa 5m3 zu rechnen war, was sich später auch als zutreffend herausstellen sollte. Bevor die Dämmerung einsetzte, brühte ich mir mit Bärbel erstmal eine Kanne Nebeltee auf - ja, sowas gibt's wirklich: ein grüner Tee aus China, der in Gegenden wächst, wo er immer im Nebel der Berghänge steckt. Dies äußert sich in besonders intensivem Aroma und einer sehr satten, dunkelgrünen Blattfarbe. Mit zunehmendem Dunklerwerden - kurz nach 22 Uhr, begann ich mit dem Alignment der Zweiachsensteuerung. Soweit alles bestens. Ein erstes Objekt angefahren, M15, um das Alignment der digitalen Teilkreise zu überprüfen landet - im Nirvana. Schwenke ich den Tubus in Deklination, zählt die Rektaszensionsanzeige hoch, beim Schwenken in RA die Deklinationsachse! ??? Nein, Verwechseln kann man da nichts, die RA-Encoder sind in die Montierung fest eingebaut. Steuerung neu aligned, gleiches Problem wieder. Hat mich da wohl der Nebeltee vernebelt? Nochmal mit anderen Referenzsternen - wieder kein Erfolg. Ich gehe das Setup durch, wälz die Bedienungsanleitung - keine Hinweise, die mich weiterbringen. Da bleibt nur noch eine Wahl: Kaltstart oder Abbauen - es ginge natürlich auch ohne digitale Teilkreise, aber es begann in mir zu gären... Also die 12V-Versorgung abgestöpselt, eine Minute gewartet, nochmals (zum mindestens sechsten Male) aligned - und siehe da: Herr Microcontroller hat seine Interruptvektoren wieder im Griff. Mittlerweile wars Dreiviertel elf und so konnte meine Reise zu den Sternen beginnen - Bärbel hatte heute das Handtuch geschmissen und sich ins Bett verkrümelt, die nachmittägliche Radeltour zeigte Wirkung.
Teleskop:
Meade Starfinder 10" Newton auf äquatorialer Montierung mit
2-Achsensteuerung und digitalen Teilkreisen
Hauptspiegelbrennweite 1140mm, Öffnungsverhältnis von 1:4,5
Strehl-Wert: >88%
Okulare: (Vergrößerungsangaben am 10"-Newton)
32mm-Plössl von Celestron (36-fache Vergrößerung)
26mm-Super-Plössl von MEADE, Serie 4000 (44-fache Vergrößerung)
~14,5mm WA Erfle von INTES (78-fache Vergrößerung)
12,5mm orthoskopisches Okular von Vixen (91-fache Vergrößerung)
10mm Speers Waler von Antares (114-fache Vergrößerung)
7,5mm Speers Waler von Antares (152-fache Vergrößerung)
7mm orthoskopisches Okular von Celestron (163-fache Vergrößerung)
6,3mm-Kellner von Bresser (180-fache Vergrößerung)
5mm Eudiascopic von Baader (228-fache Vergrößerung)
Sonstiges:
2x-Barlowlinse, Celestron ultima, 3-linsiger Achromat mit Luftspalt
Baader Skyglow Filter
Astronomik UHC-Filter
Binokular:Bresser Saturn Zoom, 9-27 x 56
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Zeitpunkt:
Sonntag, 22. August 2004, 22:45-01:30
Visuelle Grenzgröße:
ca. 5,3mag
Durchsicht:
gut bis sehr gut
Seeing:
-
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Doppelsterne:
-
Galaxien:
M31, M32, M101, M33, NGC891, NGC7331
Kugelsternhaufen:
-
Offene Sternhaufen:
M52, Czernik43, NGC7789, NGC7790, NGC7788, IC1396
Gasnebel:
NGC7635
Planetarische Nebel:
-
Sonstiges:
-
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Es war ein schon sehr herbstlich angehauchtes Beobachtungsprogramm, man merkts auch immer an Arcturus, der sich ähnlich dem Sommer schon im Westen zu verabschieden scheint. Man versucht noch, die letzten Züge des langsam scheidenden Sommers festhalten zu wollen, doch der Tau auf der Montierung und die Kühle der Nacht mit immerhin nurmehr 11°C machen einem deutlich bewußt, der Sommer ist jetzt, zumindest in unseren Gefilden, vorbei. Ein Blick zu den Sternen sagt: wieder ein Sommer, wieder ein Jahr. Ein erster Sprung in die Kühle der Nacht führt mich direkt in das unendliche Sternenmeer der Cassiopeia, zum offenen Sternhaufen M52. Schon bei 44x sieht man einen tollen, sehr konzentriert wirkenden Sternhaufen, der von einem besonders hellen, gelben Stern bewacht wird, der sich etwas ausserhalb des Haufenzentrums befindet. Bei 78x im erfle eine Wahnsinnsanzahl von Sternen, direkt südlich schließt sich der längliche, ebenfalls schön abgegrenzte Sternhaufen Czernik43 an. Den Emissionsnebel NGC7635 kann ich aber weder mit noch ohne UHC-Filter sicher bestätigen. Es könnte sein, daß oberhalb eines Sterns eine leichte Nebulosität ist, deren Sichtung betrachte ich aber als extrem unsicher, daher ist das ein für mich: nicht gesehen.
Nun folgen drei besonders sehenswerte Sternhaufen, NGC7788-7790. Vielleicht am faszinierendsten mag NGC7789 sein, der recht groß ist und bereits bei 44x unzählbar viele Sterne zeigt. Bei 78x schälen sich noch mehr Sterne aus dem Schwarz des Himmels, sie bilden fast schon eine spiralig wirkende Anordnung, das ist einfach ein extremer Anblick! Bei 114x im Speers Waler kommt bei NGC7789 eine Plastizität zum Vorschein, die ihresgleichen sucht, grade, wenn man in aller Ruhe mehrere Minuten am Okular verweilt und versucht, ganz in den Sternhaufen einzutauchen. Diesen Sternenstrudel kann man nicht beschreiben, man muß ihn gesehen haben! Da kann kein Foto mit dem visuellen Anblick mithalten. Jetzt wird es aber wirklich richtig interessant:
NGC7790 ist ein kleiner, dreieckiger und deutlich sichtbarer Sternenknoten. Betrachtet man ihn bei 78x oder noch besser, 114x, zeigt sich, daß dieser Sternhaufen sehr dicht ist und eine dreieckige Form aufweist, wobei die Spitze des Dreiecks genau nach Osten auf einen hellen gelben Stern gerichtet ist. Diese dreieckige Form wird unterstrichen durch eine handvoll im Westen stehende mittelhelle Sterne, die den Haufen noch weiter aufzufächern scheinen. Bei 152x erscheint der eng gestreute dreieckige Haufen deutlich getrennt zu der westlich stehenden Fünfergruppe; letztere scheint zumindest vom visuellen Eindruck her nicht mehr zu NGC7790 zu gehören.
Eine ganz ähnliche Beobachtung kann ich auch an dem nicht weit entfernt stehenden offenen Sternhaufen NGC7788 machen. In einen relativ großen, hell gestreuten Sternhaufen aus mittelhellen Sternen scheint zentral eine kleine, dicht gedrängte Hintergrundgruppe gebettet. Bei 152x schält sich diese noch mehr aus dem Kontext der jetzt wirklich locker stehenden hellgelben Sterne heraus: ein kleines, dichtgedrängtes Häufchen von etwa einem halben Dutzend Sternchen, gebettet in beim indirekten Sehen erkennbare Hintergrundnebulosität. Ob NGC7788 wirklich nur die kleine zentrale Gruppe ist, wie man visuell meinen könnte, oder aber ob die dramatisch weiter verstreuten helleren gelben "Umgebungssterne" auch zum Haufen gehören? Ich weiß es nicht.
Man merkt immer mehr die feuchte Kühle der Nacht, so nehme ich wieder etwas Nebeltee und suche mir dabei mein nächstes Beobachtungsziel aus. Die Entscheidung fällt auf IC1396, der bereits mit bloßem Auge als kleiner runder Nebelfleck inder Milchstraße zu sehen ist. Bei 36x im Teleskop zeigen sich viele helle, bläulichweisse Sterne, der Gasnebel ist aber trotz UHC nicht auszumachen, hierzu ist einfach das Bildfeld mit nur 1,4° zu klein.
Neben der dramatisch hellen Galaxie M31, die sich riesig durchs gesamte Bildfeld spannt, ist auch M32 als runder kompakter Galaxienkern problemlos zu sehen, und auch M101 zeigt sich schön als flächiger, leicht unruhiger Nebelkreis. da müßte eigentlich die Triangulumgalaxie M33 auch sichtbar sein. Bei 36x erkennt man einen schwach wahrnehmbaren, flächigen runden Grauschimmer., links neben einer schnurgeraden Sternenkette. Reduziere ich die Vergrößerung von 44x auf 36x, so wird der Himmelshintergrund fast schon zu hell. Ich versuch mal wieder den Skyglowfilter - und er bringt heute einen durchschlagenden Erfolg: der Kontrast wird dramatsich besser, jetzt ist bei 36x sogar eine leicht gemottelte Struktur im Galaxienkern erahnbar, der Kern selbst erscheint leicht oval, nicht kreisrund. Man merkt hier scheints die Umstellung unserer Straßenbeleuchtung auf Na-Dampflampen, die durch den Skyglow - auch wenn man ihn nur vors Auge hält - deutlich abgedämpft werden. NGC891 geht wiederum nur als sehr schwache, aber recht große Lichtnadel, für mich immer wieder eine sehr schwierige Galaxie, leicht zu finden aber sehr sehr schwer zu sehen. NGC7331 präsentiert sich bei 78x als helle Spindel mit einer leichten Unterbrechung auf etwa 1/3 der Länge. Ich habe dann auch noch versucht, etwas von Stephan's Quintett zu sehen, aber um halb Zwei Uhr nachts war ich dazu einfach zu müde.
Also habe ich all das vom Tau gut nasse Equipment verräumt und mich zu Bärbel ins vorgewärmte Bett gekuschelt...
Viele Grüße und noch viel mehr so schöne und sternklare Nächte Euch allen,
Markus